Microsoft bestätigt größten Umbau der Xbox-Geschichte: 3.200 Stellen fallen weg, Studios werden verkauft
Redmond, 06. Juli 2026
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Kurzfassung
Microsoft hat den bislang größten Umbau seiner Gaming-Sparte bestätigt: Rund 3.200 Stellen sollen bei Xbox wegfallen, weitere 1.600 binnen eines Jahres. Xbox-Chefin Asha Sharma sprach von einer Neuausrichtung und kündigte zugleich den Verkauf mehrerer Studios an.
Microsoft hat am Montag den bislang größten Umbau seiner Videospiele-Sparte Xbox bestätigt und streicht rund 3.200 Arbeitsplätze, während mehrere Studios verkauft werden sollen.
Sharma spricht von „bedeutendstem Umbau der Xbox-Geschichte"
Nach wochenlangen Spekulationen hat Xbox-Chefin Asha Sharma in einer E-Mail an die Belegschaft angekündigt, dass Microsofts Gaming-Sparte drastisch verkleinert und neu aufgestellt wird. Der Schritt umfasst unmittelbar 1.600 Stellenstreichungen sowie weitere 1.600 im Laufe der nächsten zwölf Monate. Insgesamt entspricht das nach Unternehmensangaben etwa einem Fünftel der Xbox-Belegschaft.
Sharma schrieb, das Geschäft sei "heute nicht gesund", die Gewinnmargen lägen unter denen vergleichbarer Plattform- und Publisher-Unternehmen. Die Gewinnspanne der Gaming-Sparte sei auf 3 Prozent geschrumpft. Es handle sich um "den bedeutendsten Umbau der Xbox-Geschichte", erklärte die Managerin. Sharma ist nach Unternehmensangaben die neue Chefin der Sparte.
Unternehmensweit 4.800 Stellen betroffen
Die Entscheidungen seien "schmerzhaft" und spiegelten "nicht das Talent oder die Hingabe" der betroffenen Mitarbeiter wider, schrieb Sharma. "Im Zuge des Resets von Xbox werden wir die Dinge vereinfachen." Zugleich betonte sie, dass keines der bereits angekündigten "First-Party-Spiele" eingestellt werde; Aufwendungen würden gegebenenfalls zugunsten "höher priorisierter" Titel umverteilt.
Microsoft Personalchefin Amy Coleman bezifferte die unternehmensweiten Stellenstreichungen in einem Memo auf insgesamt 4.800 Stellen. Rechnet man die 1.600 sofort entfallenen Xbox-Posten heraus, bleiben für den Rest von Microsoft also 3.200 gestrichene Arbeitsplätze. Diese betreffen laut Unternehmen die "Commercial Business"-Sparte für den Geschäftskundenvertrieb.
Hintergrund: Sparkurs für KI-Investitionen
Die Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Sparkurses: Microsoft will im laufenden Jahr rund 190 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Vor allem Cloud-Anbieter wie Microsoft, Google oder Amazon Web Services stehen wegen steigender Kosten für den Aufbau neuer Rechenzentren unter Sparzwang. Der Bauboom bei Rechenzentren treibt zugleich die Preise für Computerchips in die Höhe und dämpft das Videospiele-Geschäft des Konzerns.
2026 ist bereits das dritte Jahr in Folge, in dem Microsoft zum Ende des Geschäftsjahres im Sommer Stellen abbaut, um Mittel für Investitionen in Künstliche Intelligenz freizuschlagen. In den vergangenen Monaten haben US-Technologiekonzerne nach Angaben des Portals Layoffs.fyi rund 120.000 Jobs abgebaut. Zuvor hatte Microsoft 9.000 Beschäftigten Abfindungen angeboten.
Studios werden verkauft, nicht geschlossen
Parallel zu den Entlassungen sollen mehrere Entwicklerstudios verkauft werden. Compulsion Games, das Studio hinter "South of Midnight", und Double Fine ("Psychonauts") sollen von ihren jeweiligen Gründern zurückgekauft werden. Für Ninja Theory, das Studio hinter "Hellblade", wird noch ein Käufer gesucht. Das Studio habe Sharma zufolge zugestimmt, von Microsoft ausgegliedert zu werden. Auch Undead Labs ("State of Decay") soll auf gleiche Weise verkauft werden, den dritten Teil der Zombie-Survival-Reihe will Microsoft vorerst weiter finanzieren.
Microsoft will den verkauften Studios ihr gesamtes geistiges Eigentum übertragen, einschließlich der Rechte an bereits veröffentlichten Spielen. Zudem ist eine Anschubfinanzierung in nicht genannter Höhe für aktuelle Entwicklungen vorgesehen. Für Ninja Theory bestätigte Sharma ausdrücklich die Finanzierung laufender Projekte wie den dritten Teil der Hellblade-Reihe "Senua". Dieser Titel ist für 2027 angekündigt.
Komplizierter ist die Lage beim französischen Teil des Studios Arkane, das derzeit an "Marvel's Blade" arbeitet. Das Management befinde sich noch in der "erforderlichen Konsultation mit dem Betriebsrat". Für Arkane würden "strategische Optionen" geprüft. Sharmas E-Mail zufolge sind keine Studioschließungen vorgesehen; vielmehr sollen einige der Firmen verkauft werden.
Schlankere Hierarchie mit drei bis fünf Ebenen
Im Zuge des Umbaus sollen die Studios Mojang und King künftig direkt von Asha Sharma geführt werden. Das ist Teil einer deutlichen Verschlankung der Hierarchie: Manche Entscheidungen durchliefen bisher bis zu 14 Managementebenen, künftig sollen es höchstens fünf, im Idealfall nur drei sein. Nach dem "Reset" solle es nur noch drei bis fünf Management-Stufen geben.
Microsoft hatte erst Ende 2023 den Videospiel-Konzern Activision Blizzard für rund 69 Milliarden Dollar übernommen, um das Xbox-Geschäft zu stärken. Die Sparte kämpft trotzdem mit Problemen. Game Pass, die Multiplattform-Strategie und der Ausbau des Spieleportfolios hätten zwar "einen bedeutenden Mehrwert geschaffen", seien aber "nicht in dem Tempo gewachsen, das wir erwartet hatten", erklärte Sharma.
Activision-Blizzard-Deal und Hardware-Krise
Gleichzeitig stehe die Branche vor "der schwersten Hardware-Krise ihrer Geschichte". Der Konzern musste unlängst die Preise für die Xbox-Konsole anheben, obwohl deren Absatz bereits schwächelte. Die nächste Microsoft-Konsole, bisher als "Project Helix" bekannt, erwähnt Sharma in ihrem aktuellen Memo nicht.
Für das Jahr 2027 stellte Sharma ausdrücklich eine Rückkehr auf Wachstum in Aussicht. Das Unternehmen wolle bereits in diesem Jahr ähnlich viel investieren wie bisher, künftig jedoch "mit größerer Disziplin und größerer Klarheit". "Deshalb müsse Xbox neu aufgestellt werden", schrieb sie an die Beschäftigten.
Ausblick: Rückkehr auf Wachstum bis 2027
Die jüngsten Analysteneinschätzungen zu Microsoft fallen unterdessen weiterhin überwiegend positiv aus: RBC Capital Markets, Barclays, Jefferies, UBS und die DZ BANK bewerten die Aktie mit "Outperform", "Overweight", "Buy" oder "Kaufen". Die Stellenausdünnung ist Teil einer breiteren Umverteilung von Mitteln innerhalb des Konzerns, weg von Gaming hin zu KI.
Bereits vor drei Wochen hatte The Verge berichtet, dass Ninja Theory vor der Schließung stehen könnte. Mit der Bestätigung vom Montag und der Suche nach einem Käufer geht Microsoft einen anderen Weg. Die Übernahme von Activision/Blizzard und die damit verbundenen Strukturen hatten die Xbox-Sparte seit Ende 2023 stark vergrößert; zugleich waren dort bereits tausende Stellen abgebaut worden.
Der Stellenabbau bei Microsoft reiht sich ein in einen Trend, der die gesamte US-Technologiebranche erfasst hat. Allein die auf Layoffs.fyi dokumentierten Jobverluste der vergangenen Monate summieren sich auf rund 120.000 Stellen. Bei Microsoft kommen die Einschnitte im Gaming-Bereich nun zu den ohnehin geplanten Restrukturierungen im Konzern hinzu.
Die E-Mail Sharmas an die Belegschaft wurde am Montag verschickt und unmittelbar von mehreren US-Medien veröffentlicht. Microsoft bestätigte am selben Tag die bereits im Vorfeld bekannt gewordenen Pläne für Stellenstreichungen und Studioverkäufe. Mit dem Umbau soll Xbox nach den Worten der Chefin bis 2027 wieder auf Wachstumskurs gebracht werden.
Fragen & Antworten
Wer ist Asha Sharma?
Asha Sharma ist nach Unternehmensangaben die neue Chefin von Microsofts Gaming-Sparte Xbox und hat den Umbau in einer E-Mail an die Belegschaft angekündigt.
Wie viele Stellen baut Microsoft bei Xbox ab?
Bei Xbox fallen laut Microsoft zunächst 1.600 Stellen sofort weg, weitere 1.600 sollen innerhalb der nächsten zwölf Monate gestrichen werden – insgesamt rund 3.200 oder etwa ein Fünftel der Xbox-Belegschaft.
Welche Studios werden verkauft?
Microsoft will unter anderem Compulsion Games („South of Midnight") und Double Fine („Psychonauts") an ihre Gründer verkaufen; für Ninja Theory („Hellblade") und Undead Labs („State of Decay") wird ebenfalls ein Käufer gesucht.
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