Anstieg der Ölpreise nach US-Angriffen auf den Iran – Straße von Hormus bleibt umkämpft
Frankfurt, 13. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach neuen US-Luftangriffen auf den Iran und der iranischen Erklärung, die Straße von Hormus sei geschlossen, sind die Ölpreise am Montag deutlich gestiegen. Die Sorge vor einer Unterbrechung der globalen Energielieferungen belastet zugleich die asiatischen Börsen und den deutschen Aktienmarkt.
Die Ölpreise sind am Montag nach einer erneuten Angriffswelle der US-Streitkräfte auf den Iran und der Erklärung Teherans, die Straße von Hormus sei auf unbestimmte Zeit geschlossen, spürbar gestiegen, während internationale Vermittler auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch drängen.
Die US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Montag eine weitere Welle von Angriffen auf Ziele im Iran geflogen. Wie das zuständige Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mitteilte, begannen die Angriffe um 23:00 Uhr MESZ. Nach Angaben des „Wall Street Journal“ und der „New York Times“, die sich auf US-Regierungsbeamte beriefen, richteten sich die Attacken gegen Raketenstellungen und Anlagen zur Luftabwehr. Centcom erklärte, die Angriffe hätten Luftabwehrsysteme, Radaranlagen, Raketenstellungen, Drohnenstandorte und kleine Boote getroffen. Zudem seien Radarsysteme im Oman zerstört worden. Nach Angaben der iranischen Staatsagentur IRNA wurde bei einem US-Angriff auf die Stadt Mahshahr in der südwestiranischen Provinz Chusestan mindestens ein Mensch getötet.
Centcom veröffentlichte Videoaufnahmen, die Kampfjets beim Start von einem Flugzeugträger, den Abschuss von Marschflugkörpern von Kriegsschiffen sowie den Einschlag von Projektilen zeigen. Nach Darstellung des Kommandos handelt es sich um die vierte Angriffsserie seit dem vorangegangenen Mittwoch. Bei der Operation seien neben Kampfflugzeugen und Luftdrohnen erstmals auch schwimmende Drohnen eingesetzt worden. Die US-Streitkräfte seien bereit, die Freiheit der zivilen Schifffahrt zu verteidigen – auch gegen „die ungerechtfertigte Aggression des Irans, seine Schikane, Drohungen und willkürlichen Verlautbarungen“. US-Präsident Donald Trump habe die Angriffe angeordnet, um die Fähigkeit des Irans einzuschränken, Handelsschiffe in der strategisch wichtigen Meerenge anzugreifen, hieß es aus dem US-Militär.
Militärische Lage: Angriffe, Vergeltung und Videos
Die iranische Revolutionsgarde erklärte, sie habe Vergeltung geübt und US-Militärziele in Jordanien, Kuwait und Bahrain angegriffen. Nach Angaben der IRNA, die sich auf Erklärungen der Revolutionsgarde stützte, gehörten ein Luftwaffenstützpunkt in Jordanien, ein US-Drohnenführungszentrum in Bahrain und Stützpunkte in Kuwait zu den Zielen. Arabische Staaten der Region bestätigten, dass Angriffe aus dem Iran gekommen seien, und erklärten, sie feindliche Projektile abgefangen zu haben. Das iranische Staatsfernsehen berichtete unterdessen von mehreren Explosionen in der Nähe der Stadt Sirik sowie westlich von Bandar Abbas.
Teheran verschärfte zugleich die Rhetorik. Am Sonntag erklärte die iranische Führung die Straße von Hormus für auf unbestimmte Zeit geschlossen. Der iranische Militärsprecher Amir Akraminia sagte laut der Nachrichtenagentur Tasnim: „Die Amerikaner versuchen, südlich der Straße von Hormus eine regelwidrige Route durchzusetzen, die der mit der Islamischen Republik Iran unterzeichneten Vereinbarung widerspricht“. Das iranische Außenministerium erklärte, die USA hätten mit ihren jüngsten Angriffen alle diplomatischen Bemühungen der vergangenen Monate zunichtegemacht. Zugleich versuche Iran, mit dem Golfstaat Oman eine gemeinsame Transitregelung für die Meerenge zu vereinbaren; der US-Druck auf Oman behindere diese Bemühungen.
Straße von Hormus: Erklärung und Gegenstimmen
Die Sorge vor einer Beeinträchtigung der Energieversorgung über die Meerenge schlug sich am Montag deutlich an den Rohstoffmärkten nieder. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich nach zwischenzeitlichen Ausschlägen auf 78,35 US-Dollar, zeitweise kostete ein Barrel auch etwas mehr als 126 Dollar. Die Notierungen für Brent und US-Leichtöl legten insgesamt um rund vier Prozent zu. Die steigenden Energiepreise belasten zudem die asiatischen Aktienmärkte: Der japanische Leitindex Nikkei fiel am Morgen um 1,6 Prozent, während der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien außerhalb Japans um 0,9 Prozent nachgab. Der südkoreanische Markt, der zuletzt stark gewesen war, verlor 5,4 Prozent; die Titel des Chipherstellers SK Hynix fielen in der Spitze um 8,2 Prozent.
Auswirkungen auf die Energie- und Aktienmärkte
An den US-Börsen hatte es am Freitag noch Rekordstimmung gegeben. Der Dow-Jones-Index stieg um 0,3 Prozent auf 52.637 Punkte, getragen von starken Technologiewerten. Der Nasdaq gewann 0,3 Prozent auf 26.281 Zähler, der breiter gefasste S&P 500 legte um 0,4 Prozent auf 7.575 Punkte zu und schloss damit nur knapp unter seinem Rekordhoch. Auch der Börsengang des südkoreanischen Chipherstellers SK Hynix in den USA verlief erfolgreich: Die Papiere schlossen mit 170 US-Dollar rund 13 Prozent über ihrem Ausgabepreis. Diese freundliche Stimmung steht im Kontrast zur aktuellen Eskalation am Persischen Golf.
In Deutschland stehen die Zeichen am Montag auf Verlust. Der Broker IG taxiert den Dax zur Stunde 0,9 Prozent tiefer. Am Freitag hatte es noch Hoffnungen gegeben, dass der Dax in der neuen Woche wieder Kurs auf sein Rekordhoch von 25.900 Punkten nehmen könnte. Dieses hatte er erst am Montag der Vorwoche erreicht, bevor die neue Eskalation im Nahen Osten den Index zur Wochenmitte bis auf 24.830 Zähler drückte. Zur Wochenmitte notierte die IG-Indikation am Montagmorgen bei 24.850 Punkten und damit 0,9 Prozent im Minus.
Reaktionen am deutschen Markt
Roland Schmack, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Meine Werte, ordnete die Lage am Markt bildhaft ein: „Je höher der Turm, desto empfindlicher reagiert er auf Wind, und der Dax ist gerade ein hoher Turm“. Anleger, die nach dem bisherigen Lauf noch auf der Kaufseite blieben, sollten ihre Stoppkurse enger ziehen als sonst. Schmack verwies zugleich auf ein bekanntes Muster: Mit dem erratischen Führungsstil des US-Präsidenten sei eine „Beruhigung“ der Lage jederzeit möglich.
Die Analysten der australisch-neuseeländischen Bankengruppe ANZ schrieben in einer Mitteilung: „Die Hoffnung auf eine relativ schnelle Lösung der jüngsten Gefechte könnte nach der Eskalation am Wochenende in Zweifel geraten“. Die steigenden Ölpreise gelten als unmittelbarer Indikator dafür, dass die Marktteilnehmer eine längere Phase der Unsicherheit im Seehandel einpreisen.
US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Tagen das Ende der Waffenruhe erklärt, weil sich der Iran nicht an die Zusagen halte. In der NBC-Sendung „Meet the Press“ widersprach Trump am Sonntag mit Blick auf die Straße von Hormus: „Sie ist offen“. Gleichzeitig bekräftigte er die Bereitschaft der USA, militärisch gegen Bedrohungen der Schifffahrt vorzugehen. Der iranische Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammad Baqer Qalibaf schrieb auf X: „Wir haben es euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis“. Die Wortwahl unterstreicht, dass beide Seiten den Konflikt auf unterschiedlichen Ebenen eskalieren lassen.
Diplomatische Bemühungen und UN-Aufruf
Die Zwischenbilanz aus Sicht der Diplomatie fällt verhalten aus. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich nach Beginn der jüngsten Angriffswelle besorgt über die „erhebliche Eskalation“. Er rief den Iran und die USA nachdrücklich auf, die Verhandlungen unverzüglich wieder aufzunehmen und offene Fragen auf diplomatischem Wege zu lösen. Die eskalierenden Angriffe stellten die Zukunft eines im vergangenen Monat unterzeichneten vorläufigen Abkommens zwischen den USA und dem Iran infrage.
Ein weiterer Streitpunkt ist der Status der Handelsroute. Das iranische Außenministerium äußerte sich nicht zu iranischen Angriffen auf internationale Handelsschiffe in der Straße von Hormus in den vergangenen Tagen. Die US-Armee meldete hingegen, dass Handelsschiffe die Meerenge trotz der iranischen Schließungserklärung weiterhin durchquerten. Damit klafft die offizielle iranische Darstellung und die Lagebeobachtung der US-Streitkräfte erkennbar auseinander. Welche Seite sich in den kommenden Tagen durchsetzt, dürfte auch davon abhängen, ob die diplomatischen Bemühungen mit Oman wieder aufgenommen werden können.
Unterdessen hält die iranische Diplomatie an der Linie fest, dass eine Verhandlungslösung möglich sei, sofern die USA ihre Angriffe einstellen. Die iranische Führung erklärte, sie bemühe sich gemeinsam mit Oman, „eine gemeinsame Verständigung und gemeinsame Regelungen in der Region durchzusetzen“. Die Sprecherin des iranischen Außenministeriums wies zugleich Vorwürfe zurück, wonach Iran die Schifffahrt willkürlich behindere. Die US-Seite ihrerseits beharrt darauf, dass die Straße von Hormus „nicht vom Iran kontrolliert“ werde und der freie Schiffsverkehr notfalls auch militärisch durchgesetzt werden solle.
Ausblick: Was Anlegerinnen und Anleger beobachten
Für die kommenden Handelstage erwarten Beobachter erhöhte Schwankungen an den Energie- und Aktienmärkten. Solange unklar ist, ob die iranische Schließungserklärung praktisch durchgesetzt wird oder ob die US-Marinepräsenz Handelsschiffe weiter passieren lässt, bleiben die Preise anfällig für Nachrichten aus dem Golf. Auch am Devisenmarkt ist mit einer festeren Tendenz des US-Dollar als sicherer Hafen zu rechnen, falls sich die Lage weiter zuspitzt.
Der weitere Verlauf hängt wesentlich davon ab, ob die von Guterres angemahnten Verhandlungen tatsächlich wieder aufgenommen werden. Beobachter verweisen darauf, dass die US-Regierung in der Vergangenheit mehrfach überraschend auf Deeskalation umgeschwenkt sei, was Märkte jeweils spürbar entlastet habe. Bis dahin gilt aus Sicht vieler Anlegerinnen und Anleger, dass die Risiken im aktuellen Umfeld klar überwiegen – und dass eine Eskalationsspirale um die Meerenge, den Ölpreis und die Weltkonjunktur gleichzeitig in Gang geraten könnte.
Fragen & Antworten
Warum sind die Ölpreise am 13. Juli 2026 deutlich gestiegen?
Die Preise stiegen, weil die USA eine weitere Angriffswelle gegen den Iran flogen und Teheran die Straße von Hormus für auf unbestimmte Zeit als geschlossen erklärte. Sorgen um die globale Energieversorgung trieben die Notierungen für Brent und US-Leichtöl um rund vier Prozent nach oben.
Was hat US-Präsident Donald Trump zu den Angriffen gesagt?
Trump hatte nach eigenen Angaben die Angriffe angeordnet, um die Fähigkeit des Irans zu begrenzen, Handelsschiffe in der Meerenge anzugreifen. In der NBC-Sendung „Meet the Press“ erklärte er am Sonntag, die Straße von Hormus sei „offen“.
Welche Rolle spielt der UN-Generalsekretär in dem Konflikt?
UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich besorgt über die „erhebliche Eskalation“ und rief den Iran und die USA auf, die Verhandlungen unverzüglich wieder aufzunehmen. Er verwies darauf, dass die Angriffe die Zukunft des im Vormonat unterzeichneten vorläufigen Abkommens infrage stellten.
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