US-Vizepräsident JD Vance hat im Podcast „The Joe Rogan Experience“ Fehler der US-Regierung beim Umgang mit den Ermittlungsakten zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein eingeräumt und zugleich den Vorwurf einer bewussten Vertuschung zurückgewiesen.
Vance sagte wörtlich, die Kommunikation sei „komplett vermasselt“ worden. Auf die Frage, ob die Regierung die Veröffentlichung der Akten bewusst falsch gesteuert habe, antwortete er: „Wenn die Leute sagen wollen, wir hätten die Epstein-Veröffentlichung falsch gehandhabt: schuldig.“ Damit räumte der Vizepräsident öffentlich Versäumnisse der eigenen Administration ein.
Gleichzeitig wies Vance den weitergehenden Verdacht zurück, mit dem fehlerhaften Vorgehen solle etwas verborgen werden. Er sagte: „Aber glaube ich, dass wir es vermasselt haben, weil wir versucht haben, etwas zu verbergen? Nein.“ Vance führte die Kommunikationsprobleme auf falsche Behauptungen zurück, die im Umlauf gewesen seien.
Hintergrund: Bondis Aussagen und die Erwartungen
Konkret verwies Vance auf eine frühere, viel beachtete Äußerung der damaligen Justizministerin Pam Bondi, wonach eine „Klientenliste“ des verurteilten Sexualstraftäters auf ihrem Schreibtisch liege. Diese Aussage habe Erwartungen geweckt, die anschließend nicht eingelöst worden seien, und damit das Misstrauen in der Öffentlichkeit verstärkt.
Die Veröffentlichung der Ermittlungsakten, zu der die US-Regierung gesetzlich verpflichtet war, fiel in den Zuständigkeitsbereich von Bondi. Nach der Publikation stand die Regierung jedoch in der Kritik: Beobachter warfen ihr vor, dass die geschwärzten Passagen in den Dokumenten nicht nur Opfer, sondern auch mutmaßliche Mittäter schützten.
Der Skandal um Jeffrey Epstein, der 2019 in seiner Gefängniszelle starb, beschäftigt die US-Öffentlichkeit seit Jahren. Epstein war ein vermögender Finanzier aus New York mit weitläufigen Kontakten in die High Society der Vereinigten Staaten und zahlreicher weiterer Länder. Er hatte über Jahrzehnte einen Missbrauchsring betrieben, dessen Opfer junge Frauen und Minderjährige waren.
Wer war Jeffrey Epstein?
Die Affäre rückte erneut in die Schlagzeilen, nachdem Teile der Ermittlungsakten veröffentlicht worden waren. Seither wird in Washington diskutiert, welche Verantwortung die Regierung von US-Präsident Donald Trump trägt und wie weit die politische Distanz zu dem Fall geht.
Nach Angaben von Beobachtern versucht die US-Regierung, den Skandal so weit wie möglich von Trump fernzuhalten. Anfang April hatte Trump Pam Bondi aus ihrem Amt entfernt. Mit Vances Auftritt bei Rogan übernahm nun erstmals auch der Vizepräsident selbst einen Teil der öffentlichen Verantwortung für das missglückte Kommunikationsmanagement.
Politische Konsequenzen und offene Fragen
Die Episode verdeutlicht die Spannung zwischen der politischen Führung und der Justizbehörde: Während Vance den Fehler einräumt, bleibt der Vorwurf im Raum, dass durch die Schwärzungen weiterhin Informationen über mutmaßliche Mittäter zurückgehalten werden. Kritiker sehen darin ein Muster, das über technische Pannen hinausgehe.
Insgesamt zeigt der Auftritt, dass die Regierung unter wachsendem öffentlichen Druck steht, transparenter über die Epstein-Akten zu kommunizieren. Vance' Eingeständnis dürfte die Debatte über Verantwortung, Transparenz und politische Kontrolle im Umgang mit den Akten weiter anheizen.
Die Diskussion fällt in eine Phase, in der das Vertrauen in staatliche Institutionen ohnehin auf dem Prüfstand steht. Sollte die Regierung die Schwärzungen nicht nachvollziehbar erklären, ist mit weiteren Vorwürfen aus dem Kongress und der Zivilgesellschaft zu rechnen.
