Trump droht Verbündeten auf NATO-Gipfel in Ankara – und beschwört am Ende Liebe und Einheit
Ankara, 09 Juli 2026
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Kurzfassung
Beim NATO-Gipfel in Ankara hat US-Präsident Donald Trump Bündnispartner angegriffen, mit Handelsstopp gegen Spanien gedroht und Grönland erneut als unverzichtbar für die westliche Sicherheit bezeichnet. Zugleich beschwor er am Ende Harmonie, und Bundeskanzler Friedrich Merz lobte ein Ergebnis, das alle Erwartungen übertreffe.
Ankara, 09 Juli 2026
Beim NATO-Gipfel in Ankara hat US-Präsident Donald Trump Bündnispartner massiv unter Druck gesetzt, mit Handelssanktionen gegen Spanien gedroht und Grönland als sicherheitspolitisch unverzichtbar bezeichnet, ehe er am Ende des Treffens demonstrativ von Liebe und Einheit sprach.
Angriffe auf Spanien und Handelsstopp
Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs der NATO fand in Ankara unter Gastgeber Recep Tayyip Erdoğan statt und stand von Beginn an im Zeichen scharfer Angriffe des US-Präsidenten. Trump attackierte das Bündnis, kritisierte den Iran, beleidigte die spanische Regierung und schlug zugleich versöhnliche Töne an, was Beobachter als widersprüchliches Muster einstuften.
Bereits vor dem Treffen hatte Trump das Bündnisland Spanien persönlich verunglimpft. Die Spanier seien "hoffnungslos" und "schlechte Menschen", erklärte er. Die Verbatim-Äußerung lautete: "Sie sind hoffnungslos. Sie sind schlechte Menschen." Auf dem Rückflug nach Washington sagte er später, Madrid habe "Spanien hat heute ein beeindruckendes Comeback hingelegt" und fügte einschränkend hinzu: "And had they not done that, we wouldn't even be talking to them." Zudem bezeichnete er Spanien als "terrible partner" und monierte, das Land beteilige sich nicht und zahle nicht: "They don't participate. They don't pay."
Streit um Grönland und die Präsenz der USA in Europa
Der Hintergrund des Streits war Spaniens Weigerung, US-Luftstützpunkte für einen Krieg gegen den Iran zur Verfügung zu stellen. Trump ordnete daraufhin an, den bilateralen Handel mit Spanien sofort und umfassend zu stoppen. US-Finanzminister Scott Bessent antwortete vor Kameras mit "Ja, Sir!". Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte an, man werde die Geschäfte mit den USA dennoch im "business as usual"-Modus fortsetzen, und verwahrte sich zugleich gegen das Fünf-Prozent-Ziel bei den Verteidigungsausgaben, ohne den Sozialstaat zu beschädigen.
Auch gegenüber der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die Trumps Linie im Iran-Konflikt nicht mittragen wollte, blieb der US-Präsident zunächst bei Angriffen. Er sagte, sie habe "mistakes" gemacht, fand sie aber "eigentlich nett". Meloni selbst sprach nach dem Treffen von einem "freundlichen Kontakt". NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der laut Teilnehmern ein gutes persönliches Verhältnis zu Trump pflegt, bemühe sich sichtbar um Harmonie und Einigkeit, heißt es in Berichten aus Ankara.
Ukraine, JEF und die europäische Säule der NATO
Im Streit um Grönland verschärfte Trump den Ton. Er knüpfte die künftige US-Militärpräsenz in Europa an ein "sehr gutes Abkommen" über die Insel, wie CNN berichtete. Verbatim sagte er vor dem Gipfel, es werde "A lot will depend on Greenland" ankommen. Am Gipfel selbst fügte er laut mehreren Staats- und Regierungschefs hinzu: "Wir wollen bei euch bleiben." Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen erklärte dazu, die Äußerungen bestätigten, "dass, wenn Trump alles zu sagen hätte, Grönland morgen amerikanisch wäre". Auch der grönländische Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen stellte klar: "Leider muss ich erneut wiederholen, dass Grönland nicht zum Verkauf steht."
Beim gemeinsamen Auftritt mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wiederholte sich ein Szenario, das an das Washingtoner Treffen vor anderthalb Jahren erinnerte. Trump richtete das Wort an die Journalistinnen und Journalisten mit der Frage "Any questions for President Putin?", obwohl Selenskyj neben ihm stand. Gleichzeitig kündigte Trump eine Lizenz an, damit die Ukraine das US-Flugabwehrsystem Patriot selbst herstellen kann: "Wir werden ihnen die Patriots nicht liefern, aber sie sollen sie einfach nachbauen." Die ukrainische Armee nannte er "sehr effizient" und kündigte mittel- bis langfristige Unterstützung durch die Bündnispartner an.
Inhaltlich einigten sich die Alliierten im Nordatlantikrat auf höhere nationale Verteidigungsausgaben und konkrete Rüstungsprojekte. Kanada signalisierte Interesse an einem Beitritt zur britisch geführten Joint Expeditionary Force (JEF), die mit zehn europäischen Mitgliedern seit zwölf Jahren als eigenständige Abschreckungs- und Verteidigungsgruppe besteht, nicht zur NATO oder EU gehört und die Ukraine als Sonderpartner führt. Die JEF war bereits zur Überwachung kritischer Infrastruktur und zur Präsenzverstärkung in Ost- und Nordsee aktiviert worden.
Iran, Patzer und das Ende in Harmonie
Die Sicherheitsexpertin Stefanie Babst bezeichnete das Verhalten des US-Präsidenten als mit dessen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar vergleichbar. Sie verwies darauf, dass die europäischen NATO-Mitglieder und Kanada erkannt hätten, dass nun die "Europäisierung der NATO" vorangetrieben werden müsse. Zugleich betonte sie: "Nein, die NATO ist und bleibt der richtige Rahmen." Offen seien noch militärische Mobilität, die NATO-Kommandostruktur, das Ausbildungs- und Übungsprogramm sowie die Beziehungen zur EU.
Mit Blick auf den Iran warnte Babst, europäische NATO-Staaten seien zurückhaltend, maritime Fähigkeiten in die Straße von Hormuz zu entsenden, weil diese Mittel für die Abschreckung in Arktis, Ostsee und Atlantik gebraucht würden. Diplomatische Mittel gegenüber Teheran und Gespräche mit den Golfstaaten seien vorzuziehen, militärische Maßnahmen erst als letztes Mittel einzusetzen. Trump hatte iranische Führer als "scum" beschimpft und weitere Militärschläge nicht ausgeschlossen, dabei aber den Iran in einer Rede als "Islamic Republic of Japan" und das Atomabkommen als "JCPOC" statt JCPOA bezeichnet.
Am Ende des Gipfels fand Trump versöhnliche Worte: "There is a feeling of love in the air" und sprach von einem "very successful NATO summit". Bundeskanzler Friedrich Merz, der im Bundestag Bericht erstattete, schloss sich an und erklärte auf Deutsch: "Das Ergebnis übertrifft alle meine Erwartungen. Die Nato ist geschlossen, sie ist stark und sie ist selbstbewusst." Auch Rutte berichtete von "großer Harmonie und Einigkeit" im Sitzungssaal. Beobachter werteten das Ende des Treffens als demonstrative Geste der Aussöhnung, die den Streit über Grönland, Spanien und Iran jedoch nicht beilegte.
Trump, der Präsident Putin im August nach einem Besuch in Alaska nach Moskau eingeladen hatte und nach eigenen Angaben großes Interesse an weiteren Gesprächen mit dem Kreml-Chef hat, habe seine Drohungen laut Bündnispartnern vor allem an seine innenpolitische MAGA-Basis adressiert, schreibt die tagesschau.de-Reportage von Eckart Aretz. Die Allianz verlasse Ankara mit einer Mischung aus Beschwichtigung und neuer Verunsicherung.
Fragen & Antworten
Warum hat Trump Spanien auf dem NATO-Gipfel in Ankara angegriffen?
Trump griff Spanien an, nachdem Madrid US-Luftstützpunkte für einen Krieg gegen den Iran verweigert und das Fünf-Prozent-Ziel bei den Verteidigungsausgaben abgelehnt hatte. Er bezeichnete das Land als "terrible partner" und ordnete einen sofortigen bilateralen Handelsstopp an.
Wie hat die dänische und grönländische Seite auf Trumps Grönland-Drohungen reagiert?
Dänemark wies die Forderung zurück und bekräftigte, Grönland sei nicht zu verkaufen. Außenminister Lars Løkke Rasmussen sagte, wenn Trump alles zu sagen hätte, wäre Grönland morgen amerikanisch, und Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen erklärte: "Leider muss ich erneut wiederholen, dass Grönland nicht zum Verkauf steht."
Welche konkreten Vereinbarungen trafen die NATO-Staaten in Ankara?
Die Alliierten einigten sich auf höhere nationale Verteidigungsausgaben und konkrete Rüstungsprojekte. Kanada signalisierte Interesse an einem Beitritt zur britisch geführten Joint Expeditionary Force, und die Bündnispartner bekräftigten ihre mittel- bis langfristige Unterstützung für die Ukraine.