Ukrainische Drohnenangriffe auf St. Petersburg und weitere russische Regionen am letzten Tag des Wirtschaftsforums
St. Petersburg, 06. Juni 2026
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Kurzfassung
Am letzten Tag des internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg hat die Ukraine die russische Metropole sowie knapp 20 weitere Regionen mit Drohnen angegriffen. Nach russischen Angaben schoss die Luftabwehr binnen 24 Stunden 911 Drohnen und 13 Lenkbomben ab; in St. Petersburg und im Gebiet Leningrad gab es Verletzte und Evakuierungen.
Ukrainische Drohnenangriffe haben am letzten Tag des St. Petersburger Wirtschaftsforums die Millionenstadt St. Petersburg, den Ostseehafen Kronstadt und knapp 20 weitere russische Regionen getroffen, wobei nach russischen Angaben die Luftabwehr 911 Drohnen und 13 Lenkbomben innerhalb von 24 Stunden abschoss.
Die Angriffe erfolgten am Samstag, dem Abschlusstag des St. Petersburg International Economic Forums (SPIEF), das seit 1997 jährlich von der russischen Regierung ausgerichtet wird und Tausende Teilnehmer anzieht. Bereits am Mittwoch, dem ersten Forumstag, hatte die Ukraine kurz vor Beginn der Konferenz Energie- und Militäranlagen in der Stadt attackiert; schwarze Rauchwolken standen damals über der historischen Altstadt, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Am Freitagabend räumte Kremlchef Wladimir Putin beim Forum ein, dass es durch die Angriffe einen "gewissen Schaden" für die Wirtschaft gebe.
Berichte über Drohnenschläge gab es zudem aus anderen Teilen Russlands, darunter im Gebiet um die Hauptstadt Moskau. Auch der Hafen von Mariupol in dem von Moskau annektierten Gebiet Donezk sei getroffen worden, hieß es. Nach Explosionen seien Öldepots in Brand geraten, berichteten Medien. Moskaus Bürgermeister Sergei Sobjanin erklärte, mehrere auf die Hauptstadt zufliegende Drohnen seien abgeschossen worden. Insgesamt seien demnach knapp 20 Regionen betroffen gewesen – unter anderem Moskau, Kursk, Brjansk, Belgorod, Rostow, Rjasan, Tula sowie über der von Russland annektierten Halbinsel Krim.
Ausmaß der Angriffe
Im Gebiet Leningrad teilte Gouverneur Alexander Drosdenko mit, die Flugabwehr habe 141 Drohnen abgeschossen. Er informierte auch über die Evakuierung von Wohnhäusern nahe einem Militärobjekt, in dem nach einem Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen sei. Es handle sich um eine vorübergehende Sicherheitsmaßnahme, sagte der Gouverneur. St. Petersburger Medien meldeten, dass in dem Ort Bolschaja Ischora am Finnischen Meerbusen 600 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Ein Verletzter sei ins Krankenhaus gebracht worden.
Gouverneur Alexander Beglow und der Zivilschutz informierten die Bevölkerung über einen "großangelegten Angriff durch militärische Drohnen". Die Flugabwehr sei aktiv. Gemäß den Empfehlungen des Einsatzstabs bitte ich die Einwohner von St. Petersburg, in ihren Wohnungen zu bleiben und nicht auf die Straße zu gehen, schrieb Beglow auf Telegram. Nach Angaben des Gouverneurs von St. Petersburg, Alexander Beglow, wurden im Stadtgebiet drei Menschen leicht verletzt. Der Zivilschutz setzte auch per SMS einen Drohnenalarm ab. Nach Angaben der BBC war dies der erste derartige Aufruf an die Bevölkerung seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine.
Teils hätten herabstürzende Trümmerteile Gebäudefassaden und Fenster beschädigt, hieß es aus dem Gebiet Leningrad. Am Flughafen Pulkowo, der für die internationalen Gäste des Forums wichtig ist, gab es am Morgen wegen der Drohnengefahr vorübergehend keine Starts und Landungen. In der südrussischen Stadt Ust-Labinsk löste ein Drohnenangriff den örtlichen Behörden zufolge einen Brand in einem Öldepot aus. In der Region Krasnodar sei in der Stadt Ust-Labinsk ein Öllager getroffen worden – rund 500 Kilometer von der Ukraine entfernt. Es handle sich um ein für die russischen Streitkräfte wichtiges Treibstofflager, teilte der SBU mit.
Treffer in Kronstadt und an der Ölinfrastruktur
Auch im von der russischen Kriegsmarine genutzten Ostseehafen von Kronstadt, einem Teil von St. Petersburg, habe es Angriffe gegeben, hieß es. Dort seien Arsenale für Raketen und Munition und Stützpunkte der Kriegsflotte getroffen worden, teilte der ukrainische Geheimdienst SBU in Kyjiw mit. "Solche Spezialoperationen schwächen die baltische Flotte", erklärte der SBU. Die Angriffe erschwerten die Logistik der russischen Streitkräfte und verringerten die Kampfbereitschaft des Feindes. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte auf der Plattform X Attacken gegen das Öllager in Krasnodar und die Militärbasis in St. Petersburg. Er schrieb, die Drohnen hätten rund 1000 Kilometer zurückgelegt, um St. Petersburg zu erreichen.
In der Region Twer wurde nach Behördenangaben ein Mann durch Trümmer einer Drohne getötet. Auch in der Antipinski-Raffinerie in der Region Tjumen, der größten nicht staatlichen Ölverarbeitungsanlage Russlands, brach ein Feuer aus. Örtliche Behörden erklärten jedoch über Telegram, die Ursache seien Verfahrensverstöße an einer Reinigungsanlage; Berichte über einen ukrainischen Drohnenangriff wiesen sie zurück. Russische Medien sprachen zudem von einem Brand in einem Öldepot in der Region Krasnodar als Folge eines Drohnenangriffs.
Putin und Selenskyj im Schlagabtausch
Putin äußerte sich am Forum mit gemischten Signalen. "Diese Attacken führen natürlich zu nichts Gutem", sagte er. Wichtig sei eine Stärkung der Flugabwehr; Risiken für die Wirtschaft Russlands gebe es aber nicht, meinte der Präsident. Zugleich lehnte er ein von Selenskyj vorgeschlagenes direktes Treffen ab: Er sehe „keinen Sinn" in einem solchen Treffen, solange kein Friedensabkommen vorliege, sagte der Kreml-Chef. „Lassen Sie die Experten arbeiten und Lösungen erarbeiten, und dann können wir uns treffen." Stattdessen traf sich Putin mit Ex-Bundeskanzler Schröder in Moskau, wie sein Berater Juri Uschakow mitteilte. Es sei „ein gutes Gespräch" gewesen, sagte Uschakow. Zum Inhalt könne er nichts sagen, weil es sich um ein „Gespräch unter vier Augen" gehandelt habe.
Der ukrainische Präsident konterte: „Leider entscheidet sich die russische Seite erneut für den Krieg – jeder hat die heutige Antwort gehört", erklärte Selenskyj am Freitag. „Eine schwache Antwort. Er will den Krieg einfach nicht beenden", fügte Selenskyj hinzu. Über Telegram forderte er: „Russland muss seinen Krieg beenden und mit seinen Attacken auf das Leben aufhören". Die Ukraine hat ihre Drohnenfähigkeiten massiv ausgebaut und hofft, durch die Gegenangriffe Russland praktisch verhandlungsreif zu schießen.
Diplomatische Reaktionen aus dem Westen
Während auf russischer Seite die Spirale der Gewalt eskaliert, laufen die diplomatischen Bemühungen im Westen weiter. Bundeskanzler Merz reist am Sonntag nach London zu einem Treffen mit Selenskyj, an dem auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Regierungschef Keir Starmer teilnehmen. Dabei soll es nach Angaben aus Paris um die weitere Unterstützung der Ukraine und den verstärkten Druck auf Russland gehen. Zudem solle es eine Bestandsaufnahme der Arbeiten der sogenannten Koalition der Willigen geben. Zu dieser Gruppe zählen etwa 35 überwiegend europäische Länder, darunter Deutschland, aber auch Australien, Neuseeland und Japan.
Die ukrainische Luftwaffe meldete unterdessen, der Großteil von 272 in der Nacht auf Samstag eingeflogenen Drohnen sei abgefangen worden. In der Region Saporischschja wurden nach Behördenangaben zwei Menschen getötet, in der Region Dnipropetrowsk ein Mensch, drei weitere wurden verletzt. Das Wirtschaftsforum in St. Petersburg lief aber wie gewohnt mit Tausenden Teilnehmern weiter – trotz des als "beispiellos" beschriebenen Angriffs am letzten Tag.
Fragen & Antworten
Was ist am letzten Tag des Wirtschaftsforums in St. Petersburg passiert?
Ukrainische Streitkräfte haben die Metropole St. Petersburg und knapp 20 weitere russische Regionen mit Drohnen angegriffen, darunter den Hafen Kronstadt. Nach russischen Angaben schoss die Luftabwehr 911 Drohnen und 13 Lenkbomben innerhalb von 24 Stunden ab; in St. Petersburg und im Gebiet Leningrad gab es Verletzte und Evakuierungen.
Wie reagierte Kremlchef Wladimir Putin auf die Angriffe?
Putin räumte beim Wirtschaftsforum einen "gewissen Schaden" für die Wirtschaft ein, sprach aber von keinen Risiken für die russische Volkswirtschaft. Er lehnte ein von Wolodymyr Selenskyj vorgeschlagenes direktes Treffen ab und betonte die Notwendigkeit einer stärkeren Flugabwehr.
Welche Ziele wurden nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU getroffen?
Der SBU erklärte, in Kronstadt seien Arsenale für Raketen und Munition sowie Stützpunkte der Kriegsflotte getroffen worden. In Ust-Labinsk in der Region Krasnodar sei ein für die russischen Streitkräfte wichtiges Treibstofflager in Brand geraten.
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