Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX will bei seinem Börsengang an der NASDAQ rund 75 Milliarden US-Dollar einsammeln und strebt dabei eine Gesamtbewertung von knapp 1,8 Billionen US-Dollar an. Gründer Elon Musk wird durch Vorzugsaktien mit erhöhtem Stimmrecht mehr als 80 Prozent der Stimmrechte behalten.
Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX plant am 12. Juni seinen Börsengang an der NASDAQ in New York und will dabei rund 75 Milliarden US-Dollar einnehmen, womit es die größte Emission der Geschichte wäre.
Die US-Wertpapieraufsicht SEC bestätigte am Mittwoch entsprechende Medienberichte. Demnach will SpaceX mehr als 555 Millionen Aktien zu einem einheitlichen Ausgabepreis von 135 US-Dollar ausgeben. Damit würde SpaceX beim Börsengang fast 75 Milliarden US-Dollar erlösen – vor Gebühren. Mit diesem Volumen würde das Unternehmen den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco übertreffen, der im Jahr 2019 mit knapp 29 Milliarden US-Dollar an die Börse gegangen war.
SpaceX legt den Ausgabepreis selbst fest und folgt damit nicht dem üblichen Verfahren, bei dem Unternehmen zunächst eine Preisspanne nennen und den konkreten Kurs auf Basis der Investorennachfrage bestimmen. Angesichts der gewaltigen Größenordnung hat die NASDAQ ihre Regeln eigens für diesen Börsengang angepasst.
Ausgabepreis und Platzierungsvolumen
Bei dem angestrebten Kurs entspricht das Unternehmen einer Gesamtbewertung von knapp 1,8 Billionen US-Dollar. Insiderangaben zufolge bewertet sich SpaceX auf Basis des Ausgabepreises selbst mit rund 1,75 Billionen US-Dollar. Damit wäre SpaceX mehr wert als der Facebook-Mutterkonzern Meta, der aktuell auf eine Marktkapitalisierung von etwa 1,6 Billionen US-Dollar kommt. Allein die zunächst platzierten 555 Millionen Aktien entsprechen rund 4,3 Prozent des Unternehmens.
Eine Besonderheit ist der hohe Anteil, der an Privatanlegerinnen und Privatanleger verkauft werden soll. Fast ein Drittel der platzierten Aktien ist für Retail-Investoren vorgesehen, verglichen mit üblichen Quoten von fünf bis zehn Prozent. Branchenbeobachter werten dies als Zeichen, dass SpaceX gezielt eine breite Anlegerschaft ansprechen will.
Roadshow und Anlegerstruktur
Während der Vorbereitung des Börsengangs hat das Unternehmen mit einer mehrtägigen Roadshow begonnen. SpaceX-Manager reisen dafür in verschiedene Städte und führen Videokonferenzen, um das Unternehmen großen institutionellen Investoren sowie privaten Anlegerinnen und Anlegern zu präsentieren. Der Handel an der NASDAQ unter dem Tickersymbol SPCX soll am 12. Juni starten.
Trotz der gigantischen Bewertung schreibt SpaceX weiterhin Verluste. Im vergangenen Geschäftsjahr lag das Minus bei rund 4,94 Milliarden US-Dollar, während der Umsatz 18,67 Milliarden US-Dollar (etwa 16 Milliarden Euro) betrug. Ein wesentlicher Grund für die roten Zahlen sind die hohen Entwicklungskosten der 124 Meter großen Rakete Starship, die im Auftrag der NASA Menschen zum Mond bringen soll.
Finanzlage: Verlust trotz Milliardenumsatz
Die größte Einnahmequelle bleibt das Satelliten-Internetangebot Starlink. Der Dienst steuerte 2025 rund 11,4 Milliarden US-Dollar zum Umsatz bei, fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen lukrative Verträge mit der US-Raumfahrtbehörde NASA sowie die dominante Stellung im Markt für Raketenstarts.
Durch die Emission steigt der Wert des Anteils von Elon Musk an SpaceX nach Berechnungen auf rund 866,5 Milliarden US-Dollar. Zusammen mit seinen Tesla-Aktien im Wert von etwa 350 Milliarden US-Dollar wäre Musk der erste Mensch, dessen Vermögen auf dem Papier die Marke von einer Billion US-Dollar übersteigt. Musk hatte zudem seine KI-Firma xAI und die Onlineplattform X in den SpaceX-Konzern eingebracht; die zusammengeschlossene Einheit wurde laut Medienberichten insgesamt mit 1,25 Billionen US-Dollar bewertet.
Elon Musks Vermögen auf dem Weg zur Billion
Dass Musk seine Kontrolle über SpaceX behält, ist durch die Konstruktion der Aktien abgesichert. Über Vorzugsaktien mit erhöhtem Stimmrecht wird er nach dem Börsengang mehr als 80 Prozent der Stimmrechte halten. Branchenkenner sehen darin ein bewusstes Signal: Investoren kaufen die Aktie weniger wegen kurzfristiger Gewinne, sondern als Wette auf Musks Innovationskraft – vergleichbar mit der Tesla-Erfolgsstory.
Dass diese Wette verfangen kann, zeigt der enorme Kapitalzufluss der vergangenen Wochen. Britische Marktbeobachter beziffern das Volumen unter dem X-Konto GagolaValueCapital so: „Rund 14 Milliarden Dollar sind in Fonds mit SpaceX-Bezug geflossen, seit Musk den Börsengang bestätigt hat.
Bei aller Euphorie verweisen Ökonomen darauf, dass ein Großteil von Musks Vermögen aus Aktien besteht und sich daher nur schwer kurzfristig zu Geld machen lässt. Der theoretische Billionenstatus wäre damit vor allem ein bilanzieller Wert, nicht ohne weiteres liquide Mittel.
Einordnung: Größter Börsengang der Geschichte
Mit der geplanten Notierung Anfang Juni rückt SpaceX in eine Reihe mit den größten börsennotierten Konzernen der Welt. Sollte die Bewertung von 1,8 Billionen US-Dollar tatsächlich erreicht werden, würde SpaceX in der Rangliste der wertvollsten Unternehmen nach Apple, Microsoft und NVIDIA einen der vorderen Plätze einnehmen.
Der Börsengang fällt in eine Phase, in der auch andere Tech-Giganten frisches Kapital aufnehmen. So plant der Google-Mutterkonzern Alphabet eine Kapitalerhöhung von 80 Milliarden US-Dollar, an der sich bereits Warren Buffetts Investmentfirma Berkshire Hathaway mit zehn Milliarden US-Dollar beteiligt hat. Nvidia wiederum stellte auf der Computex-Messe in Taiwan unter dem Namen RTX Spark einen neuen Notebook-Prozessor vor.
Der Erfolg des SpaceX-IPO gilt auch als Lackmustest für die Risikobereitschaft der globalen Anleger in einem zunehmend KI- und Raumfahrt-getriebenen Marktumfeld. Sollte SpaceX trotz der rekordhohen Bewertung und der anhaltenden Verluste erfolgreich an die Börse gehen, könnte dies den Weg für weitere Großemissionen ebnen.
Risiken und Bewertungsfragen
Beobachter sehen das Besondere an dem Börsengang darin, dass SpaceX zwar ein verlustreiches, aber zugleich operativ dominantes Unternehmen ist. Mit Starship und den bereits etablierten Starlink-Satelliten verfüge der Konzern über eine einzigartige Kombination aus Infrastruktur und Zukunftstechnologie, heißt es in Branchenkreisen.
Investoren müssen bei der Entscheidung letztlich abwägen, ob sie auf kurzfristige Rendite oder auf das langfristige Narrativ von Mars-Missionen, Mond-Städten und Weltraum-Rechenzentren setzen wollen – alles Vorhaben, die Musk in den vergangenen Jahren öffentlich skizziert hat.
Fest steht: Mit dem 12. Juni wird ein Datum geschrieben, das die Finanz- und Technologiegeschichte nachhaltig prägen dürfte. Die Notiz SPCX an der NASDAQ wird zur Bühne für eine der gewagtesten Wetten der vergangen Jahre auf ein einzelnes Unternehmen.
Zum Vergleich: Sollte SpaceX das angestrebte Volumen tatsächlich erreichen, wäre der Erlös mehr als doppelt so hoch wie beim bisherigen Rekord-IPO von Saudi Aramco im Jahr 2019. Kein anderer Börsengang hat in der Geschichte der Kapitalmärkte auch nur annähernd eine solche Größenordnung erreicht.
Fragen & Antworten
Wie viel Geld will SpaceX beim IPO einsammeln?
SpaceX plant, beim Börsengang am 12. Juni 2026 rund 75 Milliarden US-Dollar zu erlösen, indem mehr als 555 Millionen Aktien zu 135 US-Dollar ausgegeben werden. Das wäre der größte Börsengang der Geschichte.
Warum behält Elon Musk die Kontrolle über SpaceX?
Elon Musk hält Vorzugsaktien mit erhöhtem Stimmrecht und wird nach dem IPO mehr als 80 Prozent der Stimmrechte besitzen, obwohl nur rund 4,3 Prozent der Anteile an die Börse gehen.
Was macht SpaceX trotz Verlusten so wertvoll?
SpaceX erzielte im vergangenen Jahr 18,67 Milliarden US-Dollar Umsatz, schrieb aber 4,94 Milliarden US-Dollar Verlust – unter anderem wegen der Entwicklungskosten der Mondrakete Starship. Dennoch treibt vor allem das Satelliten-Internet Starlink mit 11,4 Milliarden US-Dollar Umsatz 2025 die Bewertung.