Israel fliegt erneut Angriffe im Südlibanon – Hisbollah antwortet mit Drohnenschlägen
Beirut, 14. Juni 2026
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Kurzfassung
Trotz formell geltender Waffenruhe seit dem 17. April hat die israelische Armee am Wochenende zahlreiche Orte im Südlibanon bombardiert und zuvor Evakuierungsaufforderungen veröffentlicht. Die proiranische Hisbollah-Miliz reagierte mit Drohnenangriffen auf den Norden Israels, während die Lage die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran belastet.
Die israelische Armee hat am Wochenende trotz der formell seit dem 17. April geltenden Waffenruhe dutzende Ziele im Südlibanon bombardiert und die Bevölkerung in insgesamt 29 Ortschaften zur Flucht nach Norden aufgerufen, während die proiranische Hisbollah-Miliz ihrerseits Drohnenangriffe auf Nordisrael flog.
Evakuierungsaufrufe und Angriffswellen
Nach Angaben des arabischsprachigen Armeesprechers Avichay Adraee richteten sich die israelischen Evakuierungsaufrufe zunächst an 13 Ortschaften im Südlibanon und wenig später an weitere 16 Orte nördlich des Sahrani-Flusses. Die Armee teilte auf Arabisch in Onlinediensten mit, sie werde „mit aller Härte vorgehen" und forderte die Menschen auf: „Für Ihre Sicherheit sollten Sie sich in das Gebiet nördlich des Sahrani-Flusses begeben". Anschließend flog die Luftwaffe Angriffe auf zahlreiche Ziele, wie libanesische Medien und die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichteten.
Wie NNA weiter mitteilte, wurden unter anderem die Dörfer Rihan und Sudchud bombardiert, für die zuvor eine Evakuierungsanordnung herausgegeben worden war. In Rihan im südlichen Bezirk Jesin sei ein Mensch getötet worden, berichtete die Agentur. Bereits am Freitagabend hatte NNA von Artillerieangriffen in der Nähe der Stadt Nabatije berichtet; am Freitag hatte es insgesamt vier Vorfälle gegeben, bei denen einige der Geschosse zwar nicht abgefangen werden konnten, aber auch keine nennenswerten Schäden verursachten.
Gegenschläge der Hisbollah
Die israelische Armee teilte mit, in der Nähe der libanesischen Grenze seien zwei Einschläge verzeichnet worden, bei denen nach ihren Angaben niemand verletzt wurde. Am Morgen meldete die Armee zudem, ein „feindliches Fluggerät" abgefangen zu haben, das vom Libanon aus in den Norden Israels eingedrungen war. Das israelische Nachrichtenportal ynet berichtete, eine Drohne habe in der Gegend des Grenzorts Schlomi eingeschlagen.
Die proiranische Hisbollah-Miliz erklärte ihrerseits, sie habe den Eingang eines Luftraums in den Norden Israels beobachtet und Drohnenangriffe auf israelische Militärfahrzeuge im Süden geflogen. Die Hisbollah kämpfe mit israelischen Streitkräften, die in Richtung der Ortschaft Majdal Sun vorrückten. Israel erklärt, die Hisbollah vernichten zu wollen, die Angriffe gegen israelische Soldaten im Süden des Libanons sowie aufs Nachbarland Israel fliegt.
Opferzahlen und Hintergrund
Ein Fotovermerk datiert einen israelischen Luftangriff auf die südlibanesische Stadt Nabatieh auf den 12. Juni 2026: „Smoke rises from the site of an Israeli airstrike that targeted the southern Lebanese city of Nabatieh on June 12, 2026"; das Bild wird Abbas Fakih / AFP zugeschrieben. Nach libanesischen Angaben sind bei den israelischen Einsätzen im Libanon seit Anfang März mehr als 3.700 Menschen getötet worden. Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden.
Die Hisbollah hat sich zu den jüngsten Vorfällen bisher nicht geäußert. Die Miliz lehnt eine Waffenruhe ab und reagiert nach eigenen Angaben auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei, als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei feuert die Hisbollah seither immer wieder Raketen auf Israel ab. Anfang Juni einigten sich Israel und der Libanon in einem neuen Vorstoß auf eine Umsetzung der Waffenruhe. Die Hisbollah lehnte dies jedoch ab.
Politische Reaktionen in Beirut
Hezbollah's parliamentary representative Ali Fajad forderte am Samstag, jede Vereinbarung zur Beendigung der Kämpfe zu nutzen. Der Libanon müsse davor jedoch „die Politik der Unterordnung gegenüber den Israelis und des Gehorchens gegenüber den Amerikanern" aufgeben. Am selben Tag erklärte der libanesische Präsident Aoun, der Libanon stehe vor einer „Bewährungsprobe", und rief er im Onlinedienst X die Libanesen dazu auf, sich „um einen souveränen Staat zu scharen, der das Waffenmonopol innehat", um nicht „Geisel der Logik der Milizen" zu bleiben.
Verhandlungen zwischen Washington und Teheran
Die israelischen Angriffe im Libanon sind einer der Kernpunkte bei den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zur Beendigung des Kriegs in der Golfregion. Der Iran fordert, dass ein Waffenruhe-Abkommen den Libanon einschließt; Israel ist strikt dagegen, die beiden Fronten (Iran und Libanon) in einem solchen Abkommen zu verknüpfen. Nach den Angaben eines hochrangigen US-Beamten umfasst das derzeit diskutierte Abkommen tatsächlich auch den Libanon – obwohl die USA zuvor erklärt hatten, diese Frage separat behandeln zu wollen.
Die Lage verdeutlicht die Brüchigkeit der seit dem 17. April formell in Kraft befindlichen Waffenruhe: Eigentlich gilt im Libanon seit dem 17. April eine Waffenruhe, dennoch greifen sich beide Seiten weiter täglich an. Israel fliegt seinerseits Luftangriffe auf zahlreiche Ziele im Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze; die Hisbollah antwortet aus der Luft mit Drohnen und Raketen.
Internationale Beobachter werten die neuerliche Eskalation als Rückschlag für die ohnehin stockenden Vermittlungsbemühungen. Da sowohl Teheran als auch Washington ein Interesse an einer Beruhigung der Golfregion haben, dürfte der libanesische Kriegsschauplatz in den kommenden Verhandlungsrunden eine zentrale Rolle spielen – zumal die Hisbollah als Verbündete des Iran in den Konflikt eingebunden ist und eine Lösung im Libanon aus Sicht Teherans Bedingung für eine umfassendere Vereinbarung ist.
Ausblick auf die Waffenruhe
Beobachter sehen in der Häufung der Drohnenangriffe auf Nordisrael zudem ein Signal der Hisbollah, dass sie ungeachtet der israelischen Luftüberlegenheit weiterhin in der Lage ist, militärischen Druck aufzubauen. Die israelische Führung hatte wiederholt erklärt, die Miliz „vernichten" zu wollen; die jüngsten Angriffe im Südlibanon werden von israelischer Seite als direkte Reaktion auf die Hisbollah-Schläge gegen israelische Soldaten und Ortschaften im Grenzgebiet dargestellt.
Unklar bleibt, ob die Waffenruheverhandlungen zwischen Israel und dem Libanon unter dem Eindruck der neuerlichen Gewalt neu aufgenommen werden. Präsident Aouns Appell an die eigene Bevölkerung, sich um einen Staat mit Waffenmonopol zu scharen, deutet jedenfalls auf wachsenden innenpolitischen Druck in Beirut hin, die bewaffneten Milizen politisch einzuhegen – ein Vorhaben, das unmittelbar mit der Frage einer umfassenden Waffenruhe im Land verknüpft ist.
Fragen & Antworten
Wer ist Avichay Adraee und welche Rolle spielt er in den aktuellen Angriffen?
Avichay Adraee ist nach Angaben aus den vorliegenden Fakten der arabischsprachige Sprecher der israelischen Armee; er veröffentlichte die Evakuierungsaufrufe für 13 und später 16 weitere Orte im Südlibanon auf Onlinediensten in arabischer Sprache.
Warum kommt es trotz der Waffenruhe vom 17. April weiter zu Kämpfen?
Eigentlich gilt im Libanon seit dem 17. April eine Waffenruhe, dennoch greifen sich beide Seiten weiter täglich an; die Hisbollah lehnt eine Waffenruhe ab und fliegt nach eigenen Angaben als Reaktion auf die Tötung des iranischen Führers Khamenei Raketen und Drohnen auf Israel.
Welche Forderungen stellt die Hisbollah für ein Ende der Kämpfe?
Die Hisbollah fordert nach Angaben ihres Parlamentsvertreters Ali Fajad, dass der Libanon zunächst „die Politik der Unterordnung gegenüber den Israelis und des Gehorchens gegenüber den Amerikanern" aufgebe, und verlangt zudem den vollständigen Abzug der israelischen Bodentruppen aus dem Libanon.
Israel greift Südlibanon an – Hisbollah-Drohnen | nachrichten360