Wiederkehr pocht auf Hitzeschutz und bundesweite Standards in Schulen
Wien, 01. Juli 2026
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Kurzfassung
Bildungsminister Christoph Wiederkehr drängt nach der jüngsten Hitzewelle auf einen bundesweit einheitlichen Hitzefrei-Mechanismus und priorisiert 50 hitzebelastete Bundesschulen für Sofortmaßnahmen. Gleichzeitig verteidigt er seinen Plan Z gegen Sprachdefizite und kündigt ein Bundesqualitätsrahmengesetz für den Kindergarten an.
Nach der jüngsten Hitzewelle in Österreich hat Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) in einem Interview die Einführung einer bundesweit einheitlichen Hitzefrei-Regelung für Schulen gefordert und zugleich seinen "Plan Z" gegen Sprachdefizite sowie ein neues Bundesqualitätsrahmengesetz für Kindergärten verteidigt.
Wiederkehr erklärte in seinem Büro, er wolle so schnell wie möglich einen Vorschlag für eine gesetzliche Grundlage für "Hitzefrei" vorlegen und hoffe auf eine Mehrheit im Parlament. "So schnell wie möglich. Ich werde einen Vorschlag unterbreiten und hoffe auf eine Mehrheit im Parlament", sagte er. Eine solche Regelung müsse mit Experten abgestimmt sein, nur als Ausnahme gelten und die Betreuung der Kinder sicherstellen.
Der Minister stufte die jüngste Hitzewelle als "außergewöhnlich" ein und betonte, die Gesellschaft müsse sich auf solche Bedingungen künftig einstellen. "Diese Hitzewelle ist außergewöhnlich, wir werden uns aber leider künftig daran gewöhnen müssen", erklärte er. Laut Wiederkehr dauerte die Hitzewelle in Ostösterreich länger als im Westen. Lehrkräfte hätten aus Klassenräumen Temperaturen jenseits der 30 Grad gemeldet.
Hitzewelle und Sofortmaßnahmen
Für akute Maßnahmen seien 50 Bundesschulen priorisiert worden, die in ganz Österreich verteilt und besonders hitzebelastet seien. Der Bund investiere jährlich 500 Millionen Euro in Schulinfrastruktur wie Belüftung und Beschattung. Wiederkehr verwies zugleich auf mehr als 6.000 Schulen und eine "unglaubliche Anzahl an Klassenzimmern" in Österreich, was den Umfang der nötigen Anpassungen verdeutliche.
Parallel zur Hitze-Debatte bekräftigte Wiederkehr seinen "Plan Z": Kinder mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen sollen zusätzliche Punkte bekommen, bei pädagogischer Sinnhaftigkeit ein zusätzliches Kindergartenjahr ermöglicht und erste Klassen der Volksschule doppelt besetzt werden. "Trotz aller Maßnahmen sprechen 49.000 Kinder und Jugendliche nicht ausreichend Deutsch, um dem Unterricht zu folgen", sagte er.
Die Zahl der "außerordentlichen Schülerinnen und Schüler" gehe zwar leicht zurück, liege aber mit fast 50.000 noch auf einem zu hohen Niveau. Künftig soll die Sommerschule auch für rund 16.000 Schülerinnen und Schüler verpflichtend werden, die einen Deutschförderkurs besuchen. Insgesamt haben sich heuer mehr als 54.000 Kinder und Jugendliche für das Programm angemeldet.
Plan Z gegen Sprachdefizite
Wiederkehr kündigte zudem ein Bundesqualitätsrahmengesetz an, das erstmals einheitliche Qualitätsstandards in der Elementarpädagogik bringen soll. "Erstmals wird es mit einem Bundesqualitätsrahmengesetz einheitliche Qualitätsstandards in der Elementarpädagogik geben, das ist ein historischer Schritt für mehr Qualität im Kindergarten", sagte er. Der nächste Schritt sei eine Qualitätsoffensive mit einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr.
Kindergarten-Offensive und Qualitätsstandards
Die Reformpartnerschaft habe sich bereits auf Mindeststandards in der Elementarpädagogik, ein einheitliches Personalmanagement, attraktivere Schulcluster und eine standardisierte digitale Schulverwaltung geeinigt. Eine bundesweite Lösung sei ihm wichtiger als unterschiedliche Regelungen je Bundesland: "Es müssen hier alle Bundesländer mitziehen."
Beim Lehrermangel zeigte sich Wiederkehr vorsichtig optimistisch: Die Zahl der Bewerbungen übersteige die offenen Stellen, regionale und fachliche Engpässe bestünden aber fort. "Wir haben mehr Bewerbungen als letztes Jahr und mehr als offene Stellen. Der Lehrermangel ist aber noch nicht überwunden", sagte er. Für das Volksschullehramt gebe es so viele Anmeldungen wie nie, das Sportlehramt nannte er eine "Jobgarantie für die Zukunft".
Wiederkehr bestätigte zudem, dass es in Österreichs Schulen ein Gewaltproblem gibt: "Wir haben in den Schulen ein Problem mit Gewalt". Auch die Idee, die Sommerferien um zwei Wochen vorzuziehen – ins Spiel gebracht von Wiens Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) und dem Kärntner Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) – lehnte er ab. Eine Verkürzung der Zeitspanne zwischen Sommer- und Herbstferien würde die Lernerfolge verschlechtern.
Aus dem Bildungsministerium hatte es vergangene Woche Tipps wie zusätzliche Trinkpausen, Ventilatoren oder Unterricht im Freien gegeben. Für einen strukturellen Hitzeschutz forderten Elternvertreter, Schülerunion, Gewerkschaft und Opposition Nachbesserungen. Der frühere Bundeslehrervertreter Heinrich Himmer (SPÖ) verlangte einen "Hitzeschutz-Plan" für den nächsten Sommer sowie "klimafittere" Schulen, hielt einen früheren Ferienbeginn aber für "überlegenswert".
Debatte über frühere Sommerferien
FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl nannte die Ferien-Debatte am Dienstag eine "Scheindebatte" und forderte stattdessen hitzefitte Schulen sowie mehr Autonomie für Direktoren. ÖVP-Bildungssprecher Nico Marchetti sprach sich grundsätzlich offen für Diskussionen aus, warnte aber vor kurzfristigen Verschiebungen wegen der Kinderbetreuung. Paul Kimberger (FCG) gab zu bedenken: "Was tun wir aber, wenn dann Ende August, Anfang September die nächste Hitzewelle ansteht?"
Evelyn Kometter vom Pflichtschul-Elternverband forderte im Ö1-"Mittagsjournal" bessere Ausstattung, damit guter Unterricht auch bei extremer Hitze möglich bleibe. Die Gemeinden stünden als Schulerhalter vor einem Dilemma, weil die Budgets nicht ausreichten. Hannah Scheidl von der ÖVP-nahen Schülerunion zeigte sich ebenfalls offen für Gespräche, pochte aber zugleich auf strukturelle Maßnahmen wie Klimaanlagen.
Fragen & Antworten
Was will Bildungsminister Christoph Wiederkehr gegen die Hitze in Schulen unternehmen?
Wiederkehr will so schnell wie möglich eine gesetzliche Grundlage für bundesweit einheitliches "Hitzefrei" vorschlagen und hat 50 hitzebelastete Bundesschulen für Sofortmaßnahmen priorisiert.
Wie will Wiederkehr das Problem von Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen lösen?
Mit seinem "Plan Z" sollen Kinder mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen zusätzliche Punkte bekommen, ein zusätzliches Kindergartenjahr erhalten und erste Klassen der Volksschule doppelt besetzt werden.
Warum lehnt Wiederkehr eine Vorverlegung der Sommerferien ab?
Er argumentiert, dass eine kürzere Zeitspanne zwischen Sommer- und Herbstferien die Lernerfolge der Kinder verschlechtern und die Bildungschancen in Österreich senken würde.
Hitzeschutz Schulen: Wiederkehr will bundesweites Hitzefrei | nachrichten360