Kanzleramt weist Spekulationen um Merz-Nachfolge scharf zurück
Berlin, 29. Mai 2026
Steffen Prößdorf / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Das Kanzleramt hat Spekulationen über eine mögliche Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz scharf zurückgewiesen. Während die Koalition an Reformplänen arbeitet, nannten Vertreter der Union die Debatte 'Unsinn' und warnten vor einer 'gefährlichen Lust an der Zündelei'.
Die Bundesregierung hat am Donnerstag in Berlin Spekulationen über eine mögliche Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) entschieden zurückgewiesen und zur Konzentration auf anstehende Reformen aufgerufen.
Kanzleramt: 'Alle anderen Themen sind nicht relevant'
Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte vor Journalisten, die Bundesregierung und der Bundeskanzler seien auf den Reformprozess konzentriert. "Das ist das Thema, das im Mittelpunkt der Arbeit steht. Alle anderen Themen sind nicht relevant", sagte Kornelius.
Zuvor hatten Medien über interne Überlegungen in der Union berichtet, ob Merz angesichts der schwierigen Lage der schwarz-roten Koalition durch einen anderen Politiker ersetzt werden könnte. In diesem Zusammenhang war auch der Name des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und CDU-Landesvorsitzenden Hendrik Wüst gefallen.
Aus dem Kanzleramt hieß es am Mittwoch, die Idee zeuge von einer "gefährlichen Lust an der Zündelei". Man versuche, eine aufkommende parteiinterne Debatte um Merz im Keim zu ersticken.
Sven Schulze: 'Das ist wirklich Unsinn'
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) wies die Spekulationen ebenfalls entschieden zurück. "Dieses Gerücht, was da jetzt durch die Medien in Berlin verbreitet wird, das ist Unsinn", sagte Schulze dem MDR Aktuell. Er sitze in den Gremien, über die in den Berichten zu angeblichen Nachfolgeplänen geschrieben werde. "Das ist wirklich Unsinn, was da aufgebracht wurde."
Schulze, der auch Mitglied des CDU-Präsidiums ist, räumte ein, dass es innerhalb der Union Kritik an einzelnen Vorhaben der Bundesregierung gebe, etwa in der Rentenpolitik. "Das heißt aber nicht, dass man den Kanzler in seiner Person infrage stellt oder dass irgendjemand hier in Deutschland vorhat, ihn zu stürzen", betonte er.
Der Ministerpräsident fügte hinzu, eine Debatte über eine Ablösung des Kanzlers habe es nie gegeben, "auch nicht in internen Kreisen". Hendrik Wüst werde im nächsten Jahr wieder als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen kandidieren, und "Bundeskanzler Merz ist unser Bundeskanzler in Deutschland".
Unterstützung erhielt Merz auch vom früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. "Ich glaube, dass er der richtige Kanzler in dieser Zeit ist. Auch wenn er es im Augenblick schwer hat, weil die Zeiten schwierig sind", sagte Koch in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". Er sei seit mehr als drei Jahrzehnten ein sehr guter persönlicher Freund von Merz.
Rückendeckung von Koch und Frei
Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) warnte in der Sendung "Maybrit Illner" vor weiteren Personaldebatten. "Ich will vor allen Dingen eine solche unfruchtbare Debatte nicht weiter verlängern. Das bringt uns doch nirgendwo hin", sagte Frei. Er räumte schlechte Umfragewerte für die Regierung ein, betonte aber: "Das lösen wir doch nicht dadurch auf, dass wir über Personen quatschen."
Regierungssprecher Kornelius rief dazu auf, sich an der Sache zu orientieren und Nebendebatten möglichst vorbeirauschen zu lassen. Alle Beteiligten wüssten, dass wichtige Entscheidungen bevorstünden, auf die zielgenau hingearbeitet werden solle.
Reformgipfel als Gegenprogramm
Am Donnerstag trafen sich Vertreter der Bundesregierung, der Arbeitgeber und der Gewerkschaften im Kanzleramt zu Gesprächen über die von der Koalition geplanten Reformen. Das Treffen diente als Vorbesprechung für einen Reformgipfel, der für den 10. Juni mit Spitzenvertretern der Koalition und der Sozialpartner geplant ist.
In der Einladung zu dem Gipfel, die der Deutschen Presse-Agentur auszugsweise vorliegt, heißt es, Wachstum und Beschäftigung sollten im Mittelpunkt stehen. "Die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei nicht zufriedenstellend, äußere wie innere Faktoren belasteten Wettbewerbsfähigkeit und Wachstumsaussichten", wird darin festgestellt.
Die Einladung fordert "mutige und entschlossene Reformen". Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Jahren in einer Schwächephase. Aufgrund der Auswirkungen des Iran-Krieges wird in diesem Jahr nur mit minimalem Wachstum gerechnet, zudem drohen Preissprünge bei Öl und Gas.
Wirtschaftsverbände beklagen seit langem hohe Energiepreise, eine hohe Steuerbelastung und zu viel Bürokratie. Vorschläge wie flexiblere Arbeitszeiten sind zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern umstritten.
Wirtschaft in der Krise – Reformdruck wächst
Die Bundesregierung strebt bis Mitte Juli Entscheidungen über ein großes Reformpaket an. Zu den Kernthemen gehören die Rente und steuerliche Entlastungen.
Am Montag wird Merz zu einer internen Klausur der nordrhein-westfälischen CDU in Meschede im Sauerland erwartet, an der auch Hendrik Wüst teilnehmen wird. Nach Angaben aus CDU-Kreisen ist die zweitägige Veranstaltung seit Monaten geplant. Merz habe als CDU-Bundesvorsitzender zugesagt, als Gast eine Rede zu halten.
Klausur in Meschede – 'nichts mit der aktuellen Lage zu tun'
Aus CDU-Kreisen wurde betont, das Treffen in Meschede habe "nichts mit der aktuellen Lage zu tun". Die schwarz-rote Bundesregierung ist seit rund einem Jahr im Amt. Umfragen zufolge sind die Zustimmungswerte für Merz ebenso schlecht wie die Zufriedenheit mit der Koalition.
In Sachsen-Anhalt wird im September ein neuer Landtag gewählt. Umfragen zufolge könnte die AfD dort starke Stimmengewinne erzielen.
Fragen & Antworten
Wer ist Hendrik Wüst und warum wurde sein Name genannt?
Hendrik Wüst ist der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und CDU-Landesvorsitzender. Sein Name fiel in Medienberichten als möglicher Kanzlerkandidat, falls Friedrich Merz abgelöst würde.
Was hat Sven Schulze zu den Spekulationen um Merz gesagt?
Sven Schulze, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt und CDU-Präsidiumsmitglied, nannte die Gerüchte 'Unsinn' und betonte, eine solche Debatte habe es auch in internen Kreisen nie gegeben.
Welche Reformen plant die Bundesregierung?
Die Bundesregierung strebt bis Mitte Juli ein großes Reformpaket an, das unter anderem die Rente und steuerliche Entlastungen umfassen soll. Ein Reformgipfel mit Sozialpartnern ist für den 10. Juni geplant.