USA und Iran einigen sich auf Rahmenabkommen: Sanktionen fallen, Straße von Hormus wird geöffnet
Genf, 17 Juni 2026
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Kurzfassung
Die USA und der Iran haben sich auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung ihres Krieges geeinigt. Es sieht die Aufhebung sämtlicher Sanktionen, die Öffnung der Straße von Hormus und einen 300-Milliarden-Dollar-Fonds für den Wiederaufbau des Irans vor.
Genf, 17 Juni 2026
Die USA und der Iran haben in der Nacht zum Montag ein Rahmenabkommen zur Beendigung ihres Krieges erzielt, das die Aufhebung aller US-Sanktionen, die Öffnung der Straße von Hormus und einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 300 Milliarden Dollar vorsieht.
Die Vereinbarung wurde in der Nacht zum Montag erzielt, wie mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend berichten. Demnach verpflichten sich die USA, sämtliche Sanktionen gegen den Iran aufzuheben, ihre Blockade der Straße von Hormus zu beenden und den Schiffsverkehr innerhalb von maximal 30 Tagen in vollem Umfang wiederherzustellen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, haben die USA dem Iran bereits den sofortigen Verkauf von Öl und Kraftstoffen erlaubt. Zudem sollen eingefrorene Vermögenswerte Irans freigegeben werden.
Bereits am Mittwoch meldete die Website "TankerTrackers", dass mehrere iranische Öltanker das bislang von der US-Marine blockierte Seegebiet am Persischen Golf verlassen hätten. Zunächst erklärte "TankerTrackers" unter Berufung auf Ortungsdaten und Satellitenbilder im Onlinedienst X, dass die beiden iranischen Supertanker "Diona" und "Hero2" das bisherige Blockadegebiet verlassen hätten. An Bord seien insgesamt 3,8 Millionen Barrel (604 Millionen Liter) iranisches Erdöl gewesen. Später meldete die Website die Durchfahrt eines dritten iranischen Tankers mit einer Million Barrel Öl. Laut TankerTrackers handelt es sich um Irans "erste Rohölexporte seit zwei Monaten".
Der Sanktionsschritt und die Ölexporte
Im Rahmen des geplanten Abkommens ist den Berichten zufolge ein privater Investitionsfonds von 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Irans vorgesehen. Bei dem geplanten "Fonds für Wiederaufbau und Entwicklung" handelt es sich dem Insider zufolge um ein privates Investitionsinstrument ohne staatliche Gelder oder Zuschüsse. Mehr als die Hälfte dieser Summe sei bereits zugesagt, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Zusagen lägen von Unternehmen aus den USA, den Golfstaaten, Asien, Südamerika und Afrika vor, hieß es. Die Regelung soll auch Dienstleistungen in den Bereichen Banken, Transport und Versicherungen umfassen, um die Abwicklung der Geschäfte zu vereinfachen.
Die Führung in Teheran hatte iranischen Regierungskreisen zufolge ursprünglich 400 Milliarden Dollar an Kriegsentschädigungen von den USA gefordert, was Washington jedoch ablehnte. Die Aufhebung der Sanktionen solle schrittweise nach einem noch zu vereinbarenden Zeitplan umgesetzt werden. Neben einseitigen US-Sanktionen sind auch Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats und des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde betroffen.
Der 300-Milliarden-Dollar-Fonds
Mit Blick auf das iranische Atomprogramm bekräftigt Iran erneut, dass das Land nicht anstrebt, Atomwaffen herzustellen und zu besitzen. Iran werde den Status quo seines Atomprogramms beibehalten. Der Verbleib des angereicherten Materials sollen in dem endgültigen Abkommen "angemessen geregelt" werden. Die Details sind offiziell nicht bestätigt. Binnen 60 Tagen sollen Teheran und Washington ein abschließendes Friedensabkommen ausarbeiten.
Auch der Iran ist demnach bereit, den freien Verkehr von Handelsschiffen vom Persischen Golf zum Golf von Oman zuzulassen. So solle innerhalb von 30 Tagen wieder das Vorkriegsniveau erreicht werden. In der Vereinbarung ist den Berichten zufolge das sofortige und dauerhafte Ende der Kampfhandlungen an allen Fronten vereinbart. Das soll auch für den Libanon gelten. Vorgesehen ist unter anderem eine sofortige Waffenruhe in der gesamten Region.
Sicherheits- und Atomzusagen
Die USA und der Iran verpflichten sich demnach, die territoriale Integrität der jeweils anderen Seite zu achten. Die Rede ist außerdem von einem Truppenabzug der USA, ohne dass Details genannt werden. Der Iran will zudem Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen verlangen. Trump hatte dagegen gesagt, Mautgebühren sollten ihm zufolge nicht erhoben werden. Trump räumte ein, es habe "einen kleinen Streit" in dieser Frage gegeben. Vizepräsident JD Vance erklärte, die Meerenge werde "langfristig gebührenfrei" geöffnet.
Der Iran hatte Ende März Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen eingeführt. Laut iranischem Außenministerium werden für maritime Dienstleistungen Gebühren erhoben. Trump kündigte an, die Straße von Hormus werde "frei und ohne Gebühren" geöffnet. Nach Angaben des iranischen Außenministeriums hatten die USA ihre zu Kriegsbeginn begonnene Blockade iranischer Häfen bereits am Dienstag beendet. Trump erklärte, die ersten Schiffe hätten am Montag begonnen, die Meerenge zu passieren, "viele voll beladen mit Öl".
US-Präsident Donald Trump kündigte den Beginn einer zweiten Verhandlungsphase mit dem Iran an. Das Rahmenabkommen zum weiteren Friedensprozess soll am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden. Diese Nachricht wurde am 17.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Der G7-Gipfel fand in Evian am Ufer des Genfer Sees statt; US-Geheimdienste schätzten Irans Minenbestand vor dem Krieg auf rund 5.000 Stück.
Eine seit längerem geplante neutrale Marinemission unter Führung Frankreichs und Großbritanniens soll nach dem Ende der Kampfhandlungen beginnen. Ihre Ziele sind die Minenräumung in der Meerenge und die Eskortierung von Handelsschiffen. Frankreich hat bereits Schiffe in die Nähe der Meerenge verlegt, auch Großbritannien, Italien und die Niederlande sind in der Region präsent. Mehr als 40 Länder sagten ihre Unterstützung zu; nach Angaben von Bloomberg sagten 15 Länder konkret Ausrüstung und Personal zu.
Minenräumung und europäische Vorbehalte
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte am Montag: "Wir werden zunächst alles tun, damit dieses Abkommen in Kraft tritt und die Straße von Hormus somit friedlich geöffnet wird und der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden kann." Er fügte hinzu: "Wir sind bereit, sehr schnell zu handeln." Als Macron Trump Unterstützung anbot, wies dieser das Angebot weitgehend zurück und sagte: "Ich denke, wir brauchen nicht viel Hilfe, da wir ja ein Abkommen haben."
Die europäischen Verbündeten haben laut Bloomberg "praktische Fragen dazu, was genau vereinbart wurde, bevor sie sich zu Minenräumungsmissionen und Patrouillen verpflichten können". Caitlin Talmadge vom MIT wurde von Bloomberg mit den Worten zitiert: "Die Sicherstellung der Minenfreiheit in der Meerenge wird eine mühsame Angelegenheit sein." Gleichzeitig erklärte sie, Europa verfüge über "beträchtliche Minenräumkapazitäten". Nach Angaben von Talmadge gehe die Minenräumung schneller voran, wenn der Iran alle verfügbaren Informationen zur Minenverlegung liefert. Die "New York Times" berichtete, "Zahlreiche Schiffe passierten die Straße während des Krieges, ohne auf Minen zu stoßen", was Zweifel aufkommen ließ, ob der Iran tatsächlich Minen gelegt hatte.
Spannungen zwischen Trump und Israel
Ungeachtet der europäischen Vorbehalte verfolgte Trump einen ehrgeizigen Zeitplan. Auf dem G7-Gipfel sagte er, die Meerenge sei derzeit teilweise geöffnet und werde am Freitag mit der Unterzeichnung des Abkommens vollständig geöffnet. Trump äußerte sich am Rande des Gipfels auch zum israelischen Vorgehen im Libanon. Bei einem Treffen mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, sagte Trump, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu "muss mehr Verantwortung zeigen mit Blick auf den Libanon".
Die Beziehung zwischen Trump und Netanyahu ist seit Wochen angespannt. Trump nannte Netanyahu in einem Telefonat zu Monatsbeginn offenbar einen "sehr schwierigen Kerl" und sagte in einem Interview am Sonntag, er sei "total verrückt". Trump erklärte zudem: "Ich bin nicht glücklich damit, wie Israel sich mit dem Libanon und der Hisbollah verhalten hat." Nach Recherchen der "New York Times" hatten Netanyahu und der Mossad-Chef David Barnea US-Präsident Donald Trump am 11. Februar bei einer Präsentation im Weißen Haus davon überzeugt, dass das iranische Regime in einem gemeinsamen Luftkrieg rasch fallen werde.
Am Montag erklärte Netanyahu offenbar, er habe keine Einzelheiten zu dem zuvor unveröffentlichten Memorandum of Understanding zwischen Washington und Teheran. Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte am Dienstag, jeder israelische Angriff auf libanesisches Gebiet und die anhaltende israelische Besetzung im Südlibanon würden einen Verstoß gegen das Memorandum darstellen. Der israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, schrieb auf X: "Wir sollten uns nicht mit weniger abfinden als mit der Demontage des Hizbullah". Netanyahu erklärte am Montag, israelische Truppen würden in der Pufferzone im Südlibanon "so lange wie nötig" stationiert bleiben. Israelische Regierungskreise gingen davon aus, dass diese Frist verlängert werden könnte.
Israelische Kommentatoren reagierten empört. Die konservative "Jerusalem Post" äußerte Besorgnis, da das Abkommen eine 60-Tage-Frist für die Verhandlungen über die zentralen Streitfragen im iranischen Atomprogramm enthalte. Die Zeitung schrieb: "Tehran weiss, wie es die Verzögerung nutzen kann. Der Hizbullah weiss, wie er die Verzögerung nutzen kann. Israel hat bereits in der Vergangenheit für solche Verzögerungen einen Preis bezahlt." Die linksliberale israelische Tageszeitung "Haaretz" schrieb am Dienstag, das Ergebnis des Iran-Krieges unter Netanyahus Regierung sei "das zweitgrösste Fiasko" nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. Der ehemalige israelische Ministerpräsident Naftali Bennett warf Netanyahu am Montag "ein historisches Versagen" im Krieg gegen den Iran vor.
G7-Ausblick: Ukraine und Schweiz
Der einflussreiche israelische Journalist Amit Segal schrieb auf seinem Telegram-Kanal, Trump habe "total kapituliert". Segal zitierte den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger: "Es kann gefährlich sein, Amerikas Feind zu sein, aber Amerikas Freund zu sein, ist verhängnisvoll." Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärte gegenüber Reuters, es sei unmöglich für Netanyahu, das amerikanische Abkommen mit dem Iran den Wählern zu verkaufen. "Das Beste, auf das er (Netanyahu) hoffen kann, ist ein Scheitern des Abkommens und ein Neubeginn des Kriegs zu Israels Vorteil." Aktuelle Umfragen sehen eine Niederlage für Netanyahus Regierungskoalition voraus; nur 44 Prozent der israelischen Bevölkerung gehen davon aus, dass Israels Sicherheit für Trump ein wichtiges Anliegen ist.
Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj traf am Dienstag in Evian mit den Staats- und Regierungschefs der G7 zusammen. Er lud den russischen Präsidenten Wladimir Putin an den Verhandlungstisch und schlug ein Treffen in den Vereinigten Staaten vor. Trump erklärte: "Russland sollte sich auf einen Deal einlassen." G7-Teilnehmer erwägen nach dpa-Angaben ein neues Gesprächsangebot an Putin, wobei Gespräche theoretisch am Rande der nächsten UN-Generalversammlung organisiert werden könnten. Bundeskanzler Friedrich Merz nannte den Tag einen "Tag der Hoffnung" und sagte, Trump sei "sehr kooperativ". EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte: "Das Blatt wendet sich für die Ukraine."
Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin war zum Galadinner des G7-Gipfels am Dienstagabend in Evian eingeladen worden - nach Darstellung des Berichts eine "Premiere und womöglich sogar eine einmalige Gelegenheit". Parmelin traf Trump am Rande des Galadinners erneut, der Austausch beschränkte sich jedoch angesichts der vielen weiteren Gesprächswünsche auf einen Händedruck und ein kurzes Gespräch. Zuvor hatte Parmelin Trump bereits kurz auf dem Vorfeld des Genfer Flughafens getroffen. Am Galadinner saß Parmelin Bundeskanzler Friedrich Merz gegenüber. Parmelin führte zudem Gespräche mit der britischen Premierministerin Keir Starmer, der EU-Spitze, dem kanadischen Premierminister Mark Carney, dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und dem indischen Premierminister Narendra Modi, die sich vor allem um Wirtschafts- und Handelsfragen drehten.
Die Einigung zwischen Washington und Teheran fällt in eine Phase steigenden innenpolitischen Drucks auf Trump. Angesichts stark steigender Spritpreise vor den Kongresswahlen im November steht der Präsident unter erheblichem innenpolitischem Druck. Die USA kündigten unterdessen an, dass die Blockade iranischer Häfen bis Freitag in Kraft bleibe. Diese Nachricht wurde am 17.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Was sieht das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran vor?
Das Abkommen sieht die Aufhebung sämtlicher US-Sanktionen gegen den Iran, die Öffnung der Straße von Hormus, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte und einen privaten Investitionsfonds von 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Irans vor. Innerhalb von 60 Tagen sollen Teheran und Washington ein abschließendes Friedensabkommen ausarbeiten.
Wie reagiert Israel auf die Vereinbarung?
Israelische Kommentatoren reagierten empört; die Zeitung "Haaretz" sprach vom "zweitgrössten Fiasko" nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. Der frühere Ministerpräsident Naftali Bennett warf Amtsinhaber Benjamin Netanyahu "ein historisches Versagen" vor, und der Journalist Amit Segal schrieb, Trump habe "total kapituliert".
Welche Rolle spielen Frankreich und Großbritannien bei der Umsetzung?
Frankreich und Großbritannien führen die geplante neutrale Marinemission zur Minenräumung und Eskortierung von Handelsschiffen an. Frankreich hat bereits Schiffe in die Nähe der Meerenge verlegt; laut Bloomberg haben 15 Länder konkrete Ausrüstung und Personal zugesagt, während die Europäer noch praktische Klärungen zu den Details des Abkommens verlangen.
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