Wiederkehr stellt Hitzeschutzpaket für Schulen vor: Autonome Maßnahmen ab Warnstufe zwei
Wien, 09. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Nach einem Hitzeschutzgipfel im Bildungsministerium kündigt Christoph Wiederkehr an, dass Schulen ab Hitzewarnstufe zwei eigenständig reagieren können sollen. Die gesetzliche Grundlage soll bis Juni 2027 stehen, zunächst werden 50 Bundesschulen baulich angepasst.
Nach einem Hitzeschutzgipfel im Bildungsministerium hat Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) angekündigt, dass Schulen ab der Hitzewarnstufe zwei eigenständig Maßnahmen wie das Aussetzen von Sportunterricht oder das Verschieben von schriftlichen Leistungsfeststellungen setzen können sollen.
Die Rekordtemperaturen im Juni seien ein "Weckruf" gewesen, sagte Wiederkehr am Mittwoch nach dem Gipfel im Bildungsministerium. Er orientiere sich bei den Warnstufen an jenen der GeoSphere Austria: Warnstufe zwei gilt ab einer gefühlten Temperatur von 30 Grad, Warnstufe drei ab 35 und Warnstufe vier ab 40 Grad.
Da die Schulstandorte und damit die jeweilige Belastung sehr unterschiedlich sind, sollen Schulen autonom ab Hitzewarnstufe zwei Maßnahmen setzen können, erklärte Wiederkehr. Konkret können ab Stufe zwei körperliche Tätigkeiten wie Sportunterricht ausgesetzt und schriftliche Leistungsfeststellungen verschoben werden.
Stufenweise Maßnahmen je nach Warnstufe
Ab Hitzewarnstufe drei sollen Eltern ihre schulpflichtigen Kinder zuhause lassen können, wenn sie es möchten. Außerdem sollen eine Verkürzung der Unterrichtsstunden, längere Pausen oder ein früherer Unterrichtsschluss möglich sein. Ab der Sekundarstufe zwei soll es zusätzlich die Möglichkeit geben, auf Distance Learning umzustellen.
Wiederkehr betonte zugleich, dass ein gänzliches "Hitzefrei" weiterhin nicht vorgesehen sei. Man wolle das Problem nicht an die Familien delegieren, meinte der Bildungsminister. Schließlich seien die räumlichen Bedingungen zuhause oft nicht anders als in der Schule. Eltern sollen aber die Sicherheit haben, dass Betreuung in den Schulen stattfindet, wenn der Nachmittagsunterricht ausfällt.
"Es wird hier ein berechtigtes Fernbleiben ermöglicht, wenn am Standort Maßnahmen getroffen werden", so Wiederkehr. Die gesetzlichen Grundlagen dafür müssen noch geschaffen werden, im Juni 2027 sollen sie aber bereits angewandt werden. Im Laufe dieses Sommers will Wiederkehr einen Aktionsplan ausarbeiten.
Bauliche Anpassungen und Finanzierung
Bei der Finanzierung der baulichen Anpassungen verwies Wiederkehr auf bereits bestehende Mittel: Das Geld für die Anpassung der 50 Schulen an den Klimawandel sei in den über 400 Millionen Euro inkludiert, die man jährlich für die Infrastruktur von Bundesschulen bereitstelle. Dabei geht es etwa um den Einbau von Jalousien oder die Klimatisierung von besonders betroffenen Räumen, Neubauten sollen zudem jedenfalls klimafit sein.
Würde man alle Schulen umbauen, würde das viele Milliarden Euro kosten. Die Anpassung könne daher nur schrittweise erfolgen, sagte der Minister. Eine erste Einigung über weitergehende Maßnahmen könnte es beim Treffen der Landes-Bildungsreferenten und -referentinnen im Herbst geben.
Wissenschaftlicher Kontext: Klimawandel als Ursache
Die Ursache für die Rekordtemperaturen liegt im Klimawandel, hielt GeoSphere-Generaldirektor Andreas Schaffhauser fest. Die Hitzetage und Tropennächte würden in Zukunft nur noch häufiger werden. "Wenn die Erwärmung so weitergeht, dann wird es zu Ende dieses Jahrhunderts Temperaturen geben, die um fünf Grad höher liegen, als wir sie kennen."
Aus wissenschaftlicher Sicht sei es daher wichtig, Netto-Null-Emissionen zu erreichen, um den Temperaturanstieg zu begrenzen, sagte Schaffhauser. Gerade im Juni und Juli gebe es mehr heiße Tage; im August und September sei das nicht so, da die Nächte dann schon länger sind.
Eine mögliche Vorverlegung der Sommerferien wurde ebenfalls diskutiert. Verschiebe man die Ferien um zwei Wochen nach vorne, hätte man in der Schulzeit im Schnitt der Landeshauptstädte um 1,3 Hitzetage weniger. Diese bringe eine geringe, aber messbare Entlastung, erklärte Schaffhauser. Eine Vorverlegung sei aber nur sinnvoll, wenn sie in allen Bundesländern passiert, sagte Wiederkehr.
Kritik von Opposition und Interessenvertretungen
Die stellvertretende Klubobfrau Sigrid Maurer reagierte mit scharfer Kritik auf das vorgestellte Paket. Es brauche einen Zeitplan sowie eine Garantie, dass die Maßnahmen umgesetzt werden, betonte die Grüne Politikerin in einer Presseaussendung. Sie kritisierte außerdem, dass es nur für 50 Bundesschulen bauliche Maßnahmen geben soll und dass es kein zusätzliches Geld dafür gibt.
Auch Greenpeace forderte Budget und Ressourcen, um Schulen zu schützen. Greenpeace-Klimaexperte Marc Dengler sprach sich für Sanierungen, außen liegende Beschattung und moderne Lüftungssysteme aus. Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) pochte in einer Aussendung darauf, nicht auf Lehrlinge zu vergessen. Hitzeschutzmaßnahmen müssten also auch in Berufsschulen gelten.
Der private Kindergartenträger "Kinder in Wien" verlangte wiederum, auch Kindergärten und Horte mitzudenken. Damit werde eine Lücke im System benannt, da die geplanten Maßnahmen primär für Schulen gelten.
Ausblick: Aktionsplan und nächste Schritte
Insgesamt zeigt der Gipfel die Dringlichkeit, mit der die Bundesregierung das Thema Hitzeschutz an Bildungseinrichtungen angeht. Die kommenden Monate bis Juni 2027 gelten nun als entscheidende Phase, um die angekündigten Maßnahmen in verbindliche Regelungen zu gießen und die ersten baulichen Anpassungen an den 50 Pilotstandorten umzusetzen.
Parallel dazu werden weitere Diskussionen über eine mögliche Vorverlegung der Sommerferien und über die Einbeziehung weiterer Bildungs- und Betreuungseinrichtungen erwartet. Beim Treffen der Landes-Bildungsreferenten und -referentinnen im Herbst könnte eine erste Einigung erzielt werden.
Auch internationale Vergleiche zeigen, dass Hitzeschutz an Schulen zunehmend als eigenständiges Politikfeld behandelt wird. Die Entwicklung in Österreich könnte damit Teil eines breiteren europäischen Trends werden, Bildungsinfrastruktur systematisch an den Klimawandel anzupassen.
Fragen & Antworten
Ab welcher Temperatur sollen Schulen in Österreich Hitzeschutzmaßnahmen ergreifen können?
Schulen sollen ab der Hitzewarnstufe zwei eigenständig Maßnahmen setzen können, die laut GeoSphere Austria ab einer gefühlten Temperatur von 30 Grad gilt.
Was bedeutet die Hitzewarnstufe drei für Eltern und Schüler?
Ab Warnstufe drei sollen Eltern ihre schulpflichtigen Kinder zuhause lassen können, zudem sollen Unterrichtsstunden verkürzt, Pausen verlängert oder der Unterricht früher beendet werden können.
Wann sollen die angekündigten Hitzeschutzregeln für Schulen in Kraft treten?
Die gesetzlichen Grundlagen müssen noch geschaffen werden, die Maßnahmen sollen aber laut Bildungsminister Christoph Wiederkehr bereits im Juni 2027 angewandt werden.
Hitzeschutz Schulen: Maßnahmen ab Warnstufe 2 ab 2027 | nachrichten360