US-Luftangriffe auf Iran eskalieren: Straße von Hormus bleibt umkämpft
Berlin, 12. Juli 2026
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Kurzfassung
Die USA haben zum dritten Mal innerhalb einer Woche iranische Ziele angegriffen, nachdem iranische Revolutionsgarden ein Frachtschiff in der Straße von Hormus beschossen hatten. Iran erklärte die für den Welthandel existenzielle Meerenge erneut für gesperrt, während die US-Seite sie für offen erklärt.
Die USA haben in der Nacht zum Sonntag zum dritten Mal innerhalb einer Woche iranische Stellungen angegriffen, woraufhin Iran die Straße von Hormus erneut für gesperrt erklärte und mit Drohnen- sowie Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in mehreren Golfstaaten reagierte.
Die US-Streitkräfte flogen in der Nacht zum Sonntag massive Luftangriffe auf iranisches Territorium. Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom waren rund 140 militärische Ziele betroffen, darunter Raketenstellungen, Drohnenabschussrampen, Munitionsdepots, Küstenüberwachungsinfrastruktur und Kommunikationseinrichtungen. In den drei Nächten zuvor hatte das US-Militär eigenen Angaben zufolge mehr als 300 Ziele angegriffen, um die Fähigkeit Irans zu schwächen, zivile Seeleute und Handelsschiffe anzugreifen. Die Angriffe erfolgten auf Anordnung von US-Präsident Donald Trump, wie das US-Militär mitteilte.
Militärische Vergeltung
Auslöser der jüngsten Angriffe war die Beschießung des unter zyprischem Flagge fahrenden Containerschiffs „GFS Galaxy“ durch die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) in der Meerenge. Der Treffer traf den Maschinenraum und machte das Schiff manövrierunfähig. Von den elf indischen Besatzungsmitgliedern konnten nach Angaben des indischen Außenministeriums zehn gerettet werden, ein indischer Seemann wird vermisst. Am Sonntag erklärte das iranische Militär, es habe ein zweites Schiff außer Gefecht gesetzt.
Iran reagierte auf die US-Angriffe mit einer Eskalation in der gesamten Region. Iranische Streitkräfte feuerten Kamikazedrohnen auf Ziele in Kuwait und Bahrain und griffen US-Militärstützpunkte in den Golfstaaten sowie in Jordanien mit Raketen an. Drei iranische Raketen schlugen nach Armeeangaben in Jordanien ein, wobei keine Verletzten zu beklagen waren und nur geringer Sachschaden entstand. In Bahrain heulten in den frühen Morgenstunden nach Angaben des Innenministeriums mindestens dreimal Warnsirenen, die Bewohner wurden aufgefordert, Ruhe zu bewahren und Schutz aufzusuchen.
Widersprüchliche Lagebilder
Die strategisch bedeutsame Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Gashandels fließt, wurde von Teheran erneut für gesperrt erklärt. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten am Sonntag, die Meerenge bleibe „bis auf Weiteres und bis zum Ende der US-amerikanischen Interventionen in dieser Region gesperrt, keinem Schiff wird die Durchfahrt gestattet“. Das US-Zentralkommando Centcom widersprach: „Der Iran kontrolliert die Meerenge nicht. Der Verkehr fließt“, hieß es auf der Plattform X. Die USA betrachten die Straße von Hormus als internationales Gewässer und sehen die südliche Route als offen an.
Die militärische Eskalation überlagert einen diplomatischen Prozess, der zwischen Washington und Teheran erst seit Kurzem angelaufen war. Mitte Juni hatten beide Seiten ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das unter anderem eine Waffenruhe und die Verpflichtung vorsah, binnen 60 Tagen eine dauerhafte Vereinbarung zur Beendigung des seit Ende Februar andauernden Krieges auszuhandeln. Nach der Unterzeichnung hatte vorübergehend relative Ruhe in der Region geherrscht. Am Rande des NATO-Gipfels in Ankara erklärte Trump die Waffenruhe jedoch für beendet und verwies auf angebliche iranische Vertragsbrüche.
Diplomatie am Scheideweg
In dem Rahmenabkommen hatte Teheran nach eigenen Angaben die US-Zusage gesichert, dass die einzige autorisierte Schifffahrtsroute nahe der iranischen Küste verlaufen solle. Schiffe, die den nördlichen Korridor durch iranische Hoheitsgewässer nutzen, benötigten demnach eine vorherige iranische Genehmigung, wobei keine Gebühren erhoben würden. Die USA hingegen pochen auf eine freie Schifffahrt auf einer südlichen Route entlang der Küste Omans. Am Samstag unterbreitete Oman, das in dem Konflikt vermittelt, einen Vorschlag, der die Schifffahrt über zwei getrennt kontrollierte Korridore regeln würde, die beide offen bleiben sollen.
Die diplomatischen Gespräche über die künftige Verwaltung der Meerenge endeten am Samstag in der omanischen Hauptstadt Maskat ohne Durchbruch. Iran und Oman einigten sich jedoch darauf, das Format auf politischer und technischer Ebene fortzusetzen. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hatte zuvor seinen omanischen Amtskollegen Sayyid Badr Albusaidi in Maskat getroffen und den Vorschlag im Grundsatz nach Teheran zurückgetragen. US-Medienberichten zufolge hatten die USA ein Ultimatum bis Samstag gesetzt, um iranische Zugeständnisse für freie und sichere Schifffahrt zu erzwingen.
Oman als Vermittler
US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Angriffe in einem CNN-Interview am Sonntag als Vergeltung. „Wir haben sie letzte Nacht hart getroffen“, sagte Trump. Gegenüber NBC News erklärte er, man habe den Iran „in Schutt und Asche gelegt“. Die USA hätten „sie letzte Nacht in Schutt und Asche gelegt“, so Trump. Zugleich sagte er, der Iran sei am Samstag „kurz vor einem ‚Deal' gestanden“. Dann habe Iran „plötzlich, zwei Stunden später, ein Schiff mit einer Drohne“ angegriffen. Trump fügte hinzu: „Diese Leute, mit denen ist etwas faul“.
Pete Hegseth erklärte, der Iran habe „eine schlechte Entscheidung getroffen. Jetzt muss er dafür bezahlen“. Mohammed Baqer Ghalibaf, iranischer Parlamentspräsident, schrieb auf der Plattform X: „Die Zeit der einseitigen Abmachungen ist VORBEI. Wir haben es euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis“. Irans Militärsprecher Amir Akraminia warf den USA laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim vor, südlich der Straße von Hormus eine regelwidrige Route durchzusetzen, „die der mit der Islamischen Republik Iran unterzeichneten Vereinbarung widerspricht“.
Propaganda und Drohgebärden
Der militärische Berater des Obersten Führers, Mohsen Resai, bezeichnete die Meerenge als „wichtiger als Dutzende Atombomben, und die Islamische Republik Iran wird sie schützen“. Ein im iranischen Staatsfernsehen verlesenes Statement, das dem Sohn und Nachfolger des Obersten Führers, Mojtaba, zugeschrieben wurde, erklärte: „Rache ist die Forderung unseres Volkes und muss ganz gewiss erfolgen“. Mojtaba Khamenei, der seit seiner Ernennung als neuer Oberster Führer vor mehr als vier Monaten nicht öffentlich aufgetreten ist, hatte Hormus am Sonntag als eines der „Abschreckungsinstrumente“ des Landes bezeichnet.
Die humanitären Folgen der Kämpfe sind auch unter zivilen Seeleuten verheerend. Nach UN-Angaben sitzen insgesamt fast 6.000 Seeleute fest, darunter 37 Schiffe unter indischer Flagge mit mehr als 1.100 Besatzungsmitgliedern im Persischen Golf. Seit Beginn des Krieges am 28. Februar wurden mindestens sieben indische Seeleute getötet. Die britische Seeverkehrsbehörde UKMTO berichtete, die Besatzung eines Containerschiffs habe nach einem Brand das Schiff verlassen und sei gerettet worden. Auf einem weiteren Frachtschiff brach ein Feuer aus, die Besatzung wurde laut UKMTO von einem Rettungsschiff aufgenommen.
Die Angriffe auf zivile Schifffahrt treffen auch die zivile Bevölkerung in der Region unmittelbar. Nach Angaben des Innenministeriums von Katar wurden drei Menschen durch herabfallende Trümmer verletzt, das Verteidigungsministerium meldete die Abwehr eines Raketenangriffs. Katars Außenministerium verurteilte die Angriffe auf die Golfstaaten als „gefährliche Eskalation“ und empfahl, die Schifffahrt sowie alle weiteren „seebasierten Aktivitäten“ bis auf Weiteres auszusetzen, einschließlich Fischerei, Freizeitschiffen und Jetskis. Die Golfstaaten Katar und Vereinigte Arabische Emirate erklärten, Raketenangriffe abgewehrt zu haben, und gaben später weitgehende Entwarnung.
Humanitäre und wirtschaftliche Folgen
Iranische Staatsmedien meldeten Explosionen an der Südküste des Landes, vor allem entlang der Küste nahe der Straße von Hormus in der Provinz Bushehr, auf der strategisch wichtigen Insel Qeschm und in der Küstenstadt Bandar Abbas. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr starb auf der Insel Qeschm der Leiter der Telekommunikationsbehörde der Provinz Hormozgan, der zu einer Reparatur dorthin entsandt worden war; zwei weitere Mitarbeiter wurden verletzt. Nach Teheraner Angaben wurde zudem ein iranischer Soldat getötet, der laut den Agenturen Mehr und Tasnim bei einem Angriff auf den Hafen Dschask im Süden des Landes ums Leben kam.
Die Auswirkungen der Schifffahrtsblockade sind weltweit spürbar. Seit die Schifffahrt in der Straße von Hormus zum Erliegen gekommen ist, sind die wirtschaftlichen Folgen auch in den USA zu spüren, wo die Bevölkerung unter hoher Inflation und stark gestiegenen Benzinpreisen leidet. Nach Angaben politischer Beobachter gerät die Trump-Regierung zunehmend unter Druck, den Konflikt mit Iran zu lösen, insbesondere mit Blick auf die im Herbst anstehenden Kongresswahlen. Trump hat seit Kriegsbeginn am 28. Februar nach Zählung öffentlicher Auftritte 40-mal ein bevorstehendes Friedensabkommen angekündigt.
Internationale Reaktionen
Pakistan, das als Vermittler fungiert, rief Teheran und Washington zur Zurückhaltung auf. Die hochauflagende iranische Zeitung Hamshahri veröffentlichte eine „Kill List“ hochrangiger Politiker, die die Führung in Teheran angeblich ins Visier nehmen will. Auf der Liste werden unter anderem Friedrich Merz und Giorgia Meloni genannt. Trump hatte bereits zuvor in der Woche erklärt, er stehe auf der „Todesliste“ Irans ganz oben.
Die Lage in der Region bleibt hochgradig instabil. Sowohl Iran als auch die USA haben mit Seeblockaden, Angriffen und Minenlegungen dafür gesorgt, dass die wichtige Schifffahrtsroute nicht passierbar ist. Nach Einschätzung des von der US-Marine beaufsichtigten Gemeinsamen Maritimen Informationszentrums (JMIC) bleibt die Sicherheitsbedrohungslage in der Meerenge „hoch“. Die JMIC erklärte zugleich: „Die US-Streitkräfte sind bereit, die Freiheit der Schifffahrt aufrechtzuerhalten und den rechtmäßigen Handel im Einklang mit Völkerrecht zu schützen. Die Südroute der Meerenge bleibt offen.“
Fragen & Antworten
Warum hat die USA den Iran erneut angegriffen?
Nach Angaben des US-Militärs erfolgte der Angriff als Vergeltung für die Beschießung des unter zyprischem Flagge fahrenden Containerschiffs „GFS Galaxy“ durch iranische Revolutionsgarden in der Straße von Hormus. Die Angriffe seien auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump erfolgt.
Welche Rolle spielt die Straße von Hormus in dem Konflikt?
Die Meerenge ist für den globalen Öl- und Gashandel von existenzieller Bedeutung. Iran nutzt sie als strategisches Druckmittel und erklärte sie nach den US-Angriffen erneut für gesperrt, während die USA sie als offene internationale Schifffahrtsroute betrachten.
Was hat das Rahmenabkommen von Mitte Juni vorgesehen?
Das Mitte Juni unterzeichnete Rahmenabkommen sah neben einer Waffenruhe vor, dass die USA und der Iran binnen 60 Tagen eine dauerhafte Vereinbarung zur Beendigung des seit Ende Februar andauernden Krieges aushandeln. Es enthielt zudem die Forderung, die Straße von Hormus für den Handel zu öffnen.
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