Stocker kündigt Rückkehrzentren außerhalb der EU ab 2027 an
Salzburg, 27. Juli 2026
Frédéric Sierakowski / European Council / Wikimedia Commons / Attribution
Kurzfassung
Nach einem Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis in Salzburg hat Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) angekündigt, abgelehnte Asylwerber ab 2027 in sogenannte „Return Hubs" außerhalb der EU unterbringen zu wollen. Beide Länder wollen zudem das Thema Energiekosten stärker auf die EU-Agenda setzen.
Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat am Montag in Salzburg nach einem Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis angekündigt, abgelehnte Asylwerber ab 2027 in sogenannte „Return Hubs" außerhalb der EU abschieben zu wollen.
Bei einer Pressekonferenz im Anschluss an das bilaterale Gespräch erklärte Stocker, dass Österreich und Griechenland die im Juni 2026 vom Europäischen Parlament geschaffene Möglichkeit nutzen werden, Rückkehrzentren außerhalb der EU einzurichten. „beide Länder werden aber von der Möglichkeit Gebrauch machen, Rückkehrzentren zu schaffen", sagte der Bundeskanzler laut APA. Konkret sollen demnach ab 2027 jene Asylwerber, die abgelehnt werden, in diese Zentren überstellt werden, wo sie auf ihre Abschiebung in ihre Heimatländer warten.
In den Rückkehrzentren sollen die Menschen dann zuwarten, bis ihre Abschiebung in die Heimatländer erfolgt. Welche Staaten außerhalb der EU als Standorte in Frage kommen, ist bisher noch nicht konkret festgelegt. „Allerdings gibt es bis dato noch keinen konkrete Festlegung, welche Staaten außerhalb der EU für solche Zentren in Frage kämen", heißt es in der APA-Meldung. In der Diskussion waren bisher Ruanda oder Usbekistan genannt worden.
Migrationspolitik und Trendwende
Mitsotakis betonte, Europa müsse „eine klare Botschaft senden", dass Menschen ohne Schutzanspruch zurückgeführt werden. „Wir brauchen legale Wege der Migration, die den Bedürfnissen unserer Volkswirtschaften entsprechen. Wir brauchen aber auch ein effizienteres Rückkehrsystem für Menschen, die kein Recht auf Asyl haben", sagte der griechische Ministerpräsident.
Stocker verwies auf die strikte Vorgangsweise Österreichs, die bereits zu einer Trendwende geführt habe. „Die strikte Vorgehensweise Österreichs mit dem Stopp des Familiennachzugs und Grenzkontrollen habe bereits zu einer 'Trendwende' geführt". Im ersten Halbjahr 2026 habe es in Österreich mehr Außerlandesbringungen als Asylanträge gegeben. „Wir hatten im ersten Halbjahr 2026 in Österreich mehr Außerlandesbringungen als Asylanträge", sagte Stocker. „Auch in Griechenland seien die Zahlen zurückgegangen".
Das Ziel der Maßnahme formulierte Stocker unmissverständlich: „Es geht um ein klares Signal. Jene, die ohne Aufenthaltsrecht hier sind, werden außer Landes gebracht". Der EU-Asylpakt habe die Rechtslage erheblich verbessert und ermögliche nun eine konkrete, klare und faire Asylpolitik. „Das ist keine nationale Aufgabe", betonte Stocker mit Blick auf die EU-Außengrenze und kündigte Solidarität mit Griechenland an.
Grenzschutz und Frontex
Österreich hat nach Angaben Stockers bereits 15 Frontex-Beamte in die griechische Grenzregion entsandt. Beide Länder treten innerhalb der EU für einen konsequenten Kurs gegen illegale Migration ein. Mitsotakis sagte, Europa müsse eine klare Botschaft senden, dass Menschen, die ohne Schutzanspruch nach Europa reisten, zurückgeführt würden.
Neben der Migrationspolitik standen auch die EU-Erweiterung und die Energiekosten auf der Agenda. Beide Regierungschefs sprachen sich dafür aus, den Westbalkan-Staaten eine EU-Beitrittsperspektive zu geben. „Wir unterstützen die EU-Beitrittspläne der Westbalkan-Staaten. Aber der Fahrplan kann nicht für alle Länder gleich ausfallen. Bei Themen wie Menschenrechten, Schutz von Minderheiten und der Einhaltung internationaler Verträge können wir keine Rabatte geben", sagte Mitsotakis.
Westbalkan und EU-Erweiterung
Stocker zeigte sich überzeugt, dass zumindest der Beitritt Montenegros in Zukunft realisiert werden könne. Beide seien zudem der Überzeugung, „dass auch Serbien die Option eines EU-Beitritts in Aussicht gestellt werden soll. Damit wollen wir die proeuropäischen Kräfte in Serbien stärken".
Beim Thema Energie- und Klimapolitik fanden Stocker und Mitsotakis ebenfalls übereinstimmende Positionen. Beide begrüßten die von der EU-Kommission vorgesehene Verlangsamung des CO2-Reduktionspfads im EU-Emissionshandelssystem. „Wir müssen die Emissionen begrenzen, dürften damit aber nicht unser Wirtschaftssystem beschränken", sagte Mitsotakis.
Energie- und Klimapolitik
Stocker warnte in diesem Zusammenhang: „Wir dürfen der Industrie mit Klimapolitik nicht die Luft zum Atmen nehmen". Beide Länder leiden unter hohen Energiepreisen und hoher Inflation. „Wir wollen gemeinsam das Thema Energiekosten sehr hoch hinauf auf die EU-Agenda setzen. Wir können nicht von einem wettbewerbsfähigen Europa sprechen, wenn wir höhere Energiepreise zahlen als unsere wichtigsten Konkurrenten", sagte Mitsotakis.
Ein weiteres Thema war die Zusammenarbeit im Tourismus, insbesondere bei Ausbildung, Fachkräftesicherung, dem europäischen Arbeitsmarkt, Ganzjahrestourismus und Bergtourismus. Beide Regierungschefs kündigten an, hier künftig enger zusammenzuarbeiten. Auch beim Thema Wettbewerbsfähigkeit wurde eine verstärkte Kooperation vereinbart.
Kritik und Menschenrechtsbedenken
Die geplanten Rückkehrzentren sind allerdings nicht unumstritten. Der Europarat und andere Organisationen sehen darin „erhebliche Menschenrechtsrisken". „Der Europarat, aber auch andere Organisationen sehen in den geplanten 'Return Hubs' 'erhebliche Menschenrechtsrisken'. In solchen Zentren außerhalb der EU könnte es zu Misshandlungen und willkürlichen Inhaftierungen kommen", heißt es in der APA-Meldung.
Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty, schlug daher Sicherheitsmaßnahmen vor, darunter umfassende Menschenrechts-Risikobewertungen in den Gastländern, eine enge Überwachung der Bedingungen sowie parlamentarische und gerichtliche Kontrolle. Ein entsprechender Brief sei an die zuständigen Minister in Deutschland, Dänemark, den Niederlanden sowie in Griechenland und Österreich gegangen.
Am Rande des Arbeitsgesprächs besuchten die beiden Regierungschefs am Sonntagabend die Premiere der Oper „Carmen" von Georges Bizet bei den Salzburger Festspielen. Das bilaterale Treffen am Montag fand vor diesem kulturellen Hintergrund statt.
Hintergrund: Treffen bei den Salzburger Festspielen
Zusammenfassend kündigten Stocker und Mitsotakis an, dass ihre Länder die im Juni 2026 vom Europäischen Parlament beschlossene EU-Rückführungsverordnung nutzen werden, um außerhalb der EU gelegene Rückkehrzentren einzurichten. Die ersten Abschiebungen in diese „Return Hubs" sollen demnach ab 2027 erfolgen.
Die staatliche Zusammenarbeit auf diesem Gebiet wird laut APA von Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) koordiniert, die am Sonntag über die geplante Kooperation informiert hatte. Beide Seiten sehen die migrationspolitische Abstimmung als Teil einer umfassenderen EU-Strategie, die auch die Außengrenzen, die Energiepolitik und die Erweiterung umfasst.
Fragen & Antworten
Wer ist Christian Stocker und welche Rolle spielt er in der Ankündigung?
Christian Stocker ist österreichischer Bundeskanzler der ÖVP. Er kündigte am 27. Juli 2026 in Salzburg nach einem Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis an, dass abgelehnte Asylwerber ab 2027 in sogenannte „Return Hubs" außerhalb der EU abgeschoben werden sollen.
Welche Staaten kommen als Standorte für die Rückkehrzentren in Frage?
Laut APA ist bisher noch nicht konkret festgelegt, welche Staaten außerhalb der EU als Standorte in Frage kommen. In der Diskussion waren bisher Ruanda und Usbekistan genannt worden.
Welche Kritik gibt es an den geplanten Rückkehrzentren?
Der Europarat und andere Organisationen sehen in den geplanten „Return Hubs" „erhebliche Menschenrechtsrisken" und warnen vor Misshandlungen und willkürlichen Inhaftierungen. Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty, forderte umfassende Risikobewertungen und Kontrollen.
Rückkehrzentren EU 2027: Österreich und Griechenland | nachrichten360