Größter Börsengang der Geschichte: SpaceX feiert Nasdaq-Debüt – Musk wird erster Billionär
Wien/New York, 12. Juni 2026
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Kurzfassung
Der US-Raumfahrt- und KI-Konzern SpaceX hat am Freitag den größten Börsengang der Geschichte abgeschlossen und ist bei seinem Nasdaq-Debüt rund 1,77 Billionen Dollar wert. Der Sprung katapultiert Firmenchef Elon Musk zum ersten menschlichen Billionär, lässt aber auch Risiken einer extremen Bewertung offen.
Wien/New York, 12. Juni 2026
Der US-Raumfahrt- und KI-Konzern SpaceX von Elon Musk hat am Freitag den größten Börsengang der Geschichte abgeschlossen und ist bei seinem Debüt an der Technologiebörse Nasdaq in New York rund 1,77 Billionen Dollar wert.
Rekorderlös von 75 Milliarden Dollar
Am Donnerstagabend hatte das texanische Unternehmen den Verkauf von rund 555,6 Millionen Aktien zum Ausgabepreis von 135 Dollar bestätigt. Daraus ergibt sich ein Erlös von etwa 75 Milliarden Dollar – ein absoluter Rekord, wie es in Finanzkreisen heißt. „SpaceX hat mit seinem Börsengang also wie geplant 75 Milliarden Dollar aufgenommen – ein absoluter Rekord“, schrieb die Nachrichtenagentur. Die ausgegebenen Aktien machen nur knapp fünf Prozent der gesamten Anteile an SpaceX aus; das Unternehmen ist damit aus dem Stand mehr wert als der Facebook-Konzern Meta.
Mit dem Erlös übertrifft SpaceX den bisherigen Rekordhalter deutlich: Beim zuvor größten Börsengang hatte die saudi-arabische Ölfirma Saudi Aramco im Jahr 2019 gut 29 Milliarden Dollar eingenommen. Auch gemessen am Jahresumsatz ist das Unternehmen mit 135 Dollar pro Aktie enorm hoch bewertet; SpaceX wird nach dieser Metrik die mit Abstand teuerste Firma im Technologie-Index Nasdaq 100 sein. Die Bewertung zum Börsendebüt ist mehr als 90 Mal höher als der vergangene Jahresumsatz – und das ist außergewöhnlich viel.
Hohe Verluste trotz wachsender Geschäfte
Im vergangenen Jahr hatte SpaceX weniger als 19 Milliarden Dollar Umsatz erzielt – rund 18,67 Milliarden Dollar, wie aus dem Prospekt hervorgeht – und gleichzeitig rote Zahlen von rund 4,94 Milliarden Dollar geschrieben. „Elon Musks Weltraumfirma SpaceX machte im vergangenen Jahr weniger als 19 Milliarden Dollar Umsatz und steckt tief in den roten Zahlen – und ist zum Börsendebüt fast 1,8 Billionen Dollar wert“, heißt es in der Berichterstattung. Ein Grund für das Minus sind die hohen Kosten für die Entwicklung der großen Rakete Starship. Hinzu kommen Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz.
Den Großteil der Erlöse – rund elf Milliarden Dollar – erwirtschaftete im vergangenen Jahr der Satelliteninternet-Dienst Starlink. Starlink kam Ende März auf gut zehn Millionen Kunden. SpaceX brachte dafür rund 9.600 Satelliten in die Umlaufbahn. Amazon baut einen Konkurrenzdienst auf, hat aber noch deutlich weniger Satelliten. Laut Börsenprospekt sieht das Unternehmen allein für Satelliten-Konnektivität einen Gesamtmarkt von 1,6 Billionen Dollar – für alle Anbieter allerdings.
Extreme Bewertung im Vergleich zu Nvidia und Apple
Die enorme Bewertung lässt sich auch am sogenannten Kurs-Umsatz-Verhältnis ablesen. Beim derzeit wertvollsten Unternehmen, dem knapp fünf Billionen Dollar teuren Chipkonzern Nvidia, liegt dieser Wert bei etwa 20, bei Apple bei rund 10. SpaceX liegt mit seiner Bewertung weit darüber. Tech-Aktien sind laut Beobachtern ohnehin von grosser Volatilität geprägt. Wegen des Iran-Kriegs und der Unsicherheit, wer zu den Gewinnern und Verlierern des anrollenden KI-Booms gehört, herrscht an den Börsen derzeit eine sehr hohe Nervosität.
Musk behält auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten. „Musk behält die klare Mehrheit der Anteile“, heißt es. Ihm selbst gehören mehr als 40 Prozent von SpaceX. Damit wird er durch den Börsengang zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion Dollar – zumindest auf dem Papier, gemessen am Wert seiner Aktien von SpaceX und des ebenfalls von ihm geführten Elektroautobauers Tesla.
Musk behält die Kontrolle und wird Billionär
Aktuell schätzt etwa Bloomberg sein Vermögen auf rund 700 Milliarden Dollar. Mit dem Sprung an die Börse dürfte diese Marke deutlich überschritten werden. „Elon Musk hat sogar versprochen, im ersten Jahr nach dem Börsengang keine Aktien zu verkaufen“, berichten Insider. Diese Zusage soll das Vertrauen der Anleger stärken. Dennoch haben Finanzexperten Investoren vor Risiken beim Kauf von Aktien gewarnt.
Die Nachfrage war enorm. Wie mehrere Medien unter Berufung auf Insider berichteten, war der Andrang von Kleinanlegern riesig. Sie sollen über eine Handvoll ausgewählter Broker Kaufangebote für über 100 Milliarden Dollar eingereicht haben. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg kamen von ihnen Order im Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar. Ihnen wurden aber nur gut 20 Prozent der ausgegebenen Aktien zugeteilt – die meisten gingen also leer aus. Üblicherweise liegt der Anteil bei fünf bis sieben Prozent. Der Rest der Titel ging an institutionelle Investoren wie Vermögensverwalter BlackRock, Banken, Hedge-Fonds sowie passive Indexfonds.
Ansturm der Kleinanleger bleibt weitgehend erfolglos
Laut der Börsenaufsicht SEC will das Unternehmen wegen der grossen Nachfrage mehr Aktien ausgeben als ursprünglich geplant. Anders als bei vielen anderen Börsengängen legte SpaceX den Ausgabepreis von 135 Dollar vorab selbst fest. Üblicherweise nennen Unternehmen zunächst eine Spanne – und ermitteln den Preis dann basierend auf dem Interesse der Investoren. Am Freitag werden die Aktien erstmals an der amerikanischen Tech-Börse Nasdaq in New York gehandelt.
Der ordentliche Handel mit SpaceX-Titeln startet aber nicht mit Börseneröffnung um 9 Uhr 30 New Yorker Zeit, sondern voraussichtlich erst einige Stunden später. Die Banken, die als Marktmacher für einen geordneten Ablauf sorgen müssen, brauchen etwas Zeit, um die vermutlich sehr vielen Kauf- und Verkaufsangebote zu organisieren. Die SpaceX-Angestellten können ihre Aktien indes noch nicht von Beginn weg verkaufen, sondern erst gestaffelt im Lauf der nächsten Monate.
Indizes passen Regeln für SpaceX an
Die Index-Anbieter Nasdaq und FTSE Russell änderten dafür ihre Vorgaben kurzfristig, MSCI verwies im Mai auf 2007 eingeführte Regeln für grosse Börsengänge. S&P Dow Jones unterdessen hält dagegen und bleibt dabei, dass die Aktie erst nach zwölf Monaten auf dem Markt in den Auswahlindex S&P 500 einziehen kann. Die schnelle Aufnahme in Indizes ist für viele Fonds zwingend, weil sie ihre Anlagestrategie an diesen Indizes ausrichten.
SpaceX wurde bereits 2002 von Musk gegründet. Der Plan des Tech-Milliardärs war, die Kosten von Raketenstarts drastisch zu senken und irgendwann eine Kolonie auf dem Mars aufzubauen. Dem Unternehmen gelang es, günstigere Raketen zu bauen – und sie auch noch wiederverwendbar zu machen, was die Kosten noch einmal senkte. Für seine wiederverwendbaren Trägerraketen hat SpaceX lukrative Verträge mit der US-Raumfahrtagentur NASA abgeschlossen. Insbesondere seit der Einstellung des Space-Shuttle-Programms ist SpaceX aktuell praktisch unverzichtbar für die US-Raumfahrt und das Militär.
Ausblick: KI-Rechenzentren im All und Mars-Kolonie
In der Zukunft soll es Künstliche Intelligenz sein – auch dank von Rechenzentren im All. Musk plant unter anderem Rechenzentren in der Umlaufbahn – wobei bisher offen ist, ob das technisch funktioniert. Das insgesamt auf mehr als 22 Billionen Dollar geschätzte Marktsegment für Unternehmensanwendungen mit Künstlicher Intelligenz ist eines der großen Ziele. Vor einigen Monaten hatte Musk zudem SpaceX seine KI-Firma xAI übernehmen lassen, in der zuvor auch die Online-Plattform X aufging.
KI-Fantasie treibt amerikanische und europäische Unternehmen an die Wall Street. Von SpaceX bis Innio: In diesem Jahr wagen sich zahlreiche Konzerne an die Börse, die auf den KI-Boom setzen. Mit dem Börsengang von SpaceX ist nun der bislang grösste Schritt gelungen. Der Konzern mit Hauptsitz in Texas ist als US-amerikanisches Raumfahrt- und KI-Unternehmen positioniert – und tritt in eine neue Phase seiner Firmengeschichte ein.
Trotz der Euphorie gibt es Risiken. Bei dem ebenfalls von ihm geführten Elektroauto-Hersteller Tesla etwa funktioniert das autonome Fahren noch immer nicht so, wie von ihm in den vergangenen zehn Jahren versprochen. Die enorme Bewertung von SpaceX basiert auf Erwartungen an künftige Umsätze – nicht auf den aktuellen Geschäftszahlen. Ob der Börsenkurs diese Erwartungen dauerhaft rechtfertigen wird, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.
Fragen & Antworten
Wer ist Elon Musk und welche Rolle spielt er bei SpaceX?
Elon Musk hat SpaceX im Jahr 2002 gegründet und führt das Unternehmen bis heute. Er hält mehr als 40 Prozent der Anteile und behält über Stammaktien mit Mehrfachstimmrecht mehr als 80 Prozent der Stimmrechte, sodass er auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle behält.
Warum ist SpaceX trotz hoher Verluste so viel wert?
SpaceX erzielte im vergangenen Jahr zwar weniger als 19 Milliarden Dollar Umsatz und schrieb rund 4,94 Milliarden Dollar Verlust, wird am Markt aber mit etwa 1,77 Billionen Dollar bewertet. Anleger setzen auf künftige Erlöse aus dem Starlink-Satellitennetz, Raketenaufträgen und neuen Geschäftsfeldern wie KI-Rechenzentren im All.
Welche Risiken sehen Experten beim Kauf von SpaceX-Aktien?
Die Bewertung liegt nach Angaben von Beobachtern mehr als 90 Mal über dem Jahresumsatz und damit weit über dem Niveau von Nvidia oder Apple. Hinzu kommen hohe Entwicklungskosten für die Rakete Starship, milliardenschwere KI-Investitionen und die hohe Volatilität von Tech-Aktien, weshalb Finanzexperten vor Risiken warnen.
SpaceX Börsengang: Rekord-IPO an der Nasdaq – Musk wird | nachrichten360