Russland meldet Abschuss von 172 Drohnen – ukrainische Drohne trifft Moskauer Raffinerie
Moskau, 16 Juni 2026
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Kurzfassung
Russlands Flugabwehr hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht 172 Drohnen über mehreren Regionen abgeschossen. In Moskau wurde nach Darstellung von Bürgermeister Sergej Sobjanin eine Raffinerie auf Stadtgebiet von einer ukrainischen Drohne getroffen.
Moskau, 16 Juni 2026
Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat Russland in der Nacht zum Montag nach eigenen Angaben 172 Drohnen über verschiedenen Regionen abgeschossen, allein rund 60 davon nach Darstellung von Bürgermeister Sergej Sobjanin über der Hauptstadt Moskau, wo eine Drohne eine Ölraffinerie auf Stadtgebiet traf.
Lage in der Nacht
Das russische Verteidigungsministerium teilte am Morgen mit, in der Nacht seien landesweit 172 Drohnen bekämpft worden. In Moskau sprach Bürgermeister Sergej Sobjanin nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen von rund 60 abgefangenen Drohnen. Die ukrainische Seite sprach von einem Angriff auf eine Raffinerie auf Moskauer Stadtgebiet, die laut Präsident Wolodymyr Selenskyj rund 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt.
Selenskyj lobte die ukrainischen Geheimdienste für ihre Arbeit. Die Drohne habe demnach eine Anlage im Großraum Moskau getroffen. Die Raffinerie gilt als wichtige Infrastruktur für die Treibstoffversorgung der russischen Hauptstadtregion. Unabhängige Bestätigungen für den Treffer und sein Ausmaß lagen zunächst nicht vor.
Treffer auf Moskauer Raffinerie
Gleichzeitig griff die Ukraine nach eigenen Angaben russische Militärziele in mehreren Regionen an. Russische Behörden meldeten zudem Einschränkungen im Flugverkehr an den Moskauer Flughäfen Scheremetjewo und Schukowski. In den Regionen Krasnodar und Poltawskaja wurden ebenfalls Drohnen abgefangen.
Die Drohnenangriffe stehen im Kontext eines umfassenden russischen Beschusses der Ukraine in der Nacht. Nach Angaben des ukrainischen Militärs feuerte Russland 70 Raketen und 611 Drohnen auf ukrainisches Gebiet. Davon seien 50 Raketen und 582 Drohnen abgefangen worden. In der Hauptstadt Kiew wurden vier Menschen getötet und mehr als 20 weitere verletzt.
G7-Gipfel in Évian
Parallel zu den Kämpfen laufen diplomatische Bemühungen um eine Beendigung des Kriegs. Die Staats- und Regierungschefs der G7 kommen im französischen Évian zu einem Gipfel zusammen, an dem auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilnimmt. Großbritanniens Premierminister Keir Starmer will dort Einzelheiten zu einem britischen Unterstützungspaket vorstellen.
London stellt nach Regierungsangaben umgerechnet rund 250 Millionen Euro bereit, damit das Unternehmen Urenco angereichertes Uran an den ukrainischen Atomkraftwerksbetreiber Energoatom liefern kann. Damit soll die Energieversorgung der Ukraine gesichert werden, die unter wiederholten russischen Angriffen auf das Stromnetz leidet.
Die G7 einigten sich zudem auf eine Erweiterung der Sanktionsliste gegen Russland. Betroffen sind 34 Personen und 47 Einrichtungen, darunter Akteure der Rüstungsindustrie sowie der sogenannten Schattenflotte. Mit den Maßnahmen soll der Druck auf Moskau erhöht werden, einer Waffenruhe zuzustimmen.
Sanktionen gegen Russland
Vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen hatte Russland nach Angaben Selenskyjs zuletzt einen Vorschlag für ein Treffen am Rande des G7-Gipfels zurückgewiesen. Der ukrainische Präsident sagte: "Russland muss gezwungen werden, den Krieg gegen unser Volk zu beenden". Er nimmt heute am G7-Gipfel im französischen Évian teil.
Zugleich kündigte die Ukraine eine Reform des Wehrdienstes an. Nach Angaben von Verteidigungsminister Mychailo Fedorow sollen neue Verträge mit Laufzeiten zwischen sechs und 24 Monaten mehr Planungssicherheit, bessere finanzielle Leistungen und klarere Dienstbedingungen bieten. Frontsoldaten sollen demnach monatlich umgerechnet bis zu rund 5.800 Euro erhalten, bei besonders gefährlichen Einsätzen auch deutlich mehr.
Reform des ukrainischen Wehrdienstes
Mit der Reform reagiert die ukrainische Führung auf die schwierige Personallage an der Front. Die neuen Vertragsmodelle sollen Soldaten langfristigere Perspektiven bieten und die Motivation erhöhen. Gleichzeitig sucht die Regierung Wege, die demografischen Folgen des seit bald vier Jahren andauernden Kriegs abzufedern.
Großbritannien setzt bei der Militärhilfe für die Ukraine verstärkt auf die Lieferung von Drohnen und anderen Waffensystemen. Die britische Regierung kündigte darüber hinaus an, die finanzielle Unterstützung für die Ukraine auszuweiten. Premierminister Starmer hatte sich zuvor für eine stärkere Koordinierung der westlichen Militärhilfe ausgesprochen.
Belarus bleibt unterdessen ein wichtiger Verbündeter Russlands. Belarus hatte Russland 2022 den Einmarsch in die Ukraine über sein Territorium ermöglicht und später die Stationierung russischer Atomwaffen zugelassen. Westliche Staaten sehen dies als Mitverantwortung am Krieg und haben eigene Sanktionen gegen Minsk verhängt.
Ausblick auf die kommenden Tage
Die ukrainische Seite betont, mit den Drohnenangriffen auf russisches Territorium die Kriegslasten auf das Angreiferland zurückverlagern zu wollen. Die nächtlichen Attacken auf Moskau und andere russische Regionen sind Teil einer seit Monaten anhaltenden Kampagne. Russland hatte seinerseits die Angriffe auf zivile Infrastruktur in der Ukraine zuletzt deutlich intensiviert.
Vor dem G7-Gipfel war es den Staats- und Regierungschefs gelungen, eine diplomatische Einigung im Iran-Konflikt zu erzielen. Diese Erfahrung soll nach Worten des britischen Premierministers als Modell für den Ukraine-Krieg dienen. Starmer sagte: "Ich glaube, da können wir etwas erreichen. Nach der Vereinbarung über den Iran 'werden wir uns darauf konzentrieren und sehen, ob wir das hinbekommen'." Er fügte hinzu: "Wirklich. Ich denke, dass beide dafür offen seien."
Die Lage bleibt dennoch angespannt. Auf russischer Seite mehren sich die Hinweise auf eine bevorstehende großangelegte Offensive. Die ukrainische Armee bereitet sich nach eigenen Angaben auf weitere schwere Angriffe vor. Unklar ist, ob die Gespräche am Rande des G7-Gipfels zu einer konkreten Waffenruhe führen werden.
Beobachter werten die parallel laufenden Drohnenschlachten und diplomatischen Initiativen als Zeichen dafür, dass beide Seiten den Konflikt militärisch wie politisch in eine entscheidende Phase bringen wollen. Während die Ukraine auf westliche Waffenlieferungen und Sanktionen setzt, versucht Russland, den Druck auf die ukrainische Energieinfrastruktur weiter zu erhöhen.
Sollten die G7-Staaten ihre Sanktionen wie angekündigt verschärfen, könnte dies die russische Kriegswirtschaft empfindlich treffen. Die nun sanktionierten 47 Einrichtungen umfassen nach westlichen Angaben auch Firmen, die für die Produktion und Beschaffung von Drohnenbauteilen wichtig sind. Die ukrainische Führung erhofft sich davon eine spürbare Entlastung der Front.
Fragen & Antworten
Wie viele Drohnen hat Russland nach eigenen Angaben abgeschossen?
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden in der Nacht zum Montag landesweit 172 Drohnen abgefangen, davon rund 60 über der Hauptstadt Moskau.
Warum ist die getroffene Moskauer Raffinerie militärisch bedeutsam?
Die Anlage auf Moskauer Stadtgebiet liegt laut Präsident Selenskyj rund 500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und gilt als wichtige Infrastruktur für die Treibstoffversorgung der Region.
Was haben die G7-Staaten im Hinblick auf die Ukraine beschlossen?
Die G7 einigten sich auf die Erweiterung der Sanktionsliste um 34 Personen und 47 Einrichtungen, darunter Akteure der Rüstungsindustrie und der sogenannten Schattenflotte.
Drohnenangriff auf Moskau: 172 Drohnen abgeschossen | nachrichten360