Die EU-Kommission hat am Mittwoch in Brüssel eine Geldstrafe von 200 Millionen Euro gegen den chinesischen Onlinehändler Temu wegen Verstößen gegen den Digital Services Act verhängt.

Temu habe es versäumt, die Risiken illegaler Produkte auf seiner Plattform angemessen zu bewerten und dagegen vorzugehen, teilte die Kommission mit. Verbraucherinnen und Verbrauchern in der Europäischen Union würden auf Temu viel zu häufig illegale Waren angeboten.

Bei den illegalen Produkten handelt es sich den Angaben zufolge um gefälschte, gefährliche, giftige oder anderweitig umweltschädliche Waren. Die Kommission stützt ihre Erkenntnisse auf eigene Untersuchungen, Studien von Verbraucherschutzorganisationen und Testkäufe.

Gefährliche Produkte im Test

Ein sehr hoher Anteil an Kleinelektronik und Ladegeräten auf Temu fiel bei grundlegenden Sicherheitstests durch. Auch ein hoher Anteil an Babyspielzeug birgt demnach hohe Sicherheitsrisiken – darunter chemische Werte, die alle EU-Grenzwerte überschreiten, sowie ablösbare Kleinteile, die zum Ersticken führen könnten.

Die EU-Kommission hatte Temu zuvor wiederholt aufgefordert, die nach europäischen Digitalgesetzen erforderlichen Risikobewertungen durchzuführen. Das Unternehmen habe seine Risikoanalyse jedoch auf allgemeine Informationen gestützt, statt konkrete Belege zum eigenen Dienst heranzuziehen.

Kritik am Geschäftsmodell

„Die Risikobewertung von Temu war zu unspezifisch und spiegelte nicht das tatsächliche Ausmaß des potenziellen Schadens wider“, kritisierte die zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, Henna Virkkunen. Die Kommission bemängelte zudem, dass teilweise intransparente Empfehlungssysteme und Influencer-Werbung die Verbreitung illegaler Produkte noch verstärken könnten.

Temu muss nun bis Ende August einen Plan vorlegen, wie es die Mängel beheben will, um den europäischen Digitalgesetzen zu entsprechen. Bei Nichteinhaltung drohen weitere Strafzahlungen.

Hintergrund: Der Digital Services Act

Der Digital Services Act (DSA) ist seit Februar 2024 in Kraft. Er verpflichtet große Online-Plattformen zu strengeren Regeln, um Nutzer besser zu schützen und illegale Inhalte schneller zu entfernen.

Parallel laufen auch Verfahren gegen Temus chinesischen Konkurrenten Shein. Diese Verfahren betreffen vor allem ein suchtförderndes Plattformdesign, das EU-Nutzer angeblich daran hindert, informierte Kaufentscheidungen zu treffen.