US-Börsen legen kräftig zu: Trump sagt Iran-Angriffe ab und SpaceX feiert Börsengang
New York, 11 Juni 2026
Daniel Torok / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Die New Yorker Börsen haben am Donnerstag die größten Tagesgewinne seit Anfang April verzeichnet. Auslöser war die Absage geplanter US-Angriffe auf den Iran durch Präsident Donald Trump, der zugleich ein baldiges Friedensabkommen in Aussicht stellte. Zudem feierte der Raumfahrtkonzern SpaceX von Elon Musk seinen lang erwarteten Börsengang.
New York, 11 Juni 2026
Die New Yorker Aktienbörsen haben am Donnerstag deutlich zugelegt, nachdem US-Präsident Donald Trump geplante Angriffe auf den Iran abgesagt und ein bevorstehendes Friedensabkommen angekündigt hatte, während zugleich der lang erwartete Börsengang von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX an der Wall Street stattfand.
Politische Wende und Marktreaktion
Die New Yorker Börsen haben am Donnerstag die größten Tagesgewinne seit Anfang April verzeichnet. Ausschlaggebend war die Absage geplanter US-Angriffe auf den Iran durch Donald Trump, der zugleich ein kurz bevorstehendes Friedensabkommen in Aussicht stellte. „Die Absage geplanter US-Angriffe auf den Iran durch Donald Trump hat die New Yorker Börsen am Donnerstag euphorisiert", hieß es dazu aus dem Handel. Der marktbreite S&P 500 gewann 1,75 Prozent auf 7.394,30 Punkte.
Der Leitindex Dow Jones Industrial ging um 1,86 Prozent auf 50.848,75 Punkte hoch, während der Nasdaq 2,5 Prozent auf 25.809 Punkte zulegte. Damit knüpften die Indizes an die bereits positive Entwicklung der Vortage an. Schon zuvor hatte Julian Emanuel von Evercore ISI die gute Stimmung mit der „Angst vieler Anleger am Vorabend des Börsengangs von SpaceX, künftige Kursgewinne zu verpassen", erklärt.
SpaceX feiert größten Börsengang der Geschichte
Im Zentrum des Anlegerinteresses stand der Börsengang von SpaceX, dem Raumfahrtunternehmen von Elon Musk. Der Ausgabepreis wurde auf 135 US-Dollar je Aktie festgelegt, was eine sagenhaft hohe Bewertung von insgesamt fast 1,8 Billionen Dollar ergeben würde. Musk will mit dem Verkauf eines fünfprozentigen Anteils seines Raumfahrt-, Satelliten- und KI-Unternehmens rund 75 Milliarden US-Dollar einnehmen; insgesamt wurde ursprünglich sogar ein Erlös von bis zu 86 Milliarden US-Dollar angepeilt, was den Gang an die Börse zum größten IPO der Geschichte machen würde.
Die Nachfrage nach den Papieren war laut Bloomberg bereits am Vortag enorm: Unter Berufung auf informierte Personen berichtete die Nachrichtenagentur, dass die Nachfrage nach den Papieren mehr als viermal so hoch sei wie das Angebot. Der Handelsbeginn an der New Yorker Börse war für 15:30 Uhr MEZ beziehungsweise 9:30 Uhr New Yorker Zeit angesetzt. Der Börsengang erfolgt knapp ein Vierteljahrhundert nach der Unternehmensgründung; SpaceX schreibt nach Informationen aus den Faktenunterlagen bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch rote Zahlen.
Die politische Kehrtwende Trumps begründete dieser auf seiner Online-Plattform Truth Social mit laufenden Gesprächen, die die höchste Ebene der iranischen Führung erreicht hätten. Nach seiner Darstellung sind Verhandlungen über eine Befriedung des Konflikts einem Durchbruch nahe. „Gespräche und endgültige Punkte seien im Detail von allen beteiligten Parteien gebilligt worden", zitierten Agenturen den Präsidenten. Trump stellte sogar die Unterzeichnung eines Abkommens in Aussicht – Zeitpunkt und Ort würden in Kürze bekanntgegeben, womöglich könne am Wochenende in Europa unterzeichnet werden.
Teheran bremst die Euphorie
Die iranische Regierung in Teheran erklärte allerdings, dass bislang keine endgültige Entscheidung über ein Friedensabkommen getroffen worden sei. Dass Teheran einem Medienbericht zufolge Verhandlungsfortschritte dementierte, dämpfte die Euphorie an den Märkten nur kurz. Auch Ray Attrill, Währungsstratege bei der National Australia Bank, zeigte sich vorsichtig optimistisch: „Wenn wir etwas aus dem Iran hören, das positiv klingt, werden sich die Chancen eindeutig dramatisch wenden". Zugleich verwies er darauf: „Dies sieht vielleicht etwas greifbarer aus als das, was wir bisher hatten".
Ölpreise fallen deutlich
Die Aussicht auf eine Entspannung im Nahen Osten schlug sich unmittelbar auf den Ölmarkt nieder. Die Ölpreise gaben kräftig nach: Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 89,32 US-Dollar, während US-WTI um 1,1 Prozent auf 86,76 US-Dollar nachgab. Am Vortag hatten Trumps Drohungen gegen den Iran sowie weitere Gewinnmitnahmen im Halbleitersektor noch kräftig auf die Kurse gedrückt.
Der Goldmann Sachs senkte unterdessen seine Ölpreisprognose für 2027 auf 80 US-Dollar pro Barrel. Als Gründe wurden steigendes Angebot und eine schwächere Nachfrage infolge des chinesischen Umstiegs auf Elektrofahrzeuge genannt. Diese Einschätzung stützt die Hoffnung auf eine längerfristige Entspannung am Rohölmarkt.
Asien und Europa ziehen nach
Auch die asiatischen Märkte reagierten positiv auf das News-Umfeld. Der japanische Nikkei stieg um rund vier Prozent, der südkoreanische Kospi legte um mehr als acht Prozent zu, und der Hongkonger Hang-Seng-Index verzeichnete ein Plus von 1,3 Prozent. Chinas CSI300-Blue-Chip-Index gewann ein Prozent.
In Europa hatte der DAX bereits am Donnerstag leicht im Plus bei 24.209 Punkten geschlossen, obwohl die Europäische Zentralbank die Leitzinsen anhob. Für den Freitag wurde der DAX mit einem Plus von mehr als 1,5 Prozent erwartet. Die Anleger setzen darauf, dass eine diplomatische Lösung im Nahost-Konflikt die globale Konjunktur entlasten würde.
Gemischtes Bild im Technologiesektor
Im Halbleitersektor, der zuletzt unter Gewinnmitnahmen gelitten hatte, ging es am Donnerstag deutlich nach oben. Im Nasdaq 100 belegten KLA (KLA-Tencor), Lam Research und Micron (Micron Technology) mit Kursgewinnen von bis zu 12,9 Prozent die vorderen Plätze. Intel profitierte mit plus 9,3 Prozent auch davon, dass die Bank of America bei ihrer Einschätzung der Aktie eine Kehrtwende vollzog und zum Kauf rät. Analyst Vivek Arya ist nun optimistischer für die Chancen der Kalifornier in den Bereichen Prozessoren und Auftragsfertigung.
Anders verlief der Tag für Oracle: Mit einem Kursrutsch von 8,5 Prozent beschleunigten die Aktien die Talfahrt der vergangenen Tage. Die Experten des Analysedienstes Vital Knowledge attestierten Oracle zwar ein ordentliches Quartal, sie monierten aber anhaltend hohe Geldabflüsse für den Aufbau von Kapazitäten für den wachsenden Auftragsbestand. Für die Titel der Branchenkollegen Adobe, Salesforce und Microsoft ging es um bis zu 6,3 Prozent bergab. Adobe legt nach US-Börsenschluss selbst Zahlen für das vergangene Quartal vor.
Ausblick: Wie nachhaltig ist die Erholung?
Die breite Markterholung vom Donnerstag spiegelte eine seltene Kombination aus politischer Entspannung, technologischer Euphorie und Konjunkturhoffnung wider. Sollte tatsächlich ein Friedensabkommen im Nahen Osten unterzeichnet werden, dürfte dies nach Einschätzung vieler Beobachter die Volatilität an den Märkten weiter verringern und insbesondere zinssensitive Branchen wie Immobilien und Infrastruktur stützen.
Allerdings bleibt abzuwarten, wie belastbar die iranischen Signale tatsächlich sind. Die iranische Regierung betonte, sie habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Eine enttäuschende Entwicklung in den Gesprächen könnte die Gewinne schnell wieder zunichtemachen. Auch der Ausgang des SpaceX-Börsengangs am ersten Handelstag wird zeigen, ob die hohe Bewertung des Unternehmens von rund 1,8 Billionen US-Dollar am Markt Bestand hat.
Fragen & Antworten
Warum sind die US-Börsen am Donnerstag so deutlich gestiegen?
Die New Yorker Indizes legten kräftig zu, nachdem US-Präsident Donald Trump geplante Angriffe auf den Iran abgesagt und ein kurz bevorstehendes Friedensabkommen in Aussicht gestellt hatte. Der Dow Jones gewann 1,86 Prozent, der Nasdaq 2,5 Prozent und der S&P 500 1,75 Prozent – die größten Tagesgewinne seit Anfang April.
Was macht den SpaceX-Börsengang besonders?
Der Börsengang von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX gilt als der größte IPO der Geschichte; der Ausgabepreis wurde auf 135 US-Dollar je Aktie festgelegt, was eine Gesamtbewertung von fast 1,8 Billionen US-Dollar bedeutet. Die Nachfrage nach den Papieren überstieg laut Bloomberg das Angebot um mehr als das Vierfache.
Wie reagierten die asiatischen und europäischen Märkte?
In Asien stiegen der japanische Nikkei um rund vier Prozent, der südkoreanische Kospi um mehr als acht Prozent und der Hongkonger Hang-Seng um 1,3 Prozent; Chinas CSI300 legte um ein Prozent zu. Der DAX schloss am Donnerstag leicht im Plus bei 24.209 Punkten, obwohl die Europäische Zentralbank die Leitzinsen anhob, und wurde am Folgetag mit einem Plus von mehr als 1,5 Prozent erwartet.
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