Van der Bellen eröffnet 80. Bregenzer Festspiele mit Appell für die liberale Demokratie
Bregenz, 22. Juli 2026
Christophe Licoppe / European Commission / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Kurzfassung
Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Mittwochabend die 80. Bregenzer Festspiele eröffnet und in seiner Rede die liberale Demokratie als tägliche Übung bezeichnet. Kulturminister Andreas Babler zog Parallelen zwischen der Gründungszeit 1946 und der Gegenwart, während Festivalpräsident Hans-Peter Metzler eine bessere Grundförderung anmahnte.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Mittwochabend in Bregenz die 80. Ausgabe der Bregenzer Festspiele eröffnet und die liberale Demokratie ins Zentrum seiner Ansprache gestellt.
In seiner Eröffnungsrede vor dem Festspielhaus beschrieb Van der Bellen die freiheitliche Demokratie als eine „tägliche Übung“ und verwies auf die Grundelemente der österreichischen Demokratie: „Freiheit. Gleichheit. Geschwisterlichkeit. Menschenwürde. Rechtsstaatlichkeit. Mitmenschlichkeit. Und Verantwortung“. Der Präsident rief dazu auf, die Demokratie nicht nur dann zu verteidigen, wenn sie bequem sei, sondern auch „wenn es anstrengend wird“.
Van der Bellen verglich das Funktionieren Österreichs mit einem Zusammenspiel auf einer Opernbühne und betonte, die Demokratie gebe den Menschen die „Freiheit, unser Leben selbst zu gestalten“. Die wichtigste Botschaft des Tages sei: „Wir müssen nicht alle gleich sein, um zusammenzugehören.“
Der Bundespräsident verwies zudem auf die Geschichte Österreichs seit 1946: „Ein Land, das gelernt hat – manchmal schmerzhaft, manchmal auch zu spät – dass Freiheit, Frieden und Wohlstand nicht von alleine kommen.“ Die freiheitliche, liberale Demokratie habe Österreich zu jenem Zuhause gemacht, „die wir so lieben“.
Van der Bellen: Demokratie als tägliche Aufgabe
Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) verband das 80-jährige Jubiläum mit den aktuellen Krisen der Gegenwart. Er erinnerte an die schwierigen Umstände der ersten Festspiele im Jahr 1946 und formulierte als Lehre: „Aus zwei Kieskähnen kann die größte Seebühne der Welt werden. Aus Trümmern kann Zukunft entstehen. Dafür brauchen wir Träume und Gestaltungswillen.“ Demokratie müsse man ernst nehmen als „der radikale Gedanke, dass wir gemeinsam über die Verhältnisse bestimmen können, in denen wir leben“.
Aus der heurigen Seebühnen-Inszenierung von Verdis „La traviata“ zog Babler den Schluss, „wie groß der Schaden ist, wenn gesellschaftliche Regeln stärker werden als Mitgefühl“. Aus Janáčeks Oper „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ leitete er die Frage ab: „Warum laufen wir weg, lenken uns ab, anstatt die Dinge einfach zu ändern?“ Es brauche das Selbstbewusstsein, „die Dinge wieder in die Hand zu nehmen“.
Babler zieht Linie von 1946 in die Gegenwart
Festivalpräsident Hans-Peter Metzler zeichnete in seinen Worten die Entwicklung der Bregenzer Festspiele nach und charakterisierte die 80 Jahre als „80 Jahre Mut, künstlerische Neugier, Leidenschaft, Beharrlichkeit und Erinnerungskraft“. Er kritisierte zugleich, dass die Grundförderung des Festivals seit 15 Jahren nicht angepasst worden sei und real heute so niedrig wie nie zuvor ausfalle. „Wer in Kultur investiert, investiert [...] in die Zukunft des Landes“, so Metzler.
Den künstlerischen Auftakt bildete am Mittwochabend die Premiere von Giuseppe Verdis „La traviata“ auf der Seebühne. Für die 28 Vorstellungen der Produktion sind 188.000 Karten im Verkauf und bereits ausverkauft. Insgesamt wurden für die Festspielsaison 228.000 Tickets aufgelegt.
Metzler fordert höhere Kulturförderung
Die Eröffnungszeremonie wurde von Lilli Paasikivi, die wie im Vorjahr als künstlerische Leiterin durch den Abend führte, moderiert. In aufgezeichneten Interviews traten die ehemaligen Intendanten Alfred Wopmann, David Pountney und Elisabeth Sobotka auf. Die Feier endete mit der Europahymne, danach folgte ein traditioneller Empfang am Vorplatz des Festspielhauses.
Das Programm umfasst drei Premieren: die Musiktheaterwerke „YUM!“ (Wen Liu, Sarah Théry) und „Passion of the Common Man“ (Daniel Bjarnason, Royce Vavrek), letzteres als Auftragswerk der Bregenzer Festspiele, sowie das Schauspiel „under the influence“ (Natalie Baudy). Leoš Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ ist ab Donnerstag die Hausoper im Festspielhaus.
Programm, Premieren und kommende Termine
Am 1. August ist ein „Singalong“ geplant, bei dem Hobbychöre, Ensembles und Festivalkünstlerinnen und -künstler auf der Zuschauertribüne der Seebühne Titel aus vergangenen Jahrzehnten singen werden. Die Festspiele laufen bis zum 23. August mit rund 80 Veranstaltungen auf und am Bodensee.
Die Eröffnung wurde live im Fernsehen übertragen. Van der Bellen nutzt die Bregenzer Festspiele seit Jahren als Bühne für grundsätzliche Reden zur Lage Österreichs, Europas und der Welt; in früheren Eröffnungsansprachen hatte er unter anderem eine ausgrenzende Sprache kritisiert und eine „Mindset, das in die Zukunft führt“ angemahnt.
Der Charakter der diesjährigen Ansprache wurde als „stets ein wenig launig, betont gelassen, aber auch vorsichtig optimistisch und mit einem Schuss Humor“ beschrieben.
Fragen & Antworten
Wer hat die 80. Bregenzer Festspiele eröffnet?
Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnete die Festspiele am Mittwochabend in Bregenz; durch das Programm führte erneut Lilli Paasikivi als künstlerische Leiterin.
Welche Werke stehen im Zentrum der Saison?
Den künstlerischen Auftakt bildete Giuseppe Verdis „La traviata“ als Seebühnenoper; Leoš Janáčeks „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ ist die Hausoper, dazu kommen die Premieren „YUM!“, „Passion of the Common Man“ und „under the influence“.
Warum kritisierte Festivalpräsident Metzler die öffentliche Förderung?
Metzler wies darauf hin, dass die Grundförderung der Bregenzer Festspiele seit 15 Jahren nicht angepasst wurde und real heute so niedrig wie nie zuvor ausfällt, und verwies auf den Grundsatz: „Wer in Kultur investiert, investiert [...] in die Zukunft des Landes“.
Bregenzer Festspiele 2026: Eröffnung durch Van der Bellen | nachrichten360