Größter Börsengang der Geschichte: SpaceX startet an der Nasdaq – US-Tech-Aktien unter Druck
New York, 08. Juni 2026
Bruno Sanchez-Andrade Nuño from Washington, DC, USA / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Der mit Spannung erwartete Börsengang von SpaceX an der Nasdaq gilt als der größte der Geschichte und soll rund 75 Milliarden US-Dollar einbringen. Gleichzeitig gerieten die großen US-Technologieaktien unter Druck, da Anleger Mittel zugunsten des Weltraumkonzerns umschichten könnten.
Das Raumfahrtunternehmen SpaceX startet am kommenden Freitag mit dem Tickersymbol SPCX an der Nasdaq in New York und will beim nach eigener Darstellung größten Börsengang der Geschichte rund 75 Milliarden US-Dollar einsammeln, während die Kurse der großen US-Technologiekonzerne am Donnerstag deutlich nachgaben.
Rekordvolumen und Bewertung
Elon Musks (Nicht-nur)-Weltraumfirma will bei ihrem Rekord-Börsengang an diesem Freitag rund 75 Milliarden US-Dollar einnehmen. Es ist der mit Abstand größte Börsengang der Geschichte und soll 75 Milliarden Dollar in die Kassen von Elon Musks Weltraumunternehmen SpaceX spülen. Am kommenden Freitag ist es soweit, dann wird die SpaceX-Aktie mit dem Kürzel SPCX an der New Yorker Nasdaq starten. Den Ausgabepreis hat das Unternehmen auf 135 Dollar (rund 116 Euro) pro Aktie festgelegt, ohne – wie sonst üblich – zuvor eine Preisspanne zu nennen. Insgesamt werden 555,6 Mio. Aktien ausgegeben.
Damit würde SpaceX mit 1,8 Bio. Dollar bewertet. Je nach aktuellem Börsenkurs würde es nach der Google-Mutter Alphabet und noch vor dem Ölkonzern Saudi Aramco auf dem sechsten Platz rangieren. SpaceX würde dann an der Börse mit einem Schlag rund 1,7 Billionen Dollar schwer sein und sich somit in die Riege der zehn wertvollsten Börsenunternehmen weltweit einreihen. Die Liste der Billionen-Dollar-Konzerne wird derzeit von dem KI-Giganten Nvidia angeführt, der rund 5 Billionen Dollar auf die Waage bringt.
Geschäftsmodell: Starlink, Raketen und Verluste
Dass SpaceX mit seinen Raketen eine Schlüsselrolle für das US-Raumfahrtprogramm spielt, unterstreicht die strategische Dimension. Das 2002 von Elon Musk gegründete Unternehmen war im vergangenen Jahr für mehr als die Hälfte der weltweiten Raketenstarts verantwortlich. Zugleich gilt der Konzern als hochprofitabel im operativen Geschäft, schreibt aber rote Zahlen auf der unteren Zeile: 2025 betrug der operative Gewinn 7,2 Mrd. Dollar, der Nettoverlust belief sich auf 4,9 Mrd. Dollar. Im vergangenen Jahr gab es rote Zahlen in Milliardenhöhe – vor allem wegen hoher Kosten für die Entwicklung der großen Rakete Starship.
Das Gros der Einnahmen kommt mit rund 60 Prozent vom Satellitennetzwerk Starlink, das als einziger Geschäftszweig profitabel ist. Das weltumspannende Satellitennetzwerk Starlink mit mehr als 10.000 Satelliten im Orbit kommt zur Breitband-Internetversorgung und Mobiltelefonie ebenso zum Einsatz wie zur militärischen Kommunikation. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 18 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Erste Mobilfunkfrequenzen in den USA hat man bereits erworben, um Schnittstellen zwischen Satelliten- und Mobilfunknetz zu schaffen.
Privatanleger und Zeichnungswege in Deutschland
Rund 25 Prozent der neu ausgegebenen Aktien sollen an private Investoren gehen, sie werden von großen US- und internationalen Banken vertrieben. Der Rest fällt institutionellen Investoren zu. Medienberichten zufolge will Musk den Anteil für Privatanleger deutlich höher ansetzen, als das bei Börsengängen üblich ist. In Deutschland können Privatkunden SpaceX-Aktien über Broker wie Flatex und Trade Republic zeichnen, solange die Zeichnungsfrist läuft. Wie viele Aktien ein Anleger letztlich erhält, hängt von der Nachfrage im Zeichnungszeitraum ab.
Es gibt Spekulationen, dass die Nachfrage nach SpaceX-Papieren doppelt so hoch ist wie das verfügbare Angebot. Der hohe Andrang weckt Begehrlichkeiten, sorgt aber auch für Skepsis. Zuletzt hieß es etwa von der Ratingagentur Morningstar, dass die Aktie "deutlich überbewertet" sei. Einen angemessenen Wert sieht man bei 780 Mrd. Dollar. Die Bewertung von SpaceX sei der Preis für Leidenschaft, Faszination und den Traum, den alle Kinder gehabt hätten, als sie zum ersten Mal in die Sterne blickten, sagt Tristan Abet, thematischer Investment-Spezialist bei Kepler Cheuvreux.
Bewertungsdebatte: Faszination versus Fundament
Der SpaceX-Börsengang markiert einen Wendepunkt für die Weltraumwirtschaft, sagt Alicia Daurignac, Fondsmanagerin beim französischen Vermögensverwalter La Financière de l'Echiquier. Abet geht noch weiter: "Wir haben es hier nicht mit einem gewöhnlichen Vorstandsvorsitzenden zu tun, sondern mit einem Guru, einer Art Krishna des Sternenkultes." Der Experte zeigt sich skeptisch angesichts der Bewertung des Unternehmens. Der kommende Börsengang könnte den Weltraumsektor als legitime Infrastruktur-Kategorie neben Energie und Telekommunikation neu verorten, weg von einem reinen Spekulationsthema.
Musks Macht: Stimmrechte, Ämter und das Billionen-Ziel
Verläuft alles nach Plan, wäre Musk der erste Billionär der Welt, denn er behält weiter die vollständige Kontrolle an SpaceX. Insgesamt hält er, abgesichert durch zwei Aktienklassen, 85,1 Prozent der Stimmrechte, aber nur 42 Prozent der Aktien. Musk will die Positionen des CEO, Technikchefs und Verwaltungsratsvorsitzenden gleichzeitig einnehmen. Damit würde der 54-Jährige zum ersten Billionär der Welt werden, sollte der Aktienkurs wie erhofft steigen.
Musk hat zudem seine KI-Firma xAI mit der Online-Plattform X in SpaceX integriert. Das KI-Unternehmen xAI umfasst etwa den Chatbot Grok und das Online-Netzwerk X (ehemals Twitter). Mit dem Erlös aus dem Börsengang will SpaceX nach eigenen Angaben unter anderem Rechenzentren im All für günstige KI-Rechenleistung aufbauen sowie die Besiedelung von Mond und Mars vorantreiben. Rechenzentren im All für günstige KI-Rechenleistung sind ebenso geplant wie die Besiedelung von Mond und Mars. Erste Roboter sollen bereits Anfang nächsten Jahres dort landen.
Druck auf die "Magnificent Seven"
Im Vorfeld des IPO gerieten die großen US-Technologieaktien am Donnerstag deutlich unter Druck. Für die Expertin Jane Gibbons vom Analysehaus Jefferies sind die sieben wertvollsten und einflussreichsten US-Technologieunternehmen eine wahrscheinliche Liquiditätsquelle, die sogenannten glorreichen Sieben – also Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Tesla. Sollten Anleger Positionen in diesen Werten auflösen, um SpaceX-Papiere zu kaufen, könnten die Kurse der etablierten Tech-Giganten zusätzlich belastet werden.
"Lex SpaceX" und die Rolle der Indexfonds
Ein weiterer Mechanismus verstärkt den Effekt: Indexanbieter wie MSCI wollen SpaceX bereits wenige Tage nach dem Börsengang berücksichtigen. Einige Indexanbieter haben dafür ihre Mindest-Free-Float-Anforderungen gelockert und Wartezeiten verkürzt – ein Schritt, der in der Branche bereits als "Lex SpaceX" bezeichnet wird. Diese Index-Regeländerungen ermöglichen es, SpaceX schneller als üblich in wichtige Aktienindizes aufzunehmen.
"Dann kaufen Indexfonds automatisch – ohne Rücksicht auf Bewertungsmodelle oder Wachstumsstory", warnt Audun Wickstrand Iversen, Portfoliomanager bei DNB Asset Management. Indexfonds und Pensionskassen dürften damit zu den großen Akteuren gehören, deren Umschichtungen künftig ganze Sektoren oder andere Märkte belasten könnten. Anleger, die passiv investieren, werden damit zu unbeabsichtigten Käufern einer Aktie, die einzelne Analysten für deutlich überbewertet halten.
Die Mischung aus Höchstbewertung, Verlustbilanz, beschleunigter Indexaufnahme und ungewöhnlich hoher Privatanlegerquote macht den Börsengang für viele Marktbeobachter zu einem Lackmustest. Anleger, die in den kommenden Tagen auf Preise bei Flatex, Trade Republic oder anderen Brokern achten, dürften schon am Freitag erste Indizien erhalten, ob der Rummel um SpaceX den erwarteten Verlauf nimmt – oder ob der größte Börsengang der Geschichte die Kurse der bisherigen Marktführer dauerhaft mit nach unten zieht.
Fragen & Antworten
Was macht den SpaceX-Börsengang so besonders?
Mit einem Volumen von rund 75 Milliarden US-Dollar wäre es der größte Börsengang der Geschichte; die Bewertung erreichte etwa 1,8 Billionen Dollar und damit Platz sechs im globalen Ranking.
Warum geraten die "Magnificent Seven" unter Druck?
Anleger könnten Positionen bei Nvidia, Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Tesla auflösen, um SpaceX-Papiere zu kaufen, und so die Kurse der Tech-Giganten belasten.
Was ist die "Lex SpaceX" bei den Indexanbietern?
Anbieter wie MSCI haben Mindest-Free-Float-Anforderungen gelockert und Wartezeiten verkürzt, damit SpaceX schon wenige Tage nach dem IPO in wichtige Indizes aufgenommen werden kann.
SpaceX IPO Nasdaq: 75 Mrd. Dollar – Druck auf US-Tech-Aktien | nachrichten360