Russland greift Kiew an: Drohnen und Raketen, 11 Tote | nachrichten360
Russland greift Kiew mit Hunderten Drohnen und Raketen an – mindestens elf Tote in der Ukraine
Kiew, 02. Juni 2026
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Kurzfassung
In der Nacht zum 2. Juni 2026 hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew und weitere Städte mit insgesamt 656 Drohnen und 73 Raketen angegriffen. Nach Angaben der ukrainischen Behörden starben dabei mindestens elf Menschen, mehr als 100 weitere wurden verletzt.
Russland hat in der Nacht zum Dienstag die ukrainische Hauptstadt Kiew sowie weitere Städte mit einem massiven Beschuss aus 656 Drohnen und 73 Raketen angegriffen und dabei nach ukrainischen Angaben mindestens elf Menschen getötet sowie mehr als 100 weitere verletzt.
Luftangriff auf die Hauptstadt
Die ukrainische Luftwaffe meldete am Dienstagmorgen, Russland habe die Ukraine über Nacht mit insgesamt 656 Drohnen und 73 Raketen angegriffen, wobei der Schwerpunkt auf der Hauptstadt Kiew gelegen habe. Nach Angaben der Luftwaffe konnten 602 Drohnen und 40 Raketen abgefangen oder neutralisiert werden. Die Angriffe zählten damit zu den umfangreichsten russischen Luftoperationen seit Beginn des seit mehr als vier Jahren andauernden Krieges.
Nach einer Übersicht der Behörden kamen bei den Angriffen in Kiew und weiteren ukrainischen Städten am Dienstag insgesamt mindestens elf Menschen ums Leben, mehr als 100 weitere wurden verletzt. Unter den Verletzten in Kiew befanden sich nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko auch Kinder. Die Opferzahlen wurden von ukrainischer und unabhängiger Seite bislang nicht vollständig abgeglichen; Reuters erklärte, die Angaben beider Kriegsparteien nicht unabhängig verifizieren zu können.
In Kiew starben nach Angaben von Bürgermeister Klitschko vier Menschen, 65 weitere wurden verletzt. Zudem seien Trümmer auf Wohngebäude und Fahrzeuge gefallen, mehrere Brände seien ausgebrochen. Der Militärverwalter Tymur Tkatschenko schrieb auf Telegram, in der Hauptstadt sei mindestens ein Mensch getötet und 20 weitere verletzt worden. Die unterschiedlichen Zahlen spiegeln den Verlauf der Rettungsarbeiten in den ersten Stunden wider.
Schwere Schäden in Wohnvierteln
Klitschko erklärte, es werde vermutet, dass Menschen unter den Trümmern eines eingestürzten Wohnhauses eingeschlossen seien. Tausende Bewohnerinnen und Bewohner Kiews suchten während des Angriffs in den Stationen des U-Bahn-Netzes Schutz, das in der ukrainischen Hauptstadt traditionell als Luftschutzbunker dient.
Nach Augenzeugenberichten schlug in Kiew eine Rakete in ein 24-stöckiges Wohnhaus ein, das daraufhin teilweise einstürzte. In derselben Stadt wurden laut Agenturen unter Berufung auf ukrainische Behörden im Stadtteil Solomjanskyj ein 20-stöckiges und ein 24-stöckiges Gebäude beschädigt. Ein weiterer Einschlag beschädigte die oberen Stockwerke eines 15-stöckigen Wohnhauses.
In der Stadt Dnipro und im umliegenden Gebiet wurden nach Angaben des regionalen Gouverneurs Oleksandr Hanscha sieben Menschen getötet und 36 weitere verletzt. In der Region Charkiw meldeten die Behörden zehn Verletzte, darunter ein Kind. Damit weitete sich der Angriff über die Hauptstadt hinaus auf mehrere Ballungsräume im Osten und Zentrum des Landes aus.
Weitere Städte betroffen
Bei einem sogenannten "Double-tap"-Angriff, bei dem ein zweiter Schlag gezielt auf bereits eingetroffene Rettungskräfte zielt, wurde nach Behördenangaben ein Rettungsarbeiter getötet. Solche Methoden waren in dem Konflikt wiederholt dokumentiert worden und werden von internationalen Organisationen als Verletzung des humanitären Völkerrechts kritisiert.
Ein Sprecher der ukrainischen Luftwaffe erklärte, unter den abgefeuerten Geschossen seien acht Zircon-Hyperschallraketen gewesen – vermutlich die höchste Anzahl solcher Raketen, die Russland bei einem einzelnen Angriff seit Kriegsbeginn eingesetzt hat. Die Zircon-Rakete hat nach russischen Angaben eine Reichweite von 1000 Kilometern und fliegt mit neunfacher Schallgeschwindigkeit.
Russlands Begründung und Vorgeschichte
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es habe einen massiven Schlag mit hochpräzisen Fernwaffen gegen Einrichtungen der ukrainischen Verteidigungsindustrie ausgeführt. Der Angriff sei eine Reaktion auf ukrainische Attacken gewesen, die Moskau als "Terrorakte" bezeichnete. Als konkreten Anlass nannte der Kreml einen Drohnenangriff auf ein Wohnheim in der von Russland besetzten ukrainischen Region Luhansk, bei dem im vergangenen Monat 21 Menschen getötet worden sein sollen; die Ukraine weist diese Darstellung zurück.
Bereits in der Vorwoche hatte Russland gewarnt, es plane "systematische Schläge" auf militärische Ziele und Entscheidungszentren in Kiew. Knapp zehn Tage zuvor hatte das Land die ukrainische Hauptstadt bereits massiv mit ballistischen Raketen und Drohnen attackiert. Die Warnungen vor einem möglichen weiteren Großangriff blieben nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kraft.
Selenskyj sagte am Samstag in einer Videobotschaft: "Die Information des Geheimdienstes über einen möglichen massiven Angriff bleibt aktuell." In einem weiteren am Montag veröffentlichten Statement erklärte er, er befürchte einen großangelegten russischen Angriff. Am Dienstag fügte er hinzu: "Geheimdienstwarnungen bezüglich russischer Angriffe bleiben in Kraft. Ein massiver Schlag ist möglich, sie haben dies vorbereitet."
In diesem Zusammenhang verwies der ukrainische Präsident auch auf die vor einem Jahr gestartete "Operation Pawutina" ("Spinnennetz") und hob deren Bedeutung hervor. Einzelheiten der Operation wurden von ukrainischer Seite zunächst nicht weiter öffentlich erläutert.
Internationale Reaktionen
Die Angriffe hatten auch diplomatische und militärische Auswirkungen über die Ukraine hinaus. Vor einer Dringlichkeitssitzung der Vereinten Nationen verurteilten 56 Mitgliedstaaten einen Drohneneinschlag im NATO-Mitglied Rumänien, der als Folge russischer Angriffe auf die Ukraine gewertet wurde. Das NATO-Mitglied Polen schickte Kampfflugzeuge in die Luft, um seinen Luftraum angesichts der massiven Angriffe im benachbarten Ukraine zu sichern.
Auf russischer Seite fing die Flugabwehr nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums 148 ukrainische Drohnen über russischem Territorium ab. Im südrussischen Krasnodar-Gebiet geriet die Ölraffinerie Ilsky nach einer ukrainischen Drohnenattacke in Brand; die Anlage zählt zu den größten Erdölverarbeitungsstandorten im Süden Russlands. In der Hafenstadt Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim wurden Drohnenangriffe ebenfalls abgewehrt. In der russischen Region Belgorod wurde nach Behördenangaben ein elfjähriger Junge verletzt, als eine ukrainische Drohne in ein Wohnhaus einschlug.
Als Reaktion auf ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien und andere Energieanlagen verhängte Russland ein Exportverbot für Flugtreibstoff bis zum 30. Juni 2026. Die Maßnahme zielte nach russischer Lesart auf ukrainische Angriffe auf die eigene Energieinfrastruktur; unabhängig wurde der Schritt nicht bestätigt.
Bürger im Ausnahmezustand
Aus Kiew wurden unterdessen eindringliche Stimmen aus der Bevölkerung laut. Eine 32-jährige Bewohnerin der Hauptstadt, Valeriia Nafetschenko, sagte in einer U-Bahn-Station: "Ich wünsche mir einfach nur, dass dieser Krieg bald vorbei ist, aber ich habe alle Hoffnung verloren." Die Aussage steht stellvertretend für die Stimmung vieler Ukrainerinnen und Ukrainer nach mehr als vier Jahren Krieg, der im Februar 2022 mit dem russischen Einmarsch in vollem Umfang begonnen hatte.
Die ukrainischen Behörden kündigten an, die Bergungsarbeiten in den betroffenen Stadtteilen Kiews fortzusetzen. Die Rettungskräfte suchten am Dienstagvormittag weiterhin nach möglichen Verschütteten in den Trümmern des eingestürzten Wohnhauses.
Internationale Hilfsorganisationen und westliche Regierungen reagierten mit Besorgnis auf die neuerlichen Angriffe. Die Vereinten Nationen kündigten für die kommenden Tage weitere Beratungen an, um auf die Eskalation der russischen Luftangriffe und den Vorfall in Rumänien zu reagieren. Unabhängige Beobachter wiesen darauf hin, dass die Dimension des Beschusses und der Einsatz von acht Hyperschallraketen auf eine neue Qualität der russischen Angriffsstrategie hindeuteten.
Fragen & Antworten
Wie viele Drohnen und Raketen hat Russland in der Nacht zum 2. Juni 2026 abgefeuert?
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe griff Russland die Ukraine mit insgesamt 656 Drohnen und 73 Raketen an, die sich vorrangig gegen die Hauptstadt Kiew richteten. Davon seien 602 Drohnen und 40 Raketen abgefangen oder neutralisiert worden.
Welche Schäden und Opfer sind in Kiew zu beklagen?
Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von vier Toten und 65 Verletzten in Kiew, darunter Kindern. Eine Rakete traf ein 24-stöckiges Wohnhaus, das teilweise einstürzte, weitere Hochhäuser wurden in den Stadtteilen Solomjanskyj und anderswo beschädigt.
Wie hat Russland den Angriff begründet?
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, man habe hochpräzise Fernwaffen gegen Einrichtungen der ukrainischen Verteidigungsindustrie eingesetzt. Als Reaktion auf ukrainische Drohnenangriffe, darunter auf ein Wohnheim in der besetzten Region Luhansk mit 21 Toten, habe man "systematische Schläge" auf militärische Ziele und Entscheidungszentren in Kiew geplant.