Monaco, 26 August 2026
Die Präsidenten der 55 UEFA-Mitgliedsverbände, darunter DFB-Präsident Bernd Neuendorf, beraten am Donnerstag in Monaco über eine mögliche Rücknahme ihres Boykotts von FIFA-Turnieren.
Hintergrund des Konflikts
Die UEFA hatte ihren Mitgliedsverbänden zuvor empfohlen, an FIFA-Wettbewerben wie der Club-WM oder künftigen Turnieren nicht teilzunehmen, solange die umstrittene Ausgründung der FIFA-Marketingrechte nicht vom Tisch ist. Am Rande der Champions-League-Auslosung in Monaco wollen die Präsidenten sowie das UEFA-Exekutivkomitee, dem unter anderem Hans-Joachim Watzke angehört, nun über das weitere Vorgehen entscheiden.
Hintergrund des Konflikts ist ein Plan des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, einen Teil der Marketing- und Vermarktungsrechte in eine eigene Gesellschaft namens „FIFA Forward Enterprise" auszugliedern. Diese neue Gesellschaft sollte laut dem Vorhaben zu 20 Prozent im Besitz von Investoren rund um einen von Joshua Kushner gegründeten New Yorker Fonds stehen. Infantino hatte das Projekt laut Berichten bereits in kleiner Runde bei den Vereinen der Club-WM vorgestellt und für Anfang kommenden Jahres erste Schritte geplant.
Die UEFA sieht darin eine Aushöhlung des Fußballs und fürchtet, dass künftige FIFA-Turniere in eine kommerzielle Struktur eingebettet werden, die nicht mehr von den nationalen Verbänden und Kontinentalligen kontrolliert wird. UEFA-Präsident Aleksander Čeferin hatte die Pläne öffentlich scharf kritisiert und gegenüber mehreren Medien gesagt, dass ein solches Konstrukt das Ende der FIFA als Verband der Verbände bedeuten würde. „Wenn die wichtigsten Werte und Wettbewerbe verkauft werden, geht die Seele des Fußballs verloren", hatte Čeferin erklärt.
Druck auf die FIFA wächst
Inzwischen mehren sich nach Informationen mehrerer europäischer Sportzeitungen Hinweise, dass Infantino Teile des Projekts zurückfahren oder zumindest verändern könnte. Damit würde eine zentrale Voraussetzung der UEFA für ein Ende des Boykotts entfallen. Allerdings ist noch unklar, wie weit die Zugeständnisse tatsächlich reichen und ob die UEFA-Spitze dies als ausreichend ansieht.
Für die nationalen Verbände ist die Frage politisch heikel, weil sie gleichzeitig ihre Beziehung zur FIFA und jene zur UEFA austarieren müssen. Viele kleine Verbände sind auf die Ausschüttungen aus dem FIFA-Forward-Programm angewiesen und fürchten, bei einem dauerhaften Bruch zwischen den Kontinentalverbänden und dem Weltverband ins Hintertreffen zu geraten.
Auswirkungen auf die Wahl in Rabat
Auf europäischer Seite wächst gleichzeitig der Druck, geschlossen aufzutreten. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte zuletzt deutlich gemacht, dass der europäische Fußball mit „einer Stimme" sprechen müsse, wenn es um die Grundstruktur des Weltfußballs gehe. Auch Hans-Joachim Watzke hatte als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees betont, dass man sich nicht an Strukturen beteiligen werde, die den europäischen Klubfußball schwächten.
Unabhängig vom Ausgang der Beratungen in Monaco läuft die Frist für eine Kandidatur bei der nächsten FIFA-Präsidentschaftswahl am 18. November ab. Rund vier Monate später, im Frühjahr, sollen die 211 FIFA-Mitgliedsverbände in Rabat, Marokko, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Infantino wählen. Die aktuelle Auseinandersetzung gilt Beobachtern als Stellvertreterkonflikt im Vorfeld dieses Urnengangs.
Sollte die UEFA ihren Boykott tatsächlich zurücknehmen, wäre dies ein Signal der Entspannung zwischen Zürich und Nyon und würde die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Infantino und Čeferin vorübergehend stabilisieren. Bleibt es dagegen bei der Blockadehaltung, droht ein dauerhafter Bruch, der die kommenden FIFA-Turniere und insbesondere die nächste Club-Weltmeisterschaft organisatorisch und politisch belasten könnte.
