US-Botschaft warnte vor Großangriff: Kiew unter massivem Raketenbeschuss
Kiew, 23. Mai 2026
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Kurzfassung
Nach einer dringenden Warnung der US-Botschaft vor einem möglichen russischen Großangriff ist Kiew in der Nacht zum Samstag zum Ziel schwerer Luftangriffe geworden. Mindestens ein Mensch starb, viele wurden verletzt und zahlreiche Gebäude beschädigt.
Nach einer dringenden Warnung der US-Botschaft vor einem bedeutenden Luftangriff innerhalb von 24 Stunden wurde Kiew in der Nacht zum Samstag zum Ziel eines massiven Angriffs mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen.
Kurz vor den Angriffen hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, ukrainische Geheimdienste hätten Daten von Partnern in Europa und den USA erhalten, die darauf hindeuteten, dass Russland einen Angriff mit seiner neuen Oreschnik-Rakete vorbereite.
Die US-Botschaft in Kiew warnte explizit, dass "jederzeit innerhalb der kommenden 24 Stunden ein möglicherweise bedeutsamer Luftangriff erfolgen" könne. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, während des Luftalarms unbedingt Schutzräume aufzusuchen.
Die Oreschnik-Rakete ist eine nuklearfähige Mittelstreckenrakete, die Geschwindigkeiten von über 12.000 Kilometern pro Stunde erreichen kann und Ziele in einer Entfernung von 3.000 bis 5.500 Kilometern treffen kann. Russland hat die Waffe bereits zweimal im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt – einmal in der Stadt Dnipro und zuletzt im Januar in der Westukraine.
Hintergrund zur Oreschnik-Rakete
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte Region Luhansk in der Nacht zum Freitag mit Vergeltung gedroht. Die Ukraine bestreitet einen gezielten Angriff auf Zivilisten und erklärte, das Ziel sei eine Drohneneinheit der russischen Armee in der Region Starobilsk gewesen.
In der Nacht zum Samstag griff Russland Kiew dann tatsächlich mit Drohnen und Raketen an. Der Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, teilte auf Telegram mit, Kiew sei "das Ziel eines massiven Angriffs mit ballistischen Raketen" gewesen.
Massiver Angriff auf Kiew
Nach vorläufigen Informationen wurden mindestens vier Orte in der Hauptstadt von den Einschlägen getroffen. Es gibt Berichte über Brände und Schäden an Wohngebäuden. Bürgermeister Vitali Klitschko meldete einen Toten und mindestens neun Verletzte, später korrigierte die Militärverwaltung auf mindestens 20 Verletzte.
In einem Statement des Chefs der Kiewer Regionalverwaltung, Mykola Kalaschnyk, hieß es: "Heute Nacht hat die Region Kiew einmal mehr einen Großangriff des Feindes mit Kampfdrohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen erlitten." Aus jedem Stadtbezirk wurden Schäden gemeldet.
Im Schewtschenkiwskyj-Bezirk geriet eine Schule nach einem Treffer in Brand. In einem Geschäftszentrum brach ebenfalls ein Feuer aus, wodurch Menschen in einem Schutzraum eingeschlossen wurden. Rettungskräfte waren im gesamten Stadtgebiet im Einsatz.
Nach Angaben der Kiewer Militärverwaltung wurden mehr als 40 Örtlichkeiten in der Hauptstadt beschädigt. Bürgermeister Klitschko berichtete, dass Rettungskräfte auch in den Stadtteil Podilskyj im Nordwesten gerufen wurden, da Trümmer außerhalb von Wohnvierteln niedergingen.
Schäden und Opfer in der Hauptstadt
Auch andere Teile der Ukraine wurden in dieser Nacht angegriffen. Das polnische Militär teilte auf X mit, die Luftabwehr sei in Alarmbereitschaft versetzt und Kampfflugzeuge seien aufgestiegen, um auf die russischen Angriffe in der benachbarten Ukraine zu reagieren.
Im Vorfeld der Angriffe hatten die ukrainischen Luftstreitkräfte auf Telegram vor dem möglichen Einsatz einer russischen Oreschnik-Mittelstreckenrakete gewarnt. Ob eine solche Rakete tatsächlich abgefeuert wurde, blieb zunächst unklar.
Russland hat die Oreschnik-Rakete im August in Serienproduktion genommen und Mitte Dezember im verbündeten Belarus stationiert. Sie gilt als besonders schwer abfangbar und erhöht die Bedrohung für die Ukraine erheblich.
Regionale und internationale Reaktionen
Präsident Selenskyj hatte vor einem kombinierten russischen Angriff mit verschiedenen Waffentypen gewarnt und die Bürger eindringlich gebeten, bei Luftalarm Schutzräume aufzusuchen. Er betonte zugleich, dass die Ukraine zuletzt territoriale Gewinne erzielt habe – so groß wie der Kanton Glarus – und von Verbündeten als gestärkt angesehen werde.
Während der Angriffe auf Kiew gab es auch Meldungen über Gegenschläge. In der russischen Schwarzmeermetropole Noworossijsk setzte ein ukrainischer Drohnenangriff nach Behördenangaben ein Öllager in Brand. Der Hafen, über den etwa ein Fünftel der russischen Rohölausfuhren per Seeweg abgewickelt wird, wurde mehrfach attackiert.
Zwei Menschen wurden bei dem Brand im Hafen von Noworossijsk verletzt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht insgesamt 348 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört zu haben.
Zuvor hatte die Ukraine mit einem Drohnenangriff auf die von Russland besetzte Stadt Starobilsk in der Region Luhansk einen Treffer in einem technischen College mit Studentenwohnheim erzielt. Nach russischen Angaben starben dabei mindestens 18 Menschen, überwiegend junge Frauen, 42 weitere wurden verletzt.
Gegenseitige Vorwürfe und Drohungen
Das russische Außenministerium drohte den Verantwortlichen mit unausweichlicher und harter Bestrafung. Der ukrainische Präsident wies zurück, dass es sich um einen gezielten Angriff auf Zivileinrichtungen gehandelt habe; das Ziel sei eine militärische Drohneneinheit gewesen.
Die Vereinten Nationen verurteilten den Angriff auf das Wohnheim in Luhansk. Auch die nordischen Länder verurteilten die jüngsten russischen Drohungen nach einem separaten Drohnenzwischenfall.
Russland führt seit mehr als vier Jahren Luftangriffe auf die Ukraine aus, die Ukraine antwortet mit Gegenschlägen auf russisches Territorium, insbesondere gegen die Öl- und Energieinfrastruktur. Die Verhandlungen über ein Ende der Kampfhandlungen liegen derzeit auf Eis.
US-Botschaft warnte vor Großangriff: Kiew massiv beschossen | nachrichten360