Genf, 16 Juni 2026
Das Rote Kreuz warnt, dass der seit Monaten andauernde Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo noch bis zu einem Jahr andauern könnte und der Höhepunkt der Krise noch bevorsteht.
Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo ist nach Einschätzung des Roten Kreuzes noch nicht überwunden. Bruno Michon, der im Auftrag der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) in Bunia im Einsatz ist, sagte am Dienstag in Genf vor Journalisten: „Wir fürchten, dass es ein Jahr dauern kann, bis der Ausbruch beendet ist.“
Vertrauenskrise behindert die Eindämmung
Michon betonte zudem, dass der Scheitelpunkt der Epidemie noch ausstehe. „Der Höhepunkt liegt noch vor uns, nicht hinter uns“, warnte der Helfer. Nach seinen Angaben gestaltet sich die Eindämmung des Ausbruchs schwierig, weil das Vertrauen der Bevölkerung in die Helfer schwer beschädigt sei.
Laut Michon erfordert der Aufbau von Vertrauen vor allem Ehrlichkeit, Geduld und Bescheidenheit: „Vertrauen aufzubauen braucht Zeit. Es erfordert Ehrlichkeit, Geduld und Bescheidenheit. Doch in dieser Pandemie ist das keine Option. Es rettet Leben.“ Die Bemühungen der Hilfsorganisationen stießen in den betroffenen Gebieten auf teils erhebliche Vorbehalte.
So glaubten Teile der Bevölkerung, dass die Krankheit erfunden worden sei, um mehr ausländische Hilfsgelder ins Land zu ziehen. Andere wiederum werteten die unter besonderen Schutzmaßnahmen durchgeführten Bestattungen als Angriff auf ihre kulturellen und traditionellen Bräuche und nicht als Schutzmaßnahme für die Familien.
Mehr als 800 Fälle der Variante Bundibugyo
Nach Angaben der kongolesischen Gesundheitsbehörden wurden bislang mehr als 780 Fälle der lebensbedrohlichen Krankheit im Labor bestätigt. Regierungsdaten zufolge liegt die Zahl der gemeldeten Fälle der seltenen Ebola-Variante Bundibugyo sogar bei über 800. 192 Erkrankte sind demnach bereits gestorben.
Ein zentrales Problem bleibt die Nachverfolgung von Kontaktpersonen. Zehntausende Kontakte von Infizierten konnten nach Angaben des Roten Kreuzes noch nicht ausfindig gemacht werden. Damit fehlt den Helfern ein entscheidendes Instrument, um Infektionsketten zu unterbrechen und die Ausbreitung einzudämmen.
Bestattungen unter Schutzmaßnahmen
Das Rote Kreuz organisiert im Seuchengebiet unter anderem sichere Bestattungen. Hintergrund ist, dass das Ebola-Virus auch von Leichen übertragen werden kann. Um Familien den Abschied zu erleichtern und zugleich Infektionsrisiken zu senken, verwendet die Organisation nach eigenen Angaben inzwischen Leichensäcke mit einem durchsichtigen Kunststofffenster, durch das das Gesicht des Verstorbenen zu sehen ist.
Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union warnte unterdessen, der aktuelle Ausbruch könne sich zum schlimmsten aller bisherigen Ebola-Ausbrüche entwickeln. Einen zugelassenen Impfstoff oder eine nachgewiesene Therapie speziell gegen den Bundibugyo-Stamm gibt es nach derzeitigem Stand nicht. Über den Ausbruch im Kongo berichtete am Dienstag (16. Juni 2026) der Deutschlandfunk unter Berufung auf den Nachrichtendienst dpa.
