ÖVP und SPÖ blockieren geplantes Medienförderpaket im Streit um Gratiszeitungen
Wien, 02 Juli 2026
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Kurzfassung
Die österreichische Regierung kann ihr geplantes Medienförderpaket vorerst nicht auf den Weg bringen. ÖVP und SPÖ streiten über die Frage, ob auch Gratiszeitungen aus den neuen Fördertöpfen Mittel erhalten sollen. Ohne Einigung droht eine EU-Notifizierung, die das Verfahren weiter verzögert.
Wien, 02 Juli 2026
Das von der österreichischen Regierung für diesen Freitag geplante Paket von Medienförderungen ist wegen unterschiedlicher Positionen von ÖVP und SPÖ über Mittel für Gratiszeitungen vorerst blockiert.
Die Koalitionsparteien verhandeln seit Tagen über ein umfangreiches Förderpaket, das unter anderem eine neue Zustellförderung für Zeitungen, Mittel für die digitale Transformation sowie ein Programm zur Stärkung der Medienkompetenz vorsieht. Wie DER STANDARD aus mehreren Quellen erfuhr, wollte die Regierung das Paket am Freitag auf den Weg bringen. Daraus wurde vorerst nichts. „Morgen, Freitag, wollte die Regierung nach STANDARD-Informationen aus mehreren Quellen ein Paket von Medienförderungen auf den Weg bringen“, berichtete das Blatt. Anlass für den Stillstand ist die Frage, ob und in welcher Form künftig auch Gratisblätter von den Förderungen profitieren sollen.
Medienminister Andreas Babler (SPÖ) hatte zuletzt in Dokumenten, die der APA vorliegen, die Stoßrichtung des Pakets umrissen. „In Zeiten von Fake News, Falschinformationen, Krisen und Algorithmen müssen wir in qualitätsvolle und kritische Medien, in einen unabhängigen Journalismus investieren und für eine vielfältige und resiliente Medienlandschaft, die auch für den Medienkonsum der Zukunft gewappnet ist, einstehen“, wird Babler zitiert. Sein Haus plant unter anderem eine neue Zustellförderung im Umfang von 25 Millionen für Zeitungsunternehmen, zweimal 20 Millionen für eine Verlängerung der Digitaltransformationsförderung sowie eine Förderung für Medienkompetenz und Medienangebote für Junge im Umfang von zehn Millionen Euro.
Strittiger Punkt: Förderung für Gratiszeitungen
Aus der ÖVP heißt es, man sei „nach ersten, noch unbestätigten Informationen des STANDARD“ weiter in Gesprächen über die Ausgestaltung. Mediensprecher und Generalsekretär Nico Marchetti sagte auf APA-Anfrage: „Nach STANDARD-Informationen aus mehreren Quellen“ sei die ÖVP „noch in Gesprächen“ zur Förderung; dem Vernehmen nach gehe es unter anderem darum, ob auch Gratismedien berücksichtigt werden sollen. „Doch das Paket spießt sich nach STANDARD-Informationen an unterschiedlichen Positionen von ÖVP und SPÖ über Mittel für Gratiszeitungen“, hieß es. Die ÖVP habe dazu mehrere Vorschläge an die SPÖ übermittelt.
Aus dem Medienministerium hieß es, die Forderung der ÖVP nach Mitteln für Gratisblätter werde „nicht akzeptiert“. „Das Medienministerium soll diese Forderung nicht akzeptieren“, berichtete DER STANDARD. In der Vergangenheit war bereits von rechtlichen Bedenken die Rede; „In der Vergangenheit war von rechtlichen Bedenken die Rede, diese bezogen sich allerdings auf Mittel für Gratiszeitungen aus der neuen Zustellförderung, eine frühere ÖVP-Forderung“, so das Blatt. Dem Vernehmen nach will die ÖVP die Mittel offenbar in der Digitaltransformationsförderung verankern.
Zustellförderung und EU-Notifizierung
Die neue Zustellförderung, die pro Jahr 25 Millionen Euro umfassen soll, ist degressiv gestaffelt: 16 Cent pro Exemplar für die ersten jährlich neun Millionen gedruckten Stücke, 7 Cent bis 26 Millionen Exemplare und 1,6 Cent pro Exemplar darüber hinaus. Sie soll die Zustellung abonnierter Tages- und Wochenzeitungen in ganz Österreich, auch in entlegenen Regionen, sicherstellen. Ebenso braucht eine neue Zustellförderung für Zeitungen eine Genehmigung aus Brüssel, eine sogenannte Notifizierung. „Die EU prüft, ob die Förderungen mit den EU-Regeln für Wettbewerb und Binnenmarkt vereinbar sind“, erklärte DER STANDARD. Das Verfahren dürfte mehrere Monate dauern.
Die Förderung für digitale Transformation wurde für 2026 letztmalig dotiert, eine Verlängerung muss die EU-Kommission genehmigen. Künftig soll die Mindestbemessungsgrundlage auf 100 000 Euro gesenkt werden, um auch kleineren und nicht-kommerziellen Medienunternehmen den Zugang zu erleichtern. Der Fokus soll auf klar definierten, zukunftsrelevanten Digitalisierungsprojekten liegen, die Förderkriterien werden verschärft. Mittel sollen an die Verbreitung abonnierter Tages- und Wochenzeitungen fließen; Ausschlusskriterien orientieren sich am Qualitätsjournalismus-Fördergesetz.
Ausbau bei Medienkompetenz und Young Media
Im Bereich Medienkompetenz plant das Ministerium einen deutlichen Ausbau: Die im Qualitätsjournalismusgesetz reservierten Mittel sollen von derzeit 700 000 Euro auf 3 Millionen Euro ab 2027 steigen, im Rahmen des neuen Pakets sind sogar 10 Millionen Euro vorgesehen. Ab 2027 sollen zudem 7 Millionen Euro pro Jahr in einem wettbewerblichen Verfahren namens „Young Media“ an Medienunternehmen für qualitätsvolle journalistische Formate für junge Zielgruppen vergeben werden. Diese Formate sollen den jungen Zielgruppen kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Babler hatte im April im Medienhaus Wien eine in Auftrag gegebene Studie präsentiert, die als Grundlage für die Reform dienen soll.
Geplante Reform ab 2028
Vorgesehen ist zudem ein schrittweiser Umbau des Fördersystems ab 2028. Es soll künftig technologieneutral ausgestaltet sein und aus einer Basisförderung zur Sicherung journalistischer Arbeitsplätze sowie Unterstützung für Innovation, digitale Geschäftsmodelle, Start-ups und Medienkompetenz-Maßnahmen bestehen. Bestehende Förderstrukturen und Zuständigkeiten sollen in einem einheitlichen Gesamtsystem zusammengeführt werden, um Synergien und klare Verantwortlichkeiten zu schaffen. Die Abwicklung soll bei der Medienbehörde KommAustria liegen. „Förderentscheidungen sollen jedenfalls professionell, nachvollziehbar, transparent, unbeeinflusst und kollegial getroffen werden“, heißt es aus dem Ministerium. Reichen die verfügbaren Mittel nicht aus, ist eine lineare Kürzung aller Förderungen um denselben Prozentsatz geplant.
Voraussetzung für Förderungen sind redaktionelle Unabhängigkeit, die Einhaltung ethischer Richtlinien sowie die Erbringung journalistischer Leistungen im öffentlichen Interesse. Der STANDARD ersuchte das Medienministerium und die ÖVP um Stellungnahme, wir ergänzen diese bei Vorliegen. Aus Sicht der ÖVP, so ließ Marchetti durchblicken, hätte man sich längst einigen können.
Der vorläufige Stopp bedeutet, dass sowohl die geplante Zustellförderung als auch die Verlängerung der Digitaltransformationsförderung in Brüssel notifiziert werden müssen, bevor sie in Kraft treten können. Damit verzögert sich nicht nur der ursprünglich für Freitag vorgesehene Start, sondern auch der avisierte Zeitplan für die ab 2028 geplante umfassende Strukturreform. (Harald Fidler, 2.7.2026)
Fragen & Antworten
Warum ist das geplante Medienförderpaket blockiert?
Das Paket ist nach STANDARD-Informationen blockiert, weil sich ÖVP und SPÖ nicht darauf einigen können, ob auch Gratiszeitungen aus den neuen Fördertöpfen Mittel erhalten sollen.
Welche Summen sind im Medienförderpaket vorgesehen?
Geplant sind unter anderem 25 Millionen Euro für eine neue Zustellförderung, zweimal 20 Millionen Euro zur Verlängerung der Digitaltransformationsförderung sowie 10 Millionen Euro für Medienkompetenz und Angebote für Junge.
Welche Rolle spielt die EU-Kommission bei der Zustellförderung?
Eine neue Zustellförderung für Zeitungen muss bei der EU-Kommission notifiziert werden, die prüft, ob die Förderungen mit den EU-Regeln für Wettbewerb und Binnenmarkt vereinbar sind; das Verfahren dauert voraussichtlich mehrere Monate.
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