Israel fliegt Angriffe im Iran nach iranischem Raketenbeschuss – Explosionen in Teheran
Jerusalem, 08. Juni 2026
Israel Central Bureau of Statistics / Wikimedia Commons / Attribution
Kurzfassung
Israelische Kampfflugzeuge haben in der Nacht zum Montag Ziele im Iran angegriffen, nachdem der Iran zuvor Raketen auf Israel abgefeuert hatte. Im iranischen Staatsfernsehen war von Explosionen in Teheran, Täbris und Isfahan die Rede, während der Konflikt mit dem Libanon weiter eskaliert.
Israelische Kampfflugzeuge haben in der Nacht zum Montag Ziele im Iran angegriffen, nachdem Teheran am Sonntagabend erstmals seit dem Inkrafttreten einer Waffenruhe im April erneut Raketen auf Israel abgefeuert hatte.
Israels Luftwaffe griff in der Nacht zum Montag Ziele im Iran an. Das iranische Staatsfernsehen berichtete am Montag von "mehreren" Explosionen in der Hauptstadt Teheran sowie in den Städten Täbris und Isfahan. Zuvor hatte der Iran erstmals seit Inkrafttreten einer Waffenruhe Anfang April erneut Raketen auf Israel abgefeuert. Israels Armee meldet Raketenangriffe aus dem Iran.
Nach Angaben der israelischen Armee gab es zwei Angriffswellen. Wenige Minuten später meldete die Armee eine zweite aus dem Iran kommende Raketensalve. Es seien alle elf Raketen abgefangen worden, hieß es. Israels Armee hatte zunächst erklärt, sie habe mindestens zehn Geschosse registriert.
Der Iran hatte zuvor damit gedroht, US- und israelische Ziele in der Region anzugreifen. Irans Parlamentspräsident Ghalibaf, der auch als Chefunterhändler in den Gesprächen mit Washington fungiert, warf den USA vor, dem Angriff in Beirut "grünes Licht" gegeben zu haben. Er erklärte, US- und israelische Einrichtungen seien nun "legitime Ziele".
Hintergrund der Eskalation
Der Angriff auf Israel erfolgte nach iranischen Angaben als Reaktion auf neue israelische Angriffe auf Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut am Sonntagnachmittag. Die iranischen Streitkräfte warfen Israel vor, mit dem jüngsten Angriff "alle roten Linien überschritten" zu haben. Armeekommandeur Ali Abdollahi forderte in einer im Fernsehen veröffentlichten Erklärung, die israelische Armee müsse ihre Angriffe auf den Süden des Libanon und die Vororte stoppen.
Irans zentrales Militärkommando bestätigte die Raketenangriffe und begründete sie mit angeblichen wiederholten Verstößen der israelischen Armee gegen die Waffenruhe im Libanon. Demnach hatte der Iran die Angriffe als "Warnung" nach israelischen Luftangriffen auf Beirut eingestuft, dessen südliche Vororte als Hisbollah-Hochburgen gelten. Irans Revolutionsgarden bezeichneten den iranischen Raketenangriff als "Warnung" nach israelischen Luftangriffen auf Beirut, dessen südliche Vororte als Hisbollah-Hochburgen gelten.
Das Büro von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu teilte am Sonntag mit, die Armee habe "als Reaktion auf den Beschuss israelischen Gebiets durch die Hisbollah eine Kommandozentrale der Milz im Beiruter Stadtteil Dahijeh angegriffen". Premierminister Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz sprachen von einem Angriff auf "Terroristen-Hauptquartiere" in Beirut. Augenzeugenvideos zeigten dichte Rauchwolken über den südlichen Vororten von Beirut, der sogenannten Dahiyeh, die als Hisbollah-Hochburg, aber auch als dicht besiedelt gilt. Augenzeugen berichteten von schwerer Zerstörung eines Gebäudes über mehrere Stockwerke.
Opfer in Beirut und Südlibanon
Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei dem israelischen Luftangriff auf das Mreijeh-Gebiet in Beirut zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt. Dabei wurden demnach zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt. Israelische Angriffe in Beirut forderten demnach mit zwei Toten mindestens zwei Menschenleben.
Zusätzlich tötete ein israelischer Angriff auf ein Militärfahrzeug im Südlibanon nach Angaben der libanesischen Armee zwei Offiziere und einen Soldaten. Insgesamt handelte es sich um drei Opfer aus den Reihen der libanesischen Streitkräfte. Die libanesische Armee ist in dem Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz keine aktive Kriegspartei und verhält sich neutral.
Die israelische Armee bestätigte den Angriff auf das Fahrzeug. Das Fahrzeug habe sich "verdächtig" auf israelische Soldaten zubewegt, erklärte die Armee. Das Fahrzeug habe sich in einer Kampfzone befunden, die zuvor evakuiert worden sei. Bewegungen in solchen evakuierten Zonen müssten mit der israelischen Armee koordiniert werden. Man habe konkrete Hinweise gehabt, dass die Hisbollah von dort aus das Feuer auf israelische Soldaten eröffnen wolle. Der Vorfall werde untersucht.
Reaktionen der libanesischen Regierung
Der libanesische Präsident Joseph Aoun bezeichnete den Angriff als eklatanten Verstoß gegen die libanesische Souveränität sowie gegen internationales Recht und internationale Normen. Die libanesische Armeeführung kritisierte Israel scharf und erklärte, Israel greife den Libanon und seine Bevölkerung unaufhörlich an. Die Angriffe zielten darauf ab, alle Bemühungen um eine Lösung zu vereiteln, die Stabilität wiederherstellen, einen umfassenden Waffenstillstand erreichen und den israelischen Rückzug aus besetzten libanesischen Gebieten ermöglichen würde. Aoun erklärte auf der Plattform X, die Eskalation erfolge trotz der Bemühungen des Libanons, in Verhandlungen den israelischen Angriffen ohne Abschreckung ein Ende zu setzen.
Israels Armeesprecher Effie Defrin sagte in einer TV-Ansprache, die Angriffe in Beirut seien als Reaktion auf die unablässigen Angriffe der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz auf Israels Norden erfolgt. Der Iran habe einen "großen Fehler" gemacht, indem er erneut "den Weg des Terrors" gewählt habe. Er kündigte an, dass die israelischen Streitkräfte ihre Einsätze "im gesamten Libanon fortsetzen und ihre Maßnahmen gegen die Terrororganisation Hisbollah intensivieren" würden.
Bei dem iranischen Angriff drangen mehrere Raketen auch in den Luftraum Jordaniens ein, wie dessen Regierung mitteilte. Im iranischen Nachbarstaat Irak und in Syrien wurde jeweils der Luftraum vorerst gesperrt. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben zwei iranische Drohnen abgeschossen. Dies teilt das zuständige US-Regionalkommando auf der Plattform X mit.
Israels Bildungsministerium und die Armee teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass alle Schulen geschlossen würden. Israels Heimverteidigungskommando verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen im ganzen Land. In den kommenden Tagen bleibe der Schulbetrieb ausgesetzt, Versammlungen würden eingeschränkt, und die Bevölkerung wurde aufgefordert, Schutzräume zugänglich zu halten. Der internationale Flughafen bei Tel Aviv blieb Medienberichten zufolge zunächst geöffnet.
Auswirkungen auf die Region
Später meldete die israelische Armee zudem Raketenbeschuss aus dem Jemen, von wo aus die mit dem Iran verbündeten Huthis bereits zuvor Angriffe auf Israel verübt haben. Die Luftabwehrsysteme seien im Einsatz, um die Bedrohung abzuwehren.
Die Hisbollah-Miliz wies die Bedingungen des ausgehandelten Waffenstillstands zurück. Sie war an den Verhandlungen nicht beteiligt gewesen. Der Hisbollah-Chef Naim Qassem lehnte das Abkommen zwischen der libanesischen Regierung und Israel ab. Teheran hatte zuvor gewarnt, weitere israelische Angriffe auf den Großraum Beirut würden als neue Eskalationsstufe in der regionalen Auseinandersetzung gewertet.
US-Präsident Trump drängte Israel allerdings, von Gegenangriffen auf den Iran abzusehen. Er forderte stattdessen gegenüber dem US-Nachrichtenmagazin "Axios" die Rückkehr beider Seiten an den Verhandlungstisch. Trump wollte anschließend mit dem israelischen Premier Netanjahu telefonieren. "Ich werde Bibi sofort anrufen und ihm sagen, dass er nicht zurückschlagen soll", sagte Trump unter Verwendung des Spitznamens von Netanjahu laut dem "Axios"-Journalisten Barak Ravid, der eigenen Angaben zufolge mit Trump telefonierte. "Wir brauchen keinen weiteren Angriff", sagte der US-Präsident demnach.
Trump sagte dem israelischen Sender Kan: "Israel hat genug reagiert." Gegenüber Fox News erklärte er, die Angriffe auf Nordisrael würden den Verhandlungen mit Teheran "nicht helfen". Trump äußerte sich besorgt über die Eskalation und sagte, die iranischen Angriffe auf Nordisrael würden "nicht helfen". Ein Abkommen mit Teheran sei sehr nahe gewesen, und er habe damit gerechnet, dass noch in derselben Woche unterzeichnet werde. Er erklärte gegenüber Axios, er bleibe zuversichtlich, dass bald eine Einigung erzielt werden könne und Washington und Teheran auf dem Weg zu einem "guten" Abkommen seien.
Haltung der US-Regierung
Trump forderte laut Fox News, dass beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückkehren. Er forderte den Iran auf, nach dem Raketenbeschuss an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein Abkommen zu schließen. Trump sagte zudem, dass die Verhandlungen mit dem Iran möglicherweise "am Montag, Dienstag oder Mittwoch kommender Woche" zu einer Einigung führen könnten. Trump erklärte, es würden keine Iran-Sanktionen ohne Friedensabkommen aufgehoben.
Israels Armeechef Samir drohte dem Iran mit einer harten Reaktion, sobald es dafür grünes Licht gebe. Ein nicht namentlich genannter israelischer Regierungsvertreter sagte laut Ynet: "Der Iran kann vergessen, dass wir das hinnehmen werden – die Reaktion wird hart ausfallen." Derselbe Vertreter erklärte, Israel werde "nicht zulassen, dass sie irgendwelche neuen Spielregeln schaffen und unsere Souveränität verletzen". Ein israelischer Militärsprecher sagte, der Iran habe mit den neuen Raketenangriffen einen "schweren Fehler" begangen.
Die britische Außenministerin Yvette Cooper erklärte jedoch im Onlinedienst X, ein Wiederaufflammen des Krieges zwischen dem Iran und Israel liege "in niemandes Interesse". Zuvor hatte der oberste iranische Unterhändler nach israelischen Angriffen auf den Libanon mit Vergeltung gedroht und Angriffe auf US-Stützpunkte in Aussicht gestellt. Iranischer Unterhändler droht mit Angriffen auf US-Stützpunkte.
Hisbollah-Tunnelsystem und Vorgeschichte
Israels Armee hatte eigenen Angaben zufolge zudem ein weitläufiges Tunnelsystem der Hisbollah unter der früheren Kreuzfahrerfestung Beaufort im Süden des Libanon aufgedeckt. Das nur sechs Kilometer von der israelischen Grenzstadt Metula entfernt gelegene Tunnelnetzwerk haben der pro-iranischen Miliz als Basis für Einsätze gedient, erklärte die Armee am Sonntag. Das Tunnelsystem sei ein "zentraler Knotenpunkt der Terrororganisation Hisbollah in diesem Gebiet" gewesen. Den Armeeangaben zufolge wurde das Tunnelsystem vom Iran finanziert und so konzipiert, dass es Hunderten Kämpfern Schutz bieten kann. Unter anderem wurden darin Waffen und Ausrüstung, aber auch medizinische Ausrüstung sowie Wohnräume mit Duschen, Toiletten, ein Operationssaal und Küchen vorgefunden.
Laut dem israelischen Iran-Experten Danny Citrinowicz steht Trump vor einer besonders schwierigen strategischen Lage und sei offenbar bereit, um fast jeden Preis ein Abkommen mit dem Iran zu schließen, um ein Abrutschen in eine breitere regionale Konfrontation zu vermeiden. Diese Nachricht wurde am 08.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Warum hat Israel Ziele im Iran angegriffen?
Israel reagierte damit auf einen iranischen Raketenangriff vom Sonntagabend, der nach iranischer Darstellung als Vergeltung für israelische Luftangriffe auf den Beiruter Vorort Dahiyeh erfolgte. Israels Armeesprecher sprach von einem "großen Fehler" Irans und kündigte eine Intensivierung der Operationen an.
Wie viele Menschen kamen bei den Angriffen in Beirut ums Leben?
Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei einem israelischen Luftangriff auf das Mreijeh-Gebiet zwei Menschen getötet und 20 weitere verletzt. Separat tötete ein Angriff auf ein Militärfahrzeug im Südlibanon zwei Offiziere und einen Soldaten der libanesischen Armee.
Welche Rolle spielt US-Präsident Trump in der Krise?
Trump drängte Israel, auf Gegenangriffe auf den Iran zu verzichten, und forderte beide Seiten zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Gegenüber Axios erklärte er, er wolle Premierminister Netanjahu telefonisch zur Zurückhaltung bewegen.
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