Die israelische Armee hat am Dienstag ihre Bodenoffensive im Südlibanon auf das Gebiet nördlich der sogenannten Gelben Linie ausgeweitet.
Hintergrund der Pufferzone
"Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben mit einer Bodenoffensive nördlich der 'gelben Linie' im Süden des Libanon begonnen", hieß es in einer Mitteilung. Ein Militärvertreter erklärte der Nachrichtenagentur AFP, die Truppen "operiert gezielt jenseits der ersten Verteidigungslinie, um direkte Bedrohungen für die Bürger des Staates Israel und die israelischen Soldaten" zu beseitigen.
Zuvor hatten israelische Medien über Aktivitäten der Soldaten nördlich dieser Linie berichtet. Die sogenannte Gelbe Linie markiert eine Pufferzone im Südlibanon, die sechs bis zehn Kilometer hinter der Grenze liegt. In dieser Zone sind israelische Truppen stationiert, und die Rückkehr der von dort geflohenen Bevölkerung ist untersagt.
Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, die schweren israelischen Angriffe im Süden deuteten auf eine mögliche Ausweitung der Bodenoffensive in Richtung Norden hin. Seit einem Evakuierungsaufruf der israelischen Armee für die Stadt Nabatäa habe es dort mindestens 20 Angriffe gegeben.
Ziele der Offensive
Mehreren Medienberichten zufolge führen israelische Bodentruppen inzwischen auch Einsätze nördlich des Litani-Flusses durch. Der Fluss verläuft rund 30 Kilometer nördlich der israelischen Grenze. Nach einem früheren Abkommen hätte sich die islamistische Hisbollah-Miliz hinter den Litani-Fluss zurückziehen sollen.
Die israelische Nachrichtenseite ynet meldete, das Ziel der ausgeweiteten Bodenoperationen sei es, mit Sprengstoff beladenen Drohnen der Hisbollah entgegenzuwirken und die vom Iran unterstützte Miliz weiter zurückzudrängen. Die israelische Armee hatte zuvor von erneutem Beschuss mit mehreren solcher Drohnen durch die Hisbollah berichtet.
Waffenstillstand und Sorge im Libanon
Am Montagabend kündigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, die Angriffe auf die Hisbollah würden intensiviert. Netanjahu erklärte, es gelte, die Miliz zu "zerschlagen", deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.
Seit April 2026 gilt zwischen Israel und der Hisbollah ein Waffenstillstand, der Mitte Mai verlängert wurde. Dennoch sind die gegenseitigen Angriffe nicht zum Stillstand gekommen.
Israel war bereits 1982 in den Libanon einmarschiert, um die militärischen Strukturen der PLO zu zerschlagen. Die israelischen Truppen zogen sich im Jahr 2000 aus dem Libanon zurück. Im Libanon wächst nun die Sorge vor einer erneuten dauerhaften Besetzung des Südens.
