US-Militär fliegt dritte Angriffswelle auf Iran – Revolutionsgarden schließen Straße von Hormus
Washington/Teheran, 12. Juli 2026
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Kurzfassung
Das US-Militär hat in der Nacht auf Sonntag die dritte Angriffswelle innerhalb einer Woche gegen den Iran geflogen. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten daraufhin die Straße von Hormus für gesperrt, Luftalarm heulte in mehreren Golfstaaten.
Washington/Teheran, 12. Juli 2026
Das US-Zentralkommando (Centcom) hat in der Nacht auf Sonntag eine dritte Angriffswelle gegen den Iran gestartet und nach eigenen Angaben rund 140 militärische Ziele getroffen, woraufhin die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) die Straße von Hormus für gesperrt erklärten und in mehreren Golfstaaten Luftalarm ausgelöst wurde.
Dritte Angriffswelle innerhalb einer Woche
Die Eskalation in der Nacht auf den 12. Juli 2026 markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Woche, in der sich die Spannungen zwischen Washington und Teheran trotz eines Mitte Juni vereinbarten Rahmenabkommens beständig verschärft haben. Das US-Zentralkommando (Centcom) teilte mit, die Streitkräfte hätten um 19:15 Uhr Ostküstenzeit die dritte Angriffswelle dieser Woche gegen den Iran gestartet. Insgesamt seien rund 140 militärische Ziele getroffen worden, darunter Raketen- und Drohnenstellungen, Marineeinrichtungen, Munitionslager, Kommunikationsnetze und Küstenüberwachungsanlagen.
Über die drei Angriffsnächte dieser Woche seien damit mehr als 300 Ziele getroffen worden, erklärte Centcom weiter. Die Angriffe seien auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump erfolgt. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb auf der Plattform X: „Jetzt muss er dafür bezahlen.“ Die Wortwahl bezog sich nach Darstellung des Ministeriums auf eine vom Iran aus Sicht Washingtons verfehlte diplomatische Chance.
Auslöser der jüngsten Welle war nach Angaben von Centcom ein Angriff der iranischen Revolutionsgarden auf das unter zypriotischer Flagge fahrende Containerschiff „GFS Galaxy“ in der Straße von Hormus. Militärische Behörden meldeten, das Schiff sei neun Seemeilen östlich vom Oman am Heck beschädigt worden, was zu einem Feuer geführt habe. Das 300 Meter lange Schiff sei wegen eines Feuers an Bord sowie erheblicher Schäden im Maschinenraum nicht in der Lage, seine Reise fortzusetzen.
Schiff unter zypriotischer Flagge brennt
Nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO hat die Besatzung das brennende Schiff verlassen, die Seeleute seien in einem Rettungsboot. Ein ziviles Besatzungsmitglied der „GFS Galaxy“ wird laut Angaben von Centcom vermisst. Die IRGC-Marine erklärte, ein Schiff namens M/V GFS Galaxy habe eine nicht genehmigte Route in der Meerenge angesteuert und sei nach einem Warnschuss zum Stillstand gebracht worden. Auch ein zweites Schiff in der Straße von Hormus sei außer Gefecht gesetzt worden.
Vergeltung und Angriffe auf US-Stützpunkte
Die iranischen Revolutionsgarden kündigten an, die strategisch wichtige Meerenge bis auf Weiteres zu schließen. Die IRGC-Marine erklärte, die Straße von Hormus bleibe nun geschlossen, bis die USA ihre „Einmischung“ in der Region beendeten, kein Schiff werde durchgelassen. Die Revolutionsgarden drohten zudem mit weiteren Vergeltungsangriffen: Sollte der „Aggressor“ neue Angriffe gegen den Iran starten, werde man mit weiteren Angriffen auf „feindliche Stützpunkte“ in der Region reagieren.
Die Vergeltung ließ nicht lange auf sich warten. Die IRGC griff eigenen Angaben zufolge unter anderem die strategisch wichtige US-Luftwaffenbasis Al Udeid in Katar mit ballistischen Raketen an. Die Revolutionsgarden behaupteten, mit mehreren ballistischen Raketen ein Kommando- und Kontrollzentrum sowie Hangars für MQ-9-Drohnen zerstört zu haben. Katar teilte mit, die Flugabwehr habe einen Raketenangriff abgewehrt. Auch Explosionen in der katarischen Hauptstadt Doha wurden gemeldet.
In Bahrain heulten am Morgen erneut die Sirenen, das Innenministerium rief die Bevölkerung auf, ruhig zu bleiben und einen sicheren Ort aufzusuchen. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten heulten die Sirenen, das Verteidigungsministerium teilte mit, dort würden Angriffe mit Raketen und Drohnen abgewehrt, der Katastrophenschutz warnte die Bewohner vor einer Bedrohung durch Raketen. Im Iran meldeten staatliche Medien Explosionen in der Hafenstadt Buschehr und an anderen Orten entlang des Persischen Golfs; zudem wurden in der Nacht auf Sonntag Explosionen auf der Insel Qeshm gemeldet.
Luftalarm in mehreren Golfstaaten
Die IRGC reklamierte zudem Angriffe auf den Luftwaffenstützpunkt Prince Hassan Air Base in Jordanien für sich. Die Luftstreitkräfte hätten in einer ersten Phase „wichtige militärische Infrastruktur und Anlagen“ auf dem Luftwaffenstützpunkt Prince Hassan Air Base in Jordanien angegriffen. Insgesamt führten die iranischen Streitkräfte Vergeltungsangriffe auf Ziele in mehreren Golfstaaten aus, die als Verbündete der USA gelten.
Hintergrund: gescheitertes Rahmenabkommen
Hintergrund der Eskalation ist das Mitte Juni zwischen Washington und Teheran geschlossene Rahmenabkommen, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen sollte. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Im Anschluss an die Vereinbarung eines Rahmenabkommens zwischen Washington und Teheran im vergangenen Monat hatte vorübergehend relative Ruhe in der Region geherrscht. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe. Trotzdem kam es immer wieder zu neuen Angriffen.
Strittig ist vor allem die Schiffspassage durch die Meerenge. Die USA fordern Medienberichten zufolge, dass der Iran öffentlich die freie und sichere Schifffahrt in der Straße von Hormus zusichert. Die USA hatten dem Iran zuvor ein Ultimatum gestellt, eine schriftliche Sicherheitsgarantie für die Schifffahrt in der Meerenge abzugeben, mit Frist bis Samstag. Der Iran warf den USA nach der bereits dritten Angriffswelle diese Woche Vertragsbruch vor.
Der iranische Militärsprecher Amir Akraminia erklärte laut der Nachrichtenagentur Tasnim, die Verantwortung liege nach dem Rahmenabkommen beim Iran. Teheran arbeite mit dem Oman an gemeinsamen Regelungen für die Region. Zugleich kritisierte er: „Die Amerikaner versuchen, südlich der Straße von Hormus eine regelwidrige Route durchzusetzen, die der mit der Islamischen Republik Iran unterzeichneten Vereinbarung widerspricht.“
Oman als Vermittler
Am Samstag waren Verhandlungen über eine Lösung für die Straße von Hormus in der omanischen Hauptstadt Maskat geführt worden. Irans Außenminister Abbas Araghtschi traf seinen omanischen Amtskollegen Badr al-Busaidi in Maskat, um über die Straße von Hormus zu sprechen. Eine Einigung gab es den Angaben zufolge noch nicht. Der iranische Außenminister Araghtschi hatte im Oman Gespräche über den Schiffsverkehr in der Meerenge geführt.
Oman schlug dabei Medienberichten zufolge gebührenfreie Schifffahrt vor. Der Vorschlag sieht nach CNN-Informationen zwei getrennt verwaltete Routen durch die Meerenge vor: eine südliche Route in omanischen Gewässern mit freier Durchfahrt wie vor dem Krieg, eine nördliche Route in iranischen Gewässern mit vorheriger Genehmigungspflicht durch Teheran, aber ohne Gebühren. Der Vorschlag ist laut CNN noch nicht final vereinbart, die Annahme durch den Iran stehe laut Axios-Reporter Barak Ravid noch aus.
Der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf schrieb auf X: „Die Zeit der einseitigen Abmachungen ist VORBEI. Wir haben es euch gesagt: Haltet euer Wort oder zahlt den Preis.“ Der iranische Außenminister erklärte laut iranischem Staatsfernsehen, beide Seiten hätten „geeignete Mechanismen zur Gewährleistung der sicheren Durchfahrt von Schiffen“ erörtert. Insider berichteten zudem, dass die USA, der Iran, Katar und Pakistan eine Telefonkonferenz planten.
Auswirkungen auf den Welthandel
Die wirtschaftlichen Folgen der Sperrung der Meerenge sind erheblich. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt, ein Großteil der globalen Öltransporte läuft durch die schmale Meerenge zwischen Iran und der arabischen Halbinsel; nach Statistiken passieren rund 20 Prozent des globalen Handels mit Öl und Erdgas diese Route. Die maßgeblichen Rohölbörsen wie die ICE für die Sorte Brent und die NYMEX für WTI hatten am Freitagabend geschlossen; der elektronische Handel nimmt frühestens in der Nacht von Sonntag auf Montag wieder Fahrt auf, bei NYMEX/WTI gegen Mitternacht mitteleuropäischer Zeit, bei ICE/Brent üblicherweise gut eine Stunde später.
Das US-Militär betonte, dass kommerzielle Schiffe die Seeroute weiterhin nutzen könnten. Die Nachricht wurde am 12.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. US-Präsident Trump erklärte die Feuerpause für beendet, nachdem bereits in der Nacht auf Mittwoch massive US-Angriffe auf den Iran wieder aufgenommen worden waren. Damit ist die Phase relativer Ruhe nach dem Rahmenabkommen endgültig vorbei, und die Region steht am Rande eines umfassenden regionalen Flächenbrands.
Fragen & Antworten
Wer hat die Angriffe auf den Iran angeordnet?
Nach Angaben des US-Zentralkommandos (Centcom) erfolgten die Angriffe auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth schrieb dazu auf X: „Jetzt muss er dafür bezahlen.“
Was ist mit der Besatzung der „GFS Galaxy“ passiert?
Nach Angaben der britischen Behörde UKMTO hat die Besatzung das brennende Schiff verlassen und befindet sich in einem Rettungsboot; laut Centcom wird ein ziviles Besatzungsmitglied vermisst.
Was hat Oman vorgeschlagen, um die Lage in der Straße von Hormus zu entschärfen?
Oman schlug zwei getrennt verwaltete Routen durch die Meerenge vor: eine gebührenfreie südliche Route in omanischen Gewässern und eine nördliche Route in iranischen Gewässern mit Genehmigungspflicht durch Teheran. Der Vorschlag ist laut CNN noch nicht final vereinbart.
USA greifen Iran dritte Welle an: Straße von Hormus dicht | nachrichten360