Größter Börsengang der Geschichte: SpaceX geht an die Nasdaq und macht Elon Musk zum ersten Billionär
Washington, 12. Juni 2026
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Kurzfassung
Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX hat am Donnerstag den nach eigenen Angaben größten Börsengang der Geschichte abgeschlossen und dabei rund 75 Milliarden Dollar eingenommen. Der Schritt katapultiert Gründer Elon Musk zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion Dollar und SpaceX in die Liste der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt.
Das texanische Raumfahrtunternehmen SpaceX hat am Donnerstag (Ortszeit) 555,6 Millionen Aktien zu einem Preis von jeweils 135 Dollar verkauft und damit den nach eigenen Angaben größten Börsengang der Geschichte abgeschlossen.
Mit Einnahmen von rund 75 Milliarden Dollar bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar ist es zudem der größte Börsengang, den es bisher gab. Die ausgegebenen Aktien machen nur knapp 5 Prozent der Anteile an SpaceX aus. Auf Basis des Ausgabepreises wird das Unternehmen mit etwa 1,8 Billionen Dollar bewertet – und damit in die Liste der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt katapultiert. Das ist mehr als Musks Tesla (1,5 Billionen).
Am Freitag werden die Aktien erstmals an der amerikanischen Tech-Börse Nasdaq in New York gehandelt. Der ordentliche Handel mit SpaceX-Titeln startet aber nicht mit Börseneröffnung um 9 Uhr 30 New Yorker Zeit, sondern voraussichtlich erst einige Stunden später. Der Ausgabepreis wird mit 135 US-Dollar avisiert, die Bewertung danach bei etwa 1,77 Billionen Dollar.
Rekord-Börsengang mit Lücke zum Alltag
Elon Musk, der das Raumfahrt-Startup 2002 gegründet hatte, behält auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten. Über seine Class-B-Stimmrechte kontrolliert Musk auch nach dem IPO mehr als 82 Prozent der Stimmen. Musk selbst gehören mehr als 40 Prozent von SpaceX; der Börsengang macht ihn aller Voraussicht nach zum ersten Dollar-Billionär der Welt.
Aktuell schätzt etwa Bloomberg sein Vermögen auf rund 700 Milliarden Dollar. Elon Musk hat sogar versprochen, im ersten Jahr nach dem Börsengang keine Aktien zu verkaufen. Pensionsfonds aus Kalifornien und New York haben genau diese Struktur in einem Brief gerügt.
Ansturm der Kleinanleger übertrifft Angebot
Wie mehrere Medien unter Berufung auf Insider berichteten, war der Andrang von Kleinanlegern riesig. Sie sollen über eine Handvoll ausgewählter Broker Kaufangebote für über 100 Milliarden Dollar eingereicht haben. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg kamen von ihnen Order im Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar. Beim Börsengang von SpaceX blieb ihnen wohl rund ein Fünftel der knapp 555,6 Millionen Aktien vorbehalten, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Üblicherweise liegt der Anteil bei fünf bis sieben Prozent.
Ihnen wurden aber nur gut 20 Prozent der ausgegebenen Aktien zugeteilt – die meisten gingen also leer aus. Der Rest der Titel ging an institutionelle Investoren. Dazu gehören Vermögensverwalter wie Blackrock, Banken, Hedge-Fonds sowie passive Indexfonds. Letztere müssen SpaceX-Titel kaufen, weil das Unternehmen in Kürze in wichtige Indizes wie den Nasdaq 100 aufgenommen wird.
Index-Aufnahme im Eiltempo
Die Index-Anbieter Nasdaq und FTSE Russell änderten dafür ihre Vorgaben kurzfristig, MSCI verwies im Mai auf 2007 eingeführte Regeln für große Börsengänge. Nasdaq-100 und Russell haben ihre Fast-Entry-Regeln angepasst, S&P nicht. S&P Dow Jones unterdessen hält dagegen und bleibt dabei, dass die Aktie erst nach zwölf Monaten auf dem Markt in den Auswahlindex S&P 500 einziehen kann.
SpaceX verfügt zwar über ein wachsendes Geschäft mit Raketenstarts und seinem Satellitennetzwerk Starlink, schrieb zuletzt wegen hoher Investitionen in KI-Rechenkapazität aber bedeutende Verluste. Das von Tech-Entrepreneur Elon Musk gegründete und geführte Unternehmen wird derzeit also tatsächlich mit rund 1,8 Billionen Dollar bewertet. Die Bewertung zum Börsendebüt ist mehr als 90 Mal höher als der vergangene Jahresumsatz.
Das Unternehmen machte im vergangenen Jahr weniger als 19 Milliarden Dollar Umsatz und steckt tief in den roten Zahlen. Wegen Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz schrieb SpaceX zuletzt allerdings rote Zahlen. Den Großteil der Erlöse – rund elf Milliarden Dollar – erwirtschaftete im vergangenen Jahr der Satelliteninternet-Dienst Starlink. Zu dem Unternehmen gehört unter anderem auch das Satellitennetzwerk Starlink.
Wachstum durch Starlink, Verluste durch KI-Investitionen
Starlink kam Ende März auf gut zehn Millionen Kunden. SpaceX brachte dafür rund 9.600 Satelliten in die Umlaufbahn. Amazon baut einen Konkurrenzdienst auf, hat aber noch deutlich weniger Satelliten. Sieht das Unternehmen allein für Satelliten-Konnektivität einen Gesamtmarkt von 1,6 Billionen Dollar – für alle Anbieter allerdings, das insgesamt auf mehr als 22 Billionen Dollar geschätzt wird.
Insbesondere seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms ist SpaceX aktuell praktisch unverzichtbar für die US-Raumfahrt und das Militär. Das Unternehmen hat für seine wiederverwendbaren Trägerraketen lukrative Verträge mit der US-Raumfahrtagentur Nasa abgeschlossen. Doch SpaceX gelang es, günstigere Raketen zu bauen – und sie auch noch wiederverwendbar zu machen, was die Kosten noch einmal senkte.
Vor einigen Monaten ließ Musk zudem SpaceX seine KI-Firma xAI übernehmen, in der zuvor auch die Online-Plattform X aufging. Musk plant unter anderem Rechenzentren in der Umlaufbahn – wobei bisher offen ist, ob das technisch funktioniert. Bei dem ebenfalls von ihm geführten Elektroauto-Hersteller Tesla etwa funktioniert das autonome Fahren noch immer nicht so, wie von ihm in den vergangenen zehn Jahren versprochen. Musk ist oft zu optimistisch bei seinen Ankündigungen, die manchmal erst Jahre nach von ihm genannten Fristen erfüllt werden.
Risiken und Warnungen vor dem Handelsstart
Finanzexperten haben Investoren deshalb vor Risiken beim Kauf von Aktien gewarnt. Insbesondere die Kurse der Tech-Unternehmen sind von grosser Volatilität geprägt. Wegen des Iran-Kriegs und der Unsicherheit, wer zu den Gewinnern und Verlierern des anrollenden KI-Booms gehört, herrscht an den Börsen derzeit eine sehr hohe Nervosität. Laut der Börsenaufsicht SEC will das Unternehmen wegen der großen Nachfrage mehr Aktien ausgeben als ursprünglich geplant.
Eine Truist-Analyse von 30 großen Tech-IPOs der vergangenen 15 Jahre zeigt im ersten Handelsjahr einen durchschnittlichen Maximalverlust von 55 Prozent. Mehr als die Hälfte notierte ein Jahr nach dem Debüt im Minus. IPO-Forscher Jay Ritter von der University of Florida ergänzt die unbequeme Kennzahl: Über mehr als 9.200 Börsengänge seit 1980 lag die durchschnittliche marktbereinigte Drei-Jahres-Rendite für Anleger, die zum Schlusskurs des ersten Handelstags kauften, bei minus 21 Prozent. Im Schnitt legen IPOs am ersten Tag rund 19 Prozent zu.
Sam Grelck von Truist Advisory Services warnt, dass gerade dieser hohe Privatanleger-Anteil die Volatilität anheizen könnte. Bis zu 30 Prozent der Aktien gehen an Privatanleger, das Drei- bis Sechsfache des üblichen Anteils. Statt der üblichen 180-tägigen Sperrfrist dürfen einige Insider – Musk selbst ausdrücklich nicht – bereits rund zwei Tage nach dem ersten Quartalsbericht verkaufen. Die SpaceX-Angestellten können ihre Aktien indes noch nicht von Beginn weg verkaufen, sondern erst gestaffelt im Lauf der nächsten Monate.
Historischer Vergleich und Ausblick
Beim derzeit wertvollsten Unternehmen, dem knapp fünf Billionen Dollar teuren Chipkonzern Nvidia liegt dieser Wert bei etwa 20, bei Apple bei rund 10. Bei 135 Dollar pro Aktie ist SpaceX im Nasdaq-100 gemessen am Jahresumsatz das teuerste Unternehmen. Das zweitgrösste Initial Public Offering (IPO) brachte 2019 der saudische Erdölkonzern Saudi Aramco zustande, der etwas mehr als 29 Milliarden Dollar aufnahm.
Neben dem Gründer werden auch zahlreiche Wagniskapitalgeber und Mitarbeiter, die seit Jahren SpaceX-Anteile halten, vom Börsengang profitieren. 87 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage auf dem LinkedIn-Profil von Autor Leon Müller begrüßen die Entscheidung von S&P, die Aufnahmeregeln für die eigenen Indexfamilie nicht zu lockern, um SpaceX einen Fast Entry zu ermöglichen. Deutsche Anleger konnten am Donnerstag noch ihre Aufträge für eine mögliche Zuteilung hinterlegen. US-Aktien sind bei finanzen.net ZERO sogar bis 23 Uhr handelbar (ohne Ordergebühren, zzgl. Spreads).
Fragen & Antworten
Wer ist Elon Musk in Bezug auf den SpaceX-Börsengang?
Elon Musk hat das Raumfahrtunternehmen SpaceX im Jahr 2002 gegründet. Durch den Börsengang wird er voraussichtlich der erste Mensch mit einem Vermögen von mehr als einer Billion Dollar.
Warum ist der SpaceX-Börsengang historisch?
Mit Einnahmen von rund 75 Milliarden Dollar bei einem Preis von 135 Dollar pro Aktie ist es der größte Börsengang, den es bisher gab – er übertrifft den bisherigen Rekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 deutlich.
Welche Risiken sehen Experten beim Kauf von SpaceX-Aktien?
Eine Analyse von 30 großen Tech-Börsengängen der vergangenen 15 Jahre zeigt im ersten Handelsjahr einen durchschnittlichen Maximalverlust von 55 Prozent, und Tech-Aktien sind derzeit besonders volatil.
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