In der Demokratischen Republik Kongo ist die Zahl der Ebola-Verdachtsfälle auf über 900 gestiegen, während gleichzeitig neue Fälle im benachbarten Uganda bestätigt wurden.
Laut Angaben der kongolesischen Regierung vom Sonntagabend sind seit Beginn des Ausbruchs 204 Menschen gestorben, ein sprunghafter Anstieg gegenüber dem Vortag. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte am Montag mehr als 900 Verdachtsfälle insgesamt.
91 Infektionen wurden im Labor bestätigt, von denen zehn tödlich verliefen. Die ugandischen Gesundheitsbehörden meldeten am Montag zwei neue Ebola-Fälle, die mit dem Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) in Verbindung stehen. Damit steigt die Zahl der bestätigten Fälle in Uganda auf sieben. Uganda veröffentlicht keine Zahlen zu Verdachtsfällen.
Ein seltener Virustyp und fehlende Impfstoffe
Der aktuelle Ausbruch wird durch den seltenen Bundibugyo-Virustyp verursacht, für den es weder einen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gibt. Anders als das Coronavirus wird Ebola nicht über die Luft, sondern durch engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen.
Die WHO schätzt das Infektionsrisiko in der DRC als sehr hoch, in der Region als hoch und global als niedrig ein. In Deutschland wird derzeit ein US-Bürger in der Berliner Charité behandelt, der sich in der DRC mit Ebola infiziert hatte. Die Charité beschrieb seinen Zustand zuletzt als sehr geschwächt, aber nicht kritisch.
Die betroffene Region im Osten der DRC ist von bewaffneten Konflikten und großen Flüchtlingsbewegungen geprägt. Hilfskräfte können in der tropischen Hitze Zentralafrikas in Schutzanzügen meist nur eine Stunde am Stück arbeiten, um Kreislaufprobleme zu vermeiden.
Gewalt und Misstrauen erschweren die Bekämpfung
Mehrfach kam es zu Gewaltausbrüchen: Behandlungszelte wurden in Brand gesetzt, und Angehörige forderten die Freigabe der Leichen Verstorbener für traditionelle Bestattungen. In der kongolesischen Gesellschaft spielen der Abschied am offenen Sarg und Totenwachen eine große Rolle, doch verstorbene Ebola-Opfer gelten als hoch ansteckend und müssen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen beerdigt werden.
Der ugandische Präsident Yoweri Museveni rief die Bevölkerung dazu auf, auf Händeschütteln zu verzichten, und kündigte an, dass bevorstehende Pilgerfeste verschoben werden. Am Wochenende trafen sich die Gesundheitsminister der Region in der ugandischen Hauptstadt Kampala, um eine koordinierte Reaktion zu besprechen.
Regionale und internationale Reaktionen
Die ersten Fälle wurden erst Mitte Mai bestätigt, nachdem der Ausbruch wochenlang unentdeckt geblieben war. Das zuständige Labor in Bunia nahe der ugandischen Grenze konnte den Bundibugyo-Stamm zunächst nicht nachweisen. Erst bei der Untersuchung von Proben in einem Labor in Kinshasa wurde der Virustyp identifiziert.
Kurz nach der Bestätigung rief die WHO eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite aus. Die Bekämpfung wird zusätzlich durch die Sicherheitslage und die tief verwurzelten Trauerrituale behindert, die das Risiko einer Weiterverbreitung erhöhen.
