Der republikanische US-Senator Lindsey Graham ist am Samstagabend (Ortszeit) im Alter von 71 Jahren nach kurzer und schwerer Krankheit gestorben, wie sein Büro am frühen Sonntag mitteilte.

Wie der Kommunikationsdirektor seines Büros in einem Beitrag auf X bekannt gab, verstarb der aus South Carolina stammende Politiker am Samstagabend nach kurzer und schwerer Krankheit. Die Mitteilung trug den Titel „Statement from the Office of U.S. Senator Lindsey Graham (R-South Carolina).“ und wurde unter dem Konto @LindseyGrahamSC auf der Plattform X sowie auf Facebook veröffentlicht.

Mitteilung des Büros und Reaktion der Familie

Darin heißt es: „Senator Graham's family appreciates prayers at this time and asks for privacy during this incredibly difficult period.“ In einer weiteren Stellungnahme bat seine Familie „alle, die für sie beten“ und forderte „um Respekt für ihr Privatleben in dieser extrem schwierigen Zeit“ auf. Grahams Büro machte keine Angaben zur genauen Todesursache.

Graham war seit 2003 Senator des Bundesstaats South Carolina und vertrat den US-Bundesstaat damit fast ein Vierteljahrhundert im Senat in Washington. Bei seinem Tod war er auf dem Weg in eine fünfte Amtszeit. Zuvor war er laut seiner Website 1994 für den dritten Kongresswahlbezirk von South Carolina in das US-Repräsentantenhaus gewählt worden.

Politische Laufbahn in South Carolina

Der Politiker galt über Parteigrenzen hinweg als einflussreiche Stimme in der Außen- und Sicherheitspolitik. Er war als „defence hawk“ bekannt, der nach eigener Darstellung auf seiner Website „consistently pushed for outcomes in the War on Terror that protect our long-term national security interests“.

Harte Linie in der Außenpolitik

In der Außenpolitik vertrat Graham über Jahre eine harte Linie gegenüber Russland und Iran. Bereits als Mitglied des Repräsentantenhauses in den 1990er Jahren unterstützte er Politiken, die auf eine Isolierung Irans und eine Begrenzung dessen Raketen- und Nuklearprogramme abzielten. Er galt als „longtime hawk on Iran“.

Wandel vom Kritiker zum Vertrauten Trumps

Zu Beginn seiner Karriere war Graham ein lautstarker Kritiker von US-Präsident Donald Trump, bevor er zu einem seiner loyalsten Verbündeten auf dem Capitol Hill wurde. Während des Wahlkampfs 2016 bewarb er sich kurz um die republikanische Präsidentschaftsnominierung, wechselte jedoch anschließend auf die Seite Trumps und entwickelte sich zu einem engen Vertrauten.

Laut US-Medienberichten war Graham gerade von einer Reise aus der Ukraine zurückgekehrt, als er erkrankte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte dem Republikaner für seinen zehnten Besuch in dem von Russland angegriffenen Land gedankt und Aufnahmen von dem Treffen verbreitet.

Letzte Reise in die Ukraine und Sanktionen gegen Russland

Am selben Samstag hatte Graham mit einem republikanischen und zwei demokratischen Kollegen eine Einigung auf verschärfte Sanktionen gegen Russland erzielt. Erst am Freitag hatte er zudem eine Vereinbarung mit der Trump-Regierung über das weitere Vorgehen bei einem Sanktionspaket gegen Moskau bekannt gegeben. Zuletzt hatte er im US-Senat eine Einigung auf neue Sanktionen gegen Moskau ausgehandelt.

Graham unterstützte den von Trump getroffenen Beschluss, in der Vergangenheit iranische Nuklearanlagen anzugreifen. Er beriet Trump in außenpolitischen Fragen, insbesondere im Hinblick auf den Iran und Russland. Zudem sprach er häufig mit dem Präsidenten und war regelmäßig mit ihm auf dem Golfplatz.

Auftritte bei der Münchner Sicherheitskonferenz

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Graham wiederholt durch seine Auftritte bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Er war ein häufiger Gast der Konferenz und trat im Februar am Rande der Veranstaltung bei einer Großveranstaltung der iranischen Exil-Opposition auf.

Auch im Senat galt Graham als Kritiker des Kriegs gegen die Ukraine. Seine wiederholten Reisen in das Krisengebiet und seine jüngsten Sanktionsinitiativen machten ihn zu einer der sichtbarsten Stimmen in den Bemühungen des Kongresses, die Unterstützung für Kiew zu organisieren.

Persönliches aus seinem Leben wurde nur wenig bekannt. Graham war nicht verheiratet und lebte zuletzt in Seneca im US-Bundesstaat South Carolina. Ein für den Tag seines Todes geplantes Interview beim Sender NBC News konnte nicht mehr stattfinden, wie der Sender mitteilte.

Sein Tod reiht sich in eine Phase gesundheitlicher Rückschläge unter republikanischen Politikern in Washington ein. So war der republikanische Kongressabgeordnete Tom Kean Jr. aus New Jersey monatelang ohne Erklärung abwesend, ehe er seine Rückkehr mit einer Depressionsdiagnose erklärte. Zudem wurde der republikanische Senator Mitch McConnell aus Kentucky vor wenigen Wochen aus nicht näher genannten gesundheitlichen Gründen in ein Krankenhaus eingeliefert.

Gesundheitliche Rückschläge unter Republikanern

Die Todesnachricht wurde unter anderem von der dpa und der APA aufgegriffen und am 12. Juli 2026 verbreitet. Auch der Deutschlandfunk berichtete in seinem Programm über den Tod des Senators. Grahams Tod wird in Washington sowohl in der republikanischen Partei als auch in den Reihen der Demokraten als schmerzlicher Verlust gewürdigt.

In einer ersten Reaktion würdigten Weggefährten Graham als einen Senator, der in außenpolitischen Fragen kompromisslos, im Senat jedoch über Jahre hinweg geschätzt und respektiert war. Sein Tod hinterlässt in South Carolina, im Senat und in der republikanischen Partei eine Lücke, die kurz vor den kommenden Wahlen nur schwer zu schließen sein dürfte.