Husum, 17 Juli 2026
Das Wattenmeer in Schleswig-Holstein, UNESCO-Weltnaturerbe und eines der beliebtesten Ausflugsziele an der Nordseeküste, bietet zahlreiche geführte Wattwanderungen – Expertinnen und Experten raten dabei zu sorgfältiger Vorbereitung und festem Schuhwerk.
Sicherheit hat Vorrang
Das Wattenmeer gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen an der Nordsee in Schleswig-Holstein. Wanderungen durch das Weltnaturerbe ziehen jedes Jahr Familien, Naturinteressierte und Erholungssuchende an die Küste. An der gesamten schleswig-holsteinischen Westküste gibt es zahlreiche Einstiegspunkte für geführte Touren.
Wer eine Wattwanderung plant, sollte sich vorab über die Gezeiten informieren. „Eine Wanderung sollte nur bei ablaufendem Wasser und niemals bei auflaufender Flut gestartet werden“, raten Fachleute. Auch das Wetter kann rasch umschlagen: „Seenebel kann zum Risiko werden, da dieser innerhalb weniger Minuten aufziehen kann und jede Orientierung raubt“.
Niemals allein ohne fachkundige Führung weit hinaus ins Wattenmeer gehen – diese Regel steht im Mittelpunkt jeder Sicherheitsempfehlung. „Kinder nie unbeaufsichtigt ins Watt gehen lassen“, betonen die Expertinnen und Experten. In Prielen kann das Wasser bei Flut eine enorme Geschwindigkeit entwickeln, gegen die man nicht anschwimmen kann.
Die richtige Ausrüstung
Bei der Ausrüstung empfehlen Fachleute Sonnenschutz, wetterfeste Kleidung und ein geladenes Handy. „Im Sommer ist das Barfußlaufen ideal, bei kühleren Temperaturen oder in schlickigen Gebieten sind eng sitzende Gummistiefel, Wattsocken oder Neoprenschuhe ratsam“, so die Experten.
Drei Wattarten im Überblick
Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer finden sich vor allem drei verschiedene Wattarten, die sich in Bodenbeschaffenheit, Begehbarkeit und Artenvielfalt unterscheiden. Der Boden ist durch einen hohen Sandanteil fest und griffig – diese großen Sandflächen finden sich insbesondere vor Westerhever und auf dem Weg von Dagebüll zur Hallig Oland. Auch die Wanderung von Hallig Hooge zum Japsand führt durchs Sandwatt.
Das Schlickwatt stellt hingegen besondere Anforderungen an die Wanderer: „Der Boden ist sehr weich, so dass man bei jedem Schritt bis zu den Knien einsinken kann“. Dieses Watt gibt es vor allem vor Nordstrand, in Friedrichskoog sowie bei Rantum und Keitum auf Sylt.
Eine Zwischenform stellt das Mischwatt dar, das als Übergangsform zwischen Sandwatt und Schlickwatt gilt und in der Regel gut begehbar ist. Diese Wattart findet man vor Lundenbergsand nahe Simonsberg/Husum.
Auf Sylt sind besonders beliebt Wanderungen ab Hörnum, Keitum, Morsum oder Rantum. St. Peter-Ording und Westerhever sind bekannt für weite Sandflächen und Touren mit Blick auf den berühmten Leuchtturm.
Beliebte Startpunkte an der Küste
In Dithmarschen sind Büsum, Büsumer Deichhausen und Friedrichskoog ideale Startpunkte für Watterkundungen. Amrum und Föhr bieten naturkundliche Führungen und Familienwattwanderungen an.
Besondere Touren: Stille und Geschichte
Eine besondere Tour führt ab Dagebüll als „Wattwanderung in Stille“ zur Hallig Oland. Bei dieser achtsamen Tour soll bewusst auf Gespräche und naturkundliche Erklärungen verzichtet werden.
Eine weitere historisch interessante Wanderung startet auf Nordstrand und erkundet die 1362 untergegangene Siedlung Rungholt. Fünf Stunden dauert die Wanderung durch diesen Bereich des Wattenmeeres.
Für geübte Wandererinnen und Wanderer bietet sich die „Nordfriesische Bergtour“ an. Die etwa zehn Kilometer lange Wanderung wird auch als „Bergtour“ bezeichnet und führt mitten durch das Herz des Nationalparks – von Lüttmoorsiel zur Hallig Nordstrandischmoor, durch tiefes Schlickwatt.
Forschung und Naturschutz
Das Wattenmeer ist auch ein langjähriger Untersuchungsgegenstand des Alfred-Wegener-Instituts. Der Nationalpark Wattenmeer schreibt: „Der Anstieg des Meeresspiegels und der Temperaturen verändere die Lebensräume von Pflanzen und Tieren nachhaltig“.
Für fast alle Touren empfiehlt es sich, Tickets im Vorfeld online zu buchen. Einen guten Überblick über Tourentermine und Ausflugsmöglichkeiten liefert die Webseite der Schutzstation Wattenmeer.
Wer die Besonderheiten des Wattenmeeres verstehen will, sollte sich auf geführte Touren einlassen, die von zertifizierten Wattführerinnen und Wattführern begleitet werden. Sie kennen die Priele, wissen um die tidenabhängige Begehbarkeit und können auf die spezifischen Bedingungen der jeweiligen Wattart eingehen.
Neben den klassischen Wanderungen gibt es auch spezielle Angebote für Familien mit Kindern, bei denen spielerisch Wissen über Flora und Fauna vermittelt wird. Die Kombination aus Naturerlebnis, Bewegung und Bildung macht diese Touren besonders für jüngere Besucherinnen und Besucher attraktiv.
Die Schönheit des Wattenmeeres zeigt sich besonders bei günstigen Wetterbedingungen mit weiten Blicken über die Sand- und Schlickflächen. Gleichzeitig erinnern Fachleute daran, dass die Bedingungen jederzeit wechseln können – entsprechende Vorsicht und gute Vorbereitung bleiben unerlässlich.
