Am Wiener Landesgericht wird am Mittwoch das Urteil im Untreue-Prozess gegen Heinz-Christian Strache und einen Mitangeklagten rund um die sogenannte Causa „Lebensversicherung" erwartet.
Was ist neu seit dem 2. Juli 2026
Update vom 2. Juli 2026: Nach dem Prozessauftakt Ende Mai steht im Verfahren gegen Heinz-Christian Strache nun die Urteilsverkündung bevor. Damit erreicht der seit Wochen laufende Strafprozess einen entscheidenden Wendepunkt.
Im Zentrum des Verfahrens steht die Frage, ob Strache sich als damaliger Obmann der Wiener Landes-FPÖ im Jahr 2014 widerrechtlich als Begünstigter einer Lebensversicherung eintragen ließ, die zuvor von der Partei selbst abgeschlossen worden war. Im Zentrum der sogenannten Causa "Lebensversicherung" steht die Frage, ob Strache sich als damaliger Obmann 2014 widerrechtlich als Begünstigten einer von der Wiener Landes-FPÖ abgeschlossenen Lebensversicherung eintragen ließ.
Hintergrund der Causa „Lebensversicherung"
Die Staatsanwaltschaft wirft Strache vereinfacht gesagt vor, mit Hilfe eines Mitangeklagten die Versicherungspolizze zu seinen Gunsten geändert zu haben. Die Anklage spricht von einem "In-sich-Geschäft", da Strache hier sowohl als neuer Begünstigter sowie als Vertreter der Partei, also der alten Begünstigten, unterschrieben habe. Ein In-sich-Geschäft liegt vor, wenn eine Person auf beiden Seiten einer Vereinbarung steht und dadurch potenziell eigene Interessen über jene der von ihr vertretenen Organisation stellt.
Strache hat beim Prozessauftakt Ende Mai sämtliche gegen ihn und einen Mitangeklagten gerichteten Vorwürfe zurückgewiesen. Seine Verteidigung argumentiert demnach, dass er im rechtlich zulässigen Rahmen gehandelt habe. Für beide Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
Rechtlich ist die Untreue nach Paragraf 153 der österreichischen Strafgesetzordnung ein Delikt, das die Verletzung von Vermögensinteressen eines anderen unter Missbrauch der ihm eingeräumten Befugnis unter Strafe stellt. Im Fall der Lebensversicherung geht es um die Frage, ob die Änderung der Begünstigung formal von der Partei gedeckt war oder ob Strache dadurch unbefugt auf ein der FPÖ zustehendes Vermögen zugreifen wollte.
Rechtlicher Rahmen und mögliche Folgen
Beobachterinnen und Beobachter des Verfahrens verweisen darauf, dass mit dem Urteil nicht zwingend eine politische Neubewertung der Causa Strache verbunden ist. Der Prozess behandelt ausschließlich den Vorwurf der Untreue, nicht etwa andere in der Vergangenheit gegen Strache erhobene Vorwürfe.
Sollte das Gericht einen Schuldspruch fällen, hätte dies unmittelbare strafrechtliche Konsequenzen für Strache, dessen Verteidigung in diesem Fall voraussichtlich Rechtsmittel ergreifen würde. Bei einem Freispruch wäre das strafrechtliche Kapitel der Causa „Lebensversicherung" zumindest vorerst abgeschlossen.
Die Verhandlung wurde am Wiener Landesgericht über mehrere Wochen geführt. Neben der Hauptverhandlung wurden schriftliche Eingaben der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft behandelt. Das Urteil wird im nicht-öffentlichen Teil der Verhandlung verkündet; anschließend erhalten die Anwältinnen und Anwälte der Beteiligten die schriftliche Begründung.