Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wird nach einer Überprüfung der Kontakte des Mathematikers Karl Sigmund zu dem verstorbenen US-Finanzier Jeffrey Epstein eine offizielle Missbilligung aussprechen, jedoch seine Mitgliedschaft nicht aberkennen.

Entscheidung des ÖAW-Präsidiums

Das Präsidium der ÖAW folgt damit der Empfehlung eines eigens eingesetzten Ethikkomitees unter der Leitung des evangelischen Theologen Ulrich Körtner. Das Gremium hatte nach einer umfassenden Prüfung und einer Anhörung Sigmunds entschieden, von einer Aberkennung der Mitgliedschaft abzusehen. In einer der APA übermittelten Stellungnahme heißt es: "Mit der Empfehlung einer Missbilligung soll ein Zeichen gesetzt werden, dass die Akademie die Frage von Wissenschaftsethos und wissenschaftlicher Integrität ernst nimmt."

Sigmund, der seit 1999 Mitglied der ÖAW ist, hatte die Akademie selbst darum gebeten, seine Mitgliedschaft überprüfen zu lassen, nachdem bekannt geworden war, dass er sich 2018 und 2019 mit Epstein getroffen hatte. Gegenüber ORF Wissen erklärte er, er habe Epstein getroffen, weil er sich "ein persönliches Bild machen wollte".

Hintergrund der Kontakte

Jeffrey Epstein, der 2019 in Haft starb, soll hunderte junge Frauen, darunter auch Minderjährige, sexuell missbraucht und zum Teil an Bekannte weitergegeben haben. Der ORF hatte zuvor über zwei Treffen zwischen Epstein und Sigmund berichtet: eines im September 2018 in New York und ein weiteres im März 2019 in Wien.