Russland fliegt eine der heftigsten Angriffswellen seit Kriegsbeginn auf ukrainische Städte
Kiew, 02. Juli 2026
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Kurzfassung
In der Nacht auf Donnerstag hat Russland mehrere ukrainische Städte mit Kampfdrohnen, Raketen und Marschflugkörpern angegriffen. In Kiew starben nach Behördenangaben mindestens acht Menschen, 34 weitere wurden verletzt; ein Hotel im Zentrum brannte aus.
Russland hat in der Nacht zum Donnerstag mehrere ukrainische Städte mit einer der heftigsten Angriffswellen seit Kriegsbeginn überzogen, dabei Kampfdrohnen, Raketen und Marschflugkörper eingesetzt und in Kiew nach Behördenangaben mindestens acht Menschen getötet sowie 34 verletzt.
Angriffswelle über mehreren Großstädten
In der Nacht zum Donnerstag ist die Ukraine erneut Ziel einer massiven russischen Luftangriffswelle geworden. Wie das Nachrichtenportal "The Kyiv Independent" berichtete, setzten die Angreifer Dutzende Raketen und Marschflugkörper ein. Reporterinnen und Reporter des Portals sprachen von "unglaublich laute Explosionen", die selbst in tief unter der Erde gelegenen Luftschutzbunkern deutlich zu hören gewesen seien. Im Bericht war von einer der heftigsten Angriffswellen seit Kriegsbeginn die Rede.
Die ukrainische Hauptstadt Kiew wurde besonders schwer getroffen. Nach Behördenangaben gab es in der Hauptstadt mindestens acht Tote und 34 Verletzte. Mehrstöckige Wohnhäuser seien getroffen worden, ein Hotel im Stadtzentrum ging zudem in Flammen auf. Laut Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko geriet das Dach eines Hotels am zentralen Schewtschenko-Boulevard in Brand.
Verängstigte Bewohnerinnen und Bewohner Kiews suchten in U-Bahn-Stationen Zuflucht. Viele von ihnen hätten dort Zelte aufgeschlagen, um die Nacht vor Luftangriffen geschützt unter der Erde zu verbringen, hieß es. Die Behörden hatten nach ersten Einschlägen am Abend demnach auch am frühen Morgen wieder Luftalarm ausgelöst.
Selenskyjs Warnung aus Dublin
Neben Kiew waren auch andere Städte der Ukraine betroffen. Berichten zufolge gab es in Saporischschja und Pawlohrad im Südosten sowie in Sumy und Charkiw im Nordosten des Landes Luftalarm und Explosionen. Erneut sind mehrere Städte in der Ukraine zur Zielscheibe einer heftigen Angriffswelle mit russischen Kampfdrohnen, Raketen und Marschflugkörpern geworden.
Bereits am Mittwoch hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem bevorstehenden Großangriff auf die Ukraine gewarnt. Selenskyj sagte am Rande einer Zeremonie zum Wechsel der EU-Ratspräsidentschaft in Dublin: "Alle ein bis zwei Wochen gebe es massive Attacken mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen." Außerdem erklärte er: "heute gibt es die unangenehme Information über die nächste Vorbereitung eines solchen massiven russischen Angriffs". Selenskyj kündigte an, nach einer Pressekonferenz in Dublin rasch in die Ukraine zurückzukehren. Seine Landsleute sollten Alarmsignale beachten und Schutzräume aufsuchen.
Das benachbarte Polen hatte kurzzeitig Kampfflugzeuge als Vorsichtsmaßnahme in die Luft geschickt, diese dann aber wieder zurückgerufen und mitgeteilt, dass keine Luftraumverletzung festgestellt worden sei.
Militärische Lage laut CSIS
Die ersten Angaben zu den Angriffen ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Unabhängig davon zeichnen Berichte des Center for Strategic and International Studies (CSIS) mit Sitz in Washington ein Bild der Gesamtlage des Konflikts, das die Schwere der jüngsten Eskalation in einen größeren Rahmen einordnet.
Laut CSIS ist die Gesamtzahl der getöteten, verletzten oder vermissten Soldaten seit Kriegsbeginn im Februar 2022 auf rund zwei Millionen gestiegen, allein 1,4 Millionen davon auf russischer Seite. Die Gesamtzahl der russischen Gefallenen gab CSIS mit 400.000 bis 450.000 an, auf ukrainischer Seite seien es 125.000 bis 150.000. Ende Jänner hatte die Bilanz noch bei etwa 325.000 getöteten Russen und 100.000 bis 140.000 Ukrainern gestanden. Es gilt als sicher, dass sowohl Russlands Führung als auch die der Ukraine eigene Verluste herunterspielen und jene in den Reihen des Gegners aufbauschen.
Das CSIS stützt sich bei den Zahlen nach eigenen Angaben auf Informationen des Militärs, der Geheimdienste und Regierungen verschiedener Länder. Demnach übersteige inzwischen die monatliche Zahl der russischen Verluste auch die der Neurekrutierungen. Hauptgrund dafür sei der verstärkte und äußerst wirkungsvolle Einsatz ukrainischer Kampfdrohnen.
Verluste auf beiden Seiten
Während das Verhältnis zwischen russischen und ukrainischen Verlusten die meiste Zeit über bei 2:1 oder 3:1 gelegen habe, sei es im ersten Halbjahr 2026 schätzungsweise auf 8:1 gestiegen, schrieb CSIS weiter. Historisch betrachtet sei die Kampfbilanz der Russen im Ukraine-Krieg verglichen mit der anderer militärischer Großmächte nach dem Zweiten Weltkrieg ziemlich miserabel.
Auch an der mehr als tausend Kilometer langen Front habe sich die Lage verändert. So hätten die Angreifer das von ihnen kontrollierte Gebiet in der Ukraine im Frühling 2026 erstmals seit Jahren nicht mehr vergrößern können und dazu einzelne Geländegewinne der Ukrainer hinnehmen müssen. Nach Einschätzung des CSIS sind die russischen Vorstöße an der mehr als tausend Kilometer langen Front langsamer geworden.
Frontverlauf und Geländegewinne
Die russische Angriffswelle vom Donnerstag fällt in eine Phase, in der Kiew nach eigenen Angaben verstärkt mit Drohnen und Raketen aus russischer Produktion konfrontiert ist. Selenskyj hatte erst am Mittwoch in Dublin auf den Rhythmus der Angriffe hingewiesen und seine Landsleute aufgerufen, Alarmsignale zu beachten und Schutzräume aufzusuchen.
Die humanitäre Lage in Kiew bleibt angesichts der Zerstörung mehrerer Wohnhäuser und eines Hotels im Stadtzentrum angespannt. Rettungskräfte waren demnach in den Morgenstunden im Einsatz, während Anwohnerinnen und Anwohner weiterhin in U-Bahn-Stationen ausharrten. Klitschko hatte zuvor über den Brand am Schewtschenko-Boulevard informiert.
Reaktionen und Ausblick
Die ukrainische Regierung hatte zuletzt verstärkt internationale Unterstützung eingefordert. Hintergrund sind Berichte, wonach EU-Unterstützung benötigt wird und zugleich Kritik an Unternehmen in der EU geübt wurde, die nach Darstellung Kiews weiterhin für Russland arbeiten. Selenskyj selbst äußerte sich zur Anklage im Fall der Sprengung der Nord-Stream-Pipelines nicht im Detail.
Die jüngsten Angriffe sind Teil eines eskalierenden Musters, das Kiew bereits seit Monaten beobachtet. Mit Blick auf die nun gemeldete Welle erklärte Selenskyj, er werde nach der Pressekonferenz in Dublin schnell in die Ukraine zurückkehren. Die Lage in den betroffenen Städten Saporischschja, Pawlohrad, Sumy und Charkiw blieb am Morgen des 2. Juli laut Berichten unübersichtlich.
Internationale Beobachterinnen und Beobachter werten die Angriffe als deutliche Zuspitzung. Auch wenn sich einzelne Berichte nicht unabhängig verifizieren ließen, zeichnen die Schilderungen von "The Kyiv Independent", den Angaben des Bürgermeisters und die Aussagen des Präsidenten ein in sich konsistentes Bild einer koordinierten Großoffensive gegen mehrere ukrainische Großstädte in einer einzigen Nacht.
Fragen & Antworten
Welche Städte in der Ukraine waren von den Angriffen am 2. Juli 2026 betroffen?
Berichten zufolge schlugen Explosionen in Kiew, Saporischschja, Pawlohrad, Sumy und Charkiw ein, wobei die Hauptstadt besonders schwer getroffen wurde.
Wie viele Opfer werden aus Kiew gemeldet?
Nach Behördenangaben gab es in Kiew mindestens acht Tote und 34 Verletzte; zudem geriet das Dach eines Hotels am Schewtschenko-Boulevard in Brand.
Was sagt der CSIS-Bericht über die Gesamtzahl der Verluste seit Kriegsbeginn?
Das CSIS beziffert die Gesamtzahl der getöteten, verletzten oder vermissten Soldaten seit Februar 2022 auf rund zwei Millionen, davon 1,4 Millionen auf russischer Seite, und sieht das Verhältnis russischer zu ukrainischen Verlusten im ersten Halbjahr 2026 bei schätzungsweise 8:1.
Russland greift Ukraine mit Dutzenden Raketen an: Kiew | nachrichten360