Pannenserie am Lincoln Memorial: Farbe löst sich im frisch renovierten Washingtoner Reflecting Pool
Washington, 23. Juni 2026
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Kurzfassung
Weniger als zwei Wochen nach dem angeblichen Abschluss der Renovierung des Lincoln Memorial Reflecting Pool löst sich die frische Bodenfarbe und verteilt sich im algengrünen Wasser. Die Regierung spricht von Vandalismus, Experten sehen ein bekanntes Phänomen bei neu angelegten flachen Gewässern.
Im frisch renovierten Lincoln Memorial Reflecting Pool in Washington hat sich am Donnerstag vergangener Woche die neue Bodenfarbe vom Grund gelöst und ist in das algengrüne Wasser verteilt worden – weniger als zwei Wochen, nachdem US-Präsident Donald Trump die Fertigstellung der millionenschweren Arbeiten verkündet hatte.
Was am Reflecting Pool passiert ist
Am Donnerstag blätterte die frische Farbe vom Grund ab und verteilte sich im algenfarbenen Wasser - weniger als zwei Wochen, nachdem Trump die Fertigstellung der Arbeiten verkündet hatte. Das bestätigten am Wochenende mehrere US-Medien, darunter die Washington Post, CNN und ABC News. Der Schaden war laut Berichten auch für Passanten sichtbar. Weniger als zwei Wochen nach der verkündeten Fertigstellung der Renovierung des Reflecting Pool am Lincoln Memorial blättert dort bereits die frische Farbe ab. Die Farbpartikel verteilten sich im Wasser des historischen Beckens.
Bereits zuvor hatte eine unerwartete Algenblüte für Probleme gesorgt und das Wasser grün statt dunkelblau gefärbt. Am Donnerstagmorgen war ein Großteil des Beckens, insbesondere in der Mitte, weiterhin leuchtend grün. Das Reflecting Pool ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der US-Hauptstadt und liegt zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument.
Hintergrund: Trumps Umbaupläne für Washington
Die Renovierung war Teil von Trumps umfassenden Plänen zur Umgestaltung der US-Hauptstadt. Das Becken war zuvor trockengelegt und neu gestaltet worden, der zuvor graue Boden wurde nach Trumps Wunsch in "American flag blue" gestrichen. Bei der Wiederbefüllung am 4. Juni erklärte das Weiße Haus, Washington sehe "besser aus denn je". Am 6. Juni verkündete der US-Präsident, dass die Arbeiten abgeschlossen seien.
Die Regierung begründete den Auftrag mit Zeitdruck vor den Feiern zum 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit am 4. Juli 2026. Der Vertrag für die Renovierung wurde im Rahmen eines 14,7 Millionen Dollar schweren Auftrags ohne Ausschreibung vergeben. Nach Presseberichten beliefen sich die tatsächlichen Kosten auf 14,2 Millionen US-Dollar (rund zwölf Millionen Euro) – fast das Zehnfache des Betrags, den Trump ursprünglich genannt hatte.
Vergabe ohne Ausschreibung und Kosten
Trump selbst erklärte über Truth Social, der betroffene Bereich sei "glücklicherweise nur ein kleiner Schadensbereich" und solle Anfang der folgenden Woche repariert werden. Zugleich schrieb er die Schäden mutmaßlichem Vandalismus zu: "Der Bereich, der mutwillig beschädigt wurde, ist glücklicherweise nur ein kleiner Schadensbereich und wird Anfang nächster Woche repariert." Warum sich die Farbe genau löste, war zunächst unklar.
Trumps Erklärung: Vandalismus?
Fachleute sehen in dem Vorfall weniger Sabotage als vielmehr ein bekanntes technisches Phänomen. Steve Goodale, ein kanadischer Schwimmbadspezialist, der im Internet als "Swimming Pool Steve" bekannt ist, nannte das Phänomen "New Pond Syndrome". "It's called 'New Pond Syndrome,'" sagte er. Er verglich die Behandlung des Beckens mit einem "monumental effort" und beschrieb das Bauwerk eher als flachen künstlichen See als als typisches Schwimmbecken.
Fachliche Einschätzung: "New Pond Syndrome"
Das Becken misst etwa 600 Meter Länge und weist eine Oberfläche von rund 31.400 Quadratmetern auf. Es ist relativ flach und liegt in direkter Sonneneinstrahlung, was die Wassertemperatur im Sommer deutlich ansteigen lässt. Rosalina Stancheva Christova, Professorin für aquatische Ökologie an der George Mason University in Virginia, entnahm am Dienstag Wasserproben.
Christova identifizierte die Alge als zur Gattung Desmodesmus gehörend. Diese wachse zwar übermäßig, sei aber weder giftig noch schädlich. Sie erklärte, das Becken biete "excellent conditions" für Algenwachstum: flaches, stehendes Wasser, starke Sonneneinstrahlung und keinerlei Schatten. Die Störung des Beckens während der Renovierung beschleunige den Wachstumsprozess möglicherweise zusätzlich.
Gegenmaßnahmen der Behörden
Extreme Temperaturen in der vergangenen Woche hatten in Washington einen Hitzeindex von 95 Grad Fahrenheit und mehr gebracht, was die Algenbildung zusätzlich gefördert haben dürfte. Algenblüten sind im Reflecting Pool seit seiner Eröffnung im Jahr 1922 ein wiederkehrendes Problem – eine Sprecherin des Innenministeriums erklärte gegenüber NPR, Algen und andere Verunreinigungen hätten das Becken "long plagued".
Die Regierung reagierte mit mehreren Gegenmaßnahmen. Am Dienstag schütteten Arbeiter Wasserstoffperoxid in das Becken, nachdem ABC News darüber berichtet hatte. Das Innenministerium erklärte, Wasserstoffperoxid sei eine mildere Behandlung als Chlor und habe keine schädlichen Nebenwirkungen für Meereslebewesen oder die Umwelt. Die Trump-Regierung nutzt zudem sogenannte "high-tech nanobubble ozone technology", um Algen und andere Krankheitserreger zu neutralisieren – ein Verfahren, das laut Innenministerium von mehreren Universitäten und der NOAA validiert wurde.
Das Innenministerium erklärte am Mittwoch über X, die Nanobubble-Technologie habe die Algen "very effectively killed". Mitarbeiter des National Park Service würden mehrere Tage damit verbringen, die abgetöteten Algen abzusaugen. Die Regierung erklärte, die Algen stammten aus Rückständen in Versorgungsleitungen, die wochenlang stillgelegt gewesen seien.
Loay Hidmi, ein auf Wasseraufbereitung spezialisierter Bauingenieur und neuer Bewohner Washingtons, schätzte den Fortschritt der Algenreinigung auf etwa 80 Prozent. Christova empfahl, das Wasser wöchentlich zu überwachen, um das Algenwachstum zu kontrollieren. Ein neues Wasseraufbereitungssystem soll künftig verhindern, dass das Becken erneut von Algen befallen wird.
Die Weiße-Haus-Sprecherin Taylor Rogers erklärte gegenüber NPR: "Thanks to President Trump, new lining and industrial grade materials will permanently seal the Reflecting Pool, which previously leaked 16 million gallons per year and wasted countless taxpayer dollars." Damit verwies sie auf die zuvor bestehende Leckage, die jährlich etwa 60 Millionen Liter Wasser verschlang.
Doch das Reflecting Pool ist nicht das einzige Bauprojekt Trumps in Washington. Der US-Präsident ließ zudem den historischen Ostflügel des Weißen Hauses abreißen, um an dessen Stelle einen Ballsaal zu errichten. Außerdem plant er die Errichtung eines riesigen Triumphbogens, der fast dreimal so hoch werden soll wie das Brandenburger Tor in Berlin und anderthalb Mal so hoch wie der Arc de Triomphe in Paris.
Weitere Bauprojekte in der Hauptstadt
Die Entscheidung Trumps, den Pool renovieren zu lassen, hatte zuvor Diskussionen ausgelöst. Besonders die Entscheidung Trumps, dass der Pool renoviert werden müsse, hatte Diskussionen ausgelöst. Kritiker sehen in den Bauprojekten den Versuch, mehrere Orte in Washington umzugestalten, um ein Denkmal für ihn selbst zu schaffen.
Die aktuellen Probleme sind nicht die ersten nach einer Grundsanierung. Bereits nach der großen Renovierung im Jahr 2012 musste der National Park Service das Becken ablassen, neu befüllen und den Ozongehalt neu einstellen, weil sich Algen ausgebreitet hatten. 2019 pumpten Arbeiter vier Millionen Gallonen Wasser ab, um eine gebrochene Wasserleitung mit Algenbewuchs zu reparieren. Auch damals hatte sich nach früheren Eingriffen innerhalb weniger Wochen erneut Algen gebildet.
Fragen & Antworten
Warum löst sich die Farbe am Lincoln Memorial Reflecting Pool?
Die genaue Ursache war laut Berichten zunächst unklar. US-Präsident Donald Trump sprach von mutwilliger Beschädigung, Fachleute wie der kanadische Spezialist Steve Goodale sehen darin ein typisches Phänomen neu angelegter flacher Gewässer ("New Pond Syndrome").
Was kostete die Renovierung des Reflecting Pool?
Der Auftrag wurde ohne öffentliche Ausschreibung vergeben und belief sich nach Regierungsangaben auf 14,7 Millionen US-Dollar. Presseberichte nennen tatsächliche Kosten von 14,2 Millionen US-Dollar – fast das Zehnfache des ursprünglich von Trump genannten Betrags.
Welche Maßnahmen ergreift die Regierung gegen die Algen im Pool?
Die National Park Service schüttete Wasserstoffperoxid ins Wasser und setzt nach Angaben des Innenministeriums Nanobubble-Ozon-Technologie ein. Mitarbeiter saugten die abgetöteten Algen ab, ein neues Wasseraufbereitungssystem soll künftige Algenbildung verhindern.
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