Drohnenalarm in Moskau: Vier Flughäfen stundenlang gesperrt
Moskau, 22. Juni 2026
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Kurzfassung
Wegen herannahender Drohnen hat die russische Luftfahrtbehörde den Flugverkehr an vier Moskauer Flughäfen vorübergehend eingestellt. In mehreren ukrainischen Regionen starben bei russischen Drohnenschlägen Menschen, darunter Kinder.
Wegen der Annäherung zahlreicher Drohnen hat die russische Luftfahrtbehörde Rosaviatsia den Flugverkehr an den vier Moskauer Flughäfen Scheremetjewo, Domodedowo, Wnukowo und Schukowski am Montag vorübergehend eingestellt.
Luftverkehr in Moskau stundenlang unterbrochen
Wie die Behörde mitteilte, musste der Luftverkehr an den Hauptstadtflughäfen Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo sowie Schukowski vorübergehend eingestellt werden, teilte die Luftfahrtbehörde mit. In der Früh erklärten die russischen Behörden dann, die Moskauer Flughäfen seien wieder geöffnet. Der gesamte Vorgang erstreckte sich nach russischen Angaben über mehrere Stunden.
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte am Montag im Onlinedienst Telegram, es seien 59 Drohnen abgefangen worden. Sobjanin machte zwar keine Angaben darüber, woher die Drohnen kamen. Rettungskräfte seien zu den Absturzstellen entsandt worden. Nach Angaben russischer Stellen schoss die Luftabwehr fast 60 Drohnen über Moskau ab.
Moskaus Luftabwehr meldet 59 abgefangene Drohnen
Die Sperrungen der Flughäfen waren Teil einer breit angelegten Drohnenwelle, die Moskau in der Nacht zum Montag erreichte. Rettungskräfte seien zu den Absturzstellen entsandt worden, schrieb Sobjanin. Über Schäden durch herabfallende Drohnenteile auf dem Stadtgebiet wurde zunächst nichts bekannt.
Während die russische Hauptstadt mit den Folgen der Drohnenangriffe zu kämpfen hatte, schlugen aus ukrainischer Sicht nächtliche russische Angriffe auf mehrere Regionen des Landes ein. Nach Angaben ukrainischer Behörden starben dabei insgesamt mehrere Zivilisten.
Angriffe auf mehrere ukrainische Regionen
Besonders schwer traf es den Angaben zufolge die nördliche Region Sumy. Dort seien ein 13-jähriger Junge, sein Vater und seine Großmutter bei einem russischen Drohnenangriff kurz vor 5:00 Uhr Ortszeit getötet worden, teilte die örtliche Staatsanwaltschaft mit. Die Mutter und zwei Geschwister der Familie überlebten den Angriff den Angaben zufolge. Insgesamt seien in Sumy drei Menschen bei den Drohnenschlägen ums Leben gekommen.
Familie in der Region Sumy getötet
In der südukrainischen Region Odessa wurde nach Angaben der Regionalverwaltung ein Mensch getötet und drei weitere verletzt, als Russland eine ballistische Rakete vom Typ Iskander auf einen landwirtschaftlichen Betrieb abfeuerte. Dabei seien Fahrzeuge und Treibstofftanks in Brand geraten, teilte Gouverneur Oleh Kiper auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit.
Raketenschlag auf landwirtschaftlichen Betrieb in Odessa
Auch in Saporischschja im Südosten der Ukraine forderte ein Drohnenangriff nach Behördenangaben ein Todesopfer und drei Verletzte. Das teilte Gouverneur Iwan Fedorow auf Telegram mit. Die genaue Zahl der insgesamt in der Ukraine getöteten Zivilisten ließ sich aus den Meldungen nicht eindeutig ableiten, da Angaben aus verschiedenen Regionen teilweise Überschneidungen enthielten.
Ziviles Frachtschiff im Schwarzen Meer getroffen
Russische Drohnenangriffe trafen auch zivile Schifffahrt im Schwarzen Meer. Bei russischen Drohnenangriffen auf ein Frachtschiff im Schwarzen Meer auf dem Weg in die Ukraine wurde ein Mensch getötet. Bei dem Todesopfer handele es sich um den ägyptischen Koch, teilte der ukrainische Vize-Regierungschef Oleksij Kuleba am Montag im Onlinedienst Telegram mit. Das Schiff namens "Victress" fuhr unter der Flagge Panamas.
Acht weitere Seeleute seien von dem nicht mehr seetüchtigen Schiff gerettet worden. In der gleichen Nacht wurden nach ukrainischen Angaben zwei weitere Schiffe unter den Flaggen von Belize und Palau angegriffen, wobei keine Verletzten zu beklagen waren. Die Vorfälle verdeutlichen die Ausweitung der Drohnenangriffe auf zivile Seeverkehrswege.
Einschränkungen auf der Krim
Parallel verschärfte sich die Lage auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim. Der Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, sagte alle öffentlichen Freiluftveranstaltungen für Montag ab und kündigte an, dass die Straßenbeleuchtung in der Hafenstadt abgeschaltet werde. Der Gouverneur der Krim und Sewastopols rief die Bevölkerung zudem auf, Strom zu sparen.
Die Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit einer angespannten Versorgungslage auf der Halbinsel. Zuvor hatten ukrainische Drohnenangriffe auf Versorgungswege und Energieanlagen zu einem Treibstoffmangel in der bei russischen Touristen beliebten Urlaubsregion geführt. Privaten Personen und Unternehmen auf der Krim wird nach Angaben der Regionalverwaltung kein Treibstoff mehr zugeteilt; er werde ausschließlich an staatliche Stellen verteilt, die für den Betrieb und die Sicherheit der Halbinsel zuständig seien.
Bereits am Vortag, dem 21. Juni 2026, hatten ukrainische Drohnen auf der Krim Explosionen und Brände verursacht, bei denen es Tote und Verletzte gegeben haben soll. Die genaue Zahl der Opfer wurde aus den vorliegenden Meldungen nicht abschließend ersichtlich.
Diplomatische Hintergründe und deutsche Rüstungshilfe
Im Hintergrund dieser Eskalation stehen diplomatische Signale aus Kiew. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in einem Interview, Deutschland werde 600 Patriot-Flugabwehrraketen aus deutscher Produktion an die Ukraine liefern. Nach Angaben des deutschen Verteidigungsministeriums sollen die ersten in Deutschland produzierten Raketen Anfang des Jahres 2027 verfügbar sein. Die erste Produktionsstätte für Patriot-Raketen außerhalb der USA entsteht derzeit in Schrobenhausen in Bayern.
Selenskyj äußerte zudem, er sehe positive Signale aus den USA, dass die Ukraine auch eine Lizenz für die eigenständige Produktion von Patriot-Raketen erhalten werde. Mit Blick auf den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko sagte Selenskyj, dieser müsse über Worte hinaus Deeskalation demonstrieren. Sein 'Ich entschuldige mich' soll er für sich behalten, das funktioniert seit dem ersten Tag des Kriegs nicht mehr.
Die in dem Bericht genannten Opferzahlen aus den verschiedenen Regionen der Ukraine sind unabhängig nicht überprüfbar. Unklar bleibt auch, wie viele der genannten Opfer den jeweiligen Regionen zuzuordnen sind und ob es sich teilweise um Überschneidungen handelt.
Insgesamt verdeutlicht der Bericht eine anhaltende wechselseitige Eskalation mit Drohnen, die sowohl die Hauptstadt des einen Landes erreicht als auch zivile Opfer in mehreren Regionen des anderen Landes fordert. Die Sperrung der Moskauer Flughäfen zeigt, dass die Drohnenangriffe inzwischen das russische Hinterland erreichen und die Luftabwehr der Hauptstadt massiv gefordert ist.
Fragen & Antworten
Welche Moskauer Flughäfen waren von der Sperrung betroffen?
Nach Angaben der russischen Luftfahrtbehörde Rosaviatsia waren die Flughäfen Scheremetjewo, Domodedowo, Wnukowo und Schukowski am Montag vorübergehend für den Luftverkehr gesperrt.
Wie viele Drohnen wurden über Moskau abgefangen?
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte am Montag über Telegram mit, dass die russische Luftabwehr 59 Drohnen über der Hauptstadt abgefangen habe, ohne Angaben zur Herkunft zu machen.
Welche Opfer forderten die russischen Angriffe in der Ukraine?
In der Region Sumy wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein 13-jähriger Junge, sein Vater und seine Großmutter getötet; in Saporischschja starb eine Frau, in Odessa wurde ein Mensch bei einem Iskander-Raketenangriff auf einen landwirtschaftlichen Betrieb getötet.
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