Trump kritisiert Israel-Angriff auf Beirut: Iran-Deal | nachrichten360
Trump ermahnt Israel nach Luftangriffen in Beirut – und gefährdet damit seinen eigenen Deal mit Iran
Washington, 14. Juni 2026
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Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat die israelischen Luftangriffe auf Vororte von Beirut scharf verurteilt und vor weiteren Eskalationen gewarnt. Die Attacken gefährden das kurz vor dem Abschluss stehende Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran, das ursprünglich an Trumps 80. Geburtstag unterzeichnet werden sollte.
US-Präsident Donald Trump hat die israelischen Luftangriffe auf die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut öffentlich gerügt und Israel zugleich aufgefordert, keine weiteren Angriffe im Libanon zu fliegen.
Trumps Kritik an den Angriffen
In einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme auf der Plattform Truth Social kritisierte Trump die Angriffe der israelischen Luftwaffe auf den Großraum Beirut scharf. Der Angriff „insbesondere an einem besonderen Tag, an dem wir einem Friedensabkommen mit dem Iran so nahe sind“ sei nicht zu rechtfertigen, schrieb der Präsident. Trump verlangte, dass es keine weiteren israelischen Angriffe im Libanon und keine Angriffe anderer Parteien – namentlich der Hisbollah – auf Israel geben dürfe.
Auslöser: Drohnenangriff der Hisbollah
Hintergrund der Eskalation ist ein Drohnenangriff der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz auf den Norden Israels. Nach Militärangaben feuerte die Hisbollah mehrere Sprengdrohnen auf israelisches Staatsgebiet ab. Es habe zwei Einschläge in der Nähe der libanesischen Grenze gegeben, bei denen nach israelischen Angaben niemand verletzt wurde. Die israelische Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz erklärten den anschließenden Luftangriff als direkte Vergeltung für den Hisbollah-Beschuss. Die israelische Luftwaffe habe sich gegen „Terrorziele“ der Hisbollah im Stadtteil Dahiya im Süden Beiruts gerichtet, hieß es aus Israel.
Die libanesischen Behörden meldeten jedoch mindestens drei Tote durch die israelischen Angriffe. Die israelische Armee kündigte am späten Nachmittag an, sie bereite sich auf möglichen Beschuss israelischen Staatsgebiets in den kommenden Stunden vor und befinde sich in erhöhter Alarmbereitschaft. Das iranische Außenministerium in Teheran erklärte unterdessen, eine Unterzeichnung des Rahmenabkommens sei am Sonntag von iranischer Seite nicht zu erwarten, sondern frühestens in der darauffolgenden Woche.
Das geplante Rahmenabkommen mit Iran
Trump hatte ursprünglich geplant, ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges zwischen den USA und dem Iran an diesem Sonntag zu unterzeichnen – seinem 80. Geburtstag. Der Entwurf sieht laut US-Berichten vor, dass Iran in dem Dokument bekräftigt, weder Atomwaffen zu bauen noch zu erwerben. Im Gegenzug würde die von den USA verhängte Seeblockade iranischer Häfen aufgehoben und die Straße von Hormus nach der Unterzeichnung umgehend wieder geöffnet. Darüber hinaus soll der seit April bestehende, wiederholt gebrochene Waffenstillstand um 60 Tage verlängert werden, wonach beide Seiten Verhandlungen über das iranische Atomprogramm aufnehmen könnten.
Doch genau dieses Vorhaben geriet durch die israelischen Angriffe ins Wanken. Das iranische Regime stellte das Abkommen infrage und drohte mit Vergeltung. Ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärte im staatlichen Sender IRIB: „Es besteht kein Zweifel, dass diese Verbrechen nicht unbeantwortet bleiben werden.“ Irans Nationaler Sicherheitsrats-Chef Mohammad Bagher Solghadr warnte: „Der Libanon ist Teil unseres Lebens, und die Überschreitung der roten Linien des Irans wird nicht toleriert.“ Iran habe zuvor wiederholt betont, dass ein Ende der israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon eine Grundbedingung für einen Vertrag mit den USA sei.
Irans Drohungen und Vorbehalte
Auch der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf meldete sich auf der Plattform X zu Wort: „Wenn Ihr (USA) weder den Willen noch die Fähigkeit habt, Euren Verpflichtungen nachzukommen, dann kann man den diplomatischen Weg auch nicht fortsetzen.“ Ghalibaf stellte zudem klar, dass Iran keine diplomatischen Zugeständnisse machen könne, solange Washington israelische Angriffe „abnicke“. Die iranische Militärführung kündigte an, Israel müsse mit einem Gegenschlag rechnen.
Trump zeigte sich trotz der Spannungen zunächst zuversichtlich. Gegenüber dem Axios-Journalisten Barak Ravid erklärte er, die Unterzeichnung sei weiterhin für den Sonntag geplant. Die New York Times berichtete, Trumps Team sei am Sonntagmorgen (US-Zeit) vorsichtig optimistisch gewesen, dass das Abkommen mit Iran trotz der jüngsten israelischen Angriffe im Libanon unterzeichnet werden könne. Trump schrieb auf Truth Social: „Dies könnte der Beginn eines langen und schönen Friedens sein - lasst uns ihn nicht verspielen!“. Er rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf und bekräftigte, die USA stünden kurz vor einer Vereinbarung mit Iran, die der gesamten Region – einschließlich des Libanon – Frieden bringen werde.
Trump attackiert Netanyahu persönlich
Allerdings äußerte Trump gegenüber Ravid auch scharfe Kritik an Netanyahu persönlich. „Why did Bibi have to do a fucking attack? I was so pissee off. I let him know. He has no fucking judgement. I let him know that“, zitierte ihn der Journalist. Laut Medienberichten nannte Trump den israelischen Ministerpräsidenten in diesem Zusammenhang „crazy“. Trump begründete seine Wut mit dem Hinweis, der ursprüngliche Hisbollah-Angriff auf Israel sei „sehr klein und bedeutungslos“ gewesen, niemand sei zu Schaden gekommen: „Aber der Angriff, auf den es antwortete, war sehr klein und bedeutungslos, niemand kam zu Schaden, wurde verletzt oder getötet, weshalb er den wichtigen Prozess nicht stören sollte.“
Vermittler widersprechen Trump
Auch die Vermittlerländer meldeten sich zu Wort. Der pakistanische Ministerpräsident Shehbaz Sharif hatte am Samstagmittag auf X erklärt, eine Einigung zwischen Iran und den USA werde „voraussichtlich in den nächsten 24 Stunden erwartet“ und könne dann elektronisch unterzeichnet werden. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war es 16 Uhr in Pakistan und 7 Uhr in Washington. Auch Katar und Pakistan hatten eigenen Angaben zufolge ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges vereinbart, das Verhandlungen fortschreiben soll. Allerdings widersprachen beide Vermittler der Darstellung Trumps, eine Unterzeichnung stehe unmittelbar bevor.
Die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete am Sonntag unter Berufung auf eine mit dem Verhandlungsteam vertraute Quelle, Teheran habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen: „Die Prüfung der politischen, rechtlichen und technischen Aspekte auf Expertenebene dauert weiterhin an.“ Demnach hätte die Unterzeichnung ursprünglich am Sonntag elektronisch erfolgen sollen, gefolgt von Gesprächen auf technischer Ebene in den darauffolgenden Tagen. Das Rahmenabkommen wäre dabei kein endgültiger Vertrag zur Beilegung aller Differenzen gewesen, sondern lediglich ein Ausgangspunkt für tiefere Gespräche zwischen Washington und Teheran.
Das israelische Außenministerium wies die iranischen Vorwürfe zurück und erklärte auf X: „Es ist Irans Stellvertreter, die Hisbollah, die Israel heute Morgen wieder angegriffen hat, vollkommen unprovoziert.“ Das Nachrichtenportal Axios berichtete unter Berufung auf US-Kreise, die israelische Armee habe die USA erst kurz vor den Luftangriffen auf Beirut informiert. Trump kündigte in einem weiteren Truth-Social-Beitrag an, die USA würden „zum geeigneten Zeitpunkt, sobald sich die Lage beruhigt hat“, in den Iran gehen, um die im Land vergrabenen Uranvorräte zurückzuholen, zu verdünnen und zu zerstören.
Hintergrund des Konflikts
Der Hintergrund des Konflikts reicht weiter zurück. Am 28. Februar hatten die USA und Israel den Krieg gegen Iran begonnen. Iran hatte daraufhin den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus weitgehend zum Erliegen gebracht, indem es Schiffe bedrohte und direkt angriff. Die USA reagierten mit einer Seeblockade iranischer Häfen, um Teheran von den Öleinnahmen abzuschneiden. Zehn Tage vor den jüngsten Ereignissen hatte Netanyahu nach Angaben aus den Fakten Trumps Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts torpediert und direkte Angriffe auf Iran angeordnet. Wenig später schlugen israelische Angriffe nahe Beirut iranische Raketenangriffe in mehreren Wellen auf Nordisrael und israelische Gegenschläge auf Iran zurück.
Trumps Forderungen an Iran umfassen unter anderem, dass Teheran die Unterstützung terroristischer Milizen in der Region einstellt und sein Atomprogramm beendet. Die iranischen Forderungen wiederum beinhalten ein Ende aller Kampfhandlungen und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte. Die USA und Iran hatten wiederholt über ein mögliches Rahmenabkommen verhandelt, das unter anderem die Seeblockade aufheben und die Straße von Hormus wieder öffnen würde – als Ausgangspunkt für weitere Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen, wie zerbrechlich der ohnehin wiederholt gebrochene Waffenstillstand ist. Während Trump weiter auf eine Unterzeichnung am Sonntag drängte, ließen die iranischen Drohungen und die Dementis der Vermittler Zweifel an einem raschen Abschluss aufkommen. Die israelische Regierung hielt an ihrer Darstellung fest, der Angriff sei eine notwendige Reaktion auf Hisbollah-Aggression gewesen. Damit standen am Ende eines turbulenten Tages vor allem zwei Dinge fest: Der geplante Friedensschluss zwischen Washington und Teheran war weiter ungewiss, und die Gewalt im Nahen Osten hatte eine neue Eskalationsstufe erreicht.
Der Bericht wurde am 14.06.2026 im Programm des Deutschlandfunks ausgestrahlt. Bis zum Redaktionsschluss blieb offen, ob das Rahmenabkommen noch am Sonntag unterzeichnet werden sollte oder ob die jüngsten Angriffe den gesamten Verhandlungsprozess weiter zurückwerfen würden.
Fragen & Antworten
Warum hat Trump die israelischen Angriffe auf Beirut kritisiert?
Trump bezeichnete die Angriffe auf Truth Social als nicht zu rechtfertigend, weil sie in eine Phase fallen, in der die USA kurz vor einem Rahmenabkommen mit Iran stehen. Seiner Darstellung nach war der Hisbollah-Angriff, auf den Israel reagierte, klein und folgenlos.
Was sieht das geplante Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran vor?
Der Entwurf sieht vor, dass Iran bekräftigt, weder Atomwaffen zu bauen noch zu erwerben, die Seeblockade gegen Iran aufgehoben wird und die Straße von Hormus wieder geöffnet wird. Zudem soll der Waffenstillstand um 60 Tage verlängert und ein Ausgangspunkt für weitere Atomverhandlungen geschaffen werden.
Welche Folgen haben die Angriffe für die Verhandlungen mit Iran?
Iran stellte das Abkommen nach den Angriffen infrage und drohte mit Vergeltung. Das iranische Außenministerium erklärte, eine Unterzeichnung sei am Sonntag nicht zu erwarten, und die Vermittler Pakistan und Katar widersprachen Trumps Darstellung eines unmittelbar bevorstehenden Abschlusses.