SpaceX vollzieht mit 75 Milliarden Dollar den größten Börsengang der Geschichte
New York, 12. Juni 2026
Bruno Sanchez-Andrade Nuño from Washington, DC, USA / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Der Raumfahrtkonzern SpaceX hat am Freitag an der Nasdaq den größten Börsengang der Geschichte abgeschlossen und 75 Milliarden US-Dollar eingenommen. Bei einer Gesamtbewertung von 1,77 Billionen Dollar übertrifft das Unternehmen damit den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco deutlich.
Der US-Raumfahrtkonzern SpaceX hat am Freitag an der Technologiebörse Nasdaq unter dem Kürzel SPCX seinen Börsengang vollzogen und mit rund 555,6 Millionen ausgegebenen Aktien zum Preis von 135 US-Dollar 75 Milliarden US-Dollar (etwa 64,8 Milliarden Euro) erlöst.
Mit dem Erlös von 75 Milliarden US-Dollar übertrifft SpaceX den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco, der im Dezember 2019 rund 25,6 Milliarden Dollar eingenommen hatte, um ein Vielfaches. „Weil am Freitag Aktien im Wert von 75 Milliarden Dollar auf den Markt kommen, die höchste bisherige Summe“, schrieb die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bei einem Aktienkurs von 135 Dollar ergibt sich nach Berechnungen des Unternehmens einen Gesamtwert von 1,77 Billionen Dollar, womit SpaceX bereits zum Handelsstart mehr wert ist als der Facebook-Konzern Meta.
Anders als bei vielen anderen Börsengängen legte SpaceX den Ausgabepreis vorab selbst fest. „Anders als bei vielen anderen Börsengängen legte SpaceX den Ausgabepreis von 135 US-Dollar vorab selbst fest. Üblicherweise nennen Unternehmen zunächst eine Spanne und ermitteln den Preis dann basierend auf dem Interesse der Investoren.“ Die Nachfrage überstieg das Angebot laut Veröffentlichungen deutlich: Berichten zufolge lag das Ordervolumen bei mehr als 250 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich hatten die Konsortialbanken nach SEC-Unterlagen die Möglichkeit, bis zu 83 Millionen weitere Aktien zu zeichnen, wodurch der Erlös auf etwa 86 Milliarden Dollar hätte steigen können.
Rekorderlöse und überzeichnete Nachfrage
Mit dem Sprung aufs Parkett wird Elon Musk zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion US-Dollar – zumindest auf dem Papier. „Musk wird mit dem Börsengang zum ersten Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Billion US-Dollar. Das gilt zumindest auf dem Papier, gemessen am Wert seiner SpaceX-Aktien und Anteile am ebenfalls von ihm geführten Elektroautobauer Tesla.“ Bereits vor dem Börsengang wurde sein Vermögen auf mehr als 800 Milliarden Dollar geschätzt, womit er der reichste Mensch der Welt war.
Trotz des bevorstehenden IPO bleibt Musk uneingeschränkt Herr über das Unternehmen. „Musk wird mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent auch nach dem Börsengang die volle Kontrolle über SpaceX behalten. Basis dafür sind Aktien mit mehr Stimmrechten.“ Laut IPO-Prospekt plant Musk, etwa 85 Prozent der Stimmrechte zu halten und gleichzeitig 42 Prozent des Grundkapitals zu besitzen. Bei SpaceX bekleidet er die Ämter CEO, CTO und Verwaltungsratsvorsitzender.
Musk bleibt Alleinherrscher
Die Erlöse fließen vollständig in die Firmenkasse. „Die Einnahmen fliessen vollumfänglich in die Firmenkasse.“ Nur ein kleiner Teil des Unternehmens wechselt damit tatsächlich an die Börse: Lediglich rund vier Prozent der Anteile werden frei handelbar sein, die übrigen 96 Prozent verbleiben bei den bisherigen Eigentümern, vor allem bei Musk selbst. Insgesamt wird SpaceX nach dem Börsengang rund 13 Milliarden ausstehende Aktien haben.
Anfang Juni hatte SpaceX seine Pläne zum Zusammenschluss mit dem KI-Entwickler xAI bekannt gegeben, der den Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter) übernommen hatte. „Tech-Milliardär Elon Musk fusioniert sein Raumfahrtunternehmen SpaceX mit seinem KI-Entwickler xAI. Gemeinsam sollen die Unternehmen unter anderem Rechenzentren im All bauen, wie Musk ankündigte.“ Die Idee dahinter: Im Weltraum steht Sonnenenergie praktisch unbegrenzt zur Verfügung, zudem ist die Kühlung im Vakuum vergleichsweise einfach. „Dort ließe sich sehr günstig Strom produzieren, Kühlung hat man im All auch umsonsten“, sagte der Digitalexperte Robert Fiege.
Vom Raketenbau zu KI und Rechenzentren im All
Allerdings warnen Skeptiker vor erheblichen Hürden. „Skeptiker verweisen allerdings auf Probleme wie die erheblichen Aufbaukosten, eine trotz der niedrigen Temperaturen im All schwierige Kühlung sowie die Strahlung, die Schaltkreise beschädigen könne.“ Auch die Nasa setzt auf die noch in der Erprobung befindliche Rakete Starship: Sie soll im Rahmen des Artemis-Programms erstmals seit rund einem halben Jahrhundert wieder Menschen auf den Mond bringen.
Im ersten Quartal dieses Jahres verbuchte SpaceX ein Minus von 4,28 Milliarden Dollar bei rund 4,7 Milliarden Dollar Umsatz. „Im ersten Quartal dieses Jahres verbuchte SpaceX ein Minus von 4,28 Milliarden Dollar bei rund 4,7 Milliarden Dollar Umsatz.“ Im vergangenen Jahr fiel der Verlust mit 4,94 Milliarden Dollar bei 18,67 Milliarden Dollar Umsatz (gut 16 Milliarden Euro) ebenfalls deutlich aus. Hinzu kommt ein operativer Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, begründet vor allem mit hohen Investitionen in künstliche Intelligenz und die Entwicklung der nächsten Raketengeneration. In Starship investierte SpaceX insgesamt mehr als 15 Milliarden Dollar.
Starlink als finanzielles Rückgrat
Das Herzstück des Geschäfts ist jedoch Starlink. „Starlink ist der zentrale Geldbringer von SpaceX und machte im ersten Quartal 3,26 Milliarden Dollar Umsatz.“ Der Satelliteninternet-Dienst hat inzwischen rund 10,3 Millionen Kunden in 164 Ländern. „Starlink ist das am schnellsten wachsende Telekommunikationsunternehmen der Welt – mit bereits mehr als zehn Millionen Kundinnen und Kunden, darunter auch Organisationen, Länder und Firmen.“ Im vergangenen Jahr steuerte das Segment rund 11,4 Milliarden Dollar (etwa 60 Prozent des Konzernumsatzes) bei und erwirtschaftete einen operativen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar.
Die hohe Bewertung relativ zum Umsatz sorgt bei Experten für Skepsis. Setzt man die angestrebte Marktkapitalisierung von rund 1,765 Billionen Dollar ins Verhältnis zum Jahresumsatz, würde die Börse SpaceX mit mehr als dem 94-Fachen des Jahresumsatzes bewerten. Zum Vergleich: Der S&P 500 kommt auf das Vierfache, Apple und Alphabet auf das Zehnfache, Amazon auf das Dreifache, Meta auf das Siebenfache, Microsoft auf das Neunfache. Nvidia, einer der größten KI-Profiteure, wird mit dem gut 18-Fachen des Jahresumsatzes bewertet. Der technologielastige Nasdaq 100 liegt im Schnitt bei knapp sieben.
Bewertung am oberen Limit
Der Chef-Anlagestratege von BNP Paribas Wealth Management, Stephan Kemper, hält die Bewertung daher für „sehr ambitioniert“ und zog Parallelen zur New-Economy-Blase. „Eine unprofitable Firma mit der Hoffnung auf zukünftige stark steigende Gewinne stemmt einen Rekordbörsengang – das weckt natürlich Erinnerungen an die Technologieblase Ende der 1990er.“ Damals, 1999, ging Goldman Sachs kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase an die Börse. Kemper warnte zudem, die aktuellen Eigentümer dürften bereits in den nächsten sechs Monaten einen Großteil ihrer Anteile verkaufen. Zudem verwies er auf die Angst vieler Anleger, „das nächste große Ding an der Börse zu verpassen“.
Auch der Vermögensverwalter Georg von Wallwitz sieht Anlass zur Vorsicht. „Diese Goldgräberstimmung, diese Euphorie, die ist doch sehr ähnlich – und gibt erfahrenen Investoren Anlass, etwas vorsichtiger zu sein“, sagte der Gründer von Eyb & Wallwitz. Zwar bezeichnete er Musk als „zweifellos genialer Unternehmer“, doch rechne er langfristig mit überschaubaren Renditen: „Wahrscheinlich kann man bei dem IPO einen schnellen Dollar machen, der Hype ist schon groß. Aber langfristig dürften die Renditen überschaubar bleiben.“ Der IPO-Experte Jay Ritter von der University of Florida brachte es auf die Formel: „Ein großartiges Unternehmen bedeutet nicht zwangsläufig eine großartige Investition“ und warnte: „Wenn die Bewertung zu hoch sei, drohe eine Bruchlandung.“
Risikohinweise von Experten und Anlegerschützern
Ludovic Phalippou von der University of Oxford sieht zudem die größte Wachstumsphase als möglicherweise überschritten an. „Viele Investoren scheinen bereit zu sein, einen Aufschlag zu zahlen, nur für das Privileg, Zugang zu SpaceX zu bekommen“, sagte er. Der Interessenverband für Anleger (IVA) in Österreich riet Anlegern, „keine Kaufentscheidung allein aufgrund von Medienberichten oder Social-Media-Euphorie zu treffen, Fundamentaldaten zu prüfen und entsprechend realistisch zu bewerten und nur dann zu investieren, wenn ein finanzieller Verlust verkraftbar wäre“.
Verbandsvorstand Florian Beckermann warnte zudem vor den Risiken, die von Musk selbst ausgehen. „Seine Äußerungen, politische Kontroversen, Rechtsstreitigkeiten oder strategische Entscheidungen können erhebliche Auswirkungen auf die Marktstimmung und damit auf den Aktienkurs haben. Anleger würden nicht nur in ein Raumfahrtunternehmen investieren, sondern teilweise auch in seine öffentliche Wahrnehmung.“ Musk hatte den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump in den ersten Monaten von dessen Amtszeit beraten und im Bundestagswahlkampf offen die AfD unterstützt.
Der IVA stufte Raumfahrt überdies als „Hochrisikogeschäft“ ein, abhängig von Technik, Regulierung, Unfällen, Geopolitik und Regierungsaufträgen. „Ein einzelnes schwerwiegendes Ereignis könne hier Milliardenwerte vernichten und den Aktienkurs massiv belasten“, warnte der Verband. Gerade unerfahrene Anleger liefen Gefahr, „nahe eines Markthochs einzusteigen und anschließend erhebliche Verluste zu erleiden“.
Marktstart in New York
In Österreich ist das Börsenprospekt nicht zugelassen, daher müssten heimische Anleger auf Broker in Drittländern ausweichen – oft mit deutlichen Aufschlägen auf den Emissionspreis. „In der Regel verrechnen diese allerdings entsprechende Zuschläge zum Emissionspreis, womit ‚Abzocke‘ nicht auszuschließen sei, hieß es weiter.“ Auch die Frist für den ersten Handelstag ist gesetzt: Die SpaceX-Aktie wird am 12. Juni 2026 an der Nasdaq unter dem Ticker SPCX gehandelt. Sollte der Kurs auf 120 Dollar fallen, ergäbe sich nach Berechnungen immer noch ein Wert von knapp 1,6 Billionen Dollar.
Unter den Profiteuren des Börsengangs sind auch Wagniskapitalgeber, die früh auf SpaceX gesetzt hatten. Peter Thiels Founders Fund hält laut Bloomberg rund drei Prozent, die ursprünglich für etwa 600 Millionen Dollar erworben wurden – und nun zum Ausgabepreis mehr als 50 Milliarden Dollar wert sind. Auch Sequoia Capital investierte dem Vernehmen nach rund zwei Milliarden Dollar und hält heute einen Anteil im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar. In den kommenden Monaten wird mit OpenAI (ChatGPT) und Anthropic (Claude) der nächste Schwung an KI-Unternehmen den Gang an die Börse vorbereiten.
Fragen & Antworten
Was macht den SpaceX-Börsengang historisch?
Mit einem Erlös von 75 Milliarden US-Dollar übertrifft SpaceX den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 (rund 25,6 Milliarden Dollar) um ein Vielfaches. Bei einer Gesamtbewertung von 1,77 Billionen Dollar ist das Unternehmen bereits zum Handelsstart mehr wert als der Facebook-Konzern Meta.
Wie viel Kontrolle behält Elon Musk nach dem Börsengang?
Laut IPO-Prospekt und Berichten wird Musk mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 80 Prozent die volle Kontrolle über SpaceX behalten; gleichzeitig hält er rund 42 Prozent des Grundkapitals. Bei dem Unternehmen bekleidet er die Ämter CEO, CTO und Verwaltungsratsvorsitzender.
Welche Risiken sehen Experten bei der SpaceX-Bewertung?
Experten wie der Anlagestratege Stephan Kemper, der Vermögensverwalter Georg von Wallwitz und der IPO-Forscher Jay Ritter halten die Bewertung von 1,77 Billionen Dollar für sehr ambitioniert und verweisen auf Parallelen zur Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre. Der österreichische Anlegerschutzverband IVA warnt zudem vor dem Einfluss von Musks öffentlicher Wahrnehmung, der Abhängigkeit von Weltraumtechnologie und möglichen Kurseinbrüchen nach Überzeichnung.
SpaceX IPO: 75 Mrd. Dollar – größter Börsengang aller Zeiten | nachrichten360