Ukraine greift Russland mit Rekordzahl von Drohnen an – Moskau, Belgorod und Kaluga betroffen
Moskau, 07. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
In der Nacht auf Dienstag hat die Ukraine nach russischen Angaben 452 Drohnen über 17 russischen Regionen abgefeuert. Allein auf Moskau sollen mehr als 430 Drohnen zugeflogen sein, während in Belgorod ein Mensch durch Raketenbeschuss starb. Der Angriff erfolgte kurz vor Beginn des NATO-Gipfels in Ankara.
In der Nacht auf Dienstag hat die Ukraine nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums 452 Drohnen über 17 russischen Regionen gestartet, darunter mehr als 430 auf Moskau gerichtete Flugkörper, während in Belgorod mindestens ein Mensch durch Raketenbeschuss getötet wurde.
Rekordzahl an Drohnen über Russland
Das russische Verteidigungsministerium teilte am Dienstag mit, dass 452 unbemannte Flugobjekte über 17 russischen Regionen abgefangen worden seien. Damit wäre es der zahlenmäßig größte ukrainische Drohnenangriff auf Moskau in den vergangenen zwei Jahren.
Der Bürgermeister der russischen Hauptstadt, Sergej Sobjanin, erklärte über den Nachrichtendienst Telegram, dass in der Nacht mehr als 430 Drohnen in Richtung Moskau geflogen seien. 36 Drohnen seien im direkten Anflug auf das Stadtgebiet abgeschossen oder neutralisiert worden, schrieb er bei Telegram. Schäden meldete er nicht, die Flughäfen der Hauptstadt waren aber zeitweise gesperrt.
Allerdings ist unklar, welche Drohnen in die Statistik Sobjanins eingeflossen sind. Unabhängig überprüfbar sind die Angaben nicht. Auch andere russische Behörden veröffentlichten am Dienstag Zahlen, die sich teilweise von den Angaben Sobjanins unterschieden.
Angriffe auf Belgorod und Kaluga
In der westrussischen Stadt Belgorod, die direkt an die Ukraine grenzt, ist Medienberichten zufolge eine zum mehrheitlich staatlichen russischen Energieunternehmen Gazprom gehörende Röhrenfabrik in Flammen aufgegangen. Der amtierende Gouverneur der Region, Alexander Schuschajew, schrieb von einem Raketenangriff, nach dem ein Feuer in einem nicht näher benannten Infrastrukturobjekt ausgebrochen sei.
Nach Angaben von Gouverneur Schuschajew wurde im Dorf Belowskoje in der Region Belgorod ein Mensch durch den Raketenbeschuss getötet. Ukrainische Streitkräfte hätten Belgorod und umliegende Bezirke mit mehreren Raketen angegriffen.
Südwestlich von Moskau brach im Oblast Kaluga nach Drohnenangriffen ein Brand in einer Industrieanlage aus. Gouverneur Wladislaw Schapscha erklärte, sechs ukrainische Drohnen seien auf das Gebiet angesetzt worden. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um eine Ölanlage. Es gebe keine Toten oder Verletzten, so Schapscha.
Die ukrainische Generalität erklärte nach eigenen Angaben, sie habe neben Industrieanlagen in Kaluga auch Rüstungsfabriken in der Region Brjansk angegriffen. Der ukrainische Drohnenkommandeur Robert Browdi teilte über Telegram mit, im Asowschen Meer seien acht Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte mit Drohnen angegriffen worden. Zwei Schiffe der Schattenflotte seien getroffen worden, ebenso eine Fracht und eine Fähre.
Hintergrund: Ukrainische Drohnenoffensive
Nach Angaben des Kreml griff die Ukraine 17 russische Regionen mit mehr als 450 Drohnen an. Schäden meldeten unter anderem die grenznahe Region Belgorod und das Industriegebiet Kaluga südwestlich von Moskau. Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten ihre Drohnenangriffe auf Ziele in Russland weit hinter der Front intensiviert.
Der ukrainische Drohnenangriff folgte auf schwere russische Angriffe auf ukrainische Städte in der Nacht auf Montag. Die ukrainischen Angriffe erfolgten, nachdem am Montag bei russischen Angriffen in der Ukraine mindestens 22 Menschen getötet worden waren. Allein in der Hauptstadt Kiew wurden nach Behördenangaben 15 Menschen getötet.
Russische Angriffe auf die Ukraine
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von Dutzenden Verletzten und wiederholte seine Forderung an die NATO nach mehr Luftabwehr. Ballistische Raketen kann Kiew nur mit Hilfe westlicher Flugabwehrsysteme, speziell des US-Raketensystems Patriot, abwehren. Selenskyj erklärte zudem, er hoffe, dass der NATO-Gipfel keine leeren Worte produzieren werde.
NATO-Gipfel in Ankara
Die Angriffe in der Nacht auf Dienstag ereigneten sich kurz vor Beginn des NATO-Gipfels in Ankara. Die Ukraine braucht dringend mehr Luftabwehr. Wir werden dies diese Woche in Ankara beim NATO-Gipfel besprechen, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte forderte vor dem Gipfel ebenfalls mehr Unterstützung für die Ukraine.
Und lassen Sie mich ganz klar sagen: Alle Bündnispartner müssen ihren Beitrag leisten, damit unsere Unterstützung für die Ukraine weiterhin fließt, denn die Sicherheit der Ukraine ist eng mit unserer eigenen verbunden, sagte Rutte. Europäische Verbündete und Kanada investierten bereits rund vier Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung.
Auf dem Gipfel in der Türkei soll nach bisherigen Angaben eine Grundsatzvereinbarung über zusätzliche Milliardenhilfen für die Ukraine finalisiert werden. Die geplante NATO-Finanzierung beläuft sich auf mindestens 70 Milliarden Euro pro Jahr für zwei Jahre, insgesamt 140 Milliarden Euro, für militärische Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung. Zusätzlich soll ein EU-Hilfspaket die Ukraine bis Ende 2027 mit rund 60 Milliarden Euro für verteidigungsbezogene Ausgaben versorgen. Nach Einrechnung des EU-Pakets müssten die NATO-Staaten rund 80 Milliarden Euro aus nationalen Haushalten beitragen.
US-Präsident Trump kündigte an, er werde in naher Zukunft mit dem russischen Präsidenten Putin telefonieren. Trump erklärte, eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges in der Ukraine sei näher als viele denken. Der Druck auf Russland werde weiter erhöht, bis das Blutvergießen ein Ende hat, sagte von der Leyen.
Auswirkungen auf die Energieversorgung
Der polnische Premierminister Donald Tusk rief in seinem Land zu einem neuen Konsens in der Frage der Ukraine-Hilfe auf. Zu dem Treffen ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eingeladen. Selenskyj hatte erklärt, er erwarte vom Gipfel konkrete Zusagen statt leerer Worte.
Die Ukraine hat in der Nacht Russland mit Hunderten Drohnen angegriffen, viele davon waren Richtung Moskau unterwegs. In mehreren russischen Regionen ist nach den Drohnenangriffen auf Raffinerien Benzin und Diesel knapp geworden, Tankstellen rationieren den Kraftstoff.
Die ukrainischen Streitkräfte griffen nach eigenen Angaben am Montag zudem eine Industrieanlage in Omsk an, die mehr als 2.400 Kilometer vom ukrainisch kontrollierten Gebiet entfernt liegt. Bei einer der getroffenen Anlagen handele es sich um Kremniy El, einen Hersteller von Mikroelektronik und Zulieferer der russischen Armee, teilte der ukrainische Generalstab über Telegram mit. Die Omsk-Raffinerie ist mit einer Verarbeitungskapazität von mehr als 20 Millionen Tonnen pro Jahr die größte Russlands.
Militärökonom Keupp erklärte, die Ukraine greife Russland stets in Wellen an. Damit solle die russische Luftabwehr überlastet und die Wirkung der Angriffe maximiert werden, sagte er.
Wenn Patriot-Raketen in den Lagern der Verbündeten verstaubten, ermutige das Russland nur, seinen Krieg gegen Wohnhäuser fortzusetzen, schrieb Selenskyj. Die Debatte über zusätzliche Luftabwehrsysteme dürfte daher eines der zentralen Themen des NATO-Gipfels in Ankara werden.
Fragen & Antworten
Wie viele Drohnen hat die Ukraine nach russischen Angaben abgefeuert?
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden in der Nacht auf Dienstag 452 unbemannte Flugobjekte über 17 russischen Regionen abgefangen. Der Bürgermeister von Moskau, Sergej Sobjanin, sprach von mehr als 430 Drohnen, die in Richtung der Hauptstadt geflogen seien.
Was geschah in Belgorod und Kaluga?
In der grenznahen Stadt Belgorod brach nach einem Raketenangriff ein Brand in einer zu Gazprom gehörenden Röhrenfabrik aus, im Dorf Belowskoje wurde ein Mensch getötet. Im Oblast Kaluga südwestlich von Moskau griffen sechs Drohnen nach Angaben von Gouverneur Wladislaw Schapscha eine Industrieanlage an, bei der es sich laut Medienberichten um eine Ölanlage handelt.
Was bedeutet der Drohnenangriff für den NATO-Gipfel in Ankara?
Der Angriff ereignete sich kurz vor Beginn des NATO-Gipfels in der Türkei, auf dem die Luftabwehr für die Ukraine und zusätzliche Milliardenhilfen verhandelt werden sollen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen forderten vor dem Treffen erneut mehr Unterstützung für Kiew.
Rekord-Drohnenangriff auf Moskau – 452 Drohnen über Russland | nachrichten360