Ostdeutsches Wirtschaftsforum 2026: Merz in Bad Saarow | nachrichten360
Ostdeutsches Wirtschaftsforum: Merz in Bad Saarow erwartet – Politik und Wirtschaft beraten über die Konjunktur
Bad Saarow, 02. Juni 2026
Steffen Prößdorf / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Zum Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow wird am Dienstag Friedrich Merz (CDU) erwartet. Bei der Konferenz beraten Politiker und Wirtschaftsvertreter über die anhaltende Konjunkturschwäche der deutschen Wirtschaft und mögliche Gegenmaßnahmen.
Friedrich Merz (CDU) wird am Dienstag um 9:55 Uhr beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow erwartet, wo er eine Rede halten und im Anschluss mit Wirtschaftsvertretern über die Lage der deutschen Wirtschaft diskutieren will.
Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum hat am Sonntag in Bad Saarow im Landkreis Oder-Spree seine Arbeit aufgenommen. Seitdem beraten Regierungsvertreter mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen über Chancen und Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung – mit besonderem Blick auf die neuen Bundesländer, aber auch auf die gesamtdeutsche Konjunktur.
Am Dienstagvormittag rückt die Konferenz noch stärker in den politischen Fokus: Friedrich Merz (CDU) wird um 9:55 Uhr in Bad Saarow erwartet. Er plant, eine Rede zu halten und anschließend in einer Gesprächsrunde mit Managerinnen und Managern der Industrie über die aktuelle Lage der deutschen Wirtschaft zu sprechen.
Merz und Wildberger als politische Schwergewichte
Auch Karsten Wildberger (CDU) hat seine Teilnahme am Forum angekündigt. Damit unterstreicht die Bundesregierung die Bedeutung des Themas Digitalisierung für die wirtschaftliche Erneuerung Ostdeutschlands. Vertreter der Bundes- und Landespolitik führen damit den seit Sonntag laufenden Dialog mit der Wirtschaft fort.
Die Konferenz widmet sich laut den Organisatoren schwerpunktmäßig den Chancen und den Problemen der wirtschaftlichen Entwicklung. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, der Energiekosten, der Standortpolitik sowie der Zukunft industrieller Wertschöpfung in Ostdeutschland und den angrenzenden Regionen.
Wirtschaft im Stresstest
Der Zeitpunkt des Forums ist brisant: Die deutsche Wirtschaft kommt nach Einschätzung der Konferenzteilnehmer nicht aus ihrer Schwächephase heraus. Seit Monaten verzeichnen Industriebranchen wie die Stahl- und die Chemieindustrie rückläufige Aufträge, und auch die Konsumstimmung bleibt verhalten.
Hinzu kommen äußere Belastungsfaktoren: Die Folgen des Iran-Krieges bremsen einen möglichen konjunkturellen Aufschwung zusätzlich. Steigende Energiepreise und Unsicherheiten in den globalen Lieferketten verstärken den Druck auf die exportorientierte deutsche Industrie.
Bereits am Sonntag hatten die Manuela Schwesig und Dietmar Woidke, gemeinsam auf die dringende Notwendigkeit einer raschen Stärkung der Wirtschaft hingewiesen. Beide sehen den Bund und die Länder gleichermaßen in der Pflicht.
Länderchefs fordern rasches Handeln
Schwesig sprach sich dabei für einen Bund-Länder-Gipfel aus, an dem auch Vertreter der Wirtschaft und der Gewerkschaften teilnehmen sollten. Ziel müsse es sein, konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung der Konjunktur und zur Sicherung von Arbeitsplätzen zu verabreden.
Zugleich forderte die SPD-Politikerin weitere Entlastungen bei den Kraftstoffpreisen. Hohe Spritkosten belasteten insbesondere Pendlerinnen und Pendler sowie kleine und mittelständische Unternehmen im ländlichen Raum, erklärte sie.
Woidke wiederum unterstrich die Notwendigkeit von Reformen, um den Sozialstaat langfristig zu erhalten. Ohne tiefgreifende Modernisierung in der Renten-, Pflege- und Arbeitsmarktpolitik drohe ein Verlust an gesellschaftlichem Zusammenhalt. Beide Regierungschefs warnten zugleich vor einer möglichen Deindustrialisierung in Deutschland, sollten die politischen Antworten ausbleiben.
Halbleiter und Netzbetreiber am Tisch
An den Diskussionsrunden des Forums nehmen auch Unternehmen aus den neuen Bundesländern teil, die in strategisch wichtigen Branchen aktiv sind. Dazu zählt der Halbleiterhersteller Infineon Dresden, der als einer der großen industriellen Hoffnungsträger der Region gilt. Das Unternehmen investiert massiv in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten und steht beispielhaft für den Wandel der ostdeutschen Wirtschaftsstruktur hin zu Hightech-Industrien.
Ebenfalls vertreten ist der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission, der das Höchstspannungsnetz in großen Teilen Ostdeutschlands betreibt. Das Unternehmen spielt eine Schlüsselrolle beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Modernisierung der Energieinfrastruktur, die für die Ansiedlung energieintensiver Industrien entscheidend ist.
Mit der Beteiligung dieser beiden Unternehmen wird zugleich deutlich, welche Zukunftsfelder die Konferenz als besonders relevant einstuft: die Halbleiter- und Mikroelektronikproduktion sowie den Ausbau der Energieinfrastruktur. Beide Branchen gelten als Standortvorteile Ostdeutschlands im Wettbewerb mit anderen europäischen Regionen.
Erwartungen an die Bundespolitik
Politisch fällt das Forum in eine Phase, in der die Bundesregierung ihren wirtschaftspolitischen Kurs neu vermessen will. Nach dem Ausbleiben eines spürbaren Aufschwungs im ersten Halbjahr 2026 stehen Antworten auf steigende Energiekosten, bürokratische Belastungen und internationale Handelsrisiken ganz oben auf der Tagesordnung.
Beobachter erwarten, dass Merz in seiner Rede in Bad Saarow konkrete wirtschaftspolitische Signale senden wird. Im Vordergrund dürften Standortpolitik, beschleunigte Genehmigungsverfahren und Investitionen in Schlüsseltechnologien stehen. Die anschließende Diskussion mit Wirtschaftsvertretern wird zeigen, wie groß der Konsens zwischen Politik und Unternehmen über die nächsten Schritte tatsächlich ist.
Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum gilt seit Jahren als wichtiges Treffen von Politik und Wirtschaft mit Blick auf die Entwicklung in den neuen Bundesländern. In diesem Jahr gewinnt die Veranstaltung durch die anhaltende Konjunkturschwäche und die geopolitischen Spannungen zusätzlich an Gewicht. Die Erwartungen an Antworten aus Berlin und aus den Ländern sind entsprechend hoch.
Fragen & Antworten
Wer nimmt am Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow teil?
Am Forum nehmen seit Sonntag Regierungsvertreter sowie Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen teil. Am Dienstag werden unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (beide CDU) erwartet.
Welche wirtschaftspolitischen Forderungen wurden auf dem Forum erhoben?
Die Ministerpräsidenten Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) und Dietmar Woidke (Brandenburg) forderten am Sonntag eine rasche Stärkung der Wirtschaft, unter anderem durch einen Bund-Länder-Gipfel und Entlastungen bei den Kraftstoffpreisen.
Warum findet das Forum ausgerechnet jetzt statt?
Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung der Teilnehmer in einer anhaltenden Schwächephase, die durch die Folgen des Iran-Krieges zusätzlich belastet wird. Vor diesem Hintergrund sucht die Politik den Dialog mit Unternehmen aus strategisch wichtigen Branchen wie der Halbleiterfertigung und der Energieinfrastruktur.