Ford und Geely gründen Joint Venture für Werk im spanischen Almussafes
Madrid, 24. Juli 2026
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Kurzfassung
Ford und der chinesische Autobauer Geely haben ein Joint Venture für das Ford-Werk im spanischen Almussafes bei Valencia angekündigt. Ab dem ersten Halbjahr 2027 sollen dort ab 2028 fünf Fahrzeugmodelle beider Marken für den europäischen Markt produziert werden, darunter eine Europa-Version des Ford Bronco.
Der US-Autobauer Ford und der chinesische Geely-Konzern haben ein weitreichendes Joint Venture für das Werk im spanischen Almussafes bei Valencia angekündigt, in dem ab 2028 fünf Modelle beider Marken für den europäischen Markt gebaut werden sollen.
Bei dem Vorhaben, das bereits am Vortag von der spanischen Zeitung ABC unter Berufung auf Insider gemeldet worden war, hält Ford 66 Prozent an der neuen Gesellschaft, Geely Auto die verbleibenden 34 Prozent. „Ford soll dabei 66 Prozent an der neuen Gesellschaft halten, Geely Auto die verbleibenden 34 Prozent", hieß es in dem Bericht. Sowohl Ford als auch Geely äußerten sich zunächst nicht zu dem Bericht.
Der operative Start des Joint Ventures ist nach Angaben der Unternehmen für das erste Halbjahr 2027 geplant, vorbehaltlich noch ausstehender kartellrechtlicher Freigaben auf EU- und nationaler Ebene und anderer Formalitäten. „Der operative Start des Joint Ventures ist für das erste Halbjahr 2027 geplant". Die offizielle Ankündigung der Vereinbarung wurde für den Tag der Veröffentlichung erwartet. Laut Branchenberichten wollte Spaniens Premierminister Pedro Sánchez den Deal im Werk in Valencia persönlich ankündigen.
Joint Venture mit Mehrheitsanteil für Ford
Das Werk Almussafes verfügt laut Ford über eine Jahreskapazität von rund 500.000 Fahrzeugen und war einst Fords größte Fabrik außerhalb der USA. Allerdings ist die Anlage nach Branchenberichten derzeit zu weniger als einem Viertel ausgelastet. Teile der Anlage, darunter mindestens ein Montageband, stehen seit Längerem still. Derzeit wird dort nur das Ford-Modell Kuga gebaut. „Das Werk ist auf dem absteigenden Ast, vor zehn Jahren waren es etwa doppelt so viele Beschäftigte", heißt es in dem Bericht. Rund 4.000 Menschen arbeiten aktuell bei Ford in Valencia.
Mit der Gründung des Joint Ventures werden Werk und Belegschaft der neuen Gesellschaft zugeordnet. Konkrete Zahlen zu gesicherten oder neu entstehenden Arbeitsplätzen nannten die Unternehmen nicht, sie sprechen lediglich von „Potenzial für künftiges Wachstum hochqualifizierter Arbeitsplätze". Geely erklärte, durch die Zusammenarbeit solle die operative Exzellenz gestärkt und „langfristige Stabilität und Beschäftigungsmöglichkeiten für die erstklassige Automobilbelegschaft in Valencia" gesichert werden.
Auslastung des Werks und Beschäftigung
Ford plant zwei neue Modelle außer dem Ford Kuga: eine Europa-Variante des Geländewagens Ford Bronco sowie ein neuer Crossover-SUV. Außerdem möchten Ford und Geely gemeinsam ein „Crossover"-Hybridmodell entwickeln, das auf der Plattform von Geely basiert und 2028 als Ford-Auto auf den Markt kommen soll. Ford kündigt in dem Zusammenhang eine „Produktoffensive" mit fünf neuen Multi-Energy-Pkw für Europa bis 2029 an. „Die Produktion der neuen Modelle soll dann 2028 parallel zur laufenden Produktion des Ford Kuga hochgefahren werden".
Ab 2028 sollen dort im Rahmen eines Joint Ventures fünf Fahrzeugmodelle beider Marken für den europäischen Markt gebaut werden, „eine neue Generation emissionsarmer und emissionsfreier Fahrzeuge für den europäischen Markt produzieren", wie es in der gemeinsamen Erklärung heißt. Die Kooperation umfasst „Multi-Energy-Fahrzeuge", also Elektroautos, Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range-Extender. Geely wiederum möchte in Valencia zwei Elektro-Geländewagen herstellen, womit die Chinesen erstmals in Spanien produzieren würden.
Fahrzeugpalette bis 2029
Laut Geely-Senior-Vizepräsident Victor Yang handelt es sich beim ersten Modell um den EX5, der bereits in Europa verkauft wird. Das zweite Fahrzeug befindet sich noch in der Entwicklung. Geplant sind drei Ford-Modelle sowie zwei Elektromodelle der Marke Geely, darunter laut Bericht auch das Modell EX2. Welche konkrete Plattform dem gemeinsam entwickelten Crossover zugrunde liegt, haben die Unternehmen bislang nicht mitgeteilt. Der Crossover soll laut Reuters gemeinsam von Ford und Geely entwickelt und in mehreren Antriebsvarianten angeboten werden – batterieelektrisch (BEV), als Plug-in-Hybrid (PHEV) und als Extended-Range-Elektrofahrzeug mit Reichweitenverlängerer.
Die Aufteilung der Geschäftsbereiche ist klar geregelt: Bei Produktion und Entwicklung des Crossover-Modells arbeiten beide Konzerne zusammen, in Vertrieb und Markenführung gehen sie hingegen getrennte Wege. „Der Autobauer Ford plant eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Volvo-Cars-Mutterkonzern Geely, um sein Werk in Valencia besser auszulasten und Kosten zu senken". „Ford wiederum kann durch die gemeinsame Nutzung der Fabrikinfrastruktur Fixkosten senken", heißt es weiter.
„Gemeinsam können wir ein erstklassiges Werk mit hervorragenden Mitarbeitern voll auslasten und den neuen Kostenmaßstab der Branche erfüllen", sagte Jim Baumbick, Chef von Ford Europa. „Diese Partnerschaft zeigt, wie Automobilhersteller die industrielle Basis Europas stärken, aber wir können das nicht alleine schaffen", ergänzte er. Baumbick wies zugleich Befürchtungen zurück, dass die Valencia-Kooperation Auswirkungen auf den Kölner Standort habe. Die in Köln gefertigten Elektromodelle bezeichnete er als „ein entscheidender Teil unseres Portfolios".
Marktposition und Wettbewerb in Europa
Allerdings steht Ford in Europa unter Druck: Im ersten Halbjahr wurden in Europa rund 192.000 Autos von Ford neu zugelassen und damit rund 35.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Fords Marktanteil lag nach Angaben des europäischen Autohersteller-Verbandes ACEA bei 2,7 Prozent und damit 0,6 Prozentpunkte niedriger als ein Jahr zuvor. Damit rangiert Ford hinter Geely, das im ersten Halbjahr 2026 auf einen Marktanteil von 3,1 Prozent kam und rund 225.000 neu zugelassene Autos in Europa verzeichnete – 0,1 Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum. Geely kommt in dem Konzern-Ranking hinter Mercedes auf Platz 8 in Europa.
Mit BYD ist ein weiterer chinesischer Autohersteller in dem Ranking direkt hinter Ford, auch diese Firma verkauft in Europa deutlich mehr Fahrzeuge als zuvor. „Chinesische Autohersteller vertiefen ihren Vorstoß nach Europa, indem sie die Überkapazitäten internationaler Marken nutzen", heißt es in dem Bericht. Geely hat bereits Partnerschaften mit anderen ausländischen Herstellern wie Renault geschlossen, um schnelleren Zugang zu ausländischen Märkten zu erhalten.
Geelys Einstieg in den EU-Markt
Für Geely bedeutet die Vereinbarung mehr als nur einen zusätzlichen Standort: Das Joint Venture gibt dem chinesischen Konzern erstmals eine eigene Produktionsstätte innerhalb der EU. „Der chinesische Konzern möchte mit der Zusammenarbeit seine Expansion in Europa beschleunigen". Damit erhält der Konzern direkten Zugang zum europäischen Markt und kann mögliche EU-Zölle auf aus China importierte Elektrofahrzeuge umgehen – Fahrzeuge aus dem Werk Almussafes gelten als in der EU produziert.
„Der Schritt spiegelt die Dringlichkeit für chinesische Autobauer wider, außerhalb des überfüllten heimischen Marktes nach Wachstum zu suchen", sagte ein Auto-Analyst bei Macquarie Capital. „Autos in Europa für Europa bauen, gemeinsam mit einem vertrauenswürdigen Partner", begründete Alex Nan, Vize-Präsident der Geely Auto Group, das Engagement.
Geely ist auch bekannt durch den Kleinwagen Smart, der je zur Hälfte Geely und Mercedes gehört. Zu Geely gehören unter anderem die in Europa bekannten Marken Volvo, Polestar und Lotus. Geely kündigte die Partnerschaft am Donnerstag in einer Erklärung an.
Ausblick auf den Kölner Standort
Während die Zukunft des Valencia-Werks mit dem Joint Venture auf neue Beine gestellt wird, bleibt die Lage am Kölner Standort angespannt: Ende des vergangenen Jahrzehnts waren es noch rund 20.000 Beschäftigte. 2027 könnte Ford in Köln weniger als 8000 Beschäftigte haben. Fords Europageschäft steht unter Druck, die Kölner Elektromodelle Explorer und Capri verkaufen sich insgesamt unter den Erwartungen. Fords US-Mutter hat Milliarden in das Kölner Werk investiert, um es für das Elektroauto-Zeitalter aufzustellen.
„Ford verkauft Teil von Werk an chinesischen Rivalen Geely", lautete die Ausgangsmeldung. Mit dem Schritt sichert sich Geely eine Produktionsbasis innerhalb der Europäischen Union und Ford zugleich einen verbündeten Partner zur Senkung seiner Fixkosten. Beide Seiten präsentieren den Deal als industriepolitisches Signal: „Diese Partnerschaft zeigt, wie Automobilhersteller die industrielle Basis Europas stärken".
Fragen & Antworten
Wer hält welche Anteile an dem Joint Venture in Valencia?
Ford hält 66 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen für das Werk in Almussafes, Geely Auto die übrigen 34 Prozent.
Welche Fahrzeuge sollen ab 2028 in Valencia produziert werden?
Geplant sind fünf Modelle, darunter eine Europa-Version des Ford Bronco, ein gemeinsam entwickeltes Crossover-Hybridmodell sowie zwei Elektro-SUV von Geely, unter anderem der EX5.
Warum ist das Joint Venture für Geely strategisch wichtig?
Geely erhält damit erstmals eine eigene Produktionsstätte innerhalb der EU, kann schneller auf dem europäischen Markt wachsen und mögliche EU-Zölle auf aus China importierte Elektroautos umgehen.
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