Schöttel vor Spanien: Österreich glaubt an WM-Coup | nachrichten360
Schöttel sieht Österreich vor Spanien als Außenseiter, glaubt aber an eine Überraschung
Los Angeles, 30. Juni 2026
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Kurzfassung
ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel sieht die österreichische Nationalmannschaft vor dem WM-Sechzehntelfinale gegen Spanien am Donnerstag in Los Angeles als klaren Außenseiter. Gleichzeitig hält er eine Überraschung gegen den Europameister für möglich, sofern die Österreicher ihr Leistungsniveau deutlich steigern.
ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel hat das WM-Sechzehntelfinale gegen Spanien am Donnerstag (21.00 MESZ/live ServusTV) in Los Angeles als schwierige, aber nicht aussichtslose Aufgabe für die österreichische Fußball-Nationalmannschaft bezeichnet.
Schöttel räumte vor dem Duell mit dem Europameister die klare Favoritenrolle der Iberer ein. „Das ist eine Mannschaft mit großartigen Spielern, die sehr gerne den Ball haben, die sehr kreativ sind, und gegen die wir einen Toptag erwischen müssen, um eine realistische Chance zu haben“, sagte der ÖFB-Sportdirektor. Die Vorrunde ändere nichts daran, dass die Spanier „einer der Turnierfavoriten“ seien, betonte Schöttel.
Anders als beim 0:2 im Gruppenspiel gegen Argentinien erwartet die Österreicher laut Schöttel diesmal ein grundsätzlich anderes Spiel. „Wir haben Argentinien gehabt, da haben wir gesehen, was uns fehlt“, sagte Schöttel und fügte hinzu: „Wir wissen, dass wir uns steigern müssen.“ Der Wiener sieht bei seinem Team noch ungenutztes Potenzial: „Die Mannschaft hat jetzt noch nicht die hundertprozentige Leistung abgerufen, die sie kann“, meinte er.
Vorrunde mit Achterbahn
Dass die Mannschaft überhaupt im Sechzehntelfinale steht, wertete Schöttel als Teilerfolg. „Wir haben gewusst, dass es irgendwo erwartet wird, dass wir ins Sechzehntelfinale kommen“, sagte er. Der Weg dorthin war allerdings steinig: Auf ein früh fixiertes 4:0 gegen Saudi-Arabien folgte ein hart erkämpftes 1:0 gegen Uruguay. Beim 3:3 gegen Algerien vermieden die Österreicher erst in buchstäblich letzter Sekunde das WM-Aus. „Es sind richtig, richtig, richtige Felsbrocken, die uns da runtergefallen sind“, schilderte Schöttel. „Für uns alle war das der Tiefpunkt in unseren Karrieren.“ Auch der späte Ausgleich sei „das letzte Spiel in einigen Phasen nicht gut gelungen“, räumte Schöttel ein.
Trotz der durchwachsenen Vorrunde sieht der ÖFB-Sportdirektor Ansatzpunkte gegen die Spanier. „Die definieren sich schon sehr über das Spiel mit dem Ball“, analysierte Schöttel. Genau dort könnte das ÖFB-Team ansetzen. „Ich gehe davon aus, dass es nicht unendlich viele geben wird“, sagte er mit Blick auf Ballbesitzphasen der Spanier und fügte hinzu, dazu würde man auch Momente brauchen, in denen man den Ball länger in den eigenen Reihen halte. „Wenn wir unsere Stärken, die uns die letzten Jahre ausgezeichnet haben, wieder mit einer Klarheit aufs Feld bringen, mit einer Konsequenz, mit einer mannschaftlichen Geschlossenheit, dann bin ich überzeugt, dass wir auch Spanien gefährden können“, sagte Schöttel.
Die Spanier sind nach Schöttels Einschätzung in einer anderen Liga als Österreich. „Wir wissen, dass die richtig gut sind. Die sind auf einem so hohen Level und halten das auch“, sagte er mit Verweis auf die 33 Partien in Folge, die Spanien nicht nach der regulären Spielzeit verloren hat. Hinzu komme eine spielerische Klasse, die nicht jeder Gegner biete. „Die wissen, dass sie ihre besten Leistungen spätestens mit Beginn der K.-o.-Runde bringen müssen“, sagte Schöttel. Das habe sich auch das ÖFB-Team zum Ziel gesetzt.
Spaniens zäher Start
Allerdings warnte Schöttel davor, den spanischen WM-Start überzubewerten. Die Iberer waren mit einem 0:0 gegen Kap Verde ins Turnier gestartet, was Fragen aufgeworfen hatte. Große Mannschaften würden öfter „nicht ganz so großartig ins Turnier starten“, relativierte Schöttel. Die Spanier würden „nicht so entschlossen in Zweikämpfe gehen“ wie etwa der Titelverteidiger. „Es ist ja ein Wahnsinn, was auf denen auch an Druck lastet“, sagte Schöttel mit Blick auf die Erwartungshaltung im spanischen Lager.
Yamal im Fokus
Ein besonderes Augenmerk legte Schöttel auf den spanischen Jungstar Lamine Yamal. „Er ist einer, den man sich ununterbrochen anschauen möchte, weil er probiert, weil er 1:1-Situationen sucht, weil er so viel Spaß am Spiel hat und es so bereichert“, schwärmte der ÖFB-Sportdirektor. „Er sticht schon hervor mit seiner ganzen Aura, die er jetzt schon hat“, sagte Schöttel über den 18-Jährigen vom FC Barcelona. Yamal ist dreifacher spanischer Meister und hatte 2024 den EM-Titel geholt. „Nur als Gegner braucht man ihn nicht unbedingt“, sagte Schöttel. Ob er wirklich diese „große und ewig andauernde Karriere“ wie Messi und auch Cristiano Ronaldo habe, müsse der Jungstar aber erst beweisen. „Da geht es um die eigene Persönlichkeit, wie er mit dem Ganzen umgeht“, sagte Schöttel.
Dass die Favoritenrolle klar bei Spanien liegt, sieht Schöttel keineswegs als Nachteil. Druck hätten die Österreicher im Gegensatz zur Gruppenphase nicht mehr. Das Team könne befreit aufspielen und die Rolle des Außenseiters nutzen, sagte Schöttel sinngemäß. Er selbst bestritt 1999 beim 0:9 gegen Spanien in Valencia das letzte Pflicht-Länderspiel seiner Karriere und weiß um die Schwere der Aufgabe. „Und auch in meiner“, sagte er. „27 Jahre später soll ein Höhepunkt folgen“, formulierte er die Motivation.
Persönlicher Bezug
Für Schöttel wäre ein Sieg gegen Spanien eine Sensation. „Es wäre eine Riesenüberraschung im Weltfußball, wenn uns das gelingen würde“, sagte er. „Ich glaube, dann fliegen wir, wenn uns das gelänge“, fügte er mit einem Lächeln hinzu. Gleichzeitig warb er für den Glauben an die eigene Chance. „Wir hoffen, dass es am Donnerstag so weit ist“, sagte Schöttel. Man müsse „am obersten Level spielen“ und die Torchancen nutzen, um den Europameister in Bedrängnis zu bringen.
Das österreichische Team bereitete sich unterdessen an der Pazifikküste auf die Partie vor. In dem im Juni bezogenen Quartier wurden dort noch die Geburtstage von Teamchef Ralf Rangnick und Physiotherapeut Martin Hämmerle gefeiert, die am Montag 68 bzw. einen runden Geburtstag hatten. Die Mannschaft wirkte nach den Strapazen der Vorrunde zuletzt aber auch angespannt.
Mit Blick auf das bisherige Turnier zog Schöttel eine gemischte Bilanz. Die WM sei bisher die Bühne der ganz großen Spieler, die allesamt abliefern würden, sagte er und meinte damit vor allem Yamal und andere Stars. Österreich habe in einigen Phasen gezeigt, was möglich sei, in anderen aber auch Schwächen offengelegt. „Die Mannschaft hat jetzt noch nicht die hundertprozentige Leistung abgerufen, die sie kann“, wiederholte Schöttel seine Einschätzung.
Ausblick auf Donnerstag
Für das Sechzehntelfinale gelte es nun, das volle Potenzial abzurufen. „Die wissen, dass sie ihre besten Leistungen spätestens mit Beginn der K.-o.-Runde bringen müssen“, sagte Schöttel mit Blick auf die spanischen Profis. Für Österreich gelte dasselbe Ziel, betonte er. Sollte dem ÖFB-Team am Donnerstag tatsächlich eine Überraschung gelingen, wäre das nach Schöttels Worten ein „Höhepunkt“ – nicht nur für die aktuelle Mannschaft, sondern auch für ihn persönlich nach seinem damaligen Karriereende gegen denselben Gegner.
Die Erwartungshaltung im österreichischen Lager ist verhalten optimistisch. Ein Weiterkommen wäre für Schöttel eine „Riesenüberraschung im Weltfußball“. Gleichzeitig verwies er darauf, dass im Fußball Überraschungen möglich seien, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. „Wir hoffen, dass es am Donnerstag so weit ist“, sagte Schöttel abschließend mit Blick auf den Anpfiff um 21.00 MESZ, live übertragen von ServusTV.
Fragen & Antworten
Wer ist Peter Schöttel und welche Rolle hat er beim ÖFB?
Peter Schöttel ist Sportdirektor des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) und äußerte sich vor dem WM-Sechzehntelfinale gegen Spanien zur Ausgangslage der Mannschaft. Er bestritt 1999 beim 0:9 gegen Spanien in Valencia sein letztes Pflicht-Länderspiel.
Wann und wo spielt Österreich gegen Spanien?
Das WM-Sechzehntelfinale zwischen Österreich und Spanien findet am Donnerstag (Anpfiff 21.00 MESZ) in Los Angeles statt und wird live von ServusTV übertragen.
Wie ist Spanien in das Turnier gestartet?
Spanien ist mit einem 0:0 gegen Kap Verde in die WM gestartet und hat laut Schöttel 33 Partien in Folge nicht nach der regulären Spielzeit verloren.