Vor Duell Algerien gegen Österreich: Belloumi fordert Revanche für Gijon 1982
Kansas City, 25 Juni 2026
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Kurzfassung
Vor dem WM-Gruppenspiel zwischen Algerien und Österreich am Samstag in Kansas City hat der algerische Ex-Nationalspieler Lakhdar Belloumi zur Revanche für das umstrittene Spiel von 1982 in Gijon aufgerufen. Österreichs Teamspieler wie Stefan Posch wehren sich gegen jede Spekulation über eine erneute Absprache.
Kansas City, 25 Juni 2026
Vor dem WM-Gruppenspiel zwischen Algerien und Österreich am Samstagabend in Kansas City hat der algerische Ex-Nationalspieler Lakhdar Belloumi seine Landsleute aufgefordert, sich für das als "Spiel der Schande" in die Geschichte eingegangene Duell von 1982 in Gijon zu revanchieren.
Das WM-Spiel Algerien gegen Österreich am Samstag in Kansas City weckt Erinnerungen an das legendäre Gruppenspiel der Weltmeisterschaft 1982 in Gijón. Damals trafen Deutschland und Österreich aufeinander, und die algerische Auswahl verpasste durch die Ergebnisse auf den anderen Plätzen dennoch den Aufstieg. Lakhdar Belloumi, der 1982 für Algerien getroffen hatte, rief nun laut dem TV-Sender el-Heddaf: "Man muss dieses Spiel mit dem Geist der Revanche angehen und gewinnen." Er fügte hinzu: "Ich rate ihnen, sich gegen Österreich zu revanchieren."
Das historische Spiel hatte unter dem Titel "Schande von Gijón" oder "Spiel der Schande" Eingang in die Fußballannalen gefunden. Die algerische Tageszeitung "El-Watan" erinnerte an die damalige Atmosphäre: Das Publikum im Stadion El Molinón habe die deutschen und österreichischen Spieler "lautstark ausgebuht, mit Geldscheinen gewunken und während des gesamten Spiels 'Algerien, Algerien' skandiert". Die Zeitung hielt zudem fest: "Selbst die Fernsehkommentatoren der beiden betroffenen Länder drückten live ihre Scham aus."
Algeriens damaliger Star Rabah Madjer, später bekannt durch sein Ferslentor im Meistercup-Finale 1987 für den FC Porto gegen Bayern München, sagte im Rückblick: "Auch wenn wir es irgendwie erwartet hatten, waren wir alle verärgert, empört und fassungslos." Viele Beteiligte hätten sich später entschuldigt. Für die algerische Seite bleibt das Ereignis eine offene Wunde: "Es ist gut, wenn man den Schaden, den man angerichtet hat, eingesteht, aber für uns hat es nichts geändert", hieß es in einer Stellungnahme.
Echo in Algeriens Medien
Das französische Sportportal RMC Sport hatte im Vorfeld über ein mögliches "Spiel der Schande 2.0" spekuliert. In Algeriens Nachrichtenseite "Tout sur l'Algérie" kamen diese Spekulationen nicht gut an. Die algerische Position bleibt klar: "Auch wenn Österreich 1982 in das 'Spiel der Schande' verwickelt war, hat Algerien in seiner gesamten Geschichte niemals auf solche Praktiken zurückgegriffen." Die Zeitung "El-Watan" schrieb: "Die schmutzige Absprache sprang ins Auge, war auf dem Spielfeld deutlich zu erkennen und führte schließlich zur gemeinsamen Qualifikation der beiden Cousins auf Kosten unseres Landes."
Im österreichischen Teamquartier in Santa Barbara wehrte man sich gegen jede Form von Spekulation. Verteidiger Kevin Danso kann mit dem Begriff "Schande von Gijón" ohnehin nichts anfangen, wie er selbst sagte: "Wenn es denn sein muss, spielen wir halt dann gegen Spanien." Auch Stefan Posch, nach einem Kieferbruch mit Spezialmaske unterwegs, versprach Vollgas: "Wir gehen ins Spiel einfach so, dass wir es gewinnen wollen."
ÖFB-Spieler wehren sich gegen Spekulationen
Teamkollege Posch ergänzte: "Ich kann nicht in ein Spiel gehen und sagen, 'ich will es verlieren'." Das habe keiner aus dieser Mannschaft je gemacht – und das werde auch keiner tun. Die Spieler betonten mehrfach, dass die sportliche Einstellung klar sei: "Wir gehen ins Spiel, um es gewinnen zu wollen." Auch die taktische Marschroute steht für Posch: "Mit dem Ball müssen wir mutiger auftreten und mehr Chancen kreieren. Und dann müssen wir die Chancen auch verwerten." Nach der Partie gegen Argentinien sei man "zu ungefährlich" gewesen.
Im Hintergrund läuft aber durchaus auch ein Blick auf die Tabellenkonstellation. Nach den ersten beiden Gruppenspielen steht es aus österreichischer Sicht 4:4. Posch räumte ein: "Wir werden dann vielleicht zu rechnen beginnen." Gleichzeitig versuchte das Team zu relativieren: "Wenn man an einer Weltmeisterschaft teilnimmt, sucht man sich seine Gegner nicht aus und versucht nicht, die Stärksten zu meiden." Auch wenn die Stimmung im Lager insgesamt angespannt bleibt, nehmen es die Verantwortlichen gelassen: "Natürlich sagt mir das etwas", erklärte Peter Schöttel, "wenngleich nicht eines, auf das man mit großem Stolz blicken muss."
Der 25 Jahre alte Dortmunder Profi wird dem evangelikalen Christentum zugeordnet. Ein Foto zeigt ihn zusammen mit Jonathan Tah und mehreren curaçoaischen Gegenspielern nach dem deutschen WM-Auftakt beim gemeinsamen Gebet. "Es zeigt die beiden Nationalspieler Felix Nmecha und Jonathan Tah, wie sie nach dem deutschen WM-Auftakt gegen Curaçao (7:1) zusammen mit mehreren Gegenspielern beten." Nmecha selbst sagte der ARD: "Wir sind im Spiel Gegner. Und nach dem Spiel sind wir alle Christen." Auch Verteidiger Danso betonte: "Wir sind alle Sportler, Fußballer."
Gebet und Glaubensbekenntnisse als Zündstoff
In Deutschland hat diese Form der Glaubensäußerung eine kontroverse Debatte ausgelöst. Das Netzwerk "Ballers in God", 2015 gegründet, hat solche Aktionen über soziale Medien verbreitet. Frankreichs früherer Bundesliga-Profi Maxence Lacroix (Crystal Palace) ist dort zu sehen, wie er mit der Bibel in der Hand in die Kabine geht. Auch die Gruppierung "Jesus Saves 2026" ist am Spielort Miami aktiv. In deren Aufruf heißt es: Diese WM biete "eine göttliche Gelegenheit, die Kirche zu stärken". Das Turnier sei eine Art "Missionsfenster", weil es zehntausende Fans aus verschiedenen Ländern anlocke. Latzel selbst ordnete ein: "Das ist eine besonders bibeltreue Strömung innerhalb des Protestantismus, der auch der Gründer von 'Ballers in God' angehört."
Kritik an Nmechas Posts kam unter anderem von Rainer Maria Schießler, Münchner Pfarrer und Fußball-Fan: "Religion darf nie Steigbügelhalter für andere weltanschauliche oder politische Botschaften sein." Der Sportbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Thorsten Latzel, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Glaube und Sport haben viel gemeinsam. Es geht bei beiden um Haltung, Werte, Gemeinschaft, Teamgeist, Fairness über Grenzen hinweg." Er warnte aber zugleich: "Religion darf niemals als Waffe dienen, Menschen verletzen und dies auch nicht legitimieren."
Nmecha reagierte mit einer Klarstellung: "Damit ich so wie in jedes andere Spiel gehen kann, mit dem Wunsch, es zu gewinnen." Er nutzte den freien Mittwoch, um seine Familie zu treffen und gemütlich einen Kaffee zu trinken. Latzel wiederum verwies darauf: "Bei der WM habe ich keinen Einsatz von Religion als Waffe erlebt." Es sei gerade "ein starkes Zeichen, wenn Spieler von unterschiedlichen Mannschaften nach dem Spiel gemeinsam beten und so zeigen, dass es mehr gibt als die Gegnerschaft auf dem Platz".
Forderungen an den DFB
Die Debatte über die religiösen Äußerungen reicht bis in die Führungsetagen. Eine deutliche Position bezog auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Beobachter forderten indes mehr Klarheit: "Da muss absolute Klarheit herrschen, wenn ein Sportler seine Religion nach außen hin zeigt." Solange das so sei, "ist es für uns Religionsmenschen natürlich ein fettes Pfund, wenn ein Prominenter, ein Sportler im Fokus der Welt aus seinem Glauben keine Mördergrube macht". Auch Latzel forderte auf Instagram unter dem Stichwort "WM-Werte" eine klare Haltung des Verbandes.
Kistner erwartet deshalb, dass "der DFB sich da eindeutig äußert und sagt: Diese Art des Glaubens, diese äußerst konservative und eben auch in Teilen homophobe Haltung des Glaubens, hat im DFB keinen Platz." Denn der DFB stehe ja "für Werte wie Offenheit und Menschlichkeit". Posch wurde nach seiner Ankunft gefragt, ob ihn die Situation nerve, die Platz für Rechenspiele lasse. Er wiegelte ab: "Auf alle Fälle werden wir die anderen Partien und die Konstellationen beobachten."
Am Donnerstag reiste die österreichische Delegation bereits Richtung Kansas City weiter, wo man am Samstagabend Ortszeit (MESZ: Sonntag, 4 Uhr) auf Algerien trifft. Am Mittwoch hatte es zuvor den dritten freien Tag gegeben, seit man am vierten Spieltag der WM angekommen war. Posch nutzte den freien Tag auch zur Erholung: "Es ist wichtig, dass man einmal rauskommt, in der Stadt zu Abend isst und nicht über Fußball reden muss." Der Ablauf zwischen dem zweiten und dritten Spiel sei um einen Tag gedrängter, es bleibe nicht viel Gelegenheit zur Zerstreuung.
Vergangenheit und Gegenwart im Duell
Unabhängig von den Diskussionen bleibt sportlich klar: "Die schmutzige Absprache sprang ins Auge" – so beschreibt es die algerische Presse rückblickend. Ein Szenario, wie es ein Kommentator als "undenkbar" bezeichnete. Doch die Frage, ob die Spieler von 2026 an Gijón überhaupt einen Gedanken verschwenden, ist offen: "Sie haben vielleicht schon von diesem abgesprochenen Spiel gehört. Geboren waren sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht", schrieb "El-Watan". Das Duell am Samstag in Kansas City wird zeigen, ob Revanche gelingt – oder ob das sportliche Ergebnis die alten Wunden heilt.
Wie auch immer das Spiel ausgeht: Die algerische Öffentlichkeit wird mit besonderer Aufmerksamkeit auf den Anpfiff blicken. Belloumis Revanche-Aufruf hat die Erwartungshaltung im Land erhöht. Österreichische Spieler wie Danso bleiben nüchtern: "Wenn es denn sein muss, spielen wir halt dann gegen Spanien." Die Konzentration gilt dem Sportlichen, die Geschichte bleibt im Hintergrund präsent.
In der jüngeren Wahrnehmung überwiegt jedoch der sportliche Respekt. "Die 'Grünen' würden jedes WM-Spiel mit dem Ziel angehen, dieses zu gewinnen", heißt es aus dem ÖFB-Umfeld. Man wolle sich nicht an alten Debatten aufreiben, sondern das eigene Spiel machen. Für die algerische Seite bleibt das Spiel von 1982 indes ein prägendes Ereignis – auch 44 Jahre danach. Belloumis Worte unterstreichen, wie tief die Erinnerung an das Spiel von Gijón im kollektiven Gedächtnis Algeriens verankert ist.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob der Revanchegeist in Algerien neue Nahrung bekommt oder ob das Duell in Kansas City sportlich fair über die Bühne geht. Schon jetzt ist klar: Die Symbolik dieses Spiels geht weit über das Sportliche hinaus. Belloumis Aufruf und die Reaktionen aus Österreich verdeutlichen, dass Geschichte im Fußball nie ganz vergessen ist – auch nicht nach vier Jahrzehnten.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob der Revanchegeist in Algerien neue Nahrung bekommt oder ob das Duell in Kansas City sportlich fair über die Bühne geht. Schon jetzt ist klar: Die Symbolik dieses Spiels geht weit über das Sportliche hinaus. Belloumis Aufruf und die Reaktionen aus Österreich verdeutlichen, dass Geschichte im Fußball nie ganz vergessen ist – auch nicht nach vier Jahrzehnten.
Fragen & Antworten
Wer ist Lakhdar Belloumi?
Belloumi war 1982 Torschütze der algerischen Mannschaft, die Deutschland beim damaligen Turnier überraschend mit 2:1 besiegte. Heute tritt er als Fußballveteran in den Medien auf und rief vor dem Duell mit Österreich zur Revanche auf.
Was war das "Spiel der Schande" von 1982?
Beim WM-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Österreich in Gijón einigten sich beide Mannschaften nach kurzer Zeit auf ein Ergebnis, das beiden den Aufstieg sicherte. Algerien, das zuvor Deutschland überraschend geschlagen hatte, verpasste dadurch das Weiterkommen.
Wie reagiert die österreichische Mannschaft auf die Revanche-Forderung?
Spieler wie Stefan Posch und Kevin Danso weisen Spekulationen über eine mögliche Absprache zurück und betonen, dass sie jedes Spiel gewinnen wollen. Die ÖFB-Akteure verwiesen zudem darauf, dass die Spieler von heute zum Zeitpunkt von Gijón noch gar nicht geboren waren.
WM 2026: Algerien gegen Österreich – Revanche für Gijon | nachrichten360