UniCredit hebt Gewinnziele an und treibt Commerzbank-Übernahme voran
Mailand, 23 Juli 2026
Daniel Case / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Kurzfassung
Die italienische Großbank UniCredit hat mitten im Übernahmekampf um die Commerzbank ihre Gewinnziele angehoben und zugleich den nächsten Schritt Richtung Kontrolle angekündigt. Die Aktie geriet dennoch unter Druck, während Commerzbank-Vorstand, Belegschaft und Bundesregierung die Übernahme weiter ablehnen.
Mailand, 23 Juli 2026
Die italienische Großbank UniCredit hat am Donnerstag in Mailand ihre Gewinnziele für 2026 und 2030 angehoben und zugleich den nächsten Schritt zur Übernahme der Commerzbank angekündigt.
UniCredit-CEO Andrea Orcel stellte die Halbjahreszahlen in Mailand vor und hob zugleich die Profitabilitätsziele des Instituts. Für das laufende Jahr 2026 erwartet UniCredit nun „deutlich" mehr als elf Milliarden Euro Nettogewinn, wie das Unternehmen mitteilte. Im laufenden Jahr soll der Überschuss auf "deutlich" mehr als 11 Milliarden Euro steigen. Zudem wurde das Nettoergebnisziel für 2030 auf „significantly" über 15 Milliarden Euro angehoben.
Im zweiten Quartal sank der Nettogewinn von UniCredit im Jahresvergleich um 13,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Damit lag das Ergebnis rund zehn Prozent unter dem Vorjahreswert, übertraf jedoch die Analystenerwartungen. JPMorgan-Analystin Delphine Lee sprach in einer ersten Einschätzung am Donnerstag von einem „soliden" Ergebnis. Die Kosten der italienischen Großbank deckten sich mit den Erwartungen. JPMorgan bekräftigte ihre Overweight-Einstufung mit einem Kursziel von 93 Euro.
Quartalszahlen übertreffen Erwartungen
Für das erste Halbjahr wies UniCredit einen Rekordnettogewinn von 6,1 Milliarden Euro aus. Orcel erklärte, die Commerzbank entwickle sich von einer attraktiven Finanzbeteiligung zu einer strategischen Transaktion mit substanziellem industriellen Wert durch die Umsetzung unserer bewährten Blaupause. UniCredit wies darauf hin, dass die Ergebnisse der Commerzbank noch nicht zu hundert Prozent eingerechnet seien.
Parallel treibt UniCredit die Übernahme der Commerzbank voran. Um dies zu erreichen, werde sie falls nötig eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Orcel kündigte an, kurz nach Erhalt der regulatorischen Genehmigungen die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen und die eigene Strategie umzusetzen. Die Genehmigungen der Aufsicht für das vor wenigen Wochen abgelaufene Übernahmeangebot könnten bereits im vierten Quartal erfolgen.
UniCredit baut Commerzbank-Anteil aus
Durch ein freiwilliges Übernahmeangebot bis Anfang Juli hatte UniCredit weitere rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere an Land gezogen. Zusammen mit den neu erworbenen Aktien steigt der UniCredit-Anteil rechnerisch auf 44,37 Prozent. Vor dem Angebot hielt UniCredit bereits 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien. Über Call-Optionen hat UniCredit zudem Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Papiere, womit der Anteil vorbehaltlich der EZB-Genehmigung auf 47,59 Prozent steigen könnte.
Die Europäische Zentralbank muss dem Vollzug als Aufsichtsbehörde zustimmen. So muss die EZB dem Vollzug zustimmen. Orcel betonte zugleich, er wolle sich konstruktiv mit der Bundesregierung, den Arbeitnehmervertretern und der Führung der polnischen Commerzbank-Tochter mBank austauschen. Es sollte kein Problem sein, zu einer Einigung zu kommen, die im besten Interesse aller ist.
Widerstand auf deutscher Seite
Auf deutscher Seite stößt die Übernahme weiterhin auf Widerstand. Der Commerzbank-Vorstand unter der Leitung von Bettina Orlopp, die Belegschaft und die Bundesregierung begrüßen den Einstieg nicht; das Vorhaben gilt als feindliche Übernahme. Der Commerzbank-Betriebsratsvorsitzende Sascha Uebel sagte: Wenn wir Betriebsräte hier als Verhandlungspartner genannt werden, liegt die UniCredit leider falsch. Er verwies auf das deutsche Unternehmensrecht, wonach der Vorstand der primäre Ansprechpartner sei.
Die Bundesrepublik Deutschland hält als zweitgrößter Aktionär noch zwölf Prozent an der Commerzbank. Sie kann eine Übernahme jedoch nicht verhindern. Der Bund hatte seinen Anteil nach der Rettung der Bank in der Finanzkrise 2008/2009 aufgebaut und ab 2024 seine ehemalige Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie schrittweise abgebaut.
Märkte und Analystenstimmen
An den Aktienmärkten reagierten die Titel verhalten. Am Donnerstag verlor die UniCredit-Aktie im Mailänder Handel zwischenzeitlich 2,15 Prozent auf 81,42 Euro. Commerzbank-Papiere fielen um 0,70 Prozent auf 38,17 Euro. Der DAX konnte seine Vortagesgewinne nicht halten und kämpft erneut mit der Marke von 25.000 Punkten. Belastend wirkten zudem Sorgen über eine weitere Eskalation im Iran-Krieg sowie enttäuschende Quartalszahlen der US-Techkonzerne Alphabet und Tesla.
Analysten sehen die UniCredit-Aktie weiterhin positiv. JPMorgan bekräftigte die Overweight-Einstufung mit einem Kursziel von 93 Euro. Barclays Capital hatte die Commerzbank am 29. Mai 2026 mit „Overweight" bewertet, RBC Capital Markets stufte sie am 14. Juli 2026 auf „Outperform", die Deutsche Bank am 15. Juli 2026 auf „Buy" und JPMorgan Chase & Co. am 17. Juli 2026 auf „Neutral".
Mit der Übernahme will Orcel ein europäisches Gegengewicht zur dominanten US-Bankkonkurrenz schaffen, die auch in Europa sehr aktiv ist. UniCredit hatte 2005 die Bank Austria übernommen und besitzt in Deutschland die ehemalige HypoVereinsbank. Orcel knüpft damit an die Bestrebungen seines Vorgängers Alessandro Profumo an, der das Institut von 1995 bis 2010 führte und die Bildung eines europäischen Bankhauses energisch vorantrieb.
Im Zuge der Übernahme werden deutliche Personalkürzungen erwartet, um die Kosten weiter zu senken. UniCredit hatte zuletzt über ein Tauschangebot knapp die Hälfte der Commerzbank-Aktien gesichert. Orcel strebt Gespräche mit allen Beteiligten an, um die Kontrolle über die Frankfurter Commerzbank zu festigen.
Fragen & Antworten
Wer ist Andrea Orcel und welche Rolle spielt er bei der Commerzbank-Übernahme?
Andrea Orcel ist CEO der italienischen Großbank UniCredit und treibt die Übernahme der Commerzbank voran. Er kündigte an, falls nötig eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, um die Kontrolle über die Commerzbank zu erlangen.
Wie hoch ist der UniCredit-Anteil an der Commerzbank aktuell?
Nach dem freiwilligen Übernahmeangebot bis Anfang Juli stieg der UniCredit-Anteil rechnerisch auf 44,37 Prozent. Über Call-Optionen könnte der Anteil vorbehaltlich der EZB-Genehmigung auf 47,59 Prozent steigen.
Warum lehnen Commerzbank-Vorstand, Belegschaft und Bundesregierung die Übernahme ab?
Der Commerzbank-Vorstand unter Bettina Orlopp, die Arbeitnehmervertreter und die Bundesregierung begrüßen den Einstieg nicht; das Vorhaben gilt als feindliche Übernahme. Die Bundesrepublik hält als zweitgrößter Aktionär noch zwölf Prozent, kann eine Übernahme aber nicht verhindern.