Salzburger Festspiele: Philipp Hochmair tritt 2026 als Jedermann auf – mit erweitertem Konzept
Salzburg, 18 Juli 2026
StephanBrückler / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Bei den Salzburger Festspielen übernimmt Philipp Hochmair in der Saison 2026 die Titelrolle in Hugo von Hofmannsthals „Jedermann". Die Inszenierung setzt dabei auf Aktualität und direkte Publikumsansprache. Begleitet wird die Produktion von weiteren Programmpunkten rund um KI in der Musik und Dokumentarfilme.
Salzburg, 18 Juli 2026
Der Schauspieler Philipp Hochmair übernimmt in der Saison 2026 bei den Salzburger Festspielen die Titelrolle in Hugo von Hofmannsthals „Jedermann" und tritt dabei in einem erweiterten Bühnenkonzept auf.
Die Besetzung der neuen Spielzeit
Die Salzburger Festspiele zählen zu den renommiertesten Bühnenereignissen im deutschsprachigen Raum. In der kommenden Saison 2026 wird Philipp Hochmair die Titelrolle in Hugo von Hofmannsthals Klassiker „Jedermann" übernehmen. Wie aus dem Programm hervorgeht, ist die Inszenierung so angelegt, dass der Titelheld in Teilen des Stücks ohne weitere Kostümierung auftritt und damit die unmittelbare Begegnung mit dem Publikum sucht.
Die Buhlschaft, die als die größte kleine Rolle der Theatergeschichte gilt, wird in dieser Spielzeit von Roxane Duran übernommen. Die 33-Jährige mit Linzer Wurzeln steht ab dem Premierenwochenende in der weiblichen Hauptpartie neben Hochmair auf der Bühne. Die Besetzung gilt als besondere Auszeichnung für jede Darstellerin, die diese Partie verkörpern darf.
Dokumentarfilm „23.000 Leben" als Begleitprogramm
Neben der Theaterproduktion beschäftigt sich das Festivalprogramm 2026 auch mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. So greift die Begleitveranstaltung „23.000 Leben" die Arbeit der Seenotrettungsorganisation „Jugend Rettet" auf. Der Dokumentarfilm begleitet junge Menschen, die 2015 ein Schiff kauften, um Geflüchtete aus dem Mittelmeer zu retten, und thematisiert zugleich den Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022.
Initiiert wurde das Filmprojekt von Christopher Zwickler, der die Idee zur filmischen Adaption hatte, nachdem er einen Dokumentarfilm über „Jugend Rettet" gesehen hatte. „Mich begeistert am Stoff die Energie, mit der junge Menschen die Welt verändern", sagt Zwickler. Für die Dreharbeiten sei für ihn von Anfang an festgestanden, dass die eigentlichen Protagonisten, die Geflüchteten, vor der Kamera stehen müssten.
Die Verantwortlichen bei Netflix seien laut Zwickler rasch überzeugt gewesen: „Es war eigentlich überraschend einfach, die Verantwortlichen bei Netflix zu überzeugen", sagt Christopher Zwickler lachend. Im Film sind unter anderem die Gymnasiastin Jane und ihre Schulfreundin Lea zu sehen, die als Ausdruck der Generation Z porträtiert werden.
KI in der Musik: Kennzeichnung und Kritik
Ein weiterer Programmpunkt der Festspielsaison widmet sich dem Thema Künstliche Intelligenz in der Musik. Die Musikindustrie hat sich auf zwei Logos geeinigt: eines für „KI-generierte" und eines für „KI-unterstützte" Musik. Damit soll für Verbraucherinnen und Verbraucher kenntlich werden, in welchem Umfang KI an der Produktion beteiligt war.
Die Grundsatzkritik an KI in der Musik brachte ein Branchenvertreter auf den Punkt: „Die Frechheit ist, dass KI nur deswegen Musik erzeugen kann, weil der Input Millionen Kreativer da hineingeflossen ist - sie wurden ausgebeutet und arbeitslos gemacht." Antje Valentin, Generalsekretärin des Deutschen Musikrats, sieht darin eine Herausforderung für den gesamten kreativen Bereich. „Wenn es jetzt darum geht, Hintergrundmusik zu schaffen, Werbemusik usw., das wollen wir ja und das muss uns auch etwas wert sein", so Valentin.
Skeptisch äußert sich Steffen Holly vom Fraunhofer-Institut für Digitare Medientechnologie zu den neuen Kennzeichnungs-Logos. „Ehrlich gesagt: absolut nutzlos", sagt Holly. Er sieht die eigentliche Problematik in der fehlenden Abgrenzung im Produktionsprozess: „Es werden schon heute so viele Sachen im Musikproduktionsprozess verwendet." Holly verweist zudem auf den AI Act der Europäischen Union und stellt die Frage: „Ist das schon KI, ist das kennzeichnungspflichtig?"
Als jüngstes Beispiel für den öffentlichen Diskurs über KI-generierte Musik gilt ein Rockschlag über einen Buckelwal namens Timmy. Im Refrain heißt es: „Er hat sich das nicht ausgesucht, nicht das Leid, nicht diese Not". Der Song wurde innerhalb weniger Wochen millionenfach gestreamt und steht beispielhaft für die Auseinandersetzung über Authentizität in der Musikproduktion.
Bühnenkonzept und unmittelbare Publikumsansprache
Für die Inszenierung des „Jedermann" bedeutet das erweiterte Bühnenkonzept auch eine Abkehr von einer geschlossenen Kulissenwelt. Teile des Textes werden direkt aus dem Publikum heraus gesprochen, wodurch die berühmte Sterbeszene nochmals an Unmittelbarkeit gewinnen soll. Hochmair selbst hat mehrfach betont, dass ihn an der Rolle die existenzielle Frage nach Verantwortung reize.
Begleitet wird das Programm zudem von einem musikalischen Schwerpunkt, der brasilianische Musik in den Mittelpunkt rückt. Auf dem Programm stand Musik des Trios „Tribo Choro" mit Vera Rausch an der Querflöte und am Saxophon sowie dem Perkussionisten Stefan Eibel. Geleitet vom gebürtigen Brasilianer Angelo da Silva an der Gitarre präsentierten sie „Choro", ein Musikgenre, das im späten 19. Jahrhundert in Rio de Janeiro entstand und auf Portugiesisch „Schrei, Weinen" bedeutet.
Musikalischer Rahmen und historische Bezüge
Die Festspielleitung verweist in diesem Zusammenhang auf die historische Dimension des Spielplans. So wird daran erinnert, dass im Jahr 864 der Rat von Worms einen unbotmäßigen Biegenstock zum Tod durch Ersticken verurteilt hat – ein Beispiel für die lange Geschichte moralischer Inszenierungen, an die „Jedermann" anknüpft.
Neben dem Festspielprogramm wirft die Saison auch Schlaglichter auf das gesellschaftliche Leben in der Stadt. Eine Woche vor der großen Parade zum Christopher Street Day (CSD) in Berlin wird an diesem Wochenende das „32. Lesbisch-schwule Stadtfest" in Schöneberg gefeiert. Damit zeigt sich, wie sehr die Festspielzeit auch mit städtischen und politischen Ereignissen außerhalb der Festivalmauern verflochten ist.
Ausblick auf die Festspielsaison 2026
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie das Publikum auf das gewandelte Bühnenkonzept reagiert. Die Kombination aus klassischer Tragödie, aktuellen Dokumentarfilmen und Diskurs über Künstliche Intelligenz gilt als bewusste programmatische Setzung. Die Festspielleitung sieht darin eine Einladung, die großen Fragen der Gegenwart im Medium des Theaters zu verhandeln.
Festspielbesucherinnen und -besucher können sich auf eine Spielzeit einstellen, die das traditionelle Repertoire mit aktuellen Fragestellungen verbindet. Erste Reaktionen aus dem Vorverkauf deuten auf eine hohe Nachfrage hin, insbesondere für die Premiere des „Jedermann" und für die Filmvorführung von „23.000 Leben".
Mit der programmatischen Erweiterung setzen die Salzburger Festspiele einmal mehr ein Zeichen, dass sich das Festival nicht nur als Bewahrer klassischer Werke versteht, sondern als Plattform für die Auseinandersetzung mit drängenden Themen der Gegenwart – von Migration über digitale Technologien bis hin zu Identitätsfragen.
Fragen & Antworten
Wer spielt 2026 den Jedermann bei den Salzburger Festspielen?
Philipp Hochmair übernimmt in der Saison 2026 die Titelrolle in Hugo von Hofmannsthals „Jedermann". Die Buhlschaft wird von Roxane Duran gespielt.
Worum geht es im Begleitfilm „23.000 Leben"?
Der Dokumentarfilm begleitet junge Menschen der Organisation „Jugend Rettet", die 2015 ein Schiff kauften, um Geflüchtete aus dem Mittelmeer zu retten. Initiiert wurde das Projekt von Christopher Zwickler.
Welche neuen Regelungen gibt es für KI-generierte Musik?
Die Musikindustrie hat sich auf zwei Logos geeinigt: eines für „KI-generierte" und eines für „KI-unterstützte" Musik. Branchenvertreter wie Antje Valentin sehen darin nur einen ersten Schritt, da KI auf Ausbeutung kreativer Leistungen beruhe.
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