Lindsey Graham im Alter von 71 Jahren gestorben – Weggefährte Trumps und Unterstützer der Ukraine
Washington, 12. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Der US-Senator Lindsey Graham ist am Samstagabend im Alter von 71 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. International trauern Verbündete um den einflussreichen Republikaner, der zuletzt den Vorsitz im Haushaltsausschuss des Senats innehatte.
Der republikanische US-Senator Lindsey Graham aus South Carolina ist am Samstagabend im Alter von 71 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben, wie sein Büro über die Plattform X mitteilte.
Politische Laufbahn seit den 1990er Jahren
Die Nachricht vom Tod des Senators löste in Washington und bei internationalen Verbündeten umgehende Reaktionen aus. Grahams Büro erklärte, er sei am Samstagabend einer kurzen und plötzlichen Erkrankung erlegen. Er wurde 71 Jahre alt und hatte erst am Donnerstag seinen Geburtstag gefeiert.
Graham war eine der prägendsten Gestalten der US-Politik der vergangenen Jahrzehnte. Seit 2002 gehörte er dem Senat an, zunächst ab 2003 nach offiziellen Angaben seines Büros. Er vertrat den Bundesstaat South Carolina, für den er bereits ab Mitte der 1990er Jahre im Repräsentantenhaus in Washington saß. Drei Mal wurde er wiedergewählt, 2008, 2014 und 2020. Zuletzt hatte er den Vorsitz im Haushaltsausschuss des Senats inne und plante, bei den wichtigen Kongresswahlen im November für eine fünfte Amtszeit zu kandidieren.
Sein politisches Profil war von einer ausgeprägten außen- und sicherheitspolitischen Haltung geprägt. Graham galt als scharfer Kritiker Russlands und des Krieges gegen die Ukraine. Erst wenige Tage vor seinem Tod, am Freitag, hatte er in Kyjiw mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Unterstützung des Weißen Hauses für ein neues Sanktionspaket gegen Russland verkündet. Nach Angaben Selenskyjs handelte es sich um Grahams zehnten Besuch in der Ukraine seit Beginn der großangelegten russischen Invasion. In einer Videobotschaft aus Kyjiw hatte der Ukrainer dem Senator noch am Donnerstag zum Geburtstag gratuliert; Graham antwortete: "Gut. Älter. Älter. Aber nicht klüger."
Gleichzeitig galt Graham als langjähriger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump, eine Verbindung, die auf eine bemerkenswerte Kehrtwende folgte. Noch 2015, im Vorlauf der republikanischen Vorwahlen, hatte er Trump als "rassistischen Hetzer, Fremdenfeind und religiösen Fanatiker" bezeichnet. Auf CNN sagte er damals: "Wissen Sie, wie man Amerika wieder großartig macht? Sagen Sie Donald Trump, er soll zur Hölle fahren." Auch warnte er seine Partei: "Wenn wir Donald Trump nominieren, werden wir zerstört – und wir werden es verdient haben."
Wandel vom Trump-Kritiker zum Vertrauten
Doch nach der Niederlage Trumps in der Vorwahl gegen Hillary Clinton wandelte sich das Verhältnis grundlegend. Regelmäßige Golfpartien, über die auch die New York Times berichtete, festigten eine Nähe, die Graham politisch in das Lager Trumps führte. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 brach er kurz mit Trump und erklärte: "Ich bin raus. Genug ist genug." Nur wenige Wochen später stimmte er jedoch im Amtsenthebungsverfahren für einen Freispruch Trumps. Später verteidigte er den Präsidenten im Senat und trug zur Mehrheitsbildung für dessen richterliche Ernennungen bei. Auf X schrieb er im Rückblick: "Auf beruflicher Ebene bin ich stolz darauf, von Anfang an dabei gewesen zu sein, als Präsident Trump – allein durch seine Willenskraft – das größte politische Comeback in der amerikanischen Geschichte geschafft hat."
Präsident Trump würdigte Graham noch am Wochenende in einer Erklärung auf Truth Social: "Senator Lindsey Graham, einer der grossartigsten Menschen und Senatoren, die ich je gekannt habe, ist tot! Er war immer am Arbeiten und war ein wahrer amerikanischer Patriot. Lindsey wird uns sehr fehlen!!!" Bereits 2018 hatte Trump gesagt: "Lindsey war früher ein großer Feind von mir, und jetzt ist er ein guter Freund von mir. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich mag ihn wirklich sehr." Trump hatte Graham für die kommende Senatswahl seine "uneingeschränkte und volle Unterstützung" zugesichert.
Internationale Reaktionen auf den Tod
International löste Grahams Tod zahlreiche Beileidsbekundungen aus. Der ukrainische Präsident Selenskyj erklärte, er sei "zutiefst betrübt" und fügte hinzu: "Amerika und die Welt haben einen entschlossenen Anführer verloren." Er habe den Senator "zehnmal" in der Ukraine empfangen, und Graham habe "unserem Volk zur Seite" gestanden, "als dies am dringendsten nötig war". Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, würdigte Grahams Engagement mit den Worten: "Senator Graham hat bis zum Schluss gekämpft, um den Kampf der Ukraine für Freiheit zu unterstützen und die Kosten von Russlands Angriffskrieg in die Höhe zu treiben." Sie ergänzte, er habe eng mit der Europäischen Union koordiniert: "Er wird sehr vermisst werden."
NATO-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete Graham als "starken Fürsprecher Amerikas", der fest an das transatlantische Bündnis geglaubt und sich aktiv für ein Ende des russischen Krieges gegen die Ukraine eingesetzt habe. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X, er sei von Grahams Tod "betroffen". Graham sei ein "wahren Freund und ein Partner Deutschlands im transatlantischen Bündnis" gewesen und habe "mehr als vier Jahrzehnte an der Seite Deutschlands gestanden". Auf X fügte Merz hinzu: "I will miss him."
Auch aus Israel kamen Trauerbekundungen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kondolierte auf X und erklärte, Israel habe einen seiner "besten Freunde" verloren. Verteidigungsminister Israel Katz schrieb, Graham habe "in den schwierigsten Momenten an der Seite Israels gestanden". Der litauische Außenminister Kęstutis Budrys würdigte Grahams Wirken mit den Worten: "Sein Engagement für die Werte der Demokratie, der Sicherheit und der internationalen Partnerschaft brachte ihm den Respekt und die Dankbarkeit vieler Menschen in ganz Europa ein."
Bereits im Februar war Graham im Umfeld der Münchner Sicherheitskonferenz bei einer Großveranstaltung der iranischen Exilopposition aufgetreten. Er setzte sich dort nach Darstellung von Bundeskanzler Merz für einen Regimewechsel in Teheran ein. Gegenüber dem Iran vertrat Graham nach eigenem Bekunden eine Politik der "maximalen Härte". Schon zuvor hatte er den Irakkrieg verteidigt und sich konsequent für ein hartes Vorgehen gegen den Iran ausgesprochen.
Letzte diplomatische Aktivitäten
In seinen letzten Lebenstagen war Graham noch als Vermittler gegenüber Peking aktiv. Am Freitag erklärte er, China könne eine entscheidende Rolle dabei spielen, Russland zu Friedensgesprächen zu bewegen und den Krieg in der Ukraine zu beenden. Eine Woche nach seinem Besuch in Kyjiw war für Sonntag ein Interview im US-Fernsehen geplant, das nun nicht mehr stattfinden wird.
Grahams persönlicher Werdegang war von einem ungewöhnlichen Aufstieg geprägt. Er wuchs in einfachen Verhältnissen in South Carolina auf, wo seine Eltern das "Sanitary Cafe" in Central betrieben, ein Lokal mit Bierbar, Billardraum und Spirituosenverkauf. Beide Eltern starben, als Graham in seinen frühen Zwanzigern war, innerhalb von 15 Monaten. Danach übernahm er die Vormundschaft für seine damals 13-jährige Schwester Darline. Er war der Erste in seiner Familie, der einen Hochschulabschluss erwarb, und diente später als Militärjurist in der US-Luftwaffe, unter anderem an der Rhein-Main Air Base nahe Frankfurt. Zeit seines Lebens blieb Graham unverheiratet und kinderlos, er lebte zuletzt in Seneca in South Carolina.
Persönlicher Hintergrund und familiäre Bitte
Sein offizielles Biografieprofil beschreibt ihn mit den Worten: "Lindsey Graham hat sich den Ruf als konservativer Problemlöser und als einer der entschiedensten Verfechter einer starken Landesverteidigung erworben" und als jemand, der "konsequent auf Ergebnisse im Krieg gegen den Terror gedrängt" habe, "die unsere langfristigen nationalen Sicherheitsinteressen schützen". Seiner Familie bat um Gebete und Privatsphäre: "Die Familie von Senator Graham ist dankbar für die Gebete und bittet in dieser unglaublich schwierigen Zeit um Privatsphäre."
Mit Graham verliert der US-Senat eine Stimme, die das transatlantische Bündnis über Jahrzehnte mitgeprägt hat – in der Verteidigungspolitik gegenüber Russland, in der Unterstützung Israels, im harten Kurs gegen den Iran. Dass er wenige Tage vor seinem Tod noch in Kyjiw die Sanktionspolitik gegenüber Moskau persönlich vorantrieb, unterstreicht die außenpolitische Dimension seines Wirkens, die jetzt auch die Trauerreden aus Europa und der Ukraine dominiert.
Der Beitrag wurde am 12. Juli 2026 von Deutschlandfunk ausgestrahlt.
Fragen & Antworten
Wer war Lindsey Graham und welche Ämter bekleidete er?
Lindsey Graham war US-Senator für den Bundesstaat South Carolina und gehörte dem Senat seit 2002 an, zunächst ab 2003. Zuletzt war er Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Senats und plante eine erneute Kandidatur bei den Kongresswahlen im November.
Wie kam es zu Grahams Kehrtwende gegenüber Donald Trump?
Graham hatte Trump 2015 noch scharf als "rassistischen Hetzer, Fremdenfeind und religiösen Fanatiker" kritisiert. Nach Trumps Wahlsieg 2016 wandelte sich das Verhältnis, regelmäßige Golfpartien festigten die Nähe, sodass Graham später zu einem der engsten Verbündeten Trumps im Kongress wurde.
Welche Rolle spielte Graham in der Ukraine-Politik?
Graham galt als scharfer Kritiker Russlands und setzte sich für verschärfte Sanktionen gegen Moskau ein. Wenige Tage vor seinem Tod kündigte er in Kyjiw gemeinsam mit Präsident Selenskyj ein neues Sanktionspaket des Weißen Hauses gegen Russland an – es war sein zehnter Besuch in der Ukraine seit Kriegsbeginn.
Lindsey Graham tot: Senator stirbt mit 71 Jahren | nachrichten360