USA und Iran eskalieren Krieg mit gegenseitigen Angriffen – vierte US-Angriffswelle in einer Woche
Dubai, 13. Juli 2026
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Kurzfassung
Die USA haben am Sonntag und Montag erneut dutzende Ziele im Iran angegriffen, während Teheran mit Vergeltungsschlägen auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain und Jordanien reagierte. UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor einem vollständigen Wiederaufflammen des Kriegs und forderte die sofortige Wiederaufnahme von Verhandlungen.
Die USA und der Iran haben sich am Sonntag und Montag gegenseitig mit Angriffen überzogen, wobei die USA nach eigenen Angaben zum vierten Mal binnen weniger als einer Woche dutzende Ziele im Iran bombardierten und Teheran mit Vergeltungsschlägen auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain und Jordanien antwortete.
US-Angriffswelle auf iranische Infrastruktur
Das US-Militär griff am Sonntag iranische Luftabwehrsysteme, Küstenradarstationen, Raketen- und Drohnenstellungen sowie kleine Boote an, wie das zuständige Regionalkommando CENTCOM mitteilte. „Das US-Militär attackierte mit ihrer jüngsten Angriffswelle eigenen Angaben nach Dutzende Ziele an mehreren Orten im Iran“, hieß es aus den Streitkräften. Neben Kampfflugzeugen und Flugdrohnen wurden demnach erstmals auch schwimmende Kampfdrohnen eingesetzt.
Es war bereits die vierte US-amerikanische Angriffswelle seit der erneuten Eskalation des Kriegs in der Nacht zu Mittwoch. Die US-Attacken seien gegen Mittag erfolgt, hatte es geheißen, während das US-Militär seine Angriffswelle ursprünglich am Morgen bereits für beendet erklärt hatte. Bereits am Samstag hatte CENTCOM mitgeteilt, binnen drei Nächten mehr als 300 iranische Ziele attackiert zu haben, um die militärische Schlagkraft des Iran zu schwächen.
Opfer in iranischen Städten
Laut der iranischen Nachrichtenagentur ISNA wurden bei den Angriffen in der Industriestadt Abadan an der Grenze zum Irak zwei Menschen getötet und drei weitere verletzt. „In der Industriestadt Abadan an der Grenze zum Irak gab es nach Angaben örtlicher Behörden mehrere Tote und Verletzte.“ Zudem berichtete das iranische Onlineportal „Hammihan“, dass in der Stadt Mahschahr ein Wachmann getötet worden sei, der vor einer landwirtschaftlichen Wasserpumpstation stationiert war. Auch die Industrieprovinz Chusestan im Südwesten des Iran wurde getroffen. Im Iran gab es zuvor bereits zwei Tote durch US-Angriffe.
Irans Vergeltungsschläge gegen US-Stützpunkte
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) reagierten mit Vergeltungsangriffen auf US-Stützpunkte in den benachbarten Golfstaaten. Nach Angaben iranischer Staatsmedien beschoss der IRGC ein mobiles Raketenartilleriesystem der US-Armee in Kuwait, Treibstoff- und Munitionsdepots auf der Luftwaffenbasis Prinz Hassan in Jordanien sowie ein Kontrollzentrum der US-Basis Sheikh Isa in Bahrain. Die im Iran mächtigen Revolutionsgarden teilten am Montag mit, sie hätten als Reaktion auf jüngste US-Angriffe amerikanische Militäreinrichtungen am Persischen Golf ins Visier genommen.
Darüber hinaus erklärten die Revolutionsgarden, am Wochenende ein Wartungszentrum für Kampfjets in Katar sowie amerikanische Logistikstützpunkte in Oman beschädigt zu haben. Man habe zudem Radarsysteme in Oman zerstört sowie Treibstoff- und Munitionsdepots auf dem Stützpunkt Prinz Hassan in Jordanien beschossen. Laut dem Onlinejournalisten „Vahid“ schlug es in Bandar Abbas ununterbrochen ein: „In Bandar Abbas schlagen sie ununterbrochen zu, und die Schüler der elften Klasse müssen in einer Stunde in der Schule sein, weil sie eine Prüfung haben.“
In Teheran verurteilte das Außenministerium die jüngsten Angriffe in der Nacht und warf den USA vor, „eine Rückkehr der Unsicherheit in der Straße von Hormus sowie Störungen der internationalen Handelsschifffahrt verursacht“ zu haben. Die Attacken hätten alle diplomatischen Bemühungen der vergangenen Monate zunichte gemacht. Der iranische Verhandlungschef Mohammad-Bagher Ghalibaf schrieb am Sonntag auf X: „Die Ära einseitiger Abkommen ist vorbei. Wir haben euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis! Die Realität holt euch ein.“ Der Sprecher des Außenministeriums, Ismail Baghaei, erklärte am Montag, der Iran fühle sich nicht mehr an das Rahmenabkommen gebunden.
Straße von Hormuz zwischen Sperrung und Gegenbehauptungen
Die Regierung in Teheran erklärte die strategisch wichtige Straße von Hormuz erneut für gesperrt. Damit liegt die Kontrolle über die Meerenge, durch die vor dem Krieg offiziell 120 bis 150 Schiffe pro Tag fuhren und in der ein Fünftel des globalen Öls und Flüssiggases transportiert wurde, weiter in der Schwebe. Das Schiffstracking-Tool Keplr zählte am Sonntag lediglich sechs offizielle Schiffspassagen; Ende Juni/Anfang Juli waren es an Spitzentagen schon wieder rund 50 gewesen. CENTCOM erklärte hingegen, die Schifffahrt durch die Meerenge von Hormuz laufe weiter, und schrieb auf X, der Durchgang sei für „legale“ Schifffahrt offen, der Iran übe keine Kontrolle aus.
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Israel Hayom“, die neue iranische Führung sei sich bewusst, „dass gegenüber den USA ein gewisses Maß an Pragmatismus erforderlich ist“. Teheran sei heute eher bereit, konsequent militärische Gewalt einzusetzen. Es handle sich um eine Führung, die „bei der Bewältigung der Krise pragmatischer vorgeht, ideologisch jedoch nicht gemäßigter ist“. Laut dem Critical Threats Project der Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute betrachtet der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormuz als ein wichtiges strategisches Ziel; ein Kriegsende ohne diese Kontrolle wäre aus Sicht Teherans eine schwere strategische Niederlage.
Macht der Revolutionsgarden und iranische Strategie
Washington müsse sich entscheiden: die Konfrontation in der Straße von Hormuz zu verschärfen oder eine Vereinbarung zu akzeptieren und sich darauf zu konzentrieren, Teheran am Bau einer Atomwaffe zu hindern, schrieb Citrinowicz. Mit der Tötung einflussreicher Generäle und hochrangiger Politiker hätten die Revolutionsgarden ihre Macht in der Islamischen Republik nach gängiger Experteneinschätzung weiter ausgebaut. Auch iranisches Staatsfernsehen meldete, dass der Iran am Montag „Warnschüsse“ auf zwei Schiffe abgefeuert habe, die die Meerenge durchqueren wollten.
Das Rahmenabkommen von Mitte Juni hatte ursprünglich eine Waffenruhe vorgesehen und den Iran verpflichtet, sich nach besten Kräften um eine sichere und 60 Tage zollfreie Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormuz zu bemühen. Im Rahmen dieser Vereinbarung sollten der Iran und Oman in Absprache mit weiteren Golfstaaten über die künftige Verwaltung der Meerenge sprechen. US-Präsident Donald Trump erklärte das Abkommen vor wenigen Tagen für hinfällig. In einem Telefoninterview mit Fox News kündigte er an: „Wir werden die Meerenge behalten und sie wahrscheinlich kontrollieren“, und forderte eine Entschädigung für den US-Einsatz: „Wir werden eine Entschädigung erhalten, denn die anderen Nationen sind sehr wohlhabend. Sie stehen auf unserer Seite, und man kann nicht erwarten, dass wir das umsonst tun.“
Gescheitertes Rahmenabkommen und Trumps Forderungen
Die USA werfen Iran vor, mehrfach Schiffe in der Meerenge angegriffen zu haben. Gespräche am Samstag in der omanischen Hauptstadt Maskat endeten ohne Durchbruch. Nach Angaben von CNN hatte Oman einen Plan vorgeschlagen, demzufolge der Schiffsverkehr auf der südlichen Route durch die Meerenge wie vor dem Krieg frei sein sollte, während für die nördliche Route entlang der iranischen Küste Genehmigungen aus Teheran erforderlich wären. Der Iran bleibt nach Angaben von Baghaei mit den Vermittlerstaaten Katar, Pakistan und Oman in Kontakt, um eine weitere Eskalation zu verhindern.
UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich auf X „zutiefst besorgt“ über die „signifikante Eskalation“ und rief dazu auf, sofort wieder Verhandlungen aufzunehmen. Ein vollständiges Wiederaufflammen des Kriegs könne katastrophale Konsequenzen haben. Die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) äußerte am Montag beim EU-Außenministerrat in Brüssel Besorgnis über die erneute Eskalation und erklärte, Europa sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. Der Brent-Ölpreis stieg im Zuge der Eskalation zeitweise um bis zu fünf Prozent und lag am Montag noch um 3,5 Prozent im Plus, nachdem er im Juni nach Unterzeichnung des Rahmenabkommens deutlich gefallen war.
Diplomatische Bemühungen und Energiepreise
Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig verifizieren. Auch die Inseln Qeshm und Sirik waren in den vergangenen Tagen bereits bombardiert worden, wie iranische Medien unter Berufung auf Explosionen an der Südküste über Nacht vor Montag berichteten. Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran hatte am 28. Februar begonnen. Die aktuelle Lage bleibt unübersichtlich, während diplomatische Bemühungen unter dem Druck der Gewalt fortgesetzt werden sollen.
Fragen & Antworten
Wer ist Mohammad-Bagher Ghalibaf und was hat er gesagt?
Mohammad-Bagher Ghalibaf ist nach Angaben der Fakten Irans Verhandlungschef. Am Sonntag schrieb er auf X, die Ära einseitiger Abkommen sei vorbei: „Wir haben euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis! Die Realität holt euch ein.“
Warum ist die Straße von Hormuz so wichtig?
Vor dem Krieg fuhren offiziell 120 bis 150 Schiffe pro Tag durch die Meerenge, durch die ein Fünftel des globalen Öls und Flüssiggases transportiert wurde. Sowohl die USA als auch der Iran betrachten die Kontrolle über diese Route als ein zentrales strategisches Ziel.
Wie hat UN-Generalsekretär Guterres auf die Eskalation reagiert?
UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich auf X „zutiefst besorgt“ über die „signifikante Eskalation“, rief Iran und die USA zur sofortigen Wiederaufnahme von Verhandlungen auf und warnte, ein vollständiges Wiederaufflammen des Kriegs könne katastrophale Konsequenzen haben.
USA Iran Krieg: Vierte Angriffswelle auf Hormus (Juli 2026) | nachrichten360