Göteborg, 26 Juni 2026
Die Elektroautomarke Polestar, die vom chinesischen Geely-Konzern kontrolliert wird, darf ab dem Modelljahr 2027 in den USA keine neuen Fahrzeuge mehr verkaufen, weil das US-Handelsministerium keine Ausnahmegenehmigung von der Connected Vehicle Rule erteilte.
Polestar bestätigte den Ausstieg aus dem US-Markt, nachdem die US-Regierung das Unternehmen nicht von dem Verbot vernetzter Fahrzeuge mit China-Bezug ausgenommen hatte. „Grund ist eine Entscheidung des US-Handelsministeriums, dem Unternehmen keine Genehmigung nach der sogenannten Connected Vehicle Rule zu erteilen, wie Polestar mitteilte.
Das Verbot ist Teil der sogenannten Connected Vehicle Rule, die den Import und Verkauf vernetzter Fahrzeuge und Fahrzeugtechnik mit Bezug zu China oder Russland einschränkt. Die US-Regierung begründet dies mit Risiken für die nationale Sicherheit, etwa beim Zugriff auf Fahrzeugdaten oder vernetzte Systeme.
Hintergrund: Die Connected Vehicle Rule
Auswirkungen auf bereits importierte Fahrzeuge
Folgen für Polestar und den US-Markt
Die Entscheidung trifft Polestar in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld. Schon jetzt konzentriert sich das Unternehmen überwiegend auf Europa und andere Regionen. Nach Unternehmensangaben stammen etwa 80 Prozent der Verkäufe aus Europa, im ersten Quartal 2026 kamen sogar 94 Prozent der Verkäufe aus Märkten außerhalb der USA.
Polestar kündigte an, sich künftig stärker auf Europa zu konzentrieren. Damit reagiert das Unternehmen direkt auf den entfallenen US-Markt und sucht sein Wachstum in einer Region, in der die Marke bereits stark aufgestellt ist. „Polestar will sich nun stärker auf Europa konzentrieren.
Ausnahmen und Vergleich mit Volvo
Bereits vorhandene Bestände der Modelle Polestar 3 und Polestar 4 sollen in den USA weiter verkauft werden. Das verschafft dem Unternehmen eine Übergangsphase, in der bestehende Lagerbestände noch abgebaut werden können, bevor das vollständige Verbot greift.
Ab dem Modelljahr 2030 weitet die US-Regierung das Verbot auf Importe einschlägiger Hardware für Fahrzeugvernetzung aus. Damit sind im Wesentlichen Ersatzteile für vernetzte Fahrzeugsysteme betroffen, was die langfristige Wartung und den Service in den USA weiter erschwert.
Internationale Handelskonflikte mit China
Volvo, die Schwesterfirma von Polestar innerhalb des Geely-Konzerns, hat hingegen eine Ausnahmegenehmigung erhalten und kann ihre Modelle weiterhin in den USA anbieten. Der Unterschied liegt im jeweiligen China-Bezug der Marken und in den Anteilen chinesischer Komponenten, die in den Fahrzeugen verbaut sind.
Polestar ist an der US-Börse Nasdaq notiert, der Hauptsitz des Unternehmens liegt allerdings im schwedischen Göteborg. Damit bleibt die Börsennotierung in den USA zwar bestehen, der Vertrieb neuer Fahrzeuge auf dem US-Markt endet jedoch mit dem Modelljahr 2027.
Die Entscheidung passt zu einer härteren Linie der USA gegenüber chinesischen Elektroautos und vernetzter Fahrzeugtechnik. Washington will solche Fahrzeuge und Komponenten wegen Sicherheitsbedenken stärker vom eigenen Markt fernhalten. Die EU hat ebenfalls Ausgleichszölle auf batterieelektrische Autos aus China verhängt, was die Debatte über den Umgang mit chinesischen Elektroauten auch in Europa weiter verschärft.
