Israel fliegt nach Drohnenangriff der Hisbollah Angriffe auf Beiruter Vororte
Beirut, 14. Juni 2026
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Kurzfassung
Nach einem Drohnenangriff der proiranischen Hisbollah auf Nordisrael hat die israelische Luftwaffe Ziele in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Nach libanesischen Angaben wurden dabei mindestens drei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt.
Die israelische Luftwaffe hat am Sonntag Ziele in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen, nachdem die proiranische Hisbollah-Miliz zuvor Nordisrael mit Sprengstoffdrohnen attackiert hatte.
Ausmaß der Angriffe und Opferbilanz
Bei den Angriffen seien "Terrorziele" der Hisbollah in den als Dahiyeh bekannten südlichen Vororten beschossen worden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu und des Verteidigungsministers Israel Katz. Auch die israelische Armee teilte mit, es sei Hisbollah-Infrastruktur in Dahiyeh angegriffen worden. Dem israelischen Militär zufolge sei unter anderem ein Hisbollah-Kommandozentrum in Beirut getroffen worden.
Anrainer berichteten örtlichen Medien zufolge von mindestens zwei Explosionen. Arabische Fernsehsender zeigten Bilder mit aufsteigenden Rauchwolken, schwer beschädigten Gebäuden und einer zerstörten Straße. Augenzeugen sagten, das getroffene Gebäude habe ein Büro der Hisbollah beherbergt.
Auslöser: Drohnenangriff der Hisbollah
Die libanesische Zivilverteidigung meldete mindestens drei Tote und sechs Verletzte. Zudem hieß es aus libanesischen Quellen, Israel habe erneut einen Kommandeur der Miliz ins Visier genommen. Informationen zu möglichen Opfern auf israelischer Seite lagen zunächst nicht vor. Das israelische Militär berichtete am Sonntag über zwei Einschläge nahe der Grenze zum Libanon. Dabei sei niemand verletzt worden. Das israelische Nachrichtenportal "ynet" berichtete, eine Drohne sei im Bereich des Grenzorts Schlomi eingeschlagen. Infolge der Angriffe hatten Warnsirenen in Orten an der Nordgrenze geheult.
Auslöser der Eskalation war ein Drohnenangriff der Hisbollah. Zuvor hatte die proiranische Hisbollah-Miliz den Norden Israels mit Sprengstoff-Drohnen angegriffen. Der Angriff erfolgte als Reaktion auf den Beschuss israelischen Territoriums durch die Hisbollah, wie es aus Regierungskreisen in Jerusalem hieß. Von der Hisbollah gab es zunächst keine Reaktion.
Evakuierungsaufrufe und Warnungen
Die israelische Armee hatte zuvor die Menschen in 29 Orten im Süden des Libanon dazu aufgerufen, sich wegen geplanter Angriffe in Sicherheit zu bringen. Der arabischsprachige Armeesprecher Avichay Adraee gab am Sonntag im Onlinedienst X zwei aufeinanderfolgende Warnungen aus, zunächst eine für 13 Orte im Süden des Libanon, anschließend für 16 weitere Orte nördlich des Flusses Sahrani. Neuer israelischer Evakuierungsaufruf für 29 Orte im Libanon, hieß es dazu in Berichten.
Der rechtsradikale israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hatte den Angriff auf der Onlineplattform X als Test für die "Dahiyeh-Doktrin" von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu beschrieben. Smotrich forderte von Netanyahu, "noch heute" Gebäude in Dahiyeh zu zerstören. "Wir haben den Bewohnern des Nordens Sicherheit versprochen - und dieses Versprechen müssen wir einhalten!", schrieb Smotrich weiter. "Wir befinden uns in entscheidenden Tagen für die Gestaltung der Region auf viele Jahre hinaus", fügte er hinzu.
Politische Reaktionen in Israel
Bei dem Begriff Dahiyeh-Doktrin handelt es sich um eine israelische Militärdoktrin, die den Einsatz massiver Gewalt gegen zivile Infrastruktur und Zivilisten vorsieht. Die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt gelten als Hochburg der islamistischen Miliz.
Israel erklärte, Maßnahmen zur Minimierung ziviler Schäden ergriffen zu haben, darunter der Einsatz von Präzisionsmunition und Luftaufklärung. Diese Darstellung steht im Widerspruch zu den Berichten über Tote und Verletzte im dicht besiedelten Vorortgebiet Dahiyeh. Ein Bewohner eines Beiruter Vororts sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Jeden Sonntag ist es dasselbe. Für zwei Stunden nach einem Angriff verlassen wir die Gegend, dann kehren wir zurück." Die Anwohner seien angesichts der wiederkehrenden Angriffe kriegsmüde.
Dahiyeh-Doktrin und ihre Bedeutung
Die Hisbollah fordert unter anderem einen vollständigen Abzug israelischer Bodentruppen aus dem Land. Im Libanon strebt Israel eine Zerstörung der Hisbollah und eine Friedensregelung mit der Regierung an. Der mit der Hisbollah verbündete Iran will als Teil eines Rahmenabkommens mit den USA zur Beendigung des Iran-Kriegs auch eine Waffenruhe im Libanon erreichen. Israel ist jedoch strikt gegen eine solche Verbindung der beiden Fronten. Israel warf der proiranischen Hisbollah-Miliz daraufhin einen Verstoß der Waffenruhe vor.
Diplomatische Hintergründe
Am Donnerstag musste ein Konvoi mit Hilfsmittellieferungen für drei christliche Dörfer im Südlibanon aufgrund von Schusswechseln seine Route ändern. Der Konvoi aus 45 Lastwagen und Fahrzeugen sollte Lebensmittelhilfen, Medikamenten und Treibstoff transportieren. Betroffen von dem Vorfall war auch der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Paolo Borgia, der den Konvoi begleitete. Darüber berichtete die Katholische Presseagentur Kathpress am Sonntag.
Hilfskonvoi unter Beschuss
Der Nuntius sagte Radio Vatikan: "Wir befinden uns in einer Kriegssituation, aber wir werden den Menschen weiterhin helfen." Die katholische Kirche gehört damit zu den wenigen Institutionen, die trotz der Kampfhandlungen weiterhin Hilfslieferungen in die betroffenen Gebiete zu bringen versuchen.
Erst rund eine Woche zuvor hatte Israel als Reaktion auf Hisbollah-Raketenbeschuss auf Nordisrael Ziele in den südlichen Vororten Beiruts angegriffen. Die nunmehrigen Luftschläge stellen eine erneute Zuspitzung des seit Monaten anhaltenden gegenseitigen Beschusses dar.
Vorgeschichte und Einordnung
Auch der Iran hatte zuvor mit Raketenangriffen auf Nordisrael auf israelische Angriffe reagiert. Damit weitet sich der regionale Konflikt zunehmend auf weitere Akteure aus. Die Spirale aus Vergeltung und Gegenvergeltung setzt die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten der Grenze immer wieder aufs Neue der Gewalt aus.
Die Berichte über die neuerlichen Angriffe wurden am 14.06.2026 im Programm des Deutschlandfunks ausgestrahlt. Internationale Vermittlungsbemühungen, die laufende Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah einzudämmen, sind bislang ohne erkennbaren Erfolg geblieben.
Fragen & Antworten
Warum hat Israel die Vororte von Beirut angegriffen?
Nach Angaben der israelischen Regierung erfolgte der Angriff als Reaktion auf einen vorherigen Beschuss israelischen Territoriums durch die proiranische Hisbollah-Miliz, die Nordisrael mit Sprengstoffdrohnen attackiert hatte.
Wie viele Menschen kamen bei den Angriffen ums Leben?
Die libanesische Zivilverteidigung meldete mindestens drei Tote und sechs Verletzte; auf israelischer Seite wurde nach zwei Einschlägen nahe der Grenze zum Libanon niemand verletzt.
Was ist die Dahiyeh-Doktrin?
Die Dahiyeh-Doktrin bezeichnet eine israelische Militärdoktrin, die den Einsatz massiver Gewalt gegen zivile Infrastruktur und Zivilisten in den südlichen Vororten Beiruts vorsieht, einer Hochburg der Hisbollah.
Israel greift Beiruts Süden nach Hisbollah-Drohnen an | nachrichten360