Nach israelischen Luftangriffen auf die südlichen Vororte von Beirut hat der iranische Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf die Gespräche mit den USA als sinnlos bezeichnet und Vergeltung gegen Israel in Aussicht gestellt.
Die israelische Armee hat am Sonntag erneut die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt angegriffen, darunter den Stadtteil Ghobeiry. Nach Angaben der libanesischen Zivilschutzbehörde wurden dabei mindestens drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt; Leichen wurden aus den Trümmern geborgen. Die amtliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete, dass die Angriffe mehr als ein Dutzend Orte im Süden des Landes trafen.
Die Armee hatte die Bevölkerung von 29 Ortschaften im Süden zuvor aufgefordert, ihre Wohnorte zu verlassen. Israel erklärte, man habe eine Infrastruktureinrichtung in Dahijeh „präzise getroffen“. AFP-Reporter in Beirut berichteten von mehreren Explosionen in den südlichen Vororten, die als Hochburg der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten.
Eskalation in Beirut und Reaktion aus Teheran
Aus Teheran reagierte ein Sprecher der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) im Staatssender Irib mit einer Drohung: „Es besteht kein Zweifel, dass diese Verbrechen nicht unbeantwortet bleiben werden“. Ein ranghoher iranischer Vertreter erklärte am Sonntag, der Angriff auf Beirut werde „nicht ungestraft“ bleiben. Damit wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation in der Region.
Die Waffenruhe im Libanon ist formal seit dem 17. April in Kraft. Dennoch fliegen Israel und die Hisbollah weiterhin täglich Angriffe aufeinander. Die Hisbollah bekannte sich am Sonntag zu mehreren Angriffen auf israelische Soldaten im Südlibanon, meldete zunächst aber keine Angriffe auf Nordisrael. Die israelische Armee meldete drei Drohnenangriffe aus dem Libanon, die sie der Hisbollah zuschrieb, sowie zwei Einschläge verdächtiger Geschosse nahe der Grenze ohne Verletzte.
Irans Unterhändler stellt Diplomatie infrage
Vor diesem Hintergrund stellte Irans Chefunterhändler Ghalibaf die laufenden Gespräche mit den USA infrage. „Wenn Ihr nicht den Willen oder die Fähigkeit habt, Eure Verpflichtungen einzuhalten, dann ist es sinnlos darüber zu sprechen, diesen Weg weiterzugehen“, schrieb er auf der Plattform X. In einem weiteren Post formulierte er: „Wenn Ihr (USA) weder den Willen noch die Fähigkeit habt, Euren Verpflichtungen nachzukommen, dann kann man den diplomatischen Weg auch nicht fortsetzen“.
Die iranische Regierung knüpft ein Abkommen mit Washington an eine umfassende Waffenruhe, die auch den Libanon einschließt. Trump hatte zuletzt mehrfach angekündigt, ein Deal mit Teheran stehe unmittelbar bevor, und eine Unterzeichnung für den Sonntag in Aussicht gestellt. Der Esmail Bakaei erklärte jedoch, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen; der genaue Unterzeichnungstermin werde „in den kommenden Tagen“ liegen, nicht am Sonntag.
Harte Töne in Israel und blockierte Verhandlungen
Bereits in der Vorwoche hatte ein israelischer Angriff auf Beirut zwei Menschen getötet und eine neue Welle gegenseitiger Angriffe zwischen Israel und dem Iran ausgelöst – die erste seit Inkrafttreten der Waffenruhe. Teheran hatte den Angriff damals als Wendepunkt gewertet und mit Raketenbeschuss auf Israel reagiert. In iranischen Stellungnahmen hieß es, der Angriff habe „alle roten Linien überschritten“.
Auch in der israelischen Regierung wächst der Ton der Härte. Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb auf X, er habe Ministerpräsident Netanjahu gebeten, „Gebäude in Dahijeh zu zerstören“. Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir erklärte: „Für jede Drohne eine Rakete“.
Die Hisbollah lehnt die bestehende Waffenruhe ab und sieht sich durch die Angriffe in ihrer Haltung bestätigt. Sollte die iranische Führung den diplomatischen Weg tatsächlich verwerfen, droht eine weitere Eskalation, in der die regionale Gewalt unmittelbar mit dem Stocken der Verhandlungen in Washington verknüpft wäre.
